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si. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis:

i! ei LS er * as 50 PsS- monatlich, durch die Post S Mk. 5« Pfg. vierteljährlich für beide

Verlag: Langgasse 27 .

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Die einspaltige Petitzcile für lokale Anzeigen

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Aus dem englischen Parlament.

Unser Londoner n-Korrespondent schreibt unter dem 21. Februar:

Die gegenwärtige englische Regierung gleicht einem altersschwachen Erbonkel, auf dessen Ableben seine nichts weniger als zärtlichen Verwandten sehnsüchtig harren, um, wie der Engländer sagt, alsdann in seine Schuhe steigen zu können. Die Rolle der erblustigen Verwandten spielt in diesem Falle die liberale Partei, die gierig auf jedes neue Anzeichen des nahenden Endes lauert. Bis- her lieferten solche stets die gelegentlich zu Ungunsten der Unionisten ausgefallenen Wahlen, aber seit Beginn der Adreßdebatte hat man nun auch noch besondere Gelegen­heit, sich über die zunehmende Altersschwäche des Onkels zu freuen. Der Regierung, die einst bei den Abstinrmun- gen über Mehrheiten von 100 bis 150 Stimmen, ja sogar noch darüber zu verfügen vermochte, gelang es in den letzten Tagen nur mit verhältnismäßig kleinen Majori- taten dre verschiedenen Zusatzanträge zu der Adresse zurückzuweisen. Am Mittwoch verfügte sie nur über eine Mchrheit von 40, am Donnerstag betrug dieselbe 39, und gestern fiel sie auf 38. Wenn aber der Gefrierpunkt in der Politik wie auf dem in England gebräuchlichen Farenheitschen Thermometer 32 sein sollte, so geht die Regierung entschieden jetzt einer Krisis entgegen. Eine Majorität von 30 bis 40 ist ja zwar sehr stattlich, doch laßt sich nicht verkennen, daß mit einer Partei, die aus den letzten Wahlen im Jahre 1900 mit einer Übermacht von 134 Stimmen hervorging, irgend etwas nicht in Ordnung sein muß, wenn sie ihre Siege im Unterhause nur noch mit Hülfe einer Mehrheit von einigen dreißig Stimmen zu erringen vermag. Als sich die Gladstonesche Regierung durch die Session von 1893 mit einer Majori­tät von 40 hindurchkämpste, pflegte ihr die Torypresse stets vorzuhalten, daß sie nicht länger existenzberechtigt Ware und die öffentliche Meinung des Landes nicht wirk­lich vertrete. Nun, wo die eigene Partei sich in einer ungleich schlechteren Lage befindet, schweigt sie natürlich still, wrewohl es bei der täglichen Abnahme ihrer Majori­tät ganz unverkennbar ist, daß es sich nicht um eine zu- fällige Erscheinung, sondern um eine tiefe Verstemmung unter den Unionisten gegen das Ministerium handelt Be- zuglich der Ursachen lassen sich natürlich nur Dermutun- gen aufstellen. Mr. Chamberlain würde mit der ihm eigenen Bescheidenheit die Sache jedenfalls mit seiner Ab- Wesenheit in Südafrika erklären, und im Ministerium selber dürfte immer ein Minister die Schuld auf dm anderen zu schieben geneigt sein. Schließlich vermag aber we Adreßdebatte selbst jene Erscheinung zu erklären Wahrend derselben wurden drei wichtige soziale Fragen

erörtert, und von der Regierung in einer Weise behandelt, die wohl geeignet war, ihr selbst die blindesten unter ihren Anhängern zu entfrenrden. Dieselben betrafen die Zusammenhang mit dm unterm Volksschichten, die Arbeitslosen und die kommerzielle JJcoiaL <jN allen drei Fällm bewies die Thronrede, daß England gegenwärtig eine Regierung besitzt, deren An sichten und Haltung sich mst dmm der breiterm Volks- tlassen nicht vertragen. Jeder Unbefangene, deren es selbst in der Regierungspartei immerhin welche gibt, muß z. B. infolge bet vorgestrigen Erörterungen im Unter- hause zu der Überzeugung gekommen sein, daß es nicht die unvollkommene Gesetzgebung ist, welche es der Staats­anwaltschaft unmöglich macht, Mr. Whitaker Wright, dm ehemaligen Vorsitzenden der London und Globe Cowpo- ration, wegen des bekanirten ungeheueren Schwindels zu belangen, sondern daß die Regierung nur diesm Herrn, der sich ernst der Freundschaft des Königs erfrmte, ebenso wre die verschiedenen Mitglieder der hohm Aristokratie M iwschon wünscht, die dem Aufsichtsrat jener verkrachten Gesellschaft angehörten. Daß die Regierung mit diesen Herren sympathisiert, kann nicht überraschen, wenn man bedenkt, daß von 56 Mitgliedern des Ministeriums nicht weniger als 33. ungeachtet ihrer staatlichen Ämter, die Posten von 68 Direktoren und Aufsichtsratsmitgliedern m englischen Attiengesellschaftm bekleiden. Dabei ver- stehen dre meisten dieser Herren von den betresfendm Ge­schäften nicht das geringste, und ihre in dm Prospekten erschemendm Namen dienm nur dazu, das Publikum an­zulocken. Daß sie nicht geneigt sind, ihren Regierungs- amtern zu Liebe jme Postm aufzugebeir, überrascht bei der hohen Bezahlung, die sie erhaltm, nicht. Me Zeitm haben sich ebm geändert, und Mr. Balfour ist kein Gladstone, welcher bekanntlich seinen Kollegen im Ministerium stets die Bedingung stellte, ihre Beziehungen zu Aktiengesellschaften zu lösm, wmn es sich nicht gerade um einen Fall handelte, in dem nach der Natur der Sache ein nachteiliger Einfluß ausgeschlossen war.

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Paktor Wollmar und seine Schülerin.

Roman von Arthur Sewett.

(11. Fortsetzung.)

Sie blickte ihn einen Augenblick betroffm cm. nyy u , fagte sie dann ruhig, „du hast Recht. Es ist ein anderer, tnstigerer Grund."

„Und dieser andere und triftigere Grund?"

Gabriele zögerte. _ Erst als er in sie drang, sagte sie langsam: „Weil ich die Berührung mit diesem Mädchen furchte."

„Gabriele!" rief er außer sich. Die gewohnte Fassung hatte ihn jetzt verlassm. Er fühlte, wie ihm die Ader an Mr Sttrn anschwoll. Sie aber blieb bei seiner heißm Erregung ganz ruhig.

»Ja-, Fritz!" sagte sie traurig, und zum ersten Male kannte sie ihn bei seinem Vornamen. „Es tut mir leid, mr das sagm zu müssm, ivarum zwingst du mich dazu? Es giebt solch eine unbestimnchare Schm der Frau. Sie weiß nicht, weshalb: sie vermag sich keine Rechenschaft darüber zu gebm. Jnstinktmäßig meidet sie gewisse Be­rührungen. Und niemand kann ihr diese Furcht aus- reden. Selbst ein Beweis, daß sie Unrecht hat, würde s« nicht überzeugm. So geht es mir mit dieser Kunst­reiterin. Sie mag das bildungsfähigste Geschöpf sein, üh fürchte ihre Berührung. Und eins noch! Glaubst wr, daß deine Alntter meinm Verkehr mit deiner Schülerin gern sähe?"

Ter Doktor atmete tief, er antwortete aber nicht. Auch Gabriele sprach kein Wort weiter. —

Auf Fritz aber machte diese Unterredung eine uner- wartete Wirkung. Statt ihn irre zu machen auf der ein- rnal begonnenen Bahn, trieb sie ihn nur unr so rastloser wlf ihr weiter. Als er gleich nach dem Abendessen in sein Arbeitszimmer trat, empfand er, daß diese stolze Ab- weisiliig ihn inniger, als er je gedacht und gewollt, tendarisch fast, mit der verbimderi hatte, in derm Seele *5 sich so schmerzlich beleidigt fühlte. Mochten sie alle >

Deutscher Reichstag.

Berlin, 21. Februar.

Vor Eintritt in die Tagesordnung erteilt der Vize­präsident Graf Stolberg das Wort dem mecklenburgischen Bevollmächtigten v. O e r tz e n. Dieser führt aus, er sei gestern am Erscheinen dienstlich behindert gewesen erklärt aber ausdrücklich, daß er über Fragen, welche Nicht zur Kompetenz des Hauses gehören, aus jede Dis­kussion verzichte. Dies wäre gestern der Fall gewesen. — Sodann wird in die Fortsetzung der Etatsberatung, Etat des stattstischen Amtes, eingetreten. — Abg. Graf Kanitz bemängelt die Waren-Handelsstattsttk hinsicht­lich ihrer Wertzifferu. Die Einfuhr-Wertziffern seien rn der Stattstik weitau s zu hoch angegeben. Wünschcns-

sich von ihr wendm, mochteGabriele ihreBerührung fürch­ten, von jetzt ab würde er nur unr so treuer zu ihr stehm. ar öem Idealismus, der ihn zu der unermüdlichen Arbeit an der Hebung dieses Mädchens trieb, vereinte sich zetzt noch eine Bundesgenossin: der Ehrgeiz! Der Ge­sellschaft, seiner Mutter, vor allem aber der hochmütigen Gabriele wollte er beweisen, wie schmählich chr kleinlicher Argwohn sie getäuscht habe. Zu der Erkenntnis jeden- falte, von der sie vorhin gesprochen, würde er niemals kommen . Ein Kampf war es, den er führen wollte um dieses Mädchens Seele. Ter Feind aber, mit dem er sich m der Erregung seines Herzens in heiße Gegnerschaft hineinred che, war weder die Gesellschaft noch seine Mutter. ™ ^' einb ' beri er schlagen wollte und demütigen, hieß Gabriele. Wer würde siegen, er oder sie?

*

. Der Herbst hatte dem Winter Platz gemacht. Mit grimmigem Ernst war er schon im November auf den Plan getreten. Draußen pfiff ein scharfer Nordost und wirbelte die ersten Schneeflocken griesgrämig durch­einander. Ste aber kümmerten sich um seine schlechte Laune nicht, sie freuten sich ihres Daseins und tanzten langsam und behaglich zur Erde herab.

In seinem gut geheizten Arbeitszimmer saß Doktor Mollinar und erwartete seine Schülerin. Es war das Meite Mal, daß er mit ihr allein sein sollte, denn seine Mutter zwang eine Erkältung, der Stunde fern zu bleiben; lebhaft stand jene frühere vor seiner Seele da e§ ^ der unvergeßlichen Auseinandersetzung zwischen 'ihm und Miß Ellida gekommen war.

", Und auch heute sah er der kommenden Stunde nicht ohne ein gewisses Zagen entgegen. Fürchtete er das Alleinsein nnt seiner Schülerin? Er hatte nicht Zeit sich darüber Rechenschaft zil geben, denn in der Cßstube schlug die Uhr die vierte Stunde; sofort erklang auch da draußen das ..ewohiite energische Läuten mid Miß Ellida trat ein Schneeflocken lagen auf dem kiirzen Jacket, das für die heutige Witterung etwas leicht erschierr und schimmerten von der roten Hutfeder herab. Die zarten Hände in den engen grünen Glacehandschuhen waren erstarrt.

wert sei, daß seitens unserer Hanöelsstatistik auch Wert gelegt werden möge auf die Statistik anderer Staaten die mit der unseren zum Teil außerordentlich scharf kon­trastieren. So sei das vor allem der Fall bezüglich des Handelsverkehrs mit Rußland. Daß dem nachgegangen werde, liege auch in unserem Interesse wegen der bevor­stehenden Handelsvertrags-Verhandlungen. Redner ver­breitet sich noch über die Bevölkerungsstatistik, über die Bewegung und Verschiebung in Stadt und dem platten 5: Diese Verschiebungen seien sehr verschuldet durch die Wirtschafts-Politik. - Abg. Suedekum (Soz.) wünscht ebenfalls eine genaue Statistik und bemerkt werter, was die Abwanderung vom platten Lande an- lange, so spiele dabei hauptsächlich das psychologische Moment mit. Dre Leute fühlten sich in den Städten wohler als auf dem platten Lande. Die Regierung frage er, wre es nnt einer neuen Berufs- und Gewerbezablung rm Jahre 1805 stehe. Solche Zählungen seien das Rück­grat aller Sozialpolitik. Deshalb müßten sie alle zehn Met>erkehren. Redner bemängelt dann noch den Geschuftegang der der arbeiterstatistischen Abteilung des Aschen Amtes. — Sächsischer Bevollmächtigter Dr. V t f 4) e r widerspricht einer Äußerung des Vorredners. m^-»">.^^.?^oits-statistischen Beirat des statistischen Amtes dre Mitglieder des Bundesrats zu sehr das llber- gewicht hätten. — Abg. R ö s i ck e - Dessau ssrets. Volksp.) geht auf die Rede des Grafen Kanitz ein. Was dieser über dre Wert-Statistik gesagt, darauf überlasse er die Antwort der Regierung. Die Schleilderpreise unserer Kartelle, über die Gras Kanitz sich beklagt, seien die Folge unserer Schutzzoll-Politik. Graf Kanitz habe auch die Getrerde-Versorgung Deutschlands so sehr in den Vorder, grund gestellt, aber wenn diese erst einmal tmrch die agrarische Wirtschafts-Politik nach allen Seiten hin ab­geschnitten und allein gestellt worden, werde die Getreide- Versorgung sicherlich nicht unsere einzige Sorge sein. Eine Verbesserung der landwirtschaftlichen Statistik wünsche auch die Linke, aber nicht in der Weise wie sie aestern von agrarischer Seite verlangt worden sei. — Abg- Heyl v. Herrnsheim (nat.-lib.) wendet sich gegen Suedekum. Wenn dem Wunsche der Sozialdemo­kraten zufolge alle landwirtschaftlichen Zölle sielen, dann würde der kleine landwirtschaftliche Besitzer am Rhein ruiniert sein - Staatssekretär Posabowsky ver­sichert, daß da» statistische Amt alles tue, um die Tatsachen ° objektiv wie möglich darzustellen. Die Kosten einer Berufszahlung würden mehrere Millionen Mark be- s??6en, und bei der Frage, wann wieder eine solche Zahlung vorgenommen werde, werde wahrscheinlich die Finanzlage eine Rolle spielen. Die Verschiebung in der Bevölkerung fet eine Tatsache. Der Minister geht dann noch auf dre Wertschätzungen ein, dabei bemerkend, daß man rn Rußland die Ausfuhrwaren nach Deutschland ininier inedriger ernschätze als in Deutschland, ebenso in Deutschland die nach Rußland gehenden Waren immer Nie driger ern,chätze. Dies erkläre die D ifferenz in den

^ "JÄ S, 9, ^DEor. Puh, wassiftüne Kälte!

,em Mitsetzlteh« Zug und zu Hause hatten sie mo§g 9 ^ 3*° 2 ber hier ist es schön, so warm, sq

Sie hatte Hut und Jacket abgelegt und beides sorgsam auf einen Stuhl dicht an der Tür gelegt, das Jacket aus- ÖT t ^össe nicht von ihm auf den Teppich tropfe, ^etzt stond sie am Ofen und wärmte die ver- klammten Hände.

Doktor, wie gut haben Sie es doch! Wie gut! >?hr Seufzer klang so kindlich und so wahr, und um^dle roten Lippen huschte ein sinnender, nachdenklicher

Mit einem Male fiel ihr Blick auf den Sessel, auf dem gewöhnlich Frau Mollinar saß, er war leer Aber die Madame. Herr Doktor?" fragte sie in sichtbar eS staunen, „kommt die denn heute nicht?"

hier"tein '™ ® hlWer i[t ltml H ^nn heute leider nicht

f^A'Dlo arme Madame! Wie schade für sie! lind gerade sind ft E * meI versäumen, wo die Stunden so hübsch

Es war ein auftichftges Bedauern, das aus ihren Worten sprach. Der Doktor sah in fragendem Erstaune zu ihr hinüber. War dies nun wirklich Naivetät oder war es gar versteckte Bosheit?

„Meine Mutter kommt nicht in Stunden um lernen", sagte er schließlich. ' m 3U

„Nein, nicht zum Lernen! Aber doch um zwubören

Sic o rnit mir durchnehmKu Wes!

halb sollte sie sonst kommen?"

Und wieder dieselbe Arifrichtigkeit in ihren Worten, daß der arme Doktor immer verlegener wurde und der Frage^ auszuwmchen suchte. r

r • kann Ihnen das nicht auseinandersehen, Frau- Icm fJJ 1 ' • 2 ? tc auch jetzt an unsere Arbeit gehen."

*.-±l f bor ich mochte cS dach so gern wissen, Herr Doktor bitte sagen sie es mir dochFweshalb die Madame immer Doktor' "^'nn ,ic " id)t Chören will. Bitte, bitte, Herr