Einzelbild herunterladen
 

iltcs.

io,

Jan,

ijittöi

AVn

mn

r. 1 .

'zu».

tttu

SlU)

Off.

len.

da-

flu

und

Viksbckem SanWatt

si. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-PreiS: durch den Verlag 5« Pfg. monatlich, durch die Post S Mk. 50 Pfg. vtcrteljährlich für beide Ausgaben zusamnien.

Verlag: Langgasse 27.

1®,©©© Abonnenten.

^Littetnett - lür die 2lbend-2lnsgabe bis 12 Uhr mittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr nachmittags.

nächsterscheinendcu Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

Anzeigen-Preisr Die einspaltige Petitzeile für lokale Anzeigen 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. —- Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für auswärts 1 Mk.

— Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur

jljt#« 89* Verlags-Fernsprecher No. 2953.

Morgen-Ausgabe.

fie MdriMlssmNrKk des deiiW» Heeres.

Mit besonderem Nachdruck wird jetzt von militärischer Seite eine notwendige Vermehrung unserer Kavallerie gefordert und gleichzeitig die Frage über die Neu­gestaltung unserer Feldgeschütze erörtert, welche, wie ver­lautet, mit Panzerschilden versehen und gleichzeitig mit Rohrrücklauf ausgestattet werden sollen. Tie Volks­vertretung hat indes die verschiedenen Forderungen in Mücksicht auf die ungünstige Finanzlage des Reichs zum größten Teil gestrichen. Angesichts der in der Presse von den verschiedenstenSeiten geltend gemachtenGesichtspunkte über diese wichtigen militärischen Fragen dürfte es unsere Leser gewiß interessiereil, etwas Näheres über die Gliede­rung und die Zusammensetzung unseres deutschen Heeres !zv erfahren. Das beistehende Tableau gibt in übersicht­licher und anschaulicher Weise darüber Aufschluß und be­merken wir dazu Folgendes:

Die Größe der einzelnen Figuren entspricht der ver­schiedenen Kopfstärke der einzelnen Truppenteile, und zwar sind die Figuren auch der vier Kontingente des deutschen Reichsheeres in dem richtigen Größenverhältnis zu einander dargestellt. Berücksichtigt ist auf unserem Bilde die Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres, um deren Vermehrung es sich bei den Militärforderungen ja auch handelt. Von den verschiedenen Truppengattungen find auf der bildlichen Darstellung einzelne zusammen- gefaßt, und zwar unter Infanterie die Jägerbataillone, die Maschinengewehrabteilungen und- die Bezirks­kommandos, unter Artillerie die Feld- und Fußartillerie, unter Verkehrstruppen die Eisenbahntruppen, der Train, die Telegraphisteir und die Militärluftschiffer. Tic Tabelle, rechts unten aus unserer Illustration, führt aber den Bestand der einzelnen Truppengattungen für das deutsche Reichsheer detailliert auf.

In Preußen, welches hinsichtlich der Stärke seines Truppenkontingents an erster Stelle steht, und unter dessen Verwaltung noch die badische Division, die hessische Division und die mecklenburgische Brigade stehen, setzt sich das stehende Heer der Kopfzahl wach wie folgt zusammen: Infanterie 294 921, Jäger 9 124, Maschinengewehr- abtellung 350, Bezirkskommandos 5172, Kavallerie 65 090, Feldartillerie 53 652, Fußartillerie 19 676, Pioniere 12 768, Eisenbahntruppen 2 099, Telegraphisten 1 202, Luftschiffer 318, Train 6 655. Für Sachsen gelten folgende Zahlen: Infanterie 27 140, Jäger 1 268, Be­zirkskommandos 483, Kavallerie 4 524, Feldartillerie 5 750, Fußartillerie 1 355, Pioniere 1 239, Eisenbahn­truppen 341, Telegraphisten 152, Train 690. Württem­berg: Infanterie 16 871, Bezirkskommandos 367,

Sonntag, den 22. Februar.

Kavallerie 2 857, Feldartillerie 2 830, Pioniere 533, Telegraphisten 50, Train 326. Bayern: Infanterie 43 094, Jäger 1 260, Bezirkskommandos 694, Kavallerie 7 632, Feldartillerie 7 084, Fußartillerie 3 078, Pioniere 1 589, Eisenbahntruppen 476, Telegraphisten 176, Luftschiffer 99, Train 972. Für das gesamte deutsche Reichsheer stellt sich mithin die Friedenspräsenz­stärke auf 693 840 Mann, die sich zusammensetzen aus:

382 026 Infanteristen, 11 642Jägern, 350 zu Maschinen- gewehrabteilungcn formierten Mannschaften, 6 716 in den Bezirkskommandos beschäftigten Soldaten, welche zu dem Verbände der Infanterie-Brigaden gehören, 70 103 Kavalleristen, 69 816 Feldartilleristen, 24 009 Fuß- artilleristen, 16 119 Pionieren, 2 919 Soldatm, welche zu den in Berlin und München garnisonierten Eisenbahn­truppen gehören. In Berlin sind bekanntlich zu der

Redaktions-Fernsprecher No. 52. 1903»

Cisenbahnbrigade auch 2 Kompagnieen Sachsen dauernd kommandiert, während Bayern in München ein be­sonderes Eisenbahnbataillon besitzt. Dazu kommen noch 1 680 Telegraphisten, 417 Luftschiffer, und 8 643 zum Train gehörige Soldaten. Dieses gewaltige Heer ist in seine Hauptverbänden in 22 Armeekorps eingeteilt, wo­von sechzehn auf Preußen, zwei auf Sachsen, eins auf Württemberg und drei auf Bayern entfallen. Tie von

mehreren Bundesstaaten gestellten Kontingente stehen, wie eingangs erwähnt/unter prmßischem Oberkommando. Bei einer . Mobilmachung nehmen die verschiedenen Truppenteile natürlich einen wesentlich größeren Umfang an; immerhin glaubt man militärischerseits auch die Friedenspräsenzstärke einzelner Truppenkörper verstärken zu müssen angesichts der größeren - FriedenspräsenzstärkL der Armeen unserer Nachbarn im Osten und im Westen.

/Tön/nr Prpi/scpn [i"cl.der in preuss.Vent'ai-

iLonigr. rreussen [iMgsiekmdenÄb/iiinqwle

on/im/erie 4 300767

JCara/Ierie

ftyr. Sachsen/

Jnfantcric

2888/

KgrJiuz’/femöerff

Jr/iderie 73228 Pioniere 72738

Fe/ke/irs/rupp tiri. Train, //86

AamHerte

Ve/keArsbvpp. i/ui. Train 1723

s

,irb'Ueritt7rOj fimhre/239

/n/an/erie

!7 238

lerhe/trs/rupp •

irtrl. 7 >vüt 376

i/nvurrte 1837

A/1i//erie28JO /f'onie/vJjJ

/Cffr. Bayern;

Jnfanterie

93018

fCrrvaHerie 7632

Ar/H/me/0/6'2 Pioniere/AßO

Die Aiiedenspräsenz stärke desffesamm/en deutschen, Heeres beb'üfft:

JnfuMr.-ie 387076

Aäper 1/ 61Z

J/vsrA .GeteJi/ta 330

ßezirkskommtmdos 6 7/6

A umt/air 70 /03

FtidartiOcnt 693/6

FussartiOerie ZI 009

Fv/uerc /61/9

bisen/ta/tn tn/ppen Z 9/9

Fcteprup/iisleii i S80

In/hrhU/Tt 4/7

Tr ui/t 8613

Jm Ganzen 393810

Feuilleton.

JTto XIII.

Von Dr. Ambrosins Henk.

Die katholische Welt darf am 3. März d. I. einen seltenen Festtag feiern: denn an diesem Tage vor einem Vierteljahrhundcrt wurde das ehrwürdige Oberhaupt der katholischen Kirche, der damalige Kardinal Joachim Pecci aus Carpincto bei Anagni, nachdem er am 20. Februar 1878 an Stelle des am 7. Februar ver­storbenen Pius IX. zum Papste erwählt worden war, feierlich als solcher mit der dreifachen Krone geschmückt, und nahm den Namen Leo XIII. an. Nur wenigen Päpsten mar es vergönnt, darunter auch seinem er­wähnten Vorgänger, das 25-jährige Amtsjubiläum zu begehen, dessen Feier der Tradition nach bereits dem heiligen Petrus beschieden gewesen sein sott. Daher sagt ein alter römischer Spruch: „Non liabebis annos

Petri", d. h. „Du wirst die Amtsjahre des heiligen Petrus nicht haben." Wenn nun Se. Heiligkeit diesen seltenen Jubeltag feiern darf, so ist das eine besonders günstige Fügung der Vorsehung, und cs geziemt sich, einen Blick auf das reichbegnadcte Leben und Wirken des ehrwürdigen Jubelgreises zu werfen. Geboren wurde der Papst am 2. März 181» als Sohn einer wohlhaben­den Familie in Carpineto. Seine Erziehung erhielt er im Oollepio romano, und es ist bezeichnend, daß der Jüngling sich frühzeitig hingczogen fühlte zu klassischen Studien. Daher begann er bereits damals zu dichten, und die lateinische Sprache, die er heute meisterhaft be­herrscht, war von je seine Lieblingssprache. Im Jahre 1831, also erst 21 Jahre alt, ward er nach vollendetem theologischen Studium Doktor der Theologie. Des da­maligen Papstes Gregor XVI. Wunsch war es, den jungen Gelehrten, dessen regen Fleiß und ernsten Sinn er bewunderte, tu den Dienst der Kurie treten zu sehen. So widmete sich der junge Pecei nach dreijährigem Be­suche der Academia pontificia der Prälatur, ward 1837 päpstlicher Hausprälat und empfing die Priester­

weihe. Bald darauf kam er als Statthalter in die Pro­vinz Benevent. Diese war damals Hauptsitz der so­genannten „Carbvnari", d. h. eigentlich „Köhler", einer Vereinigung, die ursprünglich parriotische Ziele erstrebte, nun aber in eine Räuberbande ausgeartet war. Durch energisches Auftreten gelang es dem jungen Statthalter bald, das Räuberunwesen zu unterdrücken, worauf er zum Delegaten in Spvletv, später in Perugia ernannt wurde. In letzterer Stellung erwarb er sich wiederum große Verdienste, indem er für Trockenlegung der weiten Sümpfe sorgte, Fahrstraßen anlegte ec., so daß die durch .die Malaria verseuchte Gegend bald in eine gesunde ver- Vwandelt wurde. Auch ließ er sich durch Errichtung von Schulen ec. die geistige Bildung des Volkes angelegen sein. Zum Erzbischof von Damiette (Egypten! i. p. i. präkonisiert, ging er im Jahre 1848 als Nuntius nach Brüssel, wo es ihm gelang, die Gunst des Königs Leopold I. zu erwerben und die Lage der katholischen Kirche zu verbessern. Jm Jahre 1845 ward er von Brüssel abberufen und zum Erzbischof von Perugia er­nannt. Auch hier waltete er seines Amtes mit großer Treue und Gewissenhaftigkeit. Fällt doch in jene Zeit die Errichtung eines riesigen Getreidespeichers, den er auf seine Kosten mehrmals mit Getreide füllte, das er in Zeiten der Teuerung unter die Armen verteilte. Jm Jahre 1853 wurde er zum Kardinal ernannt, und im Jahre 1876 berief ihn Pius IX. nach Antonellis Tode als Camerleugo lKämmerer) nach Rom, wo er in un­mittelbarste Beziehungen zum Papste trat. In dieser Stellung leitete er nach dem Tode Pius IX. die Kurie, bis er beim Xlvnllave selbst die meisten Stimmen erhielt und zum Papste erwählt wurde.

Was König Leopold l. einst über den Gesandten Pecci au den Papst schrieb: „Bischof Pecci ist ein Gelehrter, Diplomat und Priester von tadellosem Wandel. Ich habe selten so lautere Absichten, gcradsinnigcs Verhalten und ungewöhnliche Pflichterfüllung gesunden," das hat Leo XIII. bis auf diesen Tag bewiesen. Als Gelehrter steht er in der ganzen Welt hochgeachtet da, und schon der Umstand, daß er im Jahre 1883 die vatikanischen Archive der gelehrten Forschung öffnete, ist eine wissen­

schaftliche Tat. Als Diplomat sucht er natürlich in erster Linie die Würde und das Ansehen des päpstlichen Stuhles in jeder Hinsicht zu wahren. Wenn er auch in seinen Bullen und anderen Zeugnissen kein Jota von den Ansprüchen seines Vorgängers nachzulassen pflegt und namentlich als erste Forderung nach wie vor die welt­liche Macht des heiligen Stuhles betont, so weiß er doch als feiner Diplomat alle Schärfe zu vermeiden. Sv kommt es, daß sich Leo XIII. als Diplomat selbst bei den Mächten hohen Ansehens erfreut, die im übrigen auf einem entgegengesetzten religiösen Standpunkte stehen. Das bewies u. a. im Jahre 1886 der Karolinenstreit, in dem er von Bismarck zum Schiedsrichter ernannt wurde. Überhaupt darf man behaupten, daß es dem Papste in­folge seines klugen Verhaltens gelungen ist, gerade zu dem vorwiegend evangelischen deutschen Reiche und dessen evangelischen Kaiserhause freundliche Beziehungen zu pflegen. Seine besondere Aufmerksamkeit widmet Leo XIII. der sozialen Frage. Hier beweist er, daß er auf der Höhe seiner Zeit steht. In den betreffenden Rundschreiben behandelt er die aktuellen Fragen' Die menschliche Freiheit" (1888), „Die Bürgerpflichten". „Die Aufhebung der Sklaverei", „Das Los der Arbeiter" 0891) u. a. nt., und er spricht prächtige, von durchaus liberalem Geiste durchwehte Gedanken aus. „Die Kirche," heißt es da einmal, „ist durchaus nicht eine Gegnerin der Kultur und des sittlichen Fortschrittes." Bon praktischem Verständnis der Zeit zeugt auch der Satz: „Ein großer und gefährlicher Irrtum liegt in dem Änsinnen an den Staat, als müsse er in das Innere der Familie des Hauses eindringen." Ferner: „Die xiirche ruft den Arbeitgebern zu: Die Arbeiter dürfen nicht wie Sklaven behandelt werden- Es ist schändlich und un­

menschlich, Meirichen zu eigenem Gewinn auszubeuten Die strengste Billigkeit fordert, daß der Staat dem Ar­beiter einen Anteil am Gewinne der Arbeit zusichere" Aber noch einen Zug haben wir zu dem Gesamtbilde des Jubilars hinzuzufügen: Leo XIII. ist auch ein gott­begnadeter Dichter. Seine Gedichte, meist in lateinischer Sprache, erschienen unter dem Titel: „Leoni« XIII Pont. Maxiini, carmina" (1888, mit Übersetzung von