Einzelbild herunterladen
 

Beilage ;um Mesbaüener Tagklatt.

Us. 8?. Morgerr-Ausgabe.

Samstag, den 21. Februar.

31. Jahrgang. 1V03.

»

4i

%,

4

4t

*;

*

«

4

4

*

3

®8 ist ein hoher, feierlicher, fast schauerlicher Gedanke für jeden einzelne» Menschen, da« sein irdischer Einfluß, der einen Anfang gehabt bat, niemal», und wäre er der Aller­geringste unter uns, durch alle Jahrhunderte hindurch ein Ende haben wird! War von ihm geschehen ist, ist geschehen, hat sich schon mit dem grenzenlosen, ewig lebenden, ewig tätigen Univerium verschmolzen und wirkt hier zum Guten oder zum Schlimmen öffentlich oder heimlich durch alle Zeiten hindurch. Thomas Carlyle.

tt$ffW*&*#*?W¥W¥W¥W*WWWW9¥9¥¥¥¥¥¥¥¥99?*

(28. Fortsetzung.)

Die Säugern».

Roman von E. Schöyen.

Dem Norwegischen nacherzählt von Emil JonaS.

„Sie sind so voreingenommen gegen Herrn Deska. Ich habe meinerseits nicht die geringste Ursache, zu glauben, daß er die Unwahrheit spreche; ich vermeine im Gegenteil, er ist der ehrlichste Mensch auf Erden."

»Ja, ja, denselben Eindruck hat er leider auf viel zu viel Frauen geübt", antwortete der Impresario. „Man behauptet, daß etwas in seiner Stimme liege, das be­sondere Macht über weibliche Herzen bchitzt. Wer seine Abenteuer zeugen durchaus nicht von einem feinen und ritterlichen Charakter. Er hat Skandale durchlebt, über die jeder ehrenhafte Mann erröten würde."

„Kommen Sie, lassen Sie uns arbeiten", sagte Elsa kalt, indem sie sich erhob. Sie war sehr blaß geworden und fühlte plötzlich einen starken Unwillen gegen Bern­hard.

Der Impresario, zu dem sie früher ein so unbedingtes Vertrauen empfunden hatte, trat nun für sie in ein zweifelhaftes Licht. Sie erinnerte sich Deskas Worte, daß Bernhard nienrals seinen Sängerinnen gestatte, sich zu verheiraten, und. sie war bald davon überzeugt, daß alle diese Geschichten nur erfunden seien, um eine Scheide­wand von Haß und Verachftmg zwischen ihr und dem Tenor zu errichten.

Samuel Deska hatte nur einige Wochen gesungen, als er krank wurde und die Rolle einem anderen über­geben mußte.

Eines Morgens erhielt Elsa einen großen Blumen- korb mit einem Billet, darin geschrieben stand: „Ich habe starkes Fieber. Aber ich will nicht sterben, ohne Ihnen

gesagt zu haben, daß ich Sie-andere! S. D."

Elsa erbebte vor Schmerz und Freude — Freude über seine Worte. Aber als die Majorin sie bat, dm Brief lesen zu dürfen, wehrte sie ab und steckte ihn in die Tasche.

Elsa pflückte die Veilchen aus dem Bouquett und setzte sie in ein Glas. Sie standen auf ihrem Piano dm gauzm Tag und auf dem Tisch nebm dem Bett in der Nacht. Sie saß oft mehrere Minuten, das Gesicht in dm sein duftenden Blmrveridlättem verborgm.

Me Masorin lächelte unwillkürlich. „Du hast nie früher den Dust von Mumm leidm mögen, das schadet ja der Stimme." Elsa wurde glühend rot und ant­wortete nur mit einem heiterm Lachm und begann dann von etwas anderem zu sprechm.

Am nächsten Morgm kam wieder eine Mumm-

smdung mit einem rosarotm Billet. „Sie können nicht glaubm, wie traurig es ist. krank darnieder zu liegen und ganz einsam zu sein! Fetzt begreife ich nicht, wie es möglich war, daß ich so lauge Zeit vergehm ließ, ohne Sie darüber zu befragen, was das höchste Glück für mich in sich schließt: Wollm Sie meine Gattin werdm? Seim Sie barnch.erzig und verurteilm Sie mich nicht zu längerer Ungewißhett! S. D."

Elsa antwortete:

de macht mich zu dem glücklichsten Wesm

Als die Majorin erfuhr, was geschehm sei, war sie nicht unbedingt befriedigt. Wohl fühlte auch sie eine ge- wisse Sympathie für den lebensfrohen Sänger, aber auf Grund von Bernhards unaufhörlichen Warnungm be­gann sie diese Verbindung als eine ihrer Pflegetochter drohende Gefahr zu fürchten.

Einige Stundm, nachdem die Antwort abgeschickt war, fand sich Samuel Deska in eigener Person ein.

„Die Freude habe plötzlich das Fieber verjagt", ver­sicherte er. „Ich konnte unmöglich ruhig im Bette bleibm." Er nabte Elsa mtt überschwänglichem Jubel.

Er betmerte, daß sie ihm die Pforten des Paradieses öffne. Wmn die Majorin sich zeigte, umarmte er auch sie, küßte sie auf die Wangen-und nannte sie liebe Mama.

Me Majorin wurde ganz entwaffnet und mußte sich selbst eingestehen, daß sie Elsas Gefühle begreife.

Deska hatte einen trockmm, scharfm Husten, um dm Hals trug er ein seidenes Tuch, sonst schien er ganz gesund. Daß Bemhard die Neuigkeit nicht mit beson­derer Freude ausnehmm würde, darauf war Elsa schon vorbereitet. Sie legte deshalb kein Gewicht auf die finstere Mime, mit der er dm Tmor begrüßte, und sie beide beglückwünschte. Aber schon nach ein paar Tagen kam es zu einer peinlichen Auseinandersetzung zwischen dm beiden Männern.

Deska hatte lange Weile, denn der Arzt hatte ihm nicht allein verboten zu singen, sondern auch Einladungm zu folgen oder Caf6s zu besuchen. Me Kehle war mt- zündet und die geringste Unvorsichtigkeit konnte die un- glücklichstm folgen für die Zukunft habm.

Aber zwischen seinm vier Wändm eingeschlossm zu sein, konnte Deska unmöglich ertragen. Er sehnte sich nach dein Süden, — nach der Sonne des Mittelmeeres, die das wirksamste Heilmittel für ihn sein würde.

Aber da er nun einmal sein Schicksal mit dmr eines anderen Wesens vereinigt hatte, konnte nicht mehr die Rede davon sein, allein zu reisen. Er drang deshalb auf sofortige Vermählung. Elsa hatte nichts dagegen einzu- weiidm, aber sowohl die Majorin als Bernhard wider- setzten sich.

Eines Vormittags, als die Herren einige Minutm allein in Elsas Salon sich befanden, sagte derJmPresario: „Sie müssm sich erinnern, daß das Fräulein durch chr Engagement gebundm ist. Es würde eine Torheit sein, mitten in der Saison abzureism, — ja, geradezu eine Unnwglichkeit!"

„Für mich hat es nie eine Unmöglichkeit gegebm", antwortete der Tmor. „Sie bezahlt eine Konventional­strafe, das ist alles!"

„Aber bedenken sie doch, es ist das erstemal, daß sie vor dem sranzöstschm Publikum auftrttt! Es ist ein be-

dmttmgsvolles Ereignis, die Hauptstadt der Welt erobert zu habm. Aber es gibt nichts, was der Pariser schwerer verzeiht, als einm Kontraktbruch. Eine Künstlerin, die sich das zu Schulden kommen ließe, könnte riskieren, daß sie nieder wieder engagiert würde."

„Pah!" antwortete Deska, „für schöne Stinnnm gibt es stets Platz!"

„Aber mein Herr, wissen Sie dmn nicht, daß mein Kontrakt mit dem Fräulein auf zehn Jahre abgeschlossen ist und daß wir uns erst im siebenten befinden?"

„Ja, das weiß ich", antwortete der Tenor, „aber Sie müssm doch auch begreifen, daß ich mich in der Wsicht verlobt habe, mich zu verheiraten. Fischen Sie etwa nach einem Schadenersatz, dann könn.m Sie sich an meinm Sekretär, Herm Malitzka, wenden. Er hat Vollmacht von mir, alle meine Geschäfte zu ordnen."

Der Impresario errötete ttef. Er erhob sich: „Herr Deska, Sie sind ein bodmloser Egoist", sagte er, indem er das Zimmer verließ.

„Welche Unverschämtheit!" murmelte der Tenor, in- dem er mit dm Fingern auf dm Tisch trommelte. „Es dünkt rnich, daß Bernhard dich hinlänglich ausgesogen und tyrannisiert hat", sagte der Tmor, als Elsa eiutrat. „Es ist wirklich lächerlich, sich in dem Grade zum Sklaven eines Impresario zu machen, daß man sich sogar fürchtet, sich zu verheiraten."

Bernhard zeigte sich nicht mehr, obgleich Elsa ihm einen freundlichen Brieftschrieb und ihn bat, sich nicht von chr im Zom zu trmnm.

Der Impresario der italienischen Oper war noch mehr erbittert als Bemhard. Sie wurde zu einer Konven­tionalstrafe vemrteilt, die fast alles verschlang, was sie sich in Amerika erspart hatte.

Doch Deska lachte nur: „Er brauche wahrlich nicht des Geldes wegm sich eine Frau zu suchm, das verdiene er selbst."

„Wmn es dmn einmal sein soll, so ist es noch ein Glück, daß er Sänger und nicht Maler ist", sagte die Majorin. „Es ist besser, wmn die Ehelmte gemeinsam« Interessen habm."

„Ja, es ist gewiß das größte Glück", antwortete Elsa« die nie daran gedacht hätte, Deska mit Bergström zu ver- gleichm. Ter letztere war gänzlich aus ihren Gedanken verschwunden, seit sie Samuel Deska gesehen hatte. Sie lebte wie im Rausch. Sie konnte stundmlang am Fenstev stehm und die Champs Elysees hinabspähen, bis sein Wagen mdlich vor ihrer Tür hielt. Und wenn er dann bei ihr war, saß sie in nervöserUnmhe, daß er sich erheben und gehm könnte.

Deska erzählte mtt Vorliebe von fernen eigenen Lebensschicksalen. Er war von Cypern und der Sohn eines griechischen Winzers. In seiner Jugend hatte er Weinstöcke verschnitten und Ziegm gehütet, später war er als Schiffsjunge an Bord einer türkischen Dacht nach Spanim gereist. Hier hätte er zufällig die Bekanntschaft eines altm Sängers gemacht, der seine rnerkwürdigs Sttmme mtdeckte und auf defsm Empfehlung er. in ein Konservatorium in Paris gekommen war. Zwanzig Jahre alt, hatte er dort in der kömiglichm Oper debütiert. So erzählte er nach und nach sein ganzes Leben und Elsa ermüdete niemals, ihm zuzuhörm.

(Fortsetzung folgt.)

Seidenhaus Bock & Cie.,

6 Küihelmsteasse 8 .

Donnerstag, Freitag und Samstag

- »1 3 °- 1 .

Meter.

Wir bitten Itöil. um üeaclitnng: der Sehaufenstcr. -MZ

II nttn in Serien i 1 .-, 2 .

fiSlÜCl per Mete

49Q

II

Von beute ob beginnt der große ventnr-A nsverk auf ca. 10,000 Paar Schuhe für Herren, Dame« und Kinder zu besonder» billigen Preisen. Mainzer Schnftvazar PMpp SMnscld Mgrttstr. 11, Gytdgasse 17.

Bsssmim

460»

giebt wohl billigere Reifen, aber auf der ganzen Welt keinen besseren Reifen als den

Continental

PNEUMATIC

für Fahrrad und Automobil. Erstclassig in Material, Ausführung und Construction.

Continental Caoutchouc u. Gutfan. Co.. Hannover.

fBwg.840) TM 96

1