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Beilage mm Westiaüener Tagklatt.

Klo. 83. Morgen-Ausgabe.

Donnerstags den IN. Februar.

31. Jahrgang. 1903.

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Sl , Wie sind wir doch olle mit unserer geprahlten Sclbst- «1 standigkeit an die Natur gebunden, und was ist unser Wille, »1 wenn die Natur versagt! Schiller.

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(26. Fortsetzung.)

Die Sängerin.

Roman von E. SchSyen.

Dem Norwegischen nacherzählt von Emil Jonas.

Elsa hatte sich ebenso sehr darüber gefreut, die Be- kanntschaft des Tenors zu machen, als die neue Partie zu singen. Sie sah ihn ans den Coulissen hervortreten. Es war ein breitschulteriger Mann von Mittelhöhe, ini Beginn der dreißiger Jahre. Sein braunes Haar war kurz abgeschnitten und ließ die Form des Kopses deut­lich hervortreten. Derselbe war viereckig, hinten stark entwickelt, mit breiter Stirn und plattem Schädel. Die Augen standen ein wenig hervor. Das Untergesicht, die vollen roten Lippen und das etwas zurückgezogene Kinn wurde von einem dichten Hellen Bart bedeckt. Er war mit außerordentlicher Eleganz gekleidet und auf seiner Brust glänzte ein großer Diamant.

Nachdem Samuel Teska allen Anwesenden vorge- stellt worden war, näherte er sich sofort Elsa.

„Also wir beide sind es, welche die neue Oper creieren sollen? Mademoiselle sind in Amerika gewesen?"

„Ich bin gerade vor vierzehn Tagen von oort zurück- gekommen."

„Ich habe nie den Mut gehabt, hinüberzuziehen", ftchr er fort. „Erstlich leide ich an der Seekrankheit und zweitens ziehe ich es vor, vor civilisierten Menschen zu singen."

Elsa bekam nicht Zeit, ihm zu antworten. Der Komponist schlug mit seinem Taktstock auf das Piano und die Probe begann.

Elsa hatte bereits ihre Partie mit Bernhard durch­genommen und fühlte sich daher ziemlich sicher, während der Tenor noch das Notenhest in der Hand hielt und nach Worten und Tönen suchte.

Nachdem Elsa ihre große Arie gesungen hatte, erhob sich der Komponist, ergriff ihre Hand mit seinen beiden Händen und rief: „Signora, Sie singen gerade so, wie ich meine Musik geträumt habe, bevor ich sie niederschrieb Es ist das größte Lob, das ich Ihnen zusprechen kann!"

„Ich bin sehr stolz und glücklrch, diese Worte aus des Mersters eigenem Munde zu hören", antwortete Elsa mit strahlendem Lächeln.

Der Tenor hatte sich in den Hintergrund zurück- gezogen, wo er mit dem Regisseur sprach.

Elsa setzte sich, während die beiden anderen Künst- lerinnen probierten. Da näherte sich ihr Deska und blieb vor ihr stehen.

„Ich habe noch nicht Zeit geh.abt, die Noten zu lesen", sagte er, „und um nicht der: Komponisten zu ermüden, würde es vielleicht am besten sein, wenn wir unsere Duetts allein ausarbeiteten. Haben Sie etwas dagegen, daß ich zu Ihnen komme, um zu repetieren."

„Nein, im Gegenteil", antwortete Elsa, „das ist eine ausgezeichnete Idee."

„Haben Sie einen Akkompagneur?"

„Ja, Monsieur Bernhard akkompagniert mich stets."

„Richtig, ich habe davon sprechen hören."

„Bernhard ist sicher ein ausgezeichneter Schulmeister für seine Künstler. Er soll sogar hin und wieder seine

Sängerinnen schminken und ihnen beim Ankleiden helfen —" sagte er, indem er lachte. >— „Haha! Das ist gewiß ein Original, dieser Herr George Bernhard! Und dann verbietet er ja auch seinen Sängerinnen, sich zu ver­heiraten!"

Er zog ein hellrot-seidenes Taschentuch hervor, das nach Veilchen duftete, und trocknete sich die Stirn.

„Redet: Sie nichts Böses von ihm", fiel Elsa ein. „Ich habe ihm sehr viel zu verdanken."

„Böses? Nein, nein, durchaus nicht! Aber erlauben Sie mir zu bemerken, daß im Hinblick auf eine Stimme, wie die Ihrige, er es ist, der Ihnen alles zu verdanken hat, nicht Sie ihm."

„Das kann ich selbst am besten beurteilen", entgegnete sie, „und ich muß Ihnen gleichzeitig sagen, daß Undank die schwärzeste aller Sünden in meinen Augen ist."

„Haha!" lachte der Tenor aufs neue.

„Sie sind wirklich entzückend."

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An demselben Nachmittag ließ Samuel Deska sich bei Elsa melden. Sie empfing ihn mit herzlicher Freund- lichkeit. Er sprach und bewegte sich so ungezwungen, als ob er lange schon ein Freund der Familie wäre. „Sie akkompagnieren uns", sagte er zu Bernhard, und ohne dessen Antwort abzuwarten, wandte er sich an die Majorin: „Sind Sie, Madame, Sängerin gewesen?"

„Nein!"

„Üm so besser! Haben Sie die Noten? Ich habe meine zu Hause vergessen. Aber bevor wir beginnen, muß ich meine Stimme anfeuchten."

„Was wünschen Sie?" fragte die Majorin.

„Champagner," antwortete er, „ich trinke niemals etwas anderes."

„Champagner haben wir leider nicht im Hause, aber wir werden sofort danach schicken," antwortete sie und eilte hinaus.

Deska trat ans Fenster. „Ach, Sie haben Aussicht über die Champs Elysees," sagte er. „Das ganze elegante Leben! Gestatten Sie, daß ich das Fenster öffne?"

„Gern," antwortete Elsa.

Er öffnete die Glastür und trat auf den Balkon. Elsa folgte ihm, während Bernhard sich ans Piano setzte und zu spielen begann.

„Wir können ja bis an den Triumphbogen hinauf­sehen", sagte Deska, „und auf der anderen Seite die Tuilerien. Dort habe ich meine schönsten Stunden im tSte-d-töte mit der Kaiserin verlebt."

„Kennen Sie sie persönlich?" fragte Elsa.

„Ja, das will ich meinen", antwortete er. „Diese Brustnadel habe ich von ihr bekommen. Sie ist eine liebenswürdige Dame, reich an Herz und Geist. Es wird nie ein Fest am Hofe geben, ohne daß ich eingeladen bin. Fragen Sie nur, dann werden Sie boren, wieviel Ge­schichten man sich von dem Tenor und der schönen Fürstin erzählt! Sie sehen sie wohl des Nachmittags hier vorüberfahren?"

„Ja", antwortete Elsa, „wenn sie in ihrem Wagen kommt, der von den vier Schimmeln gezogen wird, ist es, als ob ein Traum vorübergleite."

„Ach ja", sagte der Tenor mit zufriedenem Lächeln, „es giebt viele, die mich wegen dieser Bekanntschaft be- neiden."

„Das glaube ich wohl", antwortete Elsa.

„Doch ich bin stets derselbe", fuhr er fort, „sei es, ich spreche mit Kaiserinnen oder Privatpersonen. Ich

halte mich selbst für ebenso gut, wie alle gekröntes Häupter der Erde."

Er zog sein seidenes Taschentuch hervor und atmete den starken Veilchenduft ein, wie er stets zu tun pflegt«, wenn er in guter Laune war.

„»Ach, Herr Deska", sagte Elsa, „Ihr Gesang ist de« schönste, den ich jemals gehört habe."

„Das ist auch wohl dre allgemeine Meinung", ant­wortete er ganz ruhig. „Ich kenne mein eigenes Talent, deshalb betuche ich auch niemals irgend welchen Humbrm. Clague, Blumen und erdichtete Zeitungsveklamen Hab« ich stets verachtet. Das ist nur die Erfindung der Mittel­mäßigkeit, um das Publikum zu betrügen."

„Darin haben Sie recht!" rief Elsa lebhaft. „Ich fühle auch Widerwillen gegen alle diese geschäftsmäßigen Vorbereitungen." Und indem sie zu seinem wohlgebilds- ten Gesichte mit dem lebensfrohen Ausdruck ernpor- blickte, dachte sie unfreiwillig: „Das ist eine wirklich«

Künstlerseele! Echtes Metall!"

Ein chinesischer Diener, den Elsa von New-OrleanS mitgenommen hatte, kam bald mit Champagner zurück. Deska trank ein Paar Glas und erklärte sich dann bereit zur Arbeit. In seinem ganzen Wesen lag so viel Selbst­überhebung, daß sowohl Bernhard als die Majorin ver­letzt wurden: aber Elsa bemerkte es kaum. Sie fühlt« eine unerklärlich starke Zuneigung zu diesem Mann, ob­wohl er ihr gänzlich fremd war.

Sie begannen zu singen. Es war dieselbe Stimme» die sie vor sechs Jahren bezaubert hatte. Welcher Genuß, ihre Töne mit den seinigen zu verschmelzen! Sie hatrL ein Gefühl, als ob ihr ganzes Wesen in einer berauschen­den Umarmung der Schönheit mit einer gleichgesinnten Seele zusammenfließe.

Nachdem die Duette durchgenommen waren, erhob sich Bernhard.

„Die Oper wird Glück machen", sagte er zufrieden. „Das blasierte Paris wird in Enthusiasmus schwelgen."

„Das ist überall der Fall, wo ich auftrete", airtwortet« der Tenor.

Bernhard mußte sich Geschäfte halber entfernen; Samuel Deska schien keine Eile zu haben. Er setzte sich auf ein rotseidenes Sofa in eine Ecke des Zimmers und begann in einem Album zu blättern. „Ich besitze eine reiche Sammlung von Photographieen, die ich von Frauen allerNationen zugesandt erhalten habe", berichteteer. „Di«

Kaiserin von Österreich, eine russische Fürssin-Ja,

alle Stände und Gesellschaftsklassen, selbst hinab bis zu den Kunstreiterinnen."

„Es ist ja eine bekannte Sache, daß Sie der Abgott der Damen sind", sagte die Majorin.

‘ Es begann zu dunkeln; der Diener trat mit einer brennenden Lampe ein.

„Hier sieht man, daß die Damen erst kürzlich aus Tropen zurückgekommen sind", sagte Deska, indem er die Wände des Zimmers musterte.

Hier hingen Felle wilder Tiere der Wüste, Pfcursn- schwüfe, ausgestopfte Paradiesvögel, getrocknete Blatt« ausländischer Riesengewächse, Fächer von Elfenbein und Metall, ziselierte Schilder in allen Formen, Spieße Kränze arrs Perlen und künstlichen Blumen, tropisch« Landschaften, gemalt aus Kristall, kolorierte Abbildun­gen von Typen aller Rassen, Trachtenbilder, Gedichte, geschrieben nrit goldenen Buchstaben auf Pergament, chinesische Noten, gedruckt auf Glas, Bronzeschalen, gs- füllt mit Ambra und Ambrosia.

(Fortsetzung folgt.)

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6 Wilhelmstrasse 6.

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Wir bitten höfl. um JSSeaclatung; «1er &eliaufen$ter. ""WH

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Die Nachfeier zum

Costüm-Fest

findet nunmehr

Freitag! 2N, Februar, Mbemds © Uhr y

statt. Die Liste zum Einzeichnen liegt beim Restaurateur offen.

Um 8 V» Uhr findet gemeinschaftliches Abendessen, Gedeck zu 2 Mark, statt. — Anzug: Proruenadeoostiim, F400

Wiesbadener Schützen-Verein.

Freitag, den 20. d. M., Abends 8'/, Uhr, findet ein,

Vorbesprechung

zur General-Versammlung

bei Restaurateur Schewes (Poths) statt, wozu alle Mitglied«, ergebenst eingeladcn werden. x 397

das Ries 50

I iflllllHIlf der Centner Mk. 4.-

zu haben im CaME - DCtlög.