Wiesbsitkner
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|!0. 81. VerlagS-Fernsprecher No. 2958. MtHwSkh» dkN 18. Redaktions-Fernsprecher No. 52. 1963.
Morgen-Ausgabe.
Das Petroleum in Deutschland.^
Von Dr. Hellmuth Wolfs.
Aus dem deutschen Petroleummarkt werden jährlich Hegen zehn Millionen Doppelzentner Petroleum umgesetzt, die zum größten Teil von kleinbürgerlichen Haushaltungen ausgebraucht werden. Dem Großbetrieb und den größeren Familienwirtschaften dienen immer mehr die Elettrizttät und das Gas als Beleuchtungsmittel. Die Beleuchtungsfrage ist deswegen heute nur noch zu tztnem Teil eine Petroleumsrage; aber die Bedeutung dieser ist um so wichtiger, als der deutsche Konsument fast nur ausländisches Petroleum brennt. Der deutsche Petroleummarkt wird zu ° 8 / 100 vom Ausland versorgt.
Deutschland selbst liefert aus seinen Ölgebieten im Elsaß, in Hannover und in Oberbayern noch keine 60 000 Doppelzentner Rohpetroleum. Unsere Importländer sind die Bereinigten Staaten von Amerika und Rußland. Galizien und Rumänien liefern ganz unbedeutende Mengen.
Ans Amerika werden jährlich etwa acht Millionen Doppelzentner eingeführt, und aus 9iußland kommen von der Apscheronhalbinsel mit dem Hauptort Baku circa 1% Millionen Doppelzentner (irrt Durchschnitt dev letzten Jahre nach den Angaben des statistischen Jahrbuchs für das Deutsche Reich). In den Vereinigten Staaten sind zwei große Ölfelder in Pennsylvanien und in Ohio. Erstere sind die älteren und liefern ein für die Petroleumgewmnung sehr geeignetes Rohöl; fast 75 Prozent des Rohstoffs sind als Beleuchtungsöl ver- wendbar. Das Ohio-Öl ist viel weniger gut und bringt kaum 40 Prozent Petroleum. Das pennsylvanische Petroleum heißt rm Handel water -white, das ohiosche, Huch Simaöl genannt, heißt stauäarll white. Nach Deutschland kommt f a st nur diese zweite, schlechtere Sorte, die nicht Hell brennt and einen sehr niedrigen Entflam- m u n g s p u n k t (Testpunkt) hat und deswegen ziemlich s e u e r g e f ä h r l i ch i st. In den Bereinigten Staaten darf Petroleum unter 40° 0. Testpunkt nicht gehandelt werden, das Ohio-Öl hat aber kaum 21° 0. Test. Die Amerikaner behalten deshalb das gute Öl für sich, und das schlechte exportieren sie.
In Rußland wird fast alles Öl auf der Apscheron- Halbinsel im Kaspischen Meer gewonnen. Der Hmrptort
*) Diesen interessanten Artikel entnehmen wir mit Erlaubnis leg Verfassers und des Verlages der „Woche". _
Feuilleton.
Preußens patriotischer Sauger.
Zum 100-jährigen Todestage Joh Wilh. Ludw. Gleims (18. Februar).
Von Dr. Norbert Verth.
Die Spartaner hatten ihren Tyrtaeus, der sie durch seine feurigen Kriegslieder zum Kampfe begeisterte; und Preußen hat seinen Gleim gehabt, der, wenn er auch nicht selbst am siebenjährigen Kriege teilnahm, doch durch seine patriotischen Weisen, die er zu Ehren Friedrichs des Großen, des Einzigen, und seines tapferen Heeres erklingen ließ, an seinem Teile nicht wenig zum Gelingen des Feldzuges beitrug. Bei Eröffnung desselben (1750) sang er begeistert: *
„Krieg ist mein Lied! Weil alle Welt Krieg will, so sei es Krieg!
Berlin sei Sparta! Preußens Held Gekrönt mit Ruhm und Sieg!
Gern will ich seine Taten tun.
Die Leier in der Hand,
Wenn meine blut'gcn Waffen ruh'n Und hangen an der Wand.
Wenn aber ich all? solcher Held Dir, MarS, nicht sterben soll,
Nicht glänzen soll im Sternenzcll,
So leb' ich dem Apoll.
Dann singe Gott und Friedcrich,
Nichts Klein'rcS, stolzes Lied,
Dem Adler gleich erhebe dich,
Der in die Sonne sicht!"
Und als der Steg bei Prag errungen war (6. Mai 1757), da erscholl cs hell von seiner Leier:
„Viktoria, mit uns ist Gott,
Der stolze Feind liegt dal Er liegt, gerecht «st unser Gott.
Er liegt, Viktoria!" u. s. w.
Den Heldentod aber des wackeren Schwerin beklagt er mit den Worten:
„Ach, aber unser Vater siel.
Die Fahne sank auf lhn!
Ha, welch glorreiches Lebensziel,
Glückseliger Schwerin!
der Raffinerie-Industrie ist das bekaimte Baku. Aus dem russischen Öl wird nicht viel mehr Petroleum ausgebracht, als aus dem Ohio-Öl, aber das russische ist qualitativ bedeutend besser. Es hat einen höheren Test (über 28° 0.) und brennt viel heller. Das ausgeführte Petroleum ist nicht schlechter, als das für den Julandkonsum bestimmte, weil das Exportöl keinen niederen Test haben darf.
Seit 1898 wird in Rußland bedeutend mehr Rohstoff gewonnen, als in den Bereinigten Staaten. Denlwch ist der Export aus diesen bedeutend größer, als der aus Rußland. Hier wurden z. B. im Jahr 1900 672 Mill. Pud Rohöl gewonnen und davon mrr 89 Millionen Pud (13 Prozent) aus den Weltmarkt gebracht, während von den in Amerika urt gleichen Jahr erzeugten 421 Mll. Pud 18 1 Millionen ins Ausland geführt wurden (45 Prozent).
Diese Eigentümlichkeit in den Exportleistungen bedarf der Aufklärung.
Die Prodnkttonsbedtngungen in den Vereinigten Staaten und in Rußland sind im vorhergehenden bereits kurz gestreift. Um ein Urteil über ihren Einfluß aus den Absatz zu gewinnen, fügen wir noch folgendes hinzu: die Gestehungskosten pro Pud Rohöl auf dem Naphthafeld betragen in Amerika etwa 21 Kopeken, in Baku etwa 5 Kopeken (1 Kopeke — 2,16 Pfennig). Dieser Vorteil Rußlands geht verloren durch ein umgekehrtes Verhältnis in der Ergiebigkeit an Petroleum im Verarbeitungsprozeß. Doch beruht das geringe Ausbringen an raffiniertem Petroleum in Rußland weniger aus Qualitätsunterschieden zu Ungunsten des russischen Rohstoffs, als vielmehr auf der Tatsache, daß es sich in Rußland bisher weniger verlohnte, auf Petroleum zu arbeiten, sorrdern daß das eigentlich Gewinnbringende in den Nebenprodukten besteht, die aus den Rückständen gewonnen werden.
Tie Rückstände beim Rafsiniernngsprozeß, bekannt unter dem Namen „Masut", bllden einen gesuchten Brennstoff, weil Kohle und Holz im Zarenreich infolge mangelhafter Gewinnungs- und Absatzeinrichtungen außerordentlich hoch im Preis stehen. Besonders das riesige Wolgagebiet, das durch das Kaspische Meer direkt mit Baku in Verbindung steht, konsumiert den billiger, Masut in großen Mengen. In Amerika aber sind die Heizmaterialien cm großen und ganzen billig und das Rohöl weniger leicht zu Heizstoff zu verarbeiten als zu Leuchtstoff. Aber dies sind nicht die einzigen Momente, die in Amerika zur Leuchtölerzeugung, in Rußland zur Heizstofsfabrikation drängen. Zu den Verschiedenheiten in den Produktionsbedingungen und den Marktbedürf-
Dein Friedcrich hat dich beweint,
Indem er »nS gebot:
Wir aber stürzten in den Feind,
Zu rächen deinen Tod" u. s. w.
Diese „Lieder eines preußischen Grenadiers" (1758), die selbst ein Lessing mit einer Vorrede begleitete, haben unserem Gleim den erwähnten Ehrennamen eingetragen. Gleichwohl war der Dichter sowohl nach seinem Lcbeirs- gange als nach der Eigenart seines poetischen Wirkens nichts weniger als eine KampfeSnatur.
„Vater Gleim" nannten sie ihn vielmehr gern, da er, nachdem er im Jahre 1747 die behagliche Stellung eines Kanonikus, Domsekretärs in Halberstadt erlangt hatte, keine größere Freude kannte, als junge, aufstrebende dichterische Talente mit Rat und Tat zu unterstützen und zu fördern und so seiücr geliebten Dichtkunst immer neue Jünger zu werben. Geboren am 2. April 1719 zu Ermslebeu bei Halberstadt, sollte Gleim, der zunächst in Halle studierte, von HauS aus Jurist werden. Aber bald erwachte in ihm die Liebe zur Poesie, und die Bekanntschaft mit Uz u. a. gleichgestimmten Talenten trug nur dazu bei, diese Neigung zu vertiefen und die Jünglinge zu eigenem Schaffen zu begeistern. Von Halle wandte sich Gleim 1740 nach Berlin, bann wurde er Hauslehrer in Potsdam, wo er die Bekanntschaft dcS edlen Kleist machte, der so viel Verwandtes mit ihm hat. Beim Ausbruche de? zweiten schlesischen Krieges folgte er dem Prinzen Wilhelm von Schwedt in das Feld und trat, als dieser bei Prag gefallen war (1745), in eine ähnliche Stellung beim Fürsten Leopold von Dessau (der „alte Dessauer"), den er jedoch bald wieder verlieh, da die beiderseitigen Eharakterc zu wenig harmonierten. Nach vorübergehendem Aufenthalte in Berlin, wo er die alten, lieben Bekanntschaften wieder erneuerte, gelang cs unserem Gleim endlich in Halbcrstadt die oben erwähnte, angenehme und nicht sehr arbeitsreiche Stellung zn finden, die ihm bei ansehnlichem Einkommen und nicht allzu reich bemessener Arbeit genügend Mutze ließ, ganz der Dichtkunst zu leben. Hier starb der beinahe 84-jähr. Greis vor nunmehr hundert Jahren, am 18. Februar 1803. Seit 1708 verlosch bas Licht seiner Augen mehr und mehr, und die letzten Jahre brachte „Preußens Grenadier und Patriot" in völliger Blindheit zu. Nichts desto- weniger blieb sein Geist klar und hell, und das wahrhaft goldene Gemüt, das seine Dichtungen widcrspiegeln, erfuhr womöglich noch eine Vertiefung. Von seiner Begeisterung für Friedrich den Großen zeugt folgende
nissen im Inland kommen die Unterschiede in den beiderseitigen Absatzeinrichtungen nach dem Ausland hin und in diesem selchst.
In dm Vereinigten Staaten sind erstklassige Transportmittel für den Export in Anwendung, die einem privaten llnternehmerverband gehören. Mit dem Transportmonopol dieses Trust steht ein Exportmonopol im mgstein Zusammenhang; und an dieses gliedert sich — immer wieder unter der gleichm Autorität — dem Trust ein Absatzmonopol auf dem europäischen Petrolmmmarkt an, so daß das Petroleummonopol des amerikanischen Trust mit dem Herrn Rockefeller an der Spitze in der Tat das Ideal eines privaten Warenmonopols erreicht. Hiermit hängen aber so viele die Absatzfähigkeit der betreffenden Ware bessernde llmstände zusammen — am letzten Ende alle zur Verringerung der Absatzkosten beitragend — daß Rußland, das ganz andere Absatzbedingungen hat, in seiner Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt außerordentlich leidet.
Rußlands Ausfnhrmittel stehm nicht aus der Höhe; air Stelle der billig befördernden Petroleumröhrenleitungen in Amerika sehen wir im Kaukasus eine eingleisige, bei einer Länge von 842 Werst (1 Werst — 1,069 Kilometer) äußerst langsam arbeitende Eisenbahn mit einer jährlichen Durchlaßfähigkeit von etwa 60 Mill. Pud, während die Bakuer Industrie über 200 Millionen dem Ausland anzubieten vermag. Die Eisenbahn von Baku nach dem Exporthafen Batum gehört außerdem dem russischen Staat und steht in seiner Verwaltung. Tie Bakuer finb deswegen ganz von der Gnade der Regierung abhängig, was den Export angeht. In dev letzten Zeit ist in diesen Verhältnissen nun eine Veränderung vor sich gegangen, die die Exportmöglichkeit für russisches Öl sehr stark zu vergrößern im stände ist. Die russische Regierung hat den Bau einer Petroleumröhrenleitung von Baku nach Batum beschlossen und bereits in Angriff genommen, wodurch der Absatz nach dem Ausland und 'eftoft 120 Millionen Pud im Jahr gesteigert werden kann. Zwar hat die Regierung auch hier das Heft nicht aus den Händen gelassen und die pipe line in eigener Regie, aber durch die Anlage einer solchen Leitung dokumentiert sie das Interesse, das sie an einer erhöhten Ausfuhr hat, und durch das Vorhandensein der pipe line ist sie schließlich zu einem vermehrten Export gezwungen, wenn anders sie nicht die investierten Kapitalien tot liegen lassen will.
Für uns aber hat die „staatliche" pipe line den Vorteil, daß wir vor einer Monopolisierung des deutschen Marktes durch die Russen bewahrt bleiben, selbst für den Fall, daß ein gesteigerter Import aus Rußland das amerikanische Öl vom deutschen Markt verdrängen sollte.
Anekdote: Bei seiner Anwesenheit in Berlin hatte er auch das Glück, den König zu sprechen. Darauf wandte er sich an den ihm begegnenden Herzog August von Braunschweig-Öls: „O, wenn ich doch den alten Hut hätte, den der Monarch trug, als ich ihn sprach!" Der Herzog sagte ihm denselben nach des Königs Tode zu. Und in der Tat, nachdem Friedrich gestorben war (1786), erhielt Gleim den gewünschten Hut mit folgendem Schreiben des Herzogs: „Mein lieber Kanonikus Gleim! Hier ist der versprochene Hut, den der verstorbene König noch den Morgen vor seinem Ende getragen. Damit man an der Wahrheit nicht zweifle, habe ich es auf einer Karte im Hut geschrieben und mit einem Petschaft besiegelt. Bleiben Sie mein Freund, wie ich der Ihrige stets bin. Friedrich August, Herzog. Berlin, den 25. August 1786." Ein Jahr später erhielt Gleim durch Vermittelung eines Freundes noch die Schärpe, die Friedrich während dc§ ganzen siebenjährigen Krieges getragen hatte. Aber „Preußens Patriot" dichtete nicht nur Kriegslicder. Wir haben von ihm „Gedichte nach den Minnesängern", „Gedichte nach Walther von der Vogel» weide" u. a., ja, auch ganz vortreffliche Trinklieder. Unter letzteren ist wohl am bekanntesten „Der Papst und der Sultan", das gewiß jedes krasse Füchslein mit heller Begeisterung anstimmt, sobald er in die Geheimnisse dcS Commcnts eingeweiht ist:
„Der Papst lebt herrlich in der Welt,
ES fehlt ihm nicht an Ablaßgeld,
Er trinkt den allerbesten Wein —
Drum möcht' ich auch der Papst wohl sein'"
Überhaupt leistete Gleim im leichten, scherzhaften Liede Bedeutendes und seine Sammlung „Lieder nach Anakreon" enthält manche Perle dieser tändelnden Art.
Weiteren Kreisen ist, wohl zumeist noch von der Schule her, Gleim als Fabeldichter an, bekanntesten. Wer kennt da nicht sein prächtiges „Die Grille und die Ameise":
„Eine faulc Eirille sang Einen ganzen Sommer lang Und war immer ohne Sorgen Für den andern Morgen" u. s. w.
Manchem Leichtfuß, der in den Tag hineinlebt, ohne an die Zukunft zu denken, kann man diese Fabel nicht oft genug zur Beherzigung empfehlen. Auch „Die Milchfrau", die sich Luftschlösser baut und aus Freude hierüber jubelnd aufspringt, wobei ihr der Milchtvpf
