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_ . Jahrgang» 9?p|*frtrt« Ortnrtrtrtff» 97 .

Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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73» Verlags-Fernsprecher No. 2958.

Freitag» den 13. Februar.

NebaktionS-Fcrnsprecher No. 52.

1903.

Borgen -Ausgabe.

MMM M Die niederländischen Kolonieen.

Wenn in den Niederlanden die Frage eines engeren Anschlusses an Deutschland überhaupt erörtert werden -kann, so ist der Grund vornehmlich in der Erkenntnis zu suchen, daß die ausgedehnten Kolonieen nicht zu halten wären, falls irgend eine der großen Kolonialmächte rück- sichtslos die Hand auf diese Gebiete legte. Vernünftiger­weise kann man sich ja sagen, daß ein Krieg wie zwischen Spanien und der Union den Holländern kauni jemals drohen wird. Und doch muß man im Haag mit solchen Möglichkeiten rechnen, die, wenn sie eintreten sollten, den militärisch schwachen Staat jedenfalls so gut lvie un­vorbereitet treffen würden. Nicht aus Liebe zu uns, son­dern in bau Gefühl, daß angesichts derartiger zukünftiger Fatalitäten der Anschluß an die friedliebende deutsche Macht nützlich werden könnte, wird von dem' unbefan- generen Teile der öffentlichen Meinung in Holland mit dem Gedanken einer festeren deutsch-niederländischen Gemeinschaft gespielt. Denn schließlich ist es nichts als ein Spiel, und sogar diejenigen Niederländer, di« sich mit diesen Problemen beschäftigen, zucken vor den prak- tischen Konsequenzen einer möglichen engeren Annähe, rung zurück, während für die große Masse der nieder­ländischen Bevölkerung schon der Gedanke selbst höchst unsympathisch ist. Der deutsche Standpunkt zu diesen Dingen ist dermaßen sicher gegeben, daß ein Schwanken kaum möglich ist: Wir haben kein Interesse daran, eine Entwickelung zu beschleunigen, die für uns nur dann werwoll sein kann, wenn sie vollkommen freiwillig und gleichsam von innen heraus uns von den Niederländern entgegengebracht wird. Wenn bte Holländer uns nicht brauchen, so brauchen wir sie ganz gewiß nicht. Nun liegt es aber in der Natur der Dinge, daß die Kolonial­politik gerade dieses Staates besondere Aufmerksamkeit erregen muß. Denn wenn einmal in hoffentlich ferner Zukunft die niederländische Erbschaft frei werden sollte, so wäre das Ereignis für uns wahrlich keine Kleinigkeit! Trotz der nahen Nachbarschaft, trotz der Verwandtschaft der Sprachen und der Volkscharaktere ist uns Deutschen die Natur der holländischen Kolonialpolitik eigentlich weniger vertraut, als die der entsprechenden geschichtlichen Vorgänge bei anderen Kolonialvölkern. Ein jahr­hundertelang sorgfältig behütetes System der Heimlich, leiten ist hier der entscheidende Grund. Um so dankens­werter erscheint es, daß der treffliche Historiker der europäische Kolonialpolitik, der gegenwärtig der deutschen Botschaft in London attachierte Legaffonsrat Alfred Zimmermann, uns im 6. Bande seiner Geschichte der europäischen Kolonieen (Berlin, Mittlers Verlag) die Kolonialpolitik der Niederländer mit Gründlichkeit

und kritischem Scharfsinn geschildert hat. Es ist ein ganz besonderes, aus dem eigentümlichen niederländischen Wesen entspringendes und ihm gleichsam organisch an­gepaßtes Stück Geschichte, das sich da vor uns entrollt. Was äußerliche Ereignisse, Heldentaten zu Wasser und zu Lande und überraschende Entwickelungen anbelangt, ist die Kolonialgeschichte der Niederländer weit ärmer als die der anderen Völker. Bei ihr handelt es sich immer nur um Vorgänge auf verhältnismäßig beschränktem Gebiete und um kaufmännische Tätigkeit und Er­wägungen. Me die Niederländer von Anfang an ganz bewußt mit ihren Zügen nach den überseeischen Ländern lediglich Zwecke des Handels verfolgten, so haben sie auch niemals Landhunger oder unklaren Drang nach Auf­suchung neuer, unbekannter Schätze für ihre Tätigkeft maßgebend werden lassen. Während Spanien, Portugal, England und Frankreich anfänglich ihre Blicke nur auf den möglichst mühelosen Erwerb von recht vielen und wertvollen Edelmetallen gerichtet hatten, und nur not­gedrungen zum Plantagenbau, Handelsbetrieb und zur Siedelung übergingen, handelte es sich für die Nieder- länder in erster Linie immer fast nur um Handel. ' Sie suchten Indien und Amerika zuerst hauptsächlich deshalb auf, weil Spanien sie des langgewohntenZwischenhandels mit den tropischen Erzeugnissen Indiens berauben wollte. Sie setzten sich dort dauernd fest und machten sich gewalt­sam zu ausschließlichen Herren der wichtigsten Gewürz- gebiete nur unter dem Gesichtspunkte des Handels und der Schiffahrt, ohne welche die Niederlande zu einer ärrnlichcn kleinen Provinz eines Nachbarreiches herab­gesunken wären. Wenn sie durch Beschränkung der Ge­würzwälder auf bestimmte Zahlen von Bäumen und Ver­brennung iiberschüssiger Erzeugnisse ohne jede Rücksicht auf das Wohl der betroffenen Eingeborenen die Preise künsüich hoch hielten und keine Gewalttat zur Durch­führung des Monopoles scheuten, taten sie nichts anderes als heute die Kaufleute oder Industriellen, die durch Trusts und Ringe die Welt für chre Zwecke auszubeuten suchen. Wir sehen bei Zimmermann, wie die Nieder­lande angesichts des erbitterten Wettkampfes mit England und Frankreich auf eine Ausdehnung ihrer Macht in Afrika und Amerika verzichten mußten, um sich fortan mit Erhaltung und Belvirtschaftung des ihnen ver­bliebenen indischen Kolonialbesitzes zu beschränken; wie sie anderersefts innerhalb der letzten Jahrzehnte, während welcher sie ihren Schwerpunkt in der Gewinnung des guten Willens und der Zuneigung der eingeborenen Be­völkerung, in deren Erziehung und Fortbildung, in der Erschließung und Entwickelung der Kolonieen und in der Heranbildung eines vorzüglichen Beamtenstandes suchten, eine vorbildliche Kolonialpoliffk betrieben haben. Der Verfasser erzählt in der Vorrede ein hübsches Detail. Er hat für sein Werk die reichen Schätze des Britischen Museums benutzt. Die Hunderte von Büchern, die er

durchgehen mußte, waren in der Mehrzahl weder ge- bunden noch ausgeschnitten, ein augenscheinlicher Beweis, wie selten sich sogar in England jemand mit dem Wesen der holländischen Kolonialpolitik beschäftigt hat, von der in der Öffentlichkeit so oft die Rede zu sein pflegt.

Mißbrauch der Flaschenposten.

Bon einem gelegentlichen, seefahrtskundigen Mit­arbeiter wird uns geschrieben: Gegenwärtig läuft eine kleine Notiz „Ozeanfahrt einer Flasche" durch die Zeitungen, in der erzählt wird, wie ein Amerikaner in einer Flasche eine Karte mit Grüßen ins Meer geworfen habe, wie diese dann in England aufgefunden und be­antwortet worden sei. Der kleine Vorfall kann dem Publikum nach der Schilderung leicht als ein liebens- würdiger kleiner Scherz erscheinen, der Nachahmung ver­diene. Das soll er aber ganz und gar nicht. Die Flaschenposten auf See sind eine bitterernste Sache, und bei näherem Nachdenken wird jeder die stattgehabte Ver­wendung als einen tadelnswerten Mißbrauch ansehen müssen.

Die Flaschenpost ist ein altes, primitives, aber auch heut noch nicht ersetzbares Verständigungsmittel der Seeleute. In der Flasche senden verunglückte Seeleute ihren Angehörigen vielleicht die letzten Abschiedsgrüße und Weisungen, ihren Reedern den letzten Bericht. Mit Flaschenposten versucht ein in der Nähe der Küste steuer- los treibendes Schiff Hülfe herbeizurufen, oder machen Schiffbrüchige einen letzten Versuch, mit vorübersegeln­den Schiffen in Verbindung zu treten. Diesen ernsten Aufgaben entsprechend werden Flaschenposten auch auf das gewissenhafteste beachtet, und es liegt im allgemeinen Interesse der Seeschiffahrt, daß der Flaschenpost ihr ernst­hafter Charakter unangetastet erhalten bleibt.

Wenn nun aber ein großer Dampfer seine Fahrt unterbricht und das Geld seiner Reeder und die Zeit seiner Passagiere opfert, uni eine Flasche aufzufischen, oder wenn Fischer an der'Küste mit Daransetzung ihres Lebens und ihres Bootes eine Flasche aus der Brandung holen und dann darin die Meldung finden, daß Mr. Smith diese Flasche in guter Gesundheit geleert hat, wenn ihnen beim zweiten Male Frau Müller die gleich- wichtige Nachricht gibt, da wird ihre Neigung zur acht, samen Beobachtung der Flaschenposten sicher nicht erhöht.

Und das ist noch der günstigste Fall, daß der Finder den Inhalt gleich richtig verstehen kann. Oftmals wer­den Flaschen an Küsten angespült, wo kein Mensch die Sprache ihres Inhalts versteht, und das gibt dann leicht böse Weiterungen und Mißverständniffe. Es ist noch nicht lange her, da gaben auf einem Dampfer der Hamburg- Amerika-Linie die Fahrgäste ihrem Wohlbehagen durch eine Art von Riesenbierkarte Ausdruck, die sie alle unter­schrieben und in eine Flasche steckten. Die Flasche trieb bemerkenswert rasch an einen Ort der brasilischen Küste, wo kein Mensch Deutsch verstand und wo man kombi­nierte, das Schiff müfse untergegangen sein und die

FemÄeLon.

Kellerie.

Ein Gericht für Gesunde und Kranke.

Von Hildegard Orth.

Eine der mit Recht am meisten beliebten Gemüsearten ist und bleibt die Sellerieknolle; denn ich will gleich vor­weg bemerken, daß man durchaus nicht nötig hat, sie, wie bas in manchen Gegenden Deutschlands vorwiegend der Fall ist, stets nur zu Salatzwecken zu verwenden. Der Wert des Selleries für Küche und Tisch ist schon deswegen so hoch zu stellen, weil man ihn einen sehr beträchtlichen Teil des Jahres zur Verfügung hat. Sobald der Herbst beginnt, sind die oft wie ein .Kindskopf großen, fleischigen Knollen überall in den Gemüsehandlungen oder auf dem Markt und in den Hallen erhältlich. Von außen gesehen struppig in ihrem Wurzelgewirr, mit Narben übersät und meist schmutzig durch die ihnen noch anhaftende Moorerde, bieten sie, von dieser unscheinbaren Hülle befreit, ein gar köstliches, aromatisch duftendes und oft mit dem Blüten­schnee an Zartheit wetteiferndes Fleisch. Dabei ist Sellerie so wohlfeil, daß ihn sich selbst der ärmste Haushalt reich­lich und wiederholt zu leisten im stände ist. Überdies wohnt diesem Gemüfe eine ganz bestimmte hygienische Kraft inner alles Gründe, die uns veranlassen müssen, dem Sellerie besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden und seiner Verwertung zu gastronounschcn Zwecken so ent­schieden wie möglich das Wort zu reden.

Man unterscheidet, je nachdem man den Hauptwerk auf das Erzielen von Wurzeln oder Stengeln legt, Knollen- und Bletchsellerie. Der erftere wird vorzugs­weise auf germanischem Boden angebaut, und, was be­kanntlich nicht immer der Fall, in sein Lob stimmen alle deutschen Stämme mit größter Einhelligkeit ein. Der Bletchsellerie, an dem die langen, fleischigen Blattteile nach Ansicht der Weisen der Küche die Hauptsache bilden, wird dagegen in den romanischen Staaten, daneben aber auch in England und Holland bevorzugt. Selbstverständ­lich muh auch die Kultur bei den verschiedenen Arten

ihnen entsprechend gestaltet sein. Wenn die kleinen

Pflänzchen im Frühjahr die zum Versetzen nötige Größe erreicht haben, bringt man sie, durch ziemlich beträchtliche Abstände voneinander getrennt, in Rillen, die zuerst offen bleiben, um dann allmählich mit gelockerter Erde angefüllt zu werden. Zum Gedeihen brauchen die Ge­müsepflanzen reichliche Bewässerung; jedwedes Unkraut ringsum muß sorgsam sortgejätet werden. Das charak­teristische Bleichen wird erst im Herbst vorgenommen; sobald also die Blätter hinreichend lang geworden sind. Dies geschieht derart, daß man sie durch Strohbänder, die jedoch nur lose herumgeschlungen werden dürfen, ge­wissermaßen zu kleinen Büschen aneinander gesellt und dann die Erde in der Umgebung allmählich so hoch an- hüuft, daß nur die Spitzen der Blätter unbedeckt und sicht­bar bleiben. Nach einigen Wochen sind die Stengel voll­ständig gebleicht, demnach für die Verwertung zu Küchen­zwecken reif. Doch soll man die Stauden möglichst in ihrer schützenden Hülle belassen, ja, sie sogar gegen etwaigen Frost durch sorgsames Bedecken mit reichlicher Strohschicht schirmen.

Neuerdings hat sich der Bleichsellerie auch in stets wachsendem Grade die Gunst des deutschen Haushalts zu erwerben gesucht. Man baut ihn fleißig an, und er findet regen Absatz. Die einfachste Art und Weise, ihn zu ge­nießen, besteht darin, daß man von den gebleichten Sten­geln die äußere Schale abzieht und sie dann roh zum Nach­tisch verzehrt. Eine Prise Salz genügt als Würze — etwa wie dies bei den verschiedenen Rettigarten beliebt ist. Ebenso kann man aus den ihrer Schale befreiten Stengeln mit Zuhilfenahme von Essig und Ol einen sehr schmack­haften Salat Herstellen. In England ißt man die zarten, weißen Stengel besonders gern zum Käse. Übrigens ziehen Feinschmecker Zwergpflanzcn, die also verhältnis­mäßig kleinere Stiele liefern werden, den größeren Arten mit stark entwickelter Verästung vor: in jedem Falle ist über die Kultur des Blcichsellcrics bei uns noch lange nicht das letzte Wort gesprochen worden.

Eine Beeinträchtigung erlitt diese infolge eines Vor­falls, der sich vor einigen Jahren in England abspielte. In einer Anstalt erkrankte nämlich zu Beginn des Herb­

stes, zu der Zeit also, wo der Bleichsellerie am zartesten und billigsten zu sein pflegt, eine Anzahl von Personen am Typhus. Man spürte der Ursache nach, und es stellte sich heraus, baß sie auf den Genuß des — Bleichselleries zurückzuführen war. Zu ihrem Gedeihen beansprucht die Pflanze immer und stets ein starkes, reichliches Düngen, und die betreffenden Stoffe kommen nun direkt mit den Stengeln in Berührung. Man fand an diesen, ohne jede Widerlegung, als Erreger der Epidemie Typhnsbazillen. Wer also Bletchsellerie für den Tisch vorbereitet, sorge dafür, daß die Stiele tüchtig abgewaschen werden. Neuer­dings sucht man das Bleichen durch Umgeben der Pflan­zen mit Brettgehäusen oder llberstülpen von großen Blumentöpfen zu erzielen. Doch ich kann mir nicht hel­fen: Mntter Erde in ihrer innigen, lieben Umarmung bringt diese Metamorphose stets am köstlichsten, weil wohl am meisten naturgemäß zu stände!

Was den Knollensellerie betrifft, so sind Haupt- bedingungen für sein gutes Gedeihen, daß er gleichfalls reichlich gedüngt, ganz besonders aber früh gepflanzt wird. Sein Wert liegt selbstverständlich in der großen, fleischigen Knolle; je zarter und weniger diese von holzi­gem Geäder durchzogen ist, umso besser läßt sie sich in der Küche verwerten. Man hat nun mannigfache Methoden herausfindcn wollen, durch die Knollen eine besondere Größe zu erreichen vermöchten. Ein sehr gutes Mittel besteht darin, daß man einerseits die Spitze der Wurzel, andererseits einen Teil der Blätter abschneidet — die so­genannten Herzblätter müssen jedoch unter allen Umstän­den unverletzt bleiben. Die so hergerichteten Pflanzen bringt man nun an eine schattige Stelle, wo sie etwa bis an das Herz in die Erde gesetzt werden. Sobald sie hier ungefähr einen Monat verblieben sind, pflanzt man sie, aber ohne nochmaliges Zustutzen, in einen Boden, der nicht n«r sehr fett, sondern auch überaus sorgsam bear- beitet ist. Zu tief dürfen sie wiederum nicht in die Erbe kommen, etwa so, daß das Herz nicht von ihr berührt wird. Nun folgt unausgesetzt die größte Pflege von Seiten des Züchters. Herrscht trockenes Wetter, mutz fleißig begossen werden; doch darf man die Pflanzen nicht überbrauscn, die Erde soll vielmehr rings um die Wurzel