Beilage zum Wiesbadener Tagblatt.
Ilo. 71. Morgen-Ausgabe.
Donnerstag, den 12 Februar.
81. Jahrgang. 1903.
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„Dic Erinnerung verklärt, — wenn vorher schon Klar, heit vorhanden war. Wir freuen uns am reinsten in der Vorfreude und versöhnen uns am freiesten im Rückblick. Freud und Leid in der Gegenwart ist niemals voll unv rein und zerrinnt »ns unter den Händen; aber die versöhnte Erinnerung ist ein sehr dauerhafter Besitz."
W. H. Riehl.
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(20. Fortsetzung.)
Die Sängerin.
Roman von E. Schöyen.
Dem Norwegischen nacherzählt von Emil Jonas.
„Ach, ich kann es nicht glauben!" erwiderte Elsa, „Sie, der erste Impresario der Welt!"
„Ja, wollen Sie sich dem ersten Impresario der Welt anvertrauen, so will er Sie zur größten Sängerin der Welt machen. Aber lassen Sie mich nun hören, wie Sie gebunden sind."
Elsa holte ihren Kontrakt. Als er denselben durchgelesen hatte, gab er ihr den Rat, nicht zur Probe von „Norma" zu gehen, bevor sie dm versprochenen Vorschuß bekommen habe: versage ihr der Direktor diesen, so sei sie frei.
Me Majortn weinte vor Freude. „Gott sei gelobt, daß wir von hier fortkommm; wie glücklich wäre ich, wenn wir noch heute reisen könnten."
„Ja, hier ist nicht der angenehmste Ort."
„Wissen Sie nicht, was Napoleon gesagt hat? Sicilien ist ein Paradies, bewohnt von Teufeln."
„Das ist ein treffmder Ausdruck!"
„Aber kommm wir nun zu unserem Kontrakt", fuhr er fort. „Von dem Augenblick an, wo Sie von Signor Benturelli frei sind, gehören Sie mir. Ich bezahle alle Reise- und Aufmthaltskostm in dm Hotels erster Klasse, und ich gÄe Ihnen fünfhundert Franken pro Monat während der zwei erstm Jahre ..."
„Nicht mehr?" rief die Majorin. „Ich glaubte, daß es wenigstens ein paar Tausmd werdm würden."
„stlein, meine beste Frau", antwortete er ruhig. „Ich muß Ihrer Tochter einm Ramm schaffm imd alle die Reklame, die dazu erforderlich ist, kostet ein ganzes Der- mögm. Dieses riskiere ich allein, aber geht es gut, verspreche ich im dritten Jahre tausmd Francs monatlich, im vierten Jahre zweitausmd und so weiter steigmd durch zehn Jahre. Auf kurze Zeit mgagiere ich niemand. Sie müssm versprechen sich meinm Vorschriftm vollständig unterzuordnen und mir, nach welchem Lande ich wünsche, zu folgen. Nach Verlauf von zehn Jahren sind Sie, wie ich hoffe, eine weltbekannteGröße und können dann auf eigme Hand Millionm verdimm."
Elsa wußte, daß dieser Mann den berühmtesten Grötzm in der Welt des Gesanges dm Weg gebahnt hatte und sie war nrehr als zufrieden, um noch Einwmdungm gegm die Einzelheiten seines Kontraktes zu erheben. Sie Unterzeichnete ihr Engagement bei Bernhard und dieser verabschiedete sich. Als er sich entfemt hatte, schrieb Elsa sofort einige Worte an Signor Benturelli, um ihn davon zu benachrichtigen, daß sie sich nicht zur Probe einfinden könne, wenn er ihr nicht bis vier Uhr ihr Honorar geschickt habe. Eine Stunde später klopfte es an der Tür und der Bankier Mascaroni trat ein, ohne sich angemeldet zu haben.
„Entschuldigen Sie, meine Damen, aber weder der Portier noch sonst ein Diener war im Vorhaus."
„Ich empfange nie fremde Herum", antwortete Elsa überrascht und erzürnt.
„Ich weiß das; die ganze Stadt weiß, daß Mademoiselle wie eine Nonne lebt", sagte er lächelnd. „Es ist für viele junge Kavaliere eine große Enttäuschung."
„Ich bin nicht hierher gekommm, um Gesellschaften zu geben", antwortete Elsa kurz.
Er ließ sich ungeniert auf einem Stuhl nieder, fortwährend die stechenden Augen auf Elsa gerichtet.
„Nun, was sagt man über die Ereignisse des gestrigm Tages", fragte die Majorin.
„O, es herrscht viel Ärgernis", antwortete er. „Sehen
Sie, Madame, hier in Sizilien lebt man ungefähr wie in Algier oder in der Türkei. Me Frauen sind nur für ihre Männer vorhandm, das Haus ist sogar für die nächstm Frmnde des Mannes verschlossen. Die jungen Herum langweilen sich daher recht sehr während acht Monaten im Jahr und sparen während dieser Zeit ihr Geld, um sich umsomehr amüsieren zu könnm, wenn die Operngesellschaft kommt, denn dann hoffm alle eine oder die andere Erobemng zu machm."
„Und nur deshalb öffnm sie das Theater?" fragt» die Majorin.
„Natürlich", antwortete er, und der cynische, raub- üerartige Zug um die Lippen trat aufs Neue hervor, „Tas ist des Lebens Freiheit!"
Er löste eine Sammlung Goldmünzen, die er arc seiner Uhrkette hängend trug und die alle Amors Bild zeigten. Auf der einen dieser Münzm stand: „Wer du auch seiest, so bin ich dein Herr!" auf der andern: „Ich bin der Ursprung der Welt und ihre Bemichtung!"
„Sehen Sie, meine Dame", fuhr Mascaroni fort, „das ist der kleine Gott Amor, welcher die Theater wr« alle? hier auf Erden lenkt. Und wmn nun die jungen Kavaliere, welche dem Impresario das Geld verschafft haben, die eine Primadonna alt und^ häßlich finden, während die andere ihre Tür verschließt und die drifte sich von einem echten Cerberus von Dumna bewachm läßt, so ist es nicht zu verwundern, wenn man pfeift."
„Mer das ist ja eine Ungezogenheit ohne alle Grmzm!" rief Elsa. „Eine Künstlerin, die sich selbst respektiert, muß sich ja hüten, jemals nach einer solchm Stadt zu kommen."
„Sie, Mademoiselle, haben mchts zu furchten. Ich bin Ihr Ritter. Ich war es, der Sie gestern beschützte und ich bin jetzt gekommen, um Mnm zu sagen: Wenn Sie wünschen hier zu bleiben, können Sie vollkommm ruhig sein, Sie werdm Ihr Geld bekommen."
„Darf ich fragm, ob Sie von Sigonr Bmturelli ge. schickt worden sind?" fragte Elsa erschrocken.
(Fortsetzung folgt.)
Große Versteigerung
von
Teppichen, Linoleum, Tapeten etr.
Hente Donnerstag, de» 12. 5>. M., Vormittags 9V, »nd NochmittogS 2"- Itftr beginnend, versteigere ich im Aufträge des Herrn Friedrich liramer ans Bierstadt im
Loncordia-5aale, SIWratze \ hierselbft,
12 Paar Gardine«, 6 Reste Möbelstoffe, 45 Meter Eretonne, 7 Sopha- Kiffen, 1 Linoleum-Teppich, 2 Linoleum-Vorlagen» 20 Meter Linoleum, 19 Meter Linoleum-Läufer, 14 abgcpastte Teppiche, 89 Zimmer Tapeten mit Borden, 199 Tapeten-Reste von 5—12 Meter öffentlich meistbietend freiwillig gegen Baarzahlung.
Besichtigung am Mittwoch, den 11. d. M., gerne gestattet. Sämmtlichc Sachen sind nen.
Es ladet höflichst ein
Wilhelm Master,
Dotzheimerstraste 37. Auetionator und Taxator.
^ Kohlen-Abschlag.
Wegen Räumung meiner Lagers am neum Bahnhof offcrirc von heute ab gegen Baarzahlung:
Rntzkohlengries, vorzügl. Herdbrand..Mk. 12.—,
meltrte Kohlen, Ofen- und Herdbrand, ca. 40—50 °/o Stücke .... „ 20.—,
gewasch. meltrte Kohlen, 7« Stücke u. 7» Nuß III, Vorzug!. Hausbrand „ 22.—,
gewasch. Nustkohlen, Korn UI.21—,
gesiebte Stückkohle».„ 23.50
per 1000 stg. (20 Ctr.) fco. Hau» über die Stadtwaagc gewogen. 142
W. A. Schmidt, WellWIlliT
Telephon No. »2«. 2« Moritzstraß« 28.
Sekt- und Flaschenwein- Versteigerung.
Am Dienstag, de« IV. Februar er., Vormittags 10'/- Uhr an- fangend, versteigere ich in meinem Vcrsteigerungssaale,
pp** 7 Schwalbacherstratze 7,
ans einer Liquidationsmasse:
1050 Flaschen gute Rheingauer Flaschenweine, sowie 300/1 und 300/2 Flaschen Sekt
freiwillig meistbietend gegen Baarzahlung.
Die Proben sind anfgestellt in meinem Versteigerungssaale am Versteigerungstage von 8'/- Uhr Vormittags an.
Wilhelm Mellrich,
Auktionator und Taxator.
Schwalbacherftraste 7 .
Cudell-Motor-Compagnie, Aachen.
Tnsere neuen Modelle sind lieferbar und stehen Interesaenten gegen Kndc dieses Monats hier am Platze zu Probefahrten zu Diensten.
Vorläufige Auskunft erteilt F125
Chr. Marth, Wiesbaden, Herrngartenstrasse 17.
Telefon Wo. 3031.
