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Verlag Langgasse 21

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Montag, 16. slugust 1915.

klbend-Ausgabe.

Nr. 378. » 63. Jahrgang.

Oer Urieg.

von den östlichen Kriegsschauplätzen.

Oie Verfolgung der fliehenden russischen slrmeen.

Russische Brandkommandos mit Zelluloid- und B-nzmsvriyen ausgerüstet.

Berlin, 16 Aug. lZens. Mn.) Über die Verfolgung der fliehenden russrschsn Armeen wird den: „B. T." cruS dem i f. Kl iegspresseguartier . gemeldet: Der Vormarsch der Verbün­deten dauert an und hat, die russischen Heere vor sich her- treidend, die Linie nördlich von Dlodawa - WiSznicc- Hiodchr-idczy - Losica - Cznczew erreicht. Auch hier, im eigentlichen Rotrutzland, haben die Russen wie r n Feindesland gehaust. Sie führen Brandkomman- dos mit, die mit Zelluloid- und BenzinfpritzM MsqerüstÄ sind, doch werden nur die Herrenhäuser und die Judenviertel der Städte vernichtet; die Bauern hin­gegen gehen frei aus. Wo die Gutsfelder schon abgeerntet sind, wird das Gtreide unter die Bauern verteilt. Außerhalb der russischen Rückzugslinie, wo dre Felder geschont wurden, die Einwohner aber geflüchtet sind, verrichten die deutsche.« und österreichisch-ungarischen Etappenkommardos die Ernte­arbeit. Ingenieure stellein Dreschmaschinen und Mühlen auf.

Oie SelMetzung von Rowno.

Berlin, 16. Aug. (Jens Mn.) Zur Beschießung von Kowno heiß! es im ,.B. L.-A." über Kovonhagen: Pariser Telegramme aus Petersburg besagen, daß die Deutschen Kowno heftig an greifen. Die Landbevölkerung ioerde dazu an gehalten, beim AuSheben von Schützengräben mitzu- arbeiten. Die Bauern würden auch hii Anlegung neuer fetter Landstraßen beschäftigt, auf denen die deutsche schwere Artillerie befördert werde. Eime protze Anzahl schwerer Ge. schütze sei bereits in Tätigkeit getreten.

Größte Besorgnisse in Londoner Regierungs- Kreisen.

Berlin, 16, Aug lZens. Bin.) Rach der „Deutschen Tagesztg." sollen Londoner Neqierungikreise die größte Be­sorgnis wegen der Kriegslage in Rußland äußern. Grell habe mehreren Abgeordneten gesagt, daß die große Entscheidungs­schlacht bei Brest-Litowsk in a l l e r n ä ch st e r Z e i t zu er- warten sei.

Norwegische Nusblicke nach dem riesenhaften Rückzug der Russen.

W. T.-B. Christian!», 15. Aug. (Nichtamtlich) DaS norwegische Recderorgan „Norges Handels- og Sjöfarts- tidendc" schreibt: Die Entwicklung der Kämpfe an der Ost­front ist sozusagen p r o g r a m m ä ß i g vor sich gegangen Die Mittelmächte haben nicht nur >inen überaus großen Gcländegewin» erzielt, sondern auch den feindlichen Heeren Niederlagen zugefügt, die jedenfalls auch im Be­stände an Mannschaften. Offizieren und Material stark ge­zehrt und aller Wahrscheinlichkeit nach die Moral der Trnppcn mehr oder weniger angegriffen haben. Daß dieser riesenhafte Rückzug so weit gut verlaufen ist, gereicht den russischen Heerführern gewiß zu großem Lob, aber größere Ehre gebührt selbstverständlich den Siegern. Mit großem Interesse wird nun der weiteren Entwicklung der Operationen an der Ostfront entgegengcsehen. Unter den vorliegenden Möglichkeiten ist auch ein B o r st o ß durch die Ostseeprovinzen auf Petersburg denkbar. Jedenfalls müssen die Ooe- rationen vor Eintritt des Winters in Rußland zu Ende geführt sein. Dann dürfte für die Mittelmächte die Zeit gekommen sein, sich milderen Gegenden zuzuwendcn, von denen die Lombardei verlockend erscheint. Es steht aus, als ob die Österreicher imstande sind, mir verhältnismäßig geringer Truppenzahl die Italiener im Schach zu halten, wüh­lend diese dem Anschein nach keinen Ehrgeiz haben, Kon- stantinopel z» erobern und dadurch den Russen Luft zu machen, sondern es vorziehen, zu bleiben, wo sie sind, bis für die Mittelmächte die Zeit gekommen ist. sich für ihre Rache zu interessieren.

Bulgarische Genugtuung über die russische Niederlage.

W. T.-B. Sofia, 15. Aug. (Nichtamtlich.) Der Milltär- schriststcller Wassil An ge low schreibt in der „Kambana": Jeder von uns, der in seinem Innersten Bulgare ist. muh sich über den Zusammenbruch der russischen Armee freuen. Möge Gott den tapferen österreichisch-ungarische,, und deutschen Armeen Kraft verleihen, die russische Armee Völlig zu zerschmettern und in die Sümpfe hineinzutreiben, damit Rußland niemals mehr Europa und den Balkan mit seinen tierisch wilden Instinkten beunruhigen könne.

Tin neuer russischer Rredit für amerikanische Rrieyslieferungen in England.

Das Verlange« nach Berhaftung Suchomlinows.

Br. Basel, 15. Aug. '(Eig. Drahrbericht. Zeins. Bin.) Nach den „Baseler Nochr." stellte der englische Schatzminister der russischen Regierung durch die Bank von England einen menen Kredit von 12 Millionen für Heeresbedarf zur Verfügung, die von Amerika über Wladiwostok peliefert iverdon. — In mehreren russische« Müttern wird gefordert, datz Geuer.ch

Suchomlinow, ftüherer Kriegsminister, wegein schlechte: Durchführung der Hoeresorganisatian in Haft genommen werden soll.

Der deutsch-russische Rriegsinvalidenaustausch.

Gute Airfnahme deutscher nnd österreichischer Kriegs­invaliden in Schweden.

W. T.-B. HalSberg, 15. Aug. (Nichtamtlich.) Der Zug mit der. deutschen und östenreichifch-UMacn'.scheu Kriezs- invaliden ist heute morgen in Halsberg angekommen, wo der deutsche Gesandte Frhr. v Lucius,, der öflerrrichisch-uargarische Gesandte Graf Hadrk v. Fudak, der deutsche Militärattache mit Gemahlin und mehrere Mitglieder der Gesandtschaften sich cingesunden batten Die Invaliden wurden aufs herz­

lichste begrüßt, besonders van ihren Landsleuten nnd Ge­sandten, die Körbe mit Delikatest«: und deutschen und öster­reichisch-ungarischen Zeitungen mitbrachten. Die Gesandten unterhielte« sich mit jedem einzelner, und drückten allen die Hand. Eine große Menge Liebesgaben wurde überreicht. D:e Invaliden waren alle froh und zeigten sich voll Dankbarkeit für die Aufnahmie in Schweden.

Oie ttrieg§woche.

Die kriegerischen Ereignisse der letzten Woche lenkten wwderium unsere ganze Aufmerksamkeit auf den östlichen Kriegsschauplatz. Das wechselvolle Bild zeigte sich auch in der äußeren Abfassung unserer Heeresberichte, in welchen mit dom 11. August eine andere Gruppierung unserer Heere eingetreren war. Von diesem Tage ab erscheinen in den cmitlichen Meldungen nur noch die Namen von drei Heerführern. Die Truppen in denr Raume O sts e e - B u g - Na r ew unterstehen dom Generalfeldmarschall v. Hinden- bürg, die mittlere Heeresgruppe, zu welcher am 10. August die bisherige Armeegruppe Woyrsch ge­treten war, befchligt der Generalfokdmarschall Prinz Leopold von Bayern, die südliche Armee, unter derFührung desGeneralfeldmarschalls v. Mackensen, umfaßt auch diejenigen verbündeten Truppen, welche bisher ganz oder teilweise unter anderer Leitung ge­meldet waren. Diese U m g r u p p i e ru n g ergab sich aus der veränderten strategischen Gesamt­lage, als Erfolg der voraufgegangenen siegreichen Kämpfe. Soweit aus amtlichen Meldungen bekannt ist, sind die Unterführer des Generalfeldmarschalls von Hindenburg: der General v. Be low, im Raume um Riga, der Generaloberst v. Eichhorn in der Gegend

um Kaüvaria und die Generale v. Gallwitz und o. Scholz im Narew-Bug-Gebiet. Von den Unter-, führern der anderen Armeen wurde bisher nur der Name des Generalobersten v. Woyrsch genannt.

In der Gefechtszone zwischen Riga und dem N j e m e n sind keine wesentlichen Veränderungen ern- getreten. Östlich von Mitau sowie östlich Ponewiesk haben die Russen starke Kräfte herangeführt und scheinen hier auch kleinere Erfolge erreicht zu haben, wenn man ihren diesbezüglichen Meldungen Glauben schenken kann. Mit aller Macht versuchen die russischen Truppen, den Deutschen den Weg nach Dünaburg zu verlegen und hoffen, die Riga mit dieser Städt ver­

bindenden Eisenbahnen für sich zu retten. Aber auch diese scheinen ihnen bereits unterbunden zu sein, da ihre Meldungen mchrfach den hartnäckigen Widerstand betonen, welchen sie an Orten genannter Eisenbahn uns entgegenstellen. Weiter nördlich versuchen die Russen, das der Seestadt Riga drohende Schicksal um ein kleines hinauszuschieben und ebenso südlich bei Wilkomio die Bahn Dünaburg-WÄna für sich zu -retten. Alle diese russischen Anstürme der letzten Tags sind das Aufflackern einer letzten Offensive in dem einzigen Raum, in welchem ihnen hierzu die nöti­gen Eisenbahnen zur Verfügung sichen. Da dieselben jedoch der Not gehorchend in Übereilung mit so oft ge­schlagenen Truppen und sicherlich mit beschränkter Zahl anMunition und Material angesetzt wurden, wird ihnen kein Erfolg beschieden sein, chensowenig in den kom­menden Togen, wie es in den vergangenen der Fall gch wesen ist. A

In dem Bug-Narew- Gebiet haben die Ereigi nisse sich derart schnell und mit solcher Wucht ent- wickelt, daß wir nun am Ende der Woche vor einem gänzlich veränderten Bilde sichen. Obwohl die Festung Lomza noch nicht erobert war, drangen be- reits am 8. August Truppen des Generals v. Scholz in südlicher Richtung gegen den Bug vor. Nachdem am

9. August Lomza gefallen war, erreichten die vordersten Staffeln in der Gegend von Brok den Bug. Mit dem

10. August beginnt die strategische Lage in der Gegend von Lomza sich vollkommen zu ändern. Während die am Bug kämpfendest Truppen sich weiter nach Westen Platz schassen, dringt eine neue Staffel, von Loinzg angcsetzt, in südöstlicher Richtung vor, eine dritte er- känipft sich am 10. und 11. August den Narew-Übergaus