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Beilage mm Wiesbadener Tagklatt.

Uo. 63. Morgen-Ausgabe.

§ F h'er schlicken Vorsatz lind Tücke ans, daher müsse» ^ 2 alle Fehler allen zu verzeihen sein. 2

5 Lessing. ^

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( 16 . Fortsctzimg.)

Die Sängerin.

Roman von E. Schöyen.

Dem Norwegischen nacherzählt von Emil Jonas.

Wer da wurde die Alte ganz beleidigt und bat sie, sich nicht in das Gespräch zu mischen; sie müsse ihre Stimme spare,: bis zum nächsten Austreten.

Als die Majorin endlich zu Worte 'ommen konnte, erzählte sie, ihrerseits von Elsa, die auch gesungen, daß die Leute Tränen in die Augen bekamen, als sie kaum fünf Jahre alt war. Dann kam sie auf das Betragen oes schändlichen Theaterdirektors in Stockholm zu sprechen.

Wer da begann die Besitzerin der Altsümme in der anderen Ecke zu husten. Sie fand die ganze deutsche Unterhaltung langweilig, von der sie nicht ein Wort ver­stand, und sie fragte Plötzlich, ob die Damen die Verhält­nisse auf Sicllien kennten. Nein niemand von ihnen war früher dort gewesen!

„Nun, dann können Sie auf eine ziemliche Über­raschung rechnen", versicherte sie mit einem bedeutungs­vollen Lächeln.

Es war eine untersetzte muskelstarke Dame, die schon längst die erste Jugend hinter sich gelassen hatte und jetzt mit ihrem kurz geschnittenen Haare und dem bärstgen Kinn einem verkleideten Manne glich.

„Ich habe meine ersten Trnnnphe dort gefeiert", fuhr sie fort. „Es ist eigentlich eine entsetzliche Bagage, diese Bewohner von Messina; ein Ausschuß von allen .Küsten des Mittelmeeres. Sie Pfeifen und heulen im Theater wie wilde Tiere, und die Künstler gelten ihnen gleichsam als Wettrennpserde."

„Sind Signora auch Künstlerin?" fragw die Wienerin auf Italienisch.

„Das will ich meinen! Mein Name ist Elvira Bartoldi. Ich bin in Mannskleidern ausgetreten und habe Liebhaberrollen gesungen; die Tenorpartie .in Rossinis Messe ist fiir mich komponiert worden, und ich wars, die sie zum eisitenmale in Paris ausführte."

„Elvira Bartoldi! Ja diesen Namen habe ich oft schon gehört", arstwortete Signora Jakobi. „Sie sind ja eine berühmte Persönlichkeit."

„Das will ich meinen!" wiederholte diese, indem sie ihren Kopf in den Nacken warf. „Wer kennt nicht meinen Namen? Aber alles vergeht hier auf Erden und nichts ist empfindlicher als die Stimme. Ich erkältete mich mif einer Reise nach Brasilien: wir litten Schiffbruch und Mußten eine ganze Nacht auf einigen Planken mitten im offenen Meer umherschwimmen, bis ein englisches Schiff uns auffischte. Am Tage darauf hatte sowohl mein Mann wie ich die Stimme verloren."

„Das ist ja schrecklich!" riefen ihre Zuhöreinnnen.

„Ach ja, man muß im Lehm Mancherlei dulden. Als wir nach England zurückkamen, suchte ich Gesangs-

Samstag, den 7. Februar.

schülerinnen und glücklicherweise nicht vergebens. Wenn ich ein wirkliches Talent entdeckt habe, dann schaffe ich ihm ein Debüt und reise selbst mit an Ort und Stelle, um die Sache in Gang zu bringen; eben deshalb will ich jetzt nach Messina. Meine junge Freundin, Signorina Bartalucci, hat eine geradezu phänomenale Stimme."

„Aber Ihr Mann, lebt er noch?" fragte Signora Jakobi.

„Ja, wir haben ein kleines Geschäft in Mailand ein­gerichtet. Wir wissen, es gibt stets Freunde und Be­kannte, die Geld brauchen. Man kann . oft _ anderen Menschen Gefälligkeiten erweisen, die gleichzeiüg auch unserem eigenen Vorteil dienen."

„Wie meinen Sie das eigenüich?" fragte die Deutsche.

„Nun. eine Künstlerin befindet sich z. B. in einer zu­fälligen Verlegenheit, sie hat einen Schmuck, den sie gerade nicht zu verkaufen wünscht ..."

„Aha, auf diese Weise", sagte Signorina Jakobi.

„Der Mann ist Pfandverleiher", übersetzte Elsa ihrer Mutter.

„Ich habe auch meinen Anteil an dem Geschäft", fuhr Signora Bartoldi fort. „Ich befinde mich niemals auf Reisen mit meinen Eleven, ohne daß ich einen kleinen Vorrat bei mir habe."

Sie hob ihr schwarzes Überkleid empor und zeigte auf zwei große Laschen in dem Unterkleide. Sie öffnete die­selben und zog ein Schächtelchen nach dem anderen her­vor. Echte und unechte Schmucksachen von ungleichem Werte; rote, grüne und blaue Steine, Brillanten, Arm­bänder, Ohrringe, Halsgeschmeide und Haarpfeile. Sie fragte, ob die Damen vielleicht Verwendung für die eine oder die andere dieser Sachen hätten, alles sei um einen Spottpreis feil. Sie sei auch bereit, die Schmucksachen zu verleihen, im Falle man eines Abends unter den Zu­hörern in einer Theaterloge glänzen wolle. Ein Künstler, der kostbare Geschenke erlangen will, sagte sie, muß stets mit einem ganzen Vermögen von Diainanten auftreten; einer solchen Person wagt man nicht eine Bagatelle an- zubieten. Viele von rneinen Schmucksachen haben als Mthilse zu diesem Zwecke gedient.

In dem Gepäcknetz über ihrem Haupt stand eine längliche Blechschachtel, angefüllt mit kostbaren, schon benutzten Stoffen. Sie wurden ausgkPackt, sodaß der ganze Wagen mehr einem Modeladen glich. Die deutsche Dame machte mehrere Einkäufe; Elsa mußte eine direkte Aufforderung zum Kaufe ablehnen, da sie fürchtete, daß sie nicht hinlänglich Geld für Wohnung und Unter­halt behalte.

Indes sauste der Zug in eilender Fahrt dahin, oft hart am Meeresstrande. Das Wasser war fiefblau, der Himmel wölbte sich über demselben klar und warm mit bleichen Rosenwolken am Rande des Horizonts.

Welcher Konttast zu dem finsteren und regnerischen Wetter in der Lombardei. Him war eö so glänzend Äar, daß sogar die jämmerlichen Steinhütten verlockender erschienen, als die Paläste des Nordens. Der Zug führte durch mehrere kleine Städte mit Orangenhainen und Rosenhecken. Alle die mit flachen Dächern ver­sehenen Häuser waren aus weißem und schwarzem Marmor erbaut oder aus Stein, rosenrot, himmelblau und blaßgelb bemalt.

31. Jahrgang. 1903.

„Ach, wie liebe ich dieses Licht!" rief Elsa. „Meine Seele verlangt nach ihm wie nach einem erfrischenden Trank. Mich dünkt, das Licht scheine mir gerade ins Herz hinein!"

Spät am Wend hielt der Zug in einer kleinen Stadt, wo man übernachten sollte. Die ganze Truppe wurde nun sichtbar, alle Herren und mehrere Sängerinnen niedrigen Ranges hüpften aus einem Waggon dev zweiten Klasse, die Choristen und die Tänzerinnen aus der dritten. Dann zeigte sich ein breitschultriger, dunkel­äugiger Kalabreser, der sich erbot, allen .Künstlern Logis zu verschaffen. Man folgte ihm in zerstreuten Gruppen zu einem großen offenen Platz, der am Ende einer langen breiten straße lag. Alle Lichter in den Fenstern waren erloschen, Gas schien hier noch ein unbekannter Luxusartikel zu sein.

Der Kalabreser blieb vor einem niedrigen Gebäude stehen, dessen unterstes Stockwerk von einem großen Restaurant eingenommen war. Aber nachdmr man einen Blick in den langen Saal geworfen hatte, der nach gebratenem Fett und Tabak roch, wurde die Majorm ganz unruhig. „In dieses Raubnest wage ich memals einen Fuß hineinzusetzen!" „ „ c

Signorina Jacobi schien auch bedenklrch. Gab es denn kein anderes Hotel in der Stadt?

Ja, es gäbe solche, aber es sei sehr spät in der Nacht und da hier morgen Markt abgehalten werde, seien wahrscheinlich alle Zimmer besetzt. Indes gab man chrwn einen kleinen Jungen als Führer, und so begaben sich dre beiden Wienerinnen, Elsa und ihre Pflegemutter auf die Wanderung durch die schlummernde Stadt. Sie gingen von dem einen Hotel zum andern; an emcgen Stellen machte man sich nicht einmal die Mühe, die Tur zu öffnen, und in anderen hörte man nur eine brummende Stimme hinter einem Fenster oder einer Klappe, dre mürrisch antwortete: „Besetzt".

Nach stundenlanger, mühsamer Wanderung standen sic wieder bei ihrem Ausgangspunkte und mußten sich bequemen, in die Restauration einzutreten. Hier speiste man an ungedeckten Tischen und trank Wein aus Riesen­flaschen. Das Essen bestand aus grünen Sachen, Mak- karoni, gekocht in Öl, mit einer Art starkem Käse, dev an ranzige Butter erinnerte.

Die berühmte Elvira Bartoldi saß mitten unter den jungen Sängen: und rauchte Zigaretten, die Hände in den Taschen. Sie erzählte chnen alles, was sie auf Sizilien, der Heimstätte der, Banditen, erleben würden. Sie kenne die ganze zivilisierte Welt, d. h. Italien, Paris und Brrenos-Aires.

Die Majorin und Elsa beendeten ihre Mahlzelt so schnell wie möglich und riefen dann den Wirt herbei,, um die Zimmer oben zu besehen.

Es waren drei Zimmer da, ein größeres mit drei eisernen Betten, einigen Holzstühlen und einem gebrech, sichen Tisch mit Waschgefäß, und daneben eine Kamm«, wo nur Platz für einen Stuhl und ein Bett war. DaS erste Zimmer wurde für die Majorin und die beiden Deutschen besttmmt, während Elsa das kleinere Zimmer wählte. Wer die Lake,: waren so feucht, daß sie sich ur voller Kleidung aufs Bett legen mußte.

(Fortsetzung folgt.)

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Die verehrlichen Mitglieder werden zu der Samstag, de» 7. Februar d. I., Vormittags 10 7» Uhr. in dem Büreau des Vereins, Bleichstraße 1, stattfindenden

ordentlichen General-Versammlung

:rdurch ergebenst eingeladen. F 201

Der Vorstand.

hierdurch ergebenst eingeladen.

Wiesbaden, den 25. Januar 1903.

Tagesordnung:

1. Bericht über die Thätigkcit des Vereins im verflossenen Jahre.

2. Rechnungslegung.

3. Wahl des Vorstandes.

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