1. Anlage 511m Wiesbadener TaglrlaU.
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«*| Die Bildung liest nicht im Wissen, sondern in der £
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J|| herznstellen und zn erhalten. Rosegger.
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(11. Fortsetzung.)
Me Sängerin.
Roman von E. Schöye«.
Dem Norwegischen nacherzählt von Emil Jonaö.
„Es ist wahrlich so besser, datz er nicht kam", antwortete die Majorin. „Ich.erwarte von ihm, daß er den Lord einigermaßen artig aufnehmen wird."
Elsa traten die Tränen in die Augen, aus Kummer über die Geringschätzung, mit der über. Bergström gesprochen wurde. Sie ging schweigend in ihr L-chlaf- zimmer und schloß es hinter sich ab.
Als sie sich am nächsten Tage trafen, erklärte Berg- ström ganz ruhig, daß er deshalb zu Hause geblieben sei, weil er nicht als fünftes Rad am Wagen habe gelten wollen, während die Anderen englisch sprachen. Eigentlich kann er gerne bleiben, wo er ist; ich brauche keinen Besuch von ihm, beantwortete er eine Anfrage Elsas.
„Aber Lady Churchill könnte ja eines Ihrer Bilder kaufen", äußerte die Majorin. , ^
In diesem Falle freilich wäre es eine andere Sache.
Einige Tage später sprach der Maler davon, daß die englische Familie bei ihm gewesen und eine Bestellung gemacht habe. Ter Lord wollte ein Bild haben, das Jngeborg aus Tegners Frithjofssage voiptellen sollte, die ihren Falten auf der Schulter trage und über das Meer hinaussehe, auf Frithjof wartend, und die Lady habe vorgeschlagen, Elsa als Modell zu nehmen.
° „Ich muß gestehen, daß ich nicht große Lust habe, Dein Porträt zu malen, damit der englische Lümmel sich damit amüsiere, es anzugaffen", sagte Bergström in ärgerlichem Tone. „Aber ich habe großen Geldbedarf und um des lieben Goldes willen tut man ja, was es auch immer sei; aber dann sollen sie auch meiner Treu orderrtlich bezahlen! Sie sagten, daß ich den Preis selbst bestimmen könnte." . ....
„Das war doch außerordentlich freundlich", nef die Majorin aus, „ja, ist es nicht so, wie ich immer gesagt habe, der englische Adel ist die Krone aller Aristokratie, denn er besitzt sowohl Bildung des Geistes wie des Herzens." . „ .
’ „Aber weshalb sitzest Du so schweigsam da?" fragte Bergström seine Verlobte; „mich dünkt. Du mußtest froh sein, daß Du mir so nützlich sein kannst."
„Nützlich?" wiederholte sie mechanisch.
„Nun. Du bist ja eine einbringende Braut; ohne Bekanntschaft mit Dir hätten sie mir niemals eine Be stellung gegeben."
Elsa starrte ihn mit entsetztem Blick cm, als ob es ein ganz anderer fremder Mensch sei, der vor ihr stehe. Es war etwas Grobes in seiner Denkweise, etwas Uu poetisches, das ihr Zartgefühl verletzte.
„Slun ja", sagte sie schließlich, „ich bin erfreut, daß ich Dir nützlich sein kann!"
Aber während des ganzen Abends war sie schweigsam und auffallend ernst, ohne daß dies weiteren Einfluß auf Bergström zu machen schien; er zeichnete in emem Skizzenbuch — in seiner Phantasie war das Bud bereits fertig und Elsa existierte in diesem Augenblick für ihn nur als ein verwendbares Modell.
Lord Lionel kam noch zweimal wieder und am letzten Tage vor seiner Abreise lud er sie ein, ihm mit zur italienischen Oper zu folgen; seine Mutier habe eine Loge gemietet, aber sie leide an Kopfschmerz und müsse ich daher zuhause halten. Der Vorschlag wurde mit Freuden angenominen und auch Bergström versprach, sie zu begleiten. . . . .,
Der kleine, geschmackvolle Theatersalon, der m weiß und gelb erglänzte, war von einem eleganteii Publikum gefüllt. Man war gekommen,, um den griechischen Tenoristen Samuel Deska zu hören, dessen Stimme alle Welt berauscht hatte. Russische Fürstinnen hatten ihn fast auf den Hände,i getragen, ihn mit Blumen und Diamanten überschüttet; die Italienerinnen hatten sich seinetwegen erschossen und die Wieneriimen waren ihren Männern enllaufen. Kurz, sein Leben war ein Matchen, reich an allen möglichen komischen und tragischen Episoden. . ..
Die Majorin und Elsa saßen vorn m der ersten Reihe der Loge, hinter ihnen die beiden Herren. Der Vorhang ging empor und nach längerem Chor trat der Held hervor und sang ein kurzes Recitativ.
„Ach, welch eine Stimme", rief Elsa sofort, „und welch' prächtige Erscheinung!" Gleich darauf folgte das erste Liebesduett mit der Primadonna. Diese war ziemlich mittelmäßig, aber das störte nicht: wenn Samuel Teska sang, hörte niemand auf eüvaS anderes als
E Als der Vorhang fiel, war Elsa völlig stumm. Wenn man zu ihr sprach, vermochte sie kaum zu antworten. Diese Stimme hatte sie betört, gelähmt, hypnotisiert.
Im zweiten Akt kam die große Arie. Der Sänger feierte seinen höchsten Triumph. Das Publikum lachte, weinte, zitterte vor Entzücken. — Elsa hielt die Hand vor die Augen — sie vermeinte ins Paradies getragen
zu Norden. . .
Als sie heimfuhren, schlvelgte sie nur ,n dieser wunderbaren Stiinme. Sie antwortete zerstreut und schwieg am liebsten. Sie schien vergessen zu haben, daß sie Gast des Lords sei und daß Bergström überhaupt existiere. .
Nach der Vorstellung soupierte man in einem nahe gelegenen Restaurant: aber sie blieb schweigsam, nur ihre Augen leuchteten, ihr ganzes Gesicht war wie verklärt.
Draußen wartete der Wagen; als sie gegessen hatten, begleitete Lord Lionel sie nach Hause.
Bergström ging zu Fuß, da er in der entgegcnge setzten Richtung wohnte.
Vor dem Hause der Majorin verabschiedete sich der Lord. Er schien ziemlich verstimmt und fragte, ob das Schicksal es ihm vergönnen werde, sie jemals wieder zu treffen?
„Ach, Mama", sagte Elsa, als sie im Begriff war, sich zur Ruhe zu legen, „daß die Menschenstimlne eine solche Macht besitzen könne, das hatte ich mir nie träumen lassen.
Jetzt fühle ich, daß es doch etwas Großes ist, ein Sänger
Elsa gewährte Bergström ein paar Sitzungen, doch mußte er sich damit begnügen, ihren Kopf und ch« Hände aufzunehmen. Für die übrige Figur mußte er «n anderes Modell suchen . Das Bild war ba.d,fertig un wurde sehr hoch honoriert. Elsa erhielt bei derselben Veranlassung einen langer: Brief von dem lunyen ^ord, welcher schrieb, daß er sehr glücklich darüber stl m J* sitze ihres Bildes zu sein, besonders, da e» so ähnlich
3 Bergström schlug nun vor, bald aii die Hochzeit zu derrken. Cr habe Geld mehr als genug rur das e^te Jahr Aber die Majorin widersetzte sich gestimmt, da.o würde der Ruin ihrer Pflegetochter sem. w^'w ße sich verheirate, bevor sie ihre Studien vollständig abgeschlossen und sich einen Namen als Künstlerin erworbm habe, und
Normandie neue ranoscyasrimw jphhu« g" mehrere bekannte Künstlerkolonieen befanden.. Er ließ sich in eineni bekannten Fischerdorf weder dessen rauhes Klima seiner Braut versagte, seinen Wunsch zu erfnllm und mit der Majorin ebendorthin zu kommen. Asa bedurfte ja der Gcbirgslust an einem geschützten Orte und sie entschieden sich für einen der deutschen .Kurorte cm
^E-rst 3 M^der Mitte des Julimonats schloß Madam e Gemaiii ihre Unterrichtsstunden und ihre Schülerinnen konnten nun das gutheiße Paris verlassen.
Ter Kurort lag in einem hohen ^.ale. umringt von kegelförmigen Bergen. Die zahlreichen Hotels waren überfüllt von Vertretern aller Nationen; man tra> sich bei Tisch, man sah einander auf der Promenade, in dem großen Park und wieder des abends m dem reich er- leuchteten KurhauS. Man spielte Billard. ,as Ztttungm. tanzte uiid wohirte Konzerten bei übrigens aber schloß mau selten oder nie Bekanntschaften. Eui^ seder hata: seinen eigenen Zirkel und hielt sich an die fernen. Ob- gleich von Tausenden von Menscheii umgebe», verbrachten daher Elsa und ihre Pflegemutter diese Monate m voll- ständiger Zurückgezogenheit.
Die einzige Abwechselung brachwn die Briefe aus der Normandie. Elsa war stets- eine der Ersten m dem großen Speisesaal, wo der Briefträger sicb regelmäßig
früh morgens einfand. „ . .
Anfangs waren Bergstroms Briefe sehr redselig, ec beschrieb die Natur, die nackten Felsen, die interessant« Fischerbevölkerung, die Heringe, welche das ganze Dorf mit ihrem Geruch verpesteten, das geivalüge Meer, das^ in allen Tonarteir sang und in allen Farben leuchtete. Er berichtete van den Reisendeii und Fremden m dein dürftigen Wirtshause, wo er wohnte. Dort befanden sich noch verschiedene schwedische Maler Malerinnen,
ineistens aber Amerikaner, die den Abend damu verbrachten, Guitarre zu spielen und Negerlwder zu singom Später kam auch eine amerikanische Witwe dahin, me Mt ersucht hatte, ihr Unterricht im Malen zu geben. Sie habe keine Spur von Talerrt. aber da sie sehr reich ser und ibrn später vielleicht nützlich werden könne, habe ey ihr das nicht abgeschlagen.
(Fortsetzung folgt.)
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