Wtsbsöener Tsgblstt.
5«. Jahrgang.
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Jlfl* 51« Berlags-Fernsprecher No. 2953. SoMStttg» dkN ^1« IlMUllk.
Redaktions-Fernsprecher No. 52.
1803«
I 81 orgeBi«Rusg^be a
Der Panama-Kanal.
In Washington wurde dieser Tage, wie gemeldet, der Panainatänal - Vertrag mit Kolumbien unterzeichnet: damit ist die Wiederaufnahme des zuerst von den Franzosen unternommenen, aber dann so kläglich gescheiterten großen Werkes gesichert. Am 1. Februar 1881 war von der de Lessepsschen Gesellchaft mit den Vorarbeiten zum Kanalbau begonnen worden, nach 10 Jahren war die Unternehmung schmählich bankerott und die Arbeit wurde kaum, mehr wesentlich gefördert. Im Jahre 1899 wurde dann in Jersey eine neue Panama- Gesellschaft mit 30 Millionen Dollars begründet, die fcie Rechte der alten Gesellschaft übernahm. Da aber immer noch die Regierung der Vereinigten Staaten .Miene machte, den Nicaragua-Kanal zu erbauen, gab ldie Panama-Gesellschaft die Hoffnung guf, ihren Plan durchführen zu können und bot der amerikanischen Regierung ihre Aktiva und Rechte für die Summe von 40 Millionen Dollars zum Kauf an. Dieses Angebot nahm die amerikanische Regierung an und Mitte vorigen Jahres gab der Kongreß einer Bill seine Zustimmung, worin 130 Millionen Dollars für den Bau des Panama- Kanals und 40 Millionen für den Ankauf der Bestände und Rechte der Panama-Gesellschaft bewilligt wurden. Die amerikanische Regierung fyatte sich nun noch mit Kolumbien bezüglich der Überlassung des zum Bau des Panama-Kanals nötigen Gebietes auseinanderzusetzen, was nunmehr geschehen ist. Damit ist ein Werk gesichert, das zu den beüeutendsteir aller Zeiten gehört und für die ganze fernere Zukunft entscheidende Wirkungen bei nahezu allen Seestaaten der Welt Hervorrufen wird. Zugleich wird Nordamerika nach der Vollendung des Panamakanals etwas Ähnliches erreicht haben, wie Deutschland im Nordostsoekanale, nur daß in der neuen Welt die Dimensionen sehr viel großartiger sind. Ist die Landenge von Panama erst durchstochen, so werden das atlantische und das pazifische Geschwader der nord- amerikanischen Kriegsflotte sich jeder Zeit mit verhältnismäßig geringein Zeitverlust in jedem der beiden Meere vereinigen können, während sie heute zu diesem Zweck den ganzen südamerikanischen Weltteil zu umschiffen genötigt wären.
Mit Rücksicht auf die außerordentlich große Bedeutung des Kanals geben ivir unseren Lesern beistehend einen Plan desselben, sowie seines Einflusses auf den interozeanischen Weltverkehr.
Der Kanal beginnt bei Colon am Atlantischen Ozean und geht in vielfachen Windungen, aber in in: allge- meinen südöstlicher Richtung bis Panama am Großen oder Stillen Ozean. Die Länge des Kanals beträgt 99,9 Kilometer. Auf der ganzen Strecke hat man zur Aufstellung der teuren Maschinen, die 400 Millionen Mark gekostet haben, große Holzschuppen errichtet. Der Kanal selbst ist etwa auf ein Mertel seiner Gesamtlänge, nämlich 22,5 Kilometer von Colon aus, fertiggeftcllt,
die Arbeiten sind aber zum Teil bei dem langen Still
stand wieder verfallen. Es war dies auch die am leichtesten herzustellende Strecke. Am schwierigsten wird der Kanalbau sich dort gestalten, wo der Kanal die Culebra- Gebirgskette (ein Teil der Cordilleren) durchschneiden muß.' Die Höhe derselben beträgt an der betreffenden Stelle, welche gleichzeitig die Wasserscheide auf der Landenge von Panama darftellt, 185 Meter. Auf jeder
Seite diefes Gebirges bis Colon bezw. Panama hin, wird der Kanal 5 Schleusen erhalten, deren Lage unsere Leser in der beisteheiiden Karte finden. Seine Breite wird an der Oberfläche 50 Meter und an der Sohle 23 Meter betragen. Seine Tiefe soll so bemessen werden, daß auch die größten überseeischen Dampfer passieren können. Zur Zeit sind über 3000 Arbeiter beim Bau befchätigt, die zum weitaus größten Teil aus Jamaika bezog«: werden. Um für deii Kanal in seinem mittleren Teile auch in der trockenen Jahreszeit stets genügend Wasser zu haben, will man, wie in der beistchcnden
Karte auch ailgegeben, einen Damm quer durch deii oberen Lauf des Ehagresflusses ziehen, durch welchen das Wasser aufgestaut wird und einen See bilden soll, der dann während der trockenen Jahreszeit dem Kanal das erforderliche Wasserquantum zuführen wird.
In der kleinen Eckkarte oben rechts ist die Abkürzung der Schiffswege durch den Panamakanal zur Darstellung gebracht, und es läßt sich sofort erkennen, daß die Fertig-
stellung desselben einen außerordentlichen Fortschritt auf dem Gebiete des Verkehrs bedeuten wird. In dem kleinen Kärtchen sind die jetzt innegehaltenen Schiffs» routeir durch gewöhnliche, schwache Linien wiedergegeben und die :mch Vollendung des Kanals von den Schiffen einzuhaltenden Routen sind durch starke Strichlmien angegeben. Es ist ohne Weiteres ersichtlich, daß die Fahrt durch den oben genannten Kanal in vielen Fällen eine sehr erhebliche Zeitersparnis bedeuten wird und daß daher die jetzt gesicherte Ausführung des Kanalbaues von großer Wichtigkeit ist.
Feuilleton.
Den Uesenbeweb in einem lMütMWn Miel,
dem „Waldorf-Astoria", schildert unter Anführung ganz erstaunlicher Zahlen Jules Huret, der vom „Figaro zu einer Studienreise nach Ainerika ausgefandt :st. Cr spricht zunächst von der Größe dieses Etablissements, das einen ganzen Häuserblock einnimmt, 17 Etagen mtl 1500 Zimmern (darunter 1200 mit Bad) enthält und über 30 Millionen Baukosten verursacht hat; er kennzeichnet den unerhörten Luxus der Einrichtungem die alles nur Denkbare umfassen, was zum modernen Leben gehört, und denen natürlich mich die Preise entsprechen (einige der Wohnräume im ersten Stock kosten b:s 2000 Mk. täglich), und er wendet sich dann zu emer besonders interessanten Schilderung der Erdgeschosse, in denen sich das Leben des Hotels konzentriert. Sas erste Erdgeschoß wird von Friseuren, Pedicures, Mam- citres, russischen Bädern und der Wteilung des Steward des Hotels eingenommen. In der Wäschekammer sind allein 95 Frauen angestellt, die den ganzen Tag Servietten falten. 7 Angestellte öffnen vom Morgen bis zum Abend nur Austern und Muscheln. Der Austernchef bezieht ein Monatsgehalt von 400 Mk. 6 Männer verteilen den Kaffee in die Kaffeekannen, beim Geschrrr- und Silberwascheu sind 165 Leute den QQ^Sjen beschäftigt. Die Weinkeller eiithalten Wein für 800 000 Mk. und beschäftigen 28 Angestellte. ^ Das Cigarrenlager hat Cigarren im Werte von 1 200 000 Mk., me wie eine mit äußerster Sorgfalt geordnete Mbliothek erscheinen. Die teuersten Cigarren kosten je 6 Mk., und die Luft im Cigarrenlager wird sorgfältig m der Mitte zwischen kalt und warm erhalten. Em zweites
ebensogroßes Erdgeschoß macht einen Eindruck wie ein großes Hüttenwerk. Maschinen, Dynamos mit Riesenrädern, 8 Meter hohe Kessel erzeugen das _ Licht, die Kraft für die Fahrftühle, die Ventilation, die Heizung und für die Herstellung von Eis. 8 Maschinen erzeugen 3000 Pferdekräfte. 115 Ingenieure, Elektriker iind Mechaniker sind hier beschäftigt. Durchschnittlich werden täglich 160 Tonnen Kohle verbraucht. Dann folgen die Werkstätten für Tischler-, Schlosser-, Blei- und Eisen- arbeiten, denn alle Reparaturen werden im Hause gemacht. Täglich werden im Hause 50 000 Kilogramm Eis hergestellt, wovon an verschiedene Jndustrieen der Stadt verkauft wird. Im Waschhaus werden täglich 60 000 Stück Wäsche gewaschen und geplättet, das ist die ganze Wäsche von fast 3000 Personen (Reisenden und Personal), 3000 Bettücher, 8000 Hand-, Küchen- und Tischtücher, Staubtücher, Gardinen, Schürzen und Servietten. Jedes Glas Wasser wird auf einem Tablett mit gefalteter Serviette gereicht, die nur einmal gebraucht werden darf. Zum Waschen, Trocknen und Plätten hat man natürlich Dutzende automatischer Maschinen. Hundert große Tonnen nehmen die Reste an Fleisch, Fisch, Brot, Zitronen und Muscheln aus, die für 20 000 Mk. jährlich an einen Unternehmer verkauft werden. 50 Aektrisch beleuchtete und durch dicke Holz- türeu festverschlossene Zimmer sind mit Nahrungsmitteln angefüllt. Schinken, Rinder, ganze Hämmel, hunderte, tausende von Puten, Hühnern, Tauben,_ Enten, Fasanen, Spanferkeln, Bohnen, Sellerie, Pilze, Kartoffeln, Spargel, Salate, frische Früchts ec. liegen und hängen da aufgestapelt. Durch alle diese Räume gehen Kühl- röhven, die alles kalt halten. Bei Eröffnung des Hotels hat man für 1 000 000 Mk. Silber gekauft und seitdem etwa die Hälfte erneuert. Jedes Jahr wird von „Lieb
habern von Andenken" und den Bedienten für 40 000 Mk. gestohlen. Jährlich braucht man für 120 000 Mk. Wäsche. Im Dezember hat man für 24 000 Mk. Geschirr und Glas gekauft, im November für 44 000 Mk. Jährlich werden 1 000 000 Briefbogen gebraucht und 200 000 Stück Seife. Man serviert im „Waldorf- Astoria" durchschnittlich 2000 Mahlzeiwn jeder Art täglich, also 6000 Mahlzeiten ohne die Soupers. Täglich braucht man 50 Lendenstücke und schlachtet für das Hotel 25 Rinder, die, wenn sie von den Prairien kommen, erst sechs Wochen in Chicago gemästet werden. Kälber ißt man fast garnicht in New-Ijork. Dafür braucht man im „Waldorf" täglich 20 bis 25 Lämmer, 25 frisch gesalzene Schweine, 20 Schinken, 100 Rebhühner, 200 Wachteln, 100 Puten, 30 Dutzend Tauben, 10 Dutzend Enten, für 400 Mk. frische Pilze, 8000 Brötchen und 6000 Mlchbrötchen zum Kaffee. Das macht täglich für 30 000 Mk. Viktualien durchschnittlich!. Dazu kommen jeden Monat etwa für 400 000 Mk. Konserven. Der Stadt bezahlt man für das Wasser der Bäder, zum Trinken und zur Eisbereitung jährlich 200 000 Mk. Unter 1686 männlichen und weiblichen Angestellten zählt man 96 Köche und Küchenjungen, 18 Bäcker, 165 Geschirrwäscher, 177 Pagen und Grooms, 105 Gepäckträger und Auskehrer, 560 Kellner, 75 Zimmermädchen rc. Die Gehälter betragen etwa 260 000 Mk. monatlich; die Saalkellner erhalten 160 Mk. monatlich, die Etagenkellner 200 Mk., die Zimmermädchen 72 Mk., die Bureauangestellten 400 bis 800 Mk. Außerdem werden alle beköstigt und die Frauen haben auch Wohnung und Wäsche frei. Auf der anderen Seite gibt es viele Tage im Jahre, an denen die Einnahmen 80 000 Mk. betragen, so daß der Besitzer auf dem besten Wege dazu ist, einer der reichsten Leute New-Iorks zu werden.
