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Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblatts. i*- ~

Nr. 188. S«mstas. 14. Nugust.

lSchluß.» Töchlek. «Nachdruck verboten.»

Roman von Emma Hanshofer-Merk.

. ® te tvarf Len Kopf zurück mit ihrer alten Trotz- mrene. „Daruin habe ich Loch Larnach gestrebt, eine gewisse Selbständigkeit zu erringen, etwas zu sein aus e ^F ener ^ ia ^' ^lnit ich in voller Freiheit mein L-ebcn leben und — ineinctrvegen auch zugrunde richten kann, wenn ich will!"

„£, die Schriftstellerin sucht eine Sensation!" sagte er enttäuscht und bitter.

„Nein, Herr Doktor! Sie wäre Loch zu teuer be­zahlt! Es ist keine abenteuerliche Laune! Ich weiß, was ich tue, Laß es Wahnsinn ist, weiß, Laß ich mädchen­haft stillschweigen und warten und entsagen sollte! Aber ich kann nicht, will nicht! Will Sie keiner anderen lassen; will nicht, daß Sie wieder gehen unL ich zurück­bleibe in toller Sehnsucht! Ich habe ja keinen froren Willen mehr! — Sie sollen nicht glauben, Latz es mich Las Geringste küinmert, ob Sie reich oder arm sind. Laß ich noch an eine Stellung, an eine Zukunft Lenke! Ich muß Ihnen einfach folgen, weil ich Sie lieb habe!"

„Endlich! "Endlich, Olly!" Er hatte sie umschlun­gen mit einem wilden Aufjauchzen und küßte sie wie in einem zornigen Ingrimm, in einer leidenschwftvichen Gier nach ihren Lippen, wie der Verdurstete Len lang­ersehnten Trank an Len Mund setzt. Und so namenlos hatte sie Larnach verlangt. Len Hauch dieser glühenden Liebe zu fühlen, Laß sie selig erschauerte unter seinen wilden Küssen.

„Siehst Lu, Olly, nun ist er doch gekommen, der Augenblick, für Len ich mich dem Teufel verschrieben hätte, wenn ich an den glauben könnte!"

„Ja!" sagte sie mit einem übermütigen Lächeln. „Und nun mußt du dich rächen, mußt mich zurück- weisen! Zur Vergeltung!"

Seine Augen blitzten in die ihren. Es war fast ein böser Zug um seinen Munü.

„O, ich bin kein Narr und kein Heiliger. Nun hast Lu Lich in meine Macht gegeben, und mm soll dich nur niemand mehr entreißen! Reisen wollen wir, der Sonne nach, — wohin du willst, nach Sizilien, nach Ägypten, und nicht zurückblicken und alles im Stiche lassen! Und rote Rosen sollst du im Haar tragen und dich schmücken für mich, Geliebte, und am blauen Meer in seliger Einsamkeit die Arme um niich schlingen, und deine Haare'will ich um meinon Hals wickeln und meinen Kopf in Leinen Schoß legen und alles, alles vergessen! Arbeit und Ruhm und Pflicht! Was hat Las Leben denn noch übrig, wenn ich >das Ziel erreicht habe, dem ich mit allen Fibern zustrebte I"

Er schwärmte wie trunken und sie ließ sich mit fort- reißen von dem berauschenden Siegergsfühl, Las ihn durchglühte, wenn auch sein Gefühl ihr fremder, sein Ausdruck ihr rätselhafter schien als je zuvor.

„Fürchtest du nicht, Olly, daß ich vom Größenwahn nun ergriffen werde?" lachte er auf. „Alles hat sich mir erfüllt, was ich begehrte, und ich habe Las Glück zu Mir gezwungen und dich!

Also, wohin geht der Weg? Morgen, morgen! Nicht

wahr, Geliebte! Willst du ein Auto haben zur Fahrt in die Welt oder einen Wagen im Zug, nur für uns beide?" Er zog eine Karte aus der Tasche, und an­einander gelehnt schauten sie auf den Weg, den sie nehinen wollten, und manchmal drückte er sie mit dem Arm, der ihre Gestalt umschlang, gewaltsam an sich, ats wollte er sich versichern, Laß er nicht bloß träumte von ihrer Liebe und Hingebung.

Man hörte den Sturm über die Stadt hinbrausen und an den Fenstern rütteln. Und so dämmerig war es geworden daß sie die Namen auf der Karte-mcht mehr unterschieden, nur ungefähr, der Richtung folgten für ihre Fahrt.

„Die Reise in das Dunkel!" sagte Olly leise, mit emeni Ton, der ihn wehmütig berührte.

Sie klingelte und ließ die Lampen anzünden, und Dornberg saß nun nicht mehr neben ihr, sondern auf dom Stuhl ihr gegenüber, und in dom aufflammenden Licht betrachtete er ihr Gesicht, als müßte er es aufs neue studieren, Zug für Zng.

Viel stiller und ernster war er geworden, als folgte auf den trunkenen Überschwang nun eine dimnpfe Traurigkeit.

Und mit oinemmal nahm er ihren Kopf zwischen seine Heiden Hände und sagte in einem viel weicheren, wärmeren Ton, in einem Herzenston, wie nie zuvor:

„Olly, Olly! Sag mir es noch einmal das süße Wort: Ich Hab' dich lieb!"

„Ich Hab' dich lieb!" wioderholte sie in tiefem Ernst.

„Weißt du, daß du alles Böse auswischen kannst, daß du den Menschen in mir weckst, den ich für ganz erstorben hielt, wenn du mich so anblickst!"

Sie lächelte ihn an, warm und zärtlich.

„O, du ahnst ja nicht, wie böse ich tvar, — oben noch, vor wenigen Anganblicken! Ein schlechter ganz schlech­ter Kerl!"

Er ließ seinen Kopf herabsinken auf ihren Schoß und flüsterte erschüttert: „Verzeih mir, verzeih mir»

Zu heiß war mir der Rachewunsch ins Herz gebrannt, zu fest haßte ich mir das eine Ziel vor Augen gestellt: Vergeltung! Und nun als du mir das Liebste gesagt -hast, was ein WeA uns gestehen kann, La erwachen Lie alten, finsteren Dämonen und ich jubelte: Ja, ja, so mußte es kommen! Sie hat mich verlacht, als ich sie. zu meiner Frau begehrte und hat mich verhöhnt, La ich sie bat, auf mich zu warten. Nun soll sie mit mir gehen als meine Geliebte, und ich will sie berauschen und toll! machen und ganz an mich ketten, und dann — dann, wenn sie rückhaltlos in meiner Geüvalt ist — -dann werde ich mich losreißen von ihr und Sedjcn über ihre Liebe, wie sie über mich gelacht hat!"

Er sprach's mit so lioben Augen und in so tiefer Be­wegung, Laß sie nicht erschrecken konnte, ja ixife sogar das Bangen von ihr wich, das ihr bisher das Herz ein­geengt hatte.

„O. Las war der böse Zug um -deinen Mund!" sagte sie mit einem sehr reizvollen Lächeln, im süßen Bewußt-