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Arbeitslose Mädchen.
Wenn man die Lage der Arbeitslosen beklagt und auf Linderung ihrer Not sinnt, hat man vor allen Dingen arbeitslose Männer im Auge. Die Vorschläge zur Ausgestaltung der Arbeitslosen-Verstcherung beschäftigen sich fast ausschließlich mit männlichen Personen. Die gemeindlichen und staatlichen Notstandsarbeiten menden sich ganz ausschließlich an Männer. Au die Errichtung von Wärmehallen für Arbeitslose wird ja in manchen Städten geschritten,' aber da ein gemeinsamer Aufenthalt von Männern und Frauen in diesen seine Bedenken hat, kommen auch diese in allererster Linie der männlichen industriellen Reservearmee zu Gute. Nur Wien hat meines Wissens besondere Wärmehallen für Frauen und Kinder eingerichtet. Auch Obdachloscn-Asyle sind für Frauen in viel geringerem Umfang vorhanden wie für Männer, und Arbeiterkolonieen für Frauen gibt» überhaupt nicht.
Manch einem mag der Ausdruck „arbeitslose Mädchen" fremdartig klingen. Denn viele Leute haben es noch gar nicht recht begriffen, daß bei den breitesten Schichten das weibliche Geschlecht heute gerade so gut unter dem wirtschaftlichen Zwang steht, sich das Brot schon von zarter Jugend an selbst zu verdienen, wie die Männer. Von arbeitslosen Mädchen, obgleich es deren genug gibt, hört man freilich weniger als von arbeitslosen Männern, weil erstcre sich meist still in ein Winkelchen verkriechen, sich nicht auf die „Wanderschaft" begeben, nicht an den Türen betteln, nicht an den Straßenecken stehen, nicht in den Kneipen herumlungern und auch keine Arbeitslvsen-Versammlungen besuchen. Im bisherigen Verlauf der Krisis sind es nicht die für Frauenarbeit maßgebenden großen Textilindustrieen gewesen, die Arbeiterinnen abgestoßen haben. Diese Betriebe helfen sich bei Einschränkung der Produktion meist durch Verkürzung der Arbeitszeit, nicht durch Entlassungen. Wohl aber haben die Jnönstrieen, die vielfach Heim-
Mittwoch» den 28. Januar.
arbeiterinnen mit zu Hülfe nehmen, wie die Konfcktions-, die Blumen- und Putzherstelluug weniger Hände beschäftigt wie sonst. Auch die Strvhhut-, Cigaretten- und Schokoladenfabrikation kommt bei der Beschäftigung von Arbeiterinnen hier sehr in Betracht. Schon die Tatsache, daß die erwähnten Gewerbszweige meistens Saisonindustrieen sind, hat für viele ihrer Arbeiterinnen periodische Arbeitslosigkeit im Gefolge, die dann für gar manche zur dauernden wird, wenn die Saison „flau" ausfällt. Auch entlassene Ladenverkäuserinnen füllen vielfach die Reihen der arbeitslosen Mädchen.
Der Umstand nun, daß die Fürsorge für die Arbeitslosgewordenen hauptsächlich mit den Männern sich befaßt, hat insofern seine Berechtigung, als besonders der ohne Verschulden arbeitslos gewordene Familienvater wohl die beklagenswerteste Erscheinung des modernen Wirtschaftslebens ist, denn seine Verbicnstlosig- keit bedeutet die Brotlosigkeit von so und so vielen Köpfen; dann aber auch vermag man z. B. durch öffentliche Arbeiten (Hoch- und Tiefbau) wohl Männern, aber keinen Frauen Beschäftigung zu gewähren. Und zu guter Letzt spricht wohl auch noch die Erwägung bei der Fürsorge mit, daß arbeitslose Männer als Masse viel leichter zu Gewalttätigkeiten zu schreiten geneigt sind als Frauen und schon durch ihre Organisationsfähigkeit ein zu fürchtendes Element bilden. Das Bild der arbeitslosen Frauen bietet dagegen ganz andere Züge dar. Ehefrauen sind, so lange ihr Gatte verdient, meist vor der äußersten Not geschützt. Für arbeitslose Witwen und ihre Kinder tritt vielfach die freiwillige und öffentliche Armenpflege ein, aber was wird aus den arbeitslos gewordenen Mädchen? Ein Teil findet zwar innerhalb der elterlichen Familie Schutz und Nahrung, bis wieder bessere Zeiten anbrcchen — aber der ändere Teil, derjenige, der keinen Familienanschluß hat, der ist am schlimmsten dran! Biele dieser Armen werden durch eine längere Berdienstlosigkeit nicht nur vorübergehend in leibliche Not, sondern dauernd in seelisches Elend gestürzt — denn ein Madcheugyicht hat seinen Preis. Und diese arbeitslosen Mädchen bilden dann freilich keinen „öffentlichen" Mitzstand wie die arbeitslosen Männer, wohl aber einen „heimlichen".
Die Frage, wie könnte den Hülflosen Hülfe dargeboten werden, ist nicht leicht zu lösen. Eine Arbeitslosen-Versicherung, die unter allen Umständen mit auf Sparzwang zu beruhen hätte, ist bei den Löhnen, welche sonst die Mädchen beziehen, fiir die Masse ganz ausgeschlossen. Denn der Verdienst reicht kaum aus zur Fristung des Daseins. Die Armennnterstützung ist ein mißlicher Ausweg, da sie nur das äußerste Existenzminimum gewähren kann und der ledigen Empfängerin volle Muße läßt, in der bekanntlich gern „der böse Geist schafft". Arbeit, ähnlich den für Männer eingerichteten Notstanösarbciten, ist für Frauen schwer zu beschaffen, ohne damit der sogenannten freien Arbeit Konkurrenz zu machen. Man könnte höchstens an Arbeits- oder
FemÄeton.
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Eine Jubiläums - Erinnerung an die Einführung der arabischen Ziffern vor 700 Jahren in Europa.
Von Dr. Kurt Rudolf Krcuschucr.
Zu den wichtigsten geistigen Errungenschaften, die sich der Mensch in vorgeschichtlicher Zeit als Fundamente seines heutigen Wissens und Könnens erworben hat, gehört die Kunst, die Vielheit der Dinge durch Zahlen und Ziffern genau zu bestimmen. Wenn der vielfach verspottete, heute von der Wissenschaft aber doch recht ernst genommene Erforscher der Affensprachc, Garner, zwar in überzeugender Weise nachgewiesen hat, daß seine Versuchstiere, die Kapuziner- und Spinnen-Affen und inameutlich jung in Gefangenschaft geratene Menschenaffen ein deutliches Verständnis für Zahlen bis zur 5 oder höchstens 7 entwickelten, so vermag doch kein Tier ^rechnerische Operationen mit Zahlen vorzunchmen, die ein ausschließliches Vorrecht des Menschen schon aus dem einfachen Grunde sind, weil auch das intelligenteste Tier in Ermangelung der Kunst des Schreibens keine Ziffern kennt, um die verschiedenen Zahlenbegriffe dadurch zu symbolisieren.
Schnell ist aber auch dem Menschen der Begriff der Zahlen und Ziffern keineswegs aufgegangen. Afrikareisende berichten noch jetzt häufig von Negerstämmen, deren Vorstcllungsvermögen für Zahlen sie bei der 10 oder 20, nämlich der Zahl der Finger, oder jener der Finger und Zehen, als der dem Menschen angeborenen Rechenmaschine, im Stich läßt. Selbst unter denjenigen, die die durchschnittliche Volksbildung genossen und das System der Zahlen und die Rechenkunst in mundgerechter Form mit vieler Mühe eingetrichtert bekommen babcn, gibt es nicht wenige, denen eine klare Vorstellung dessen, wie viel eine Million, eine Milliarde oder eine Billion ist, abgeht, und obgleich der im Rechnen Geübte schließlich, wenn er die nötige Zeit dazu aufwendet, mit beliebig großen Zahlen operieren kann, so versagt doch bei ganz großen Zahlen jedes Fassungsvermögen für die durch sie ausgedrückte Vielheit, weil sich das System der
Zahlen eben theoretisch nach allen Seiten in die Unendlichkeit ausdchnt, an der jede Fähigkeit des Begreifens zu Schanden wird.
Es ist vielleicht nicht ganz überflüssig, darauf hinzuweisen, daß Zahlen und Ziffern zwei recht verschiedene Begriffe sind, die sich zu einander verhalten wie Frucht und Schale, wie Körper und Kleidung, wie Unvergängliches und Vergängliches. Insofern, als eine Menge von Einheiten derselben Art in ihrem Bestehen unabhängig davon ist, ob irgend eines Menschen Hirn sich von ihnen Rechenschaft gibt, sind die Zahlen abstrakte Begriffe, die unverrückbar in der Ewigkeit wurzeln, wie die Gesetze, denen sie unterworfen sind. Wandelbar dagegen ist das System des Zählens und der Ziffern, die sich der Mensch als schriftliche Zeichen zum Ausdruck der Zahlen erfunden hat und die eine nicht uninteressante Entwickelung durchgemacht haben, bis sie die heutige Form erreichten, die eine kaum zu übertreffende Schnelligkeit und Sicherheit des Rechnens selbst mit den gewaltigsten Summen gestattet
Wenn wir heute mit Tausenden und Millionen wie spielend herumwerfen, denken wir wohl nur selten daran, wie mühevoll das Rechnen in alten Zeiten war, und man empfindet fast das Gefühl der Bewunderung, wie Griechen und Orientalen, besonders aber die in, Rechnen gewandten Indier, mit ihren ursprünglich ungefügigen Ziffern der Operationen mit großen Zahlen Herr wurden.
Welche Bedeutung dabei die 10 als Grundzahl unseres bei fast allen Kulturvölkern angenommenen, dekadischen Zahlensystems für das Rechnen hat, kann hier außer Betracht bleiben. Ihren Sieg verdankt che nur dem Umstande, daß der Mensch eben zehn Finger hat, und man kann ebenso gut auf der 5 wie auf jeder oe- liebigcn anderen Grundzahl das ganze Reich der Zahlen aufbauen, wie dies z. B. im Basbreton, einer keltischen Sprache, auf Grund der zwanzig geschehen ist. Von diesem vigesimalcn System finden sich auch noch heute deutliche Spuren in der französischen Sprache, wo sich die Grundzahl zwanzig in den Ausdrücken der Zahlen von 70 bis 99 — man denke soixante-douze, quatre- vinprt. quatre-vinsrt-dix-nenf re. — verrät.
Die ersten Ziffern sind mit der größten Wahrscheinlichkeit gleichzeitig mit den Schriftzeichcn erfunden wor-
NcdaktionS-Fernsprcchcr No. 52.
Nähstuben denken, welche von Vereinen unterhalten würden. Das nüchstliegendste dürfte sein, den arbeitslosen Mädchen Haushaltungsarbeit zuzuweisen. Mit dem guten Rat, sich nach einem Dienst umzusehen, ist es aber nicht getan, denn in Zeiten schlechten Geschäftsganges schränken sich viele Familien durch Entlassung der Dienstboten etu; die Nachfrage sinkt, während das Angebot steigt. Deshalb vermag auch die bcstorganisierte Arbeits- und Stellenvermittelung, so notwendig dieselbe immerhin ist, dem Übel wenig zu steuern. Die Arbeitsnachweisstelle zur Vermittelung f e st e r Stellen für häusliche oder gewerbliche Arbeit erspart allerdings den Suchenden die, besonders für Mädchen, nicht unbedenkliche und lästige Umschau. Stundenweise Gelegenheitsarbeit den Hungernden und Frierenden zu beschaffen, ist zwar ein gutes Werk, aber angesichts ihrer Unregelmäßigkeit und kurzen Dauer schützt sie die Vcrrichterinncn nur wenig vor den sittlichen Notständen, die mit der Arbeitslosigkeit stets verknüpft sind. Das arbeitslose Mädchen bedarf vor allem des Familienanschlusses, die bare Einnahme kommt erst in zweiter Linie in Betracht. In gar manchen Füllen könnte die Fürsorgetätigkeit, die private so gut wie die öfferrtlichc, arbeitslosen Mädchen, gleichviel, ob sie den Unterstützungswohnsitz bereits erworben haben oder nicht, durch Gewährung des Reisegeldes in die Heimat einen rechten Dienst erweisen, denn im Kreise der Eltern oder Verwandten kann sich ein Mädchen leicht nützlich machen und so sich über Wasser halten. Ein anderer Weg, der bei voraussichtlich vorübergehender Berdienstlosigkeit Erfolg verspricht, würde vielleicht der sein, solche Mädchen gegen einen kleinen Lohn, der aus Vereins- oder öffentlichen Mitteln fließen müßte, in Familien unterzu- bringen, in denen sie Dienstboten-Arbeit zu verrichten hätten. Es könnten auf diese Weise kinderreiche, unbemittelte Familien, die wohl Kost und Obdach gewähren, aber keinen Lohn zahlen können, sich ein Mädchen halten. Besonders während Krankheit, Wochenbett oder Genesungszeiten der Hausfrauen könnte durch stellenlose Mädchen hier eine Art .Hauspflege eintreten — gröbere Hausarbeit und etwas Kochen verstehen ja die allermeisten Mädchen, und arbeitslose Mädchen würden in schlimmer Zeit wenigstens so durch ehrliche Arbeit vor der „Straße" bewahrt bleiben. Hier könnte nun die Vermittelung gemeinnütziger Vereine durch Zusammen- führnng von Angebot und Nachfragen und durch Untersuchung der in Frage kommenden Verhältnisse Ersprießliches wirken. Die aufzuivenöenden Mittel müßten aber zum größeren Teil von der öffentlichen Armenpflege zur Verfügung gestellt werden.
Die Fürsorge für arbeitslose Mädchen ist in ebenso hohem Grade eine sittliche Pflicht der Gesellschaft, wie die für arbeitslose Männer, denn das Mädchen ist von noch schwereren Gefahren umgarnt wie der Mann, und beim Fehltritt fragt die Gesellschaft nicht, ward cs aus Not oder Leichtsinn begangen? p. 8.
den. Man setzte den ersten Buchstaben des Alphabets gleich 1, den zweiten gleich 2 und so fort, wie dies die alten Griechen taten, die ihr jonisches Alphabet zir diesem Zwecke durch drei sogenannte Episemen, d. h. Buchstaben eines älteren, außer Gebrauch gekommenen Alphabets, nämlich durch das Vau, das Koppa und das Sampi vervollständigten, die hinter Epsilon, Pi und Omega eingeschoben wurden. Man bczeichnete nun die Zahlen von 1 bis 9 mit den Buchstaben von Alpha bis Theta. In Ermangelung eines Zeichens für Null, das erst im späten Mittelalter in Aufnahme kam, konnte man die Zehn natürlich nicht durch Alpha mit nachfolgender Null ausdrücken, sondern bczeichnete die Zehner: 10, 20,
30 .... bis 90 mit den Buchstaben von Jota bis Koppa und die Hunderter: 100, 200, 800 ... . bis 900 mit den Buchstaben von Rho bis Sampi. Bequem war das Rechnen mit diesem System keineswegs. Abgesehen davon, daß man im Gebrauch von 27 Zeichen geübt sein mußte, leidet es an dem Ubclstande, daß in ihm die Entwickelung der Hunderter und Tausender als Vielfachen der Zehner nicht erkennbar ist.
Mit weniger Zeichen fand man ein Auskommen, indem man das sogenannte additive System anwendete, das nur Zeichen für 1, 10, 100, 1000 und so weiter benutzt, von denen man so viel, wie zur Darstellung einer bestimmten Zahl erforderlich sind, neben einander setzt. Um diese Zeichen nun nicht zu oft wiederholen zu müssen, schaltete man dann noch besondere Zeichen für 6, 50, 500 re. ein und gelangte so zu einer Schreibweise, die sich bereits dem Ziffernsystem nähert. Sie findet sich ebenfalls bereits auf älteren griechischen Inschriften, die als Ziffern die Anfangsbuchstaben der obengenannten Zahlworte, also Pente, Deka, Hekatvn, Chilioi und Myrioi benutzen und die Zahlen 500, 5000 und 50 000 dadurch markieren, daß sie das Zeichen der 5 in diejenigen für 100, 1000 und 10 000 hineinschreiben.
Auf demselben Prinzip baut sich auch das bekanntere römische Ziffernsystem auf, das für 1, 5, 10, 50, 100, 500 und 1000, wie bekannt, die Zeichen I, V, X, L, C, D und M gebraucht, so daß die Zahl des laufenden Jahres 1902 durch das Symbol MDCCCCII ausgcdrückt wird, während für höhere Zahlen ganz willkürliche Symbole, so z. B. für eine Million CCCCIqqqo geschrieben wurde.
