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Verlag Langgasse 21 „Tagblatt-Harts".

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„T-gbl-tt-H-us" Nr. 6650-S3.

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Berlm-Wilmersd-rf Güntzclstr. 66, Fernspr.: Amt Uhland 450 u. 451. Tagen und Platzen wird leine Gewahr übernommen.

Samstag» 14. August 1915.

Abend-Ausgabe.

Nr. 376. ♦ 63. Jahrgang.

Der Mißbrauch von österreichisch-ungarischen

Uriegsgesangenen!

Gewaltige

Versolgungsleistungen.

Die gewaltigen Leistungen und hierdurch bedingten Erfolge unserer Truppen aus dem östlichen Kriegsschau­platz lassen sich gegenwärtig, wo noch nähere Einzel­heiten darüber fehlen, am klarsten erkennen, wenn einige Zahlen das Verständnis erleichtern. Aus ihnen kann jeder ersehen, welche Fülle von unaufhör­lichen Strapazen dazu geführt haben, das Große zu leisten, was bisher erreicht worden ist. Am 8. A u g u st erreichte die Armee des Prinzen von Bayern nach der Eroberung von Praga die Gegend öst­lich dieser Vorstadt. Hier läßt sich noch nicht ziffern­mäßig festhalten, wieweit an diesem Tage die siegreichen Truppen vorrückten und welche Marschlei st un gen abgesehen von harten Gefechten geleistet wurden. Wohl aber am nächsten Tage, dom 9. August, denn jetzt steht sie bereits in der Linie Stanislaw orw Minsk. Die beiden Flügel dieser Heeresgruppe mar­schierten hierzu rund 80 Kilometer, ungeachtet der dauernden anstrengenden Gefechte. Am 10. August wird die Heeresgruppe Leopold von Bayern bereits in dem Raume K a l u s ch k i westlich L u k o w, gemeldet. Am 11. in dem Abschnitt M u ch a w k a - L u k o w, nachdem die Truppen heftig weiter kämpfend im ganzen 50 Kilometer zurückgelogt hatten. Am 12. August fin­den wir die unermüdliche Mannschaft zwischen dem L i w i c e und dem Ort S o k o I o w. Bis zu dieser Strecke mußten 40 Kilometer zurückgelogt werden und mit vollem Recht wird in der Freitagsineldung der Obersten Heeresleitung das Vollbrachte als Gewalt­marsch bezeichnet. In fünf Tagen hüben die helden­mütigen Truppen eine Strecke von m i n d e st e n s 120 Kilometer marschiert, wobei noch Wege und Dörfer, Brücken und Uferhänge im Sturm genom­men werden mutzten. Aber auch der schöne Erfolg die­ser heldenmütigen Taten läßt sich schon jetzt durch Zahlen fesfftellen. Durch diese übermenschlichen Kraft- anstrengungen wurde am 9. August der linke Flügel Mackensen mit dem rechten von W o y r s ch ver­einigt. Am 10.« August fand der linke Flügel Woyrsch Anschluß an den rechten des Prinzen von Bayern. Ohne so gewaltige Marschleistungen wäre diese Vereini­gung nicht möglich gewesen. Ihre strategische Aus­wirkung ist eine erhebliche Verkürzung un­serer Frontbreite. Standen die genannten drei Heeres­gruppen noch am Morgen des 8. August aus einem Raume von 220 Kilometer, so stehen sie am 12. August nur noch mit einec Gefechtsfront von 130 Kilometer dem stark zermürbten Feinde gegenüber. Hierdurch ist die Stirn unseres Angriffs um 90 Kilometer in 5 Tagen verkürzt, seine Kraft durch die dadurch gewonnene größere Tiefen­gliederung um ebensoviel gewachsen. Zu diesem Gelingen hat die ungebrochene Marschkraff der Armeen Mackensen und Woyrsch sicherlich auch nicht Geringes beigetragen. Ihre Leistungen lassen sich zahlen- mäßig noch nicht so leicht fesfftellen wie bei den Er­oberern von Warschau.

Eine so rücksichtslos durchgeführte, kräftige Ver­folgung bringt uns sicherlich auch den erwünschten und wohlverdienten Lohn. ^ M.

Dte Verfolgung gegen Brest-Litorosb.

Berlin, 14. Aug. (Zenl. Bln.) über die Verfolgung der russischen Armee wird aus dem Kriegspreffeguartier fol­gender Bericht ausgegeben: Der Sieg der Bayern über die russische Garde bei L owcza und der preußischen Garde am Wlodawka-Abschnitt hat die Rusien zur R ä u - niung ihrer dortigen von Natur ans sehr starken Stellungen gezwungen. Die Deutschen folgen ihnen längs der Straße und Bahnlinie in der Richtung auf Wlodawa, wo in sumpfigem Gelände sich die russischen Kräfte immer wieder zu sammeln versuchen und zähen Widerstand leisten Anschließend bilden die A r m e e n I o s e p h F c r d i n a n d s, K ö v e ß', W o y r s ch s, G a l l w i tz' und S ch o l tz' einen nach Brest-Litowsk und vom südöstlichen Abzugsraum hin offenen Bogen, der die Bahnlinie Parczew-Lukow-Siedlce-Malkin- ltzyzew bereits hinter sich hat und sich immer mehr net» cu Bert. Die schon außerhalb dieses Bogens liegende Festung N o w o g e o r g i j e w s k ist zerniert und wird bombardiert.

Die tapferen Sachsen am Narew.

Telegramm des Königs an den Divisionskommandeur.

Berlin, 14. Aug. (Zens. Bln.) In den letzten Kämpfen am Narew haben sich u. a. auch die sächsischen Bataillone hervorgetan. Der K ö n i g v o n S a ch s e n hat an den Divisionskommandear Generalleutnant v. Menges das nachstehende Telegramm gerichtet:

„Ich freue mich sehr, daß mein- zur Division gehören­den Truppenteile an den jetzigen glorreichen

Kämpfen in so vorzüglicher Art und Weise teilgenom­men haben. Ich lntte Sie. Men meinen wärmsten Dank

und meine vollste Anerkennung für ihre tapfere Haltung auszusprechen, wodurch sie den alten Ruhm meiner Armee fleckenlos bewahrt haben.

Auf der Suche nach Sündenböcken.

Der Gonvernenr von Kurland »nd der Generalgouverneur t der baltischen-Provinzen abgelebt

W. T.-B. London, 14. Aug. (Nichtamtlich. Drachlbevicht.) „Daily Chronicle" meldet aus Petersburg: Der General-

gouverneur der baltffchen Provinzen und der Gouverneur von Kurland sind abgesetzt worden,. Andere Absetzungen stehsn bevor.

Oer ttommandant von Warschau.

Sr. Berlin, 14. Aug. (Eig Drahitbericht. Zens. Mn) Oberstleutnant Schmidt, Generalsekvetär des Vereins für Hindernisrennen in Berlin-Karlshovst, fft zmn Komman­danten van Warschau ernannt worden.

Oer Einzug in Warschau.

W. T.-B. Warschau, 9. Aug. (Nichtamtlich.) Heute vor­mittag fand in dem von den deutschen Truppen am 5. August eingenommenen Warschau der festliche Einzug des Ob er- --efehlshabers der 9. Armee Prinzen Leopold von Bayern statt. Bei herrlichem Sommerwetter vollzog sich die feierliche offizielle Besitzergreifung der Festungsstadt, deren Einwohnerschaft wieder in dichten Scharen auf die Straßen drängte. In festgeschlossenen Reihen postierten sich die Bürger hinter den spalierbildenden Infanterie-Regimen­tern der Division, die in den Kämpfen um Warschau gegen Fort 6 erfolgreich vordrang. Stadtmiliz, die, neu gebil­det, auch angetreten war und in Gruppen den Sicherheits- cienst mitversah, bewährte sich sehr gut, so daß sich die ganze Einzugsfeierlichkeit programmähig vollzog. Am Wiener Bahnhof wurde der Overbefehlshaber bei seinem Eintreffen von Exzellenz Freiherrn v. Sch., dem kommandierenden Gene­ral der um Warschau versammelten deutschen Heereskräste, begrüßt. Umgeben von den hohen Offizieren seines engeren Stab/trat er dem Prinzen entgegen, in dessen Gefolge sich der Generalstabschef und die Herren des Armeeoberkomman­dos befanden. Nachdem der Oberbefehlshaber am Wiener Bahnhof unter den Klängen des Präsentiermarsches die aus­gestellte Ehrenkompagnie abgeschritten hatte, hielt er zu Pferd seinen Einzug in die Hauptstadt Polens. Kavallerie, eine Eskadron württembergischer Dragoner und preußischer Kürassiere, ritt voraus. Rotgelb und schwarzweitz winkten die Lanzcnfähnchen im Winde und dazu fcljctttten frisch die Klänge deutscher Anfanteriemarsch- l!i u s i k, die hinter der Kavallerie folgte. Umgeben von einer großen Zahl Stabsoffiziere, ritten die hinter dem O'berkommandierenden folgenden Generale. Es war ein statt­licher Reitertroß, der in die Stadt langsam einzog, denn auch den Schluß bildete eine preußische Ulanen-Eskadron, und der Warschauer Bevölkerung bot sich das reizvolle Bild, das sie Mit dem Einzug deutscher Truppen erwartet hatte. Als «in 5. August Exzellenz v. Sch., als Leiter der Operationen vor Warschau, mit seinem Stab in die Straßen der Stadt kam, vermißten die Bürger jeden Prunk, denn schlicht, ganz ohne Aufmachung vollzog sich das, und trotzdem jubelte alles, (t u d c n und Pole n, dem deutschen Führer entgegen. Heute entblößten die Männer still die Köpfe, sie neigten die Hüte tief bm der würdigen Erscheinung des Oberbefehlshabers der Armee, die sich durch Ausdauer, Zähigkeit und nicht zu schwä­chende Kampflust den Einzug in die Tore von Warschau er­zwungen hatte. In der Person des Bruders des Bayernkönigs verkörperte sich den Bürgern Warschaus die schlichte deutsche zielbewußte Art, und so grüßten sie ihn in Ehrerbietung durch alle Straßen. Bis zum Sachsenpark bot sich das gleiche, schöne, ruhige Bild eines warmherzigen, freudigen und würdevollen Empfangs. Vor dem großen Sänlenportal des Parkeingangs erfolgte dann, nachdem Polizeipräsident v. Glasenapp, Gras Hutten Czapski und Geh. Legationsrat v. Brueck Meldung über die Stadt erstattet hatten, ein Vorbeimarsch der Ehren­kompagnien und im Anschluß daran zeichnete Prinz Leopold persönlich und im Beisein von Prinz Friedrich Wil- belm von Preußen und Herzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein eine Abteilung von Mann­schaften mit dem Eisernen Kreuz aus, die sich in den heftigen Kämpfen der letzten Tage besonderes Verdienst er­worben hatten. Der Oberbefehlshaber fuhr darauf nach dem allen polnischen Köniasschloß Belvedere, wo er Quartier bezog. Eine Abordnung von Magistratsmitgliedern wurde dort von ihm empfangen, die die Ergebenheit der Stadt zum Ausdruck brachte. Es herrscht überall festliches Lcbenaufden Straßen, die Stimmung ist vorzüglich. — Deutsche Truppen aller Art ziehen gegen die Weichsel, um auf das Lstufer überzusetzen. Die Rusien wurden aus Praga vertrieben und die Verfolgung setzt sofort kräftig ein.

Nachlaß der Steuern in Polen.

Krakau, 14. Aug. (Zen?. Bln.) „Dziennik Narodowy" berichtet: Wie wir aus maßgebenden Kreisen erfahren, hat das Armeeoberkommando die militärische Gouvernementver­waltung in P e t r i l a u ermächtigt, die Hereinbringung rück­ständiger G r u n d st e u e r n für das Jahr 1914 zu er­lassen und die Hereinbrtngung der Steuern für das Jahr 1915 bis zur Beendigung der diesjährigen Ernte hinaus­zuschieben.

Zu Feindseligkeiten gegen ihr Vaterland gezwungen.

Wien, 14. Aug. (Zens. Mn.) Aus dem Kriegspresse* guavtier wird über den Mißbrauch von Kriegs g^e - fangenen und von friedlichen Bewohnerin« des besetzten Gebietes zur Teilnahme an Feindseligkeiten gegen ihr Vater­land gemeldet. Durch die in den besetzt gewesenen Teilen von Galizien dnrchgeführten Erhebungen der Gendarmer:« wird bekannt, daß entgegen der Haoyer Konvention auf Grund eines Befehles des russischen Ärmeekommandonten während der ganzen Dauer der Okkupation alle arbeitsfähigen Männer und Frauen außer zu anderen Arbeiten im Bedarfsfälle be­sonders zur Erbauung von Schutzengräb e^n zwangsweise! herangezegen «und hierzu bis tu die Karpathen ge­trieben wurden. Gleichfalls wurde festgestcllt, daß die Rusien auch österreichifch-ungärffche Kriegsgefangene zur Erbauung von Werken gegen uns mißbrauchen, obwohl dies gleichfalls den Haager BertragSbestimrnmngen zuwiderläuft. Ein merk­würdiger Zufall wollte cs, daß ein Jnfanteri-e-RLgrment rangst ernen russischen Stützpunkt erstürmte, den Kriegsgefangene, Angehörige desselben Regiments, hatten errichten müssen. Ans einer Hollztafet fand man dort folgende Inschrift in ungari­scher Sprache: Diesen Sitützpiunkt erbauten Szeklec des 12. Infanterie-Regiments.

Oer veckungswall menschlicher Leiber.

Zufämmengctriebene Frauen und Kinder dienen den Russin als Schul?.

W. t.-B. Wien, 14. Aug. (Nichtamtlich. Drahitbericht.) Aus dem Krtegspresseguartter wird gemeldet: Zu dem schon sehr inhaltsreichen Kapitel der grausamen rusftschen Krieg­führung bringen neue Taffachen einen tvetteren Bettrag. Unsere cm der Bystrica kämpfenden Truppen beurerLwn, daß an dem von den Russen verteidigten reästen User des Flusies Ansammlungen von Frauen und Kin­dern stattfanden. Die Russen- hatten sie vor der Schlacht g u sa m m emgetrieb e n, um durch diesen -.-"»all von Menschenleibern gedeckt, ihre Schanzarbeiten besser verrichten zu können. Die unmenschliche Maßnahme wrrd leider manches Ovfer gefordert haben, da jä die Kämpft wegen dieses Aktes bestialischer Roheit doch weder abgebrochen noch eingestellt werden konnten.

Der deutsch-russische verwundeten- Kustaufü»»

Ankunft der ersten Deutschen in Schweden.

W. T.-B. Haparanda, 14. Aug. (Nichtamtlich.) Dw erste; deutsche Verw und cit ein tr an Sport ans Rußland ist gestern auf der Eisenbahnstation T o r n e o em- getroffen, von wo die Verwundeten mittels Fähre zu einer glstündigen Quarantäne in die Stadt verbracht wurden. Dort hatten sich große Menschenmengen zum Empfang eingeftmd-n. Die meisten Verwimtdeten mußten an Land getragen tverden. Unter denftlben befanden sich sowohl Landsturm- als auch Linientruppen. Die Mehrzahl ist bei Kntwo gefangen werden Gestern mittag wurden d.e Verwundeten von Torneo nach Haparanda verbracht.

Beständige Ministerkonferenzen und Audienzen beim Zaren.

Lr- Wien, 14. Aug. (Eig. Drchtbericht. Zens^Mn.) Die Korrespondenz „Rundschau" meldet: Wie ernst

die Lage in Petersburg aufgefaßt wird, bewerfen dre ständigen Konferenzen der Mtnrster u » d die Berufung hoher Militärs nach Zars­koje Sselo. Es sollen bedeutsame Ent­schlüsse gefaßt werden. Der russische Gencralstab veröffentlicht eine ausführliche Bekanntmachung, in der er sich gegen den Vorwurf verteidigt, Pole» leicht­fertig anfgcgebcn zu haben. Halbamtlich wird ferner erklärt, daß Rußland noch ungeheure Hilfsquellen be­sitze.

Tie Mißwirtschaft in der russischen MunrtionS- herstellung.

W. T.-B. Paris, 14. Aug. (Nichtamtlich.) Der Peters­burger Berichterstatter des ..Temps" meldet, daß die russische Regierung in Übereinstimmung mit deni Wunsche der Duma einen Unt ersucku ngS-OS er a uLsch uß eingesetzt habe, welcher diejenigen ermitteln und zur Rechenschaft ziehen soll, welche für die ungenügende Menge an Munition und Arttlleriematerial verantwortlich sind.

vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.

Einführung des U-Drotes in Frankreich.

W. T.-B. Paris, 14. Aug. (Nichtamtlich.) Ter Finanz, ausschuß des Senats hat mit Viviaitti noch dem Handels- minister Thomson den von der Kammer angenommenen An­trag über dem Kauf und Verlauf von Getreide und Mehl durch dre Regierung besprochen. Der Ausschuß hat beschlossen, den von der Kammer gleichfalls angMommLne« Zusatzantrag, betreffend die Einführung des Kriegs- b rot es in Frankreich, von dem übrigen Antrag abzusondeim. Da die Frage höchste Wchtigkest besitzt, soll ein besonderer Gesetzentwurf ausgearbeitet werden.