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Uo. 43.
«erlagS-Ferufprecher Ro. 2953.
Dienstag, den 27. Januar.
Redaklions-Fernlprechcr No. 52.
1903.
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Zum Geburtstag des Kaisers.
Am heutigen Tags vollendet Kaiser Wilhelm sein 44. Lebensjahr, und zum fünfzehnten Male, seit er des deutschen Kaiserreiches Krone trägt, feiert das deutsche Volk den Geburtstag des Kaisers. Ein starkes Volk, das seinem Herrscher Ehre erweist, chrt sich selbst. Daß das Volk den Geburtstag seines Fürsten als sein eigenes Fest betrachtet und begeht, ist ein Zeichen eines gesunden, kräftigen Volkstums, welches mtbeirrt durch die Sorge des Augenblicks und den Streit des Tages festhält an dem, worin alle Söhne des Vaterlandes, und wir brauchen gewiß auch die Töchter des Vaterlandes davon nicht auszunehmen, sich eins fühlen dürfen und eins fühlen sollen.
Durch die Huldigungen, welche diesmal dein Kaiser j/n seinem Geburtstagsfeste dargebracht werden, geht ein ernsterer Zug als sonst. Es ist in jüngster Zeit von dem Kaiser und von den Kundgebungen des Kaisers mehr gesprochen worden, als das früher üblich war und — wir sprechen das Wort offen aus — mehr, als gerade denen lieb war, die zu den entschiedenen Vertretern des Monarchischen Prinzips gehören. Auch m den Debatten des Reichstags ist viel von der Stellung des Kaisers zu den öffentlichen Angelegenheiten, zu dieser und jener Partei die Rede gewesen, und es sind gerade die streng loyalen Kreise gewesen, welche' dtzr Ansicht Ausdruck gaben, daß solche Erörterungen der Autorität der Krone Nicht zuträglich, sondern abträglich seien.
Der Kaiser ist kein Philister, so hat der Reichskanzler Graf BÄow im Reichstage erklärt. Das Wort ist zutreffend. Der Kaiser ist eine inipulsive Natur von lebhaftem Fühlen und ausgeprägtem Denken, und er hat sich nie gescheut, das vor dem Inland« und dem Auslände offen auszusprechen, was sein Empfinden erfüllt und sein Herz bewegt. Es gibt kein Gebiet des menschlichen Wissens und Forschen», dem der Kaiser nicht sein
reges Interesse zngewandt hat, und es ist dem Kaiser Ernst mit seinem allumfassenden Streben. Aber von der tiefen Wahrheit, daß der Mensch irrt, so lange er strebt, sind auch diejenigen nicht ausgeschlossen, welche auf den Höhen des Lebens wandeln. Me Gegenwart kann das Urteil fällen, daß Kaiser Wilhelm, der durch die Lebendigkeit seines Geistes und die schöpferische Frische seiner Ideen hervorragt, in allen Fragen stets mit redlichem Sinn das Rechte gesucht hat. Daß aber ein sterblicher Mann in allen Dingen das Rechte gesunden habe, das ist ein Urteil, welches auszusprechen nur die Nachwelt das Recht hätte, tvelches aber die Nachwelt niemals ausgesprochen hat und niemals aussprechen wird.
Und eben deshalb können tvir, ja kann der Kaiser selbst, der ja ein aufgeklärter frei denkender und lvett- herziger Mann ist, vor denen wenig Respekt haben, die zu allen Worten und Grundsätzen, die der Kaiser verkündet, mögen sie sich nun auf das Gebiet der Politik, der Kunst, der Wissenschaft oder sonst irgend ein Gebiet des menschlichen Wirkens beziehen, nur ein höfisches Ja zu stammeln wissen. Wer wie der Kaiser schöpferischer Straft sich erfreut und der Entschlossenheit, das zu vertreten, was er für richtig erkannt hat, wird der Gegenrede, der Kritik nicht entgehen. Und diese Gegenrede ist notwendig in einem Staatswesen, in dem der Wille des Volkes gottlob zu ausschlaggebender Geltung gelangt ist.
Die Vorgänge der jüngsten Zeit haben gerade in den streng monarchisch gesinnten Kreisen zur Betonung des Wunsches geführt, daß diese Gegenrede, diese Kritik in Zukunft weniger, als es in jüngster Zeit der Fall war, hervortreten möge. Das wird sich freilich in einem modernen Staatswesen wie dem unsrigen nur dadurch ermöglichen lassen, daß nach Möglichkeit der Anlaß zu solcher Gegenrede, zu solcher Kritik vermieden werde. Und das war es wohl auch, was der Reichskanzler Graf Bülow im Reichstage zum Ansdruck bringen wollte, als er den Wunsch aussprach, daß der Kaiser, welcher verfassungsmäßig unverantwortlich sei, so selten als möglich in die Debatte gezogen werde.
Doch mag auch an den Worten des Kaisers Krisik geübt werden, mag dieser mit dem nicht übereinstimmen, was der Kaiser hier ja nicht als unumstößlichen Grundsatz, sondern nur als seine eigene Meinung verkündet und jener mit dem nicht übereinstim-inen, was der Kaiser dort verkündet hat, an der Festigkeit der monarchischen Gesinnung, an der Ehrfurcht, die dem Herrscher gebührt, ändert das nichts. Denn die deutsche Nation ist monarchisch, nicht weil der Monarch diese oder jene Politik vertritt, sondern weil es in ihm, nach den Worten Freytags, den Wollenden, den großen Arbeiter für die Nation verehrt, und weil das Haus der Hohenzollern in Jahrhunderten wechselreicher Geschichte seinen Berns bewiesen hat, den deutschen Stämmen das Banner voran
zutragen. In dieser Gesinnung und in dieser aufrichtigen Verehrung des Kaisers begegnen sich alle diejenigen, welche an dem heutigen Festtag in dem ehrlichen und herzlichen Wunsche übereinstimmen, daß es dem Kaiser eine lange und gesegnete Regierung vergönnen möge, allzeit ein Aivhrer des Reiches zu sein in den Werken des Friedens, auf dem Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung!
Zur..Gusthausreform".
Der wilde Wettbewerb, den sich die Wirtshäuser gegenseitig machen, die hohen Lokalmieten, die Abhängigkeit der Wirte von den Brauern und nicht zum wenigsten die Gedankenlosigkeit des Publikums haben das gemütliche, alte „Gasthaus", wie es Goethe tu Hermann und Dorothea schildert, allmählich zum „Wirts"-Haus werden lassen. Sah das Erquickungshaus alten Schlags vor allem auf das Wohlbefinden der Gäste, so ist das neuen Schlags zu allererst auf die Bereicherung des Wirts und seines Herrn Brauers berechnet trotz besten Stoffs und luxuriösester Ausstattung. Wie läßt sich also das Wirtshaus wieder zu einem Gasthaus machen? Das ist in kurzen Worten die Aufgabe und das Ziel, welches sich der Verein für Gasthaus-Reform, der dieser Tage sich in Berlin konstituierte, gesteckt hat. An und für sich erfüllt ja der Gastwirt eine im modernen Leben durchaus gebotene Funktion. Da nun der Gewinn an den berauschenden Getränken der Lebensnerv des heutigen Wtrtsgewerbes ist, mutz man hier anfassen, um es in richtige Bahnen zurückzuführen. Es kommt also darauf an, Gasthäuser zu schaffen, in denen der Bewirtschaftende keinen Vorteil vom Ausschank alkoholhaltiger Getränke hat! Damit ist nicht gesagt, datz dieselben aus den „Reform-Gasthäusern" verbannt werden sollen, wenn naturgemätz auch die Vermehrung solcher Wirtschaften angestrcbt werden soll, welche keine Spirituosen, oder doch nur leichtere Biere, oder auch gar keine alkoholhaltigen Flüssigkeiten verkaufen. Angesichts der immerhin wachsenden Zahl von „Vvlksheimen", „Wpetfe-" und Kaffcehallen", Abstinenz- Wirtschaften und vegetarischen Speisehäusern, welche den gestellten Ansprüchen in verschiedener Weise gerecht werden, bietet der Verein ja gerade nichts Neues.
Das Neue ist vielmehr, datz er System in die Gründung solcher Erholungs- und Erquickungsstätten bringen will, daß er die einzelnen Veranstaltungen in Fühlung miteinander setzen und Vorbilder für die verschiedenen Typen hcrausarbeiten will. Zn dieseni Behuf gibt der Verein, der vor etwa einem Jahr als „Drei-Männer- Verband" ins Leben trat und zuerst nur aus vr. W. Bode-Weimar, Rittergutsbesitzer Freiherr v. Diergardt- Mojawola (Schlesien) und Rechtsanwalt I)r. Eggers- Bremen bestand, eine Monatsschrift, „Gasthaus-Reform", heraus. Sie enthält eine Fülle interessanter Schilderungen und Erörterungen, z. B. über unser Schankkon-
FeuiUeton.
Neues uns Küdwest^Afrika.
Von I. Schlaffer.
In Süd-West-Afrika beginnt es sich jetzt allerorten frisch zu regen. Die Wunden, die vor Jahren die Viehseuche dem Lande geschlagen hat, sind fast vernarbt. Die vor kurzem vollendete Bahn Swakopnrund-Windhoek verbindet die Residenz unseres Schutzgebietes mit der Hafenstadt durch eine Fahrt von zwei Tagen, während inan früher in mühseligem Treck mit dem Ochsenwagen Vierzehn Tage brauchte. So tritt man auch von neuem der Frage nahe, unsere Kolonie nach Mineralien jeglicher Art zu durchforschen.
Der Reichtum an Kupfererzen in der ganzen Kolonie ift groß, doch wurden in früheren Jahren die schon verkannten Minen mit nur geringer Sachkenntnis auf das Oberflächliche untersucht und ausgenutzt. Mit nm so größerem Bedacht mud erst nach sorgfältigster Prüfung von Sachverständigen beginnen die großen Gesellschaften, die schon lange bestehen, sich in letzter Zeit wieder dem Bergbau zuzuwenden, zum größten Teil allerdings mit englischem Gelde und unter-englischem Namen.
Man kann nur stets aufs tteue bedauern, datz das deuffche Kapital sich so spröde erweist und sich mit so geringer Opferfreudigkeit an der Ausschließung unserer Kolonieen beteiligt. Es ist ja in jüngster Zeit etwas besser geworden, aber wie weit stehen wir vor der englischen Nation zurück, die in ihren Kolonieen mit offener Hand und weitem Blick Werte opfert, die sich erst in langen Jahren verzinsen, dann allerdings auch in oft überraschender Weise.
Von allen bis jetzt bekannten Kupferbergwerken «erden wohl die Otaviminen, deren bedeutender Wert nunmehr erkannt ist, zuerst erschlossen werden. Hand in Hand mit diesem Projekt geht der Bau einer neuen Bahn, um die Kupfererze auf dem besten Wege zu Wasser zu bringen. Aber ob nun die Trace von Otavi nach Karibik, der zunächst gelegenen Station der Swakopmnnd-Wind- hoeker Bahn führen wird, ober nach einem der von der Natur vorzüglich ausgestattetcn Häfen in der angrenzen
den portugiesischen Kolonie Angola, unserem Schutzgebiet wird sie großen Nutzen bringen, denn sie erschließt einen Teil des fruchtbaren Nordens unserer Kolonie, das Ovamboland, welches sich durchweg für Getreide und Plantagcnbau eignet, während das Hauptgebiet, das Steppculand von Süd-West-Afrika nur für Viehzucht in Betracht kommt und die Riviere der nur einige Zeit im Jahre fließenden Flüsse im Gartenbau, besonders in Tabak und Wein sehr günstige Resultate zeitigen.
Vielleicht wird in absehbarer Zukunft dieser Norden noch die Kornkammer unseres Schutzgebietes, zumal dessen Bewohner, die Ovambokaffern, ein kriegerischer und intelligenter Kaffernstamm, Ackerbauern sind, im Gegensatz zu den Vieh züchtenden Hereros und Hottentotten. Diese Ovambos sind der deutschen Herrschaft noch nicht unterworfen und der Zug der Schutztruppe nach dem Norden, von dem schon so oft die Rede war, ist noch nicht ausgeführt, vielleicht wird die dortige Kolonisation auch ohne einen solchen auf friedliche Weise gelöst.
Als kürzlich unsere Gebirgsbatterie eine Schießübung abhielt, kam, neugierig wie die Schwarzen nun einmal sind, ein Häuptling mit seinem Gefolge heran, um sich die Sache aus der Nähe anzusehen. Man kommt den Wißbegierigen bereitwillig entgegen und stellt sie recht dicht zu Seiten der Rohre auf. Der Schuß geht lös und zerstoben nach allen Seiten sind unsere Schwarzen. Doch damit nicht genug, unsere Geschosse haben das Gras eines zum Ziele dienenden Bergkegels entzündet, so datz der ganze Berg in Flammen steht. Da ist kein Halten mehr, der böse Geist, der dem schwarzen Rohr entfährt mit Feuer und Knall, treibt sie zu milder Flucht.
Ob Golderze in abbauwürdiger Menge vorhanden sind, ob bei dem Wassermangel unserer Kolonie die Gewinnung derselben möglich wäre, das sind alles noch Fragen. Viel mehr Wahrscheinlichkeit hat die Annahme, datz der Süden unserer Kolonie Groß-Nama-Land, welcher zum Teil aus derselben Gesteinformation besteht wie Westgriqualand, Diamanten haltende Gebiete birgt. Manche Funde wurden und werden geheim gehalten, aber von einigen weiß man Gewisses, und in den letzten Tagen tritt man damit in die Öffentlichkeit, denn man denkt allen Ernstes daran, den verheißungsvollen Spuren nachzugehen. Es ist eine Gesellschaft in der Bildung be
griffen zur Gewinnung von Diamanten und Edelsteiner in dem Gebiet von Gibeon.
Im ganzen Schutzgebiet werden in letzter Zeit wieder Schürfscheiuc in vermehrter Anzahl ausgestellt. Nach festgelegtcn Gesetzen darf der Inhaber dieses Scheines innerhalb des von ihm erworbenen Schürfgebietes den verborgenen Schützen der Erde nachspüren. Je größer seine Erfahrung auf diesem Gebiete ist, nm so eher wird er Erfolg haben, und dennoch — die Geschichte lehrt es — verdanken die meisten Schatzgruben, wie die unerschöpfliche von Kimberley, dem Zufall ihre Entdeckung.
Gar mühselig, Schritt vor Schritt, geht der Schatzgräber voran und treibt seine Stollen in die Muttererde ein, hier und da, bis er das Glück beim Zipfel faßt und seine zitternden, arbeitsmüden Hände nach jahrelanger Mühsal und Entbehrung vielleicht das halten, was ihm vorschwebt beim Wachen und im Traum. Zu solch einem Schatzgräber bitte ich meine Leser, mich zu begleiten.
An dem Wege von Gibeon nach Keetmanshoop liegt bei Bersaba der größte Krater Süd-Afrikas, in der Namasprache: Keitze Bubib, d. h. große Klippe, genannt. Der deutsche Name ist Groß-Brokerus und stammt aus dem Holländischen, Bruk heißt Hose, Brokerus heißt Fell, das ganze bezeichnet das Fell, welches eingeborene Weiber tragen. Der Berg ist kreisrund und erhebt sich fast senkrecht aus der Bersabaer Fläche. Die Höhe der inwendigen Kraterfläche beträgt 5000 Meter über der Bersabaer Ebene, welche wiederum 1000 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Die inmitten des Bergkegels liegende Kraterfläche bat einen Flächenraum von 160 Hektar. Sie ist 1700 Meter lang und 1000 Meter breit. Von dem Kessel dieser Kraterfläche erhebt sich die innere Kraterwand ganz steil 200 Meier in die Höhe. Die innere Kratcrwand ist an einer Stelle durch Wassergewalt durchbrochen und läuft nach Süden hin in eine tiefe Schlucht. Zunächst geht es von der inneren Flüche mit ganz steilem Abfall 60 Meter tief hinab, welchen Absturz man mit Hülfe von Seilen überwindet und dann geht es ziemlich bequem abwärts in der engen Schlucht, die in einer Länge von vier Kilometer in die Bersabaer Ebene mündet.
Hier oben in der Einsamkeit wohnt der Diamantengräber in einem ärmlichen Pontvk, einer biencnkorb-
