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Samstag» 14. August 1918.
Morgen - Ausgabe.
Nr. 375. » 63. Jahrgang.
Wer n BteHM als Wer
Fortschritte des Angriffs gegen Kowno.
Abgeschlagene französische Angriffe auf das von uns eroberte Werk in den Argonnen. — feindliche Flugzeuge zum Landen gezwungen.
— Der feindliche widerstand wird im varwina- Abschnitt trotz großer feindlicher Verstärkungen immer wieder gebrochen. — weiter vorwärts zwischen Narew und Bug. — weitere 7450 Gefangene» 11 Masch inengewehre und 5 Geschütze erbeutet. — Sokolow und Siedler genommen.
— ver Liwiec-Abschnitt erreicht. — Auch die Armee Mackensen auf der ganzen front in der Verfolgung^ — Das Liend der vertriebenen
polnischen Landbewohner.
Der Tagesbericht vom 13. August.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 13. Slug. (Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
I« den Argonnen wurden mehrere französische Angriffe auf das von uns genommene Martinswerk abgeschlagen.
Bei Zeebrüggc wurde ein englisches Wasserflugzeug heruutcrgeschosien. Der Führer ist gefangen genommen. Bei Rougemont und S e n t h r i m snordöstlich von Beifort) zwangen unsere Flieger je ein feindliches Flugzeug zur Landung.
Geftlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Hindenburg.
Die Angriffstruppen gegen Kowno machten
^ °Jm 2> Vr Uit n a - Abschnitt wiederholten die Russen ihre Angriffe ohne jeden Erfolg.
Zwischen Narew und Bug gmg es werter vorwärts, obgleich der Gegner immer neue Kräfte an diese Front heranführtc und sein Widerstand von Ab- schaftt zu Abschnitt gebrochen werden muhte.
Die Armee des Generals v. S ch o l z machte 90« Ge- f-ugerre, eroberte 3 Geschütze und 2 Maschinengewehre.
Bei der Armee des Generals v. Gollwitz wurden seit dem 18. August 8558 Russen, darunter 18 Offiziere, gefangen genommen und 9 Maschinengewehre und ern Pionierdepot erobert.
Heeresgruppe des Generalfelbmarschalls Prinz Leopold von Bayern.
Unsere in Gewaltmärschen verfolgenden Trappen haben kämpfend die Gegend von Sokolow ««d — nachdem die Stadt Siedler gestern genommen war — den 8 i w i e c - Abschnitt (südlich von M o r d p) erreicht.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.
Die verbündeten Truppen sind auf der ganzen Front in der Verfolgung. Bei der Fortbewegung stoßen die deutschen Marschsäulen auf allen Straßen auf die zurückströmende Armee polnischer Landbevölkerung, die von den Ruffen, als sic den Rückzug antraten, mitgcführt Wörde» war, die, da sie den recht eiligen russischen Truppenbewegungen natürlich nicht mehr folgen kann, dem tiefsten Elend preisge- gebe» ist. Oberste Heeresleitung.
Die fortgesetzt« Verfolgung zwischen vug und Weichsel. Neu« erfolglose Angriffe der Italiener.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
W.T.-B. Wien, 13. Aug, (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 13. August, mittags:
Russischer Kriegsschauplatz.
In Ostgalizien und im Raume von Wladimir- Wolynskr ist die Lage unverändert. Westlich drs Bug fetten unsere Armeen die Verfolgung des schrittweise zurückweichenden Gegners fort. Die nördlich des unteren Wieprz vordringenden österreichisch-ungarischen Truppen sind bis Radzyn gelangt. Unsere Verbündeten näherten sich Wlodawa.
Italienischer Kriegsschauplatz-
Au der k ü st e n l ä n d i s ch e n Front unternahm der Feind gestwn und in der Nacht wieder einige A n- «äheruugsversuche, die jedoch schon durch das
Feuer unserer Artillerie abgeschlagen wurden. Ein italienisches Lager bei Co r n o n s wurde mit Erfolg beschossen. Im Kärntner Grenzgebiet ist die Lage unverändert. An der Tiroler Grenze wurde östlich Schluderbach gekämpft. Ter feindliche Angriff war auch hier vergebens. Die Verteidiger blieben im vollen Besitz ihrer Stellungen. Die zurückgeheudrn Italiener wurden von ihrer eigenen Artillerie beschossen. Im Etschtalc vertrieb einer unserer Panzer z ü g e die feindliche Feldwache aus den Ortschaften Seravalle und Chizzvla.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs:
v. Höfer, Fetdmarschalleutnant.
*
Ereignisse zur See.
Der Verlust des österreichisch-ungarischen Unter- seebaotes bereits wieder «ettgemacht. Erfolgreiche Zlugzeugbeschietzung der Insel pelagofa.
Unser Unterseeboot 12 ist von einer Kreuzfahrt in der Nord-Adria nicht zurüokgekchrt. Laut «unt- licher italienischer Meldung wurde es mit der ganzen Bemannung versenkt. Am 10. d. M. zu Mittag ist ein f e i u d l i ch e s Unterseeboot im Golfe von Triest durch eine Mine vernichtet worden. Bon der Besatzung konntc niemand gerettet werden. Am selben Tage u«d dem darauffolgenden belegten unsere Seeflugzeuge die vom Feind besetzte Insel Pelagosa mit Bomben und erzielten mehrere wirksame Trefftr an einem Lcuchthause, an der R a d i o- Station, an einem Wohngebäude, im aufgestapeltrn Material und in der Abwchrmannschaft. Ein feuerndes Geschütz mittleren Kalibers wurde voll getroffen, ein Maschinengewehr demoliert, ein Tender versenkt. Die Flugzeuge sind trotz heftiger Beschießung wohlbehalten eingerückt. Flottenkommando.
Ausblick.
Es ist der Beruf von Reich und Ration, die Pflichten auf uns zu nehmen, die ein weltgeschichtliches Schicksal uns zugewälzt hat. Wir hatten, als wir vor einem Jahre überfallen wurden, wahrlich keine „Kriegsziele" nach dem Beispiel der Feinde. Sie alle wachten genau, was sie uns rauben würden, sobald sie uns nur erst auf >die .Knie gezwungen hätten. Wir brauchen die Liste ‘biefer freilich nur m der Phantasie einer haßerfüllten Mer formlos lebenden Wünsche nicht durchzugcheu, zumal wir heute wissen (und im gegnerischen Lager weiß man es mit zähneknirschender Wut ebenso gut), daß nichts von diesen frechen Zerstückelungsprogrammen /verwirklicht werden wird. Nur w i r hatten, wie gesagt, kein solches Programm, Wir hatten nie nach dem Gute des Nachbarn begchrt, nur uns wahren und behaupten wollten wir. Dann aber muhten wir fordern, auch wir. Die Feinde selber zwangen uns dazu. Sie sollen uns nicht umsonst eine Politik zugeschrieben haben an die wir anfangs gar nicht gedacht hatten; sie habend uns gelehrt, wie wir es machen müssen, damit wir dauernd vor ihnen Ruhe haben können. Wir waren bis dcchin, bis weit in den Krieg hinein, allzu zaghaft gewesen. Damit ist es jetzt vorbei, und wir haben es uns zum Glück abgewöhnt, andere Interessen als die u n sr i g e n zu befragen und zu berücksichtigen. Mägen die geschlagenen Friedensbrecher schreien und zetern, es soll uns nicht mehr kümmern. Wir haben die Pflicht, so zu handeln und uns demgemäß vorzusehen, als würden sie ihren Haß verewigen und für eine ungemessene Zeit jeden Gedanken an vernünftiges Entgegenkommen verabschieden. Und des- halb knüssen wir starke Schutzwehren ausrichten. Das wird nicht bloß ihnen selbst von-Nutzen sein, weil s sie verhindern wird, den so gründlich mißlungenen Versuch, uns zu vernichten, ein zweites Mal zu wagen. Wie wir es einzurichten haben, dies unser Kriegsziel zu erreichen, darüber brauchen wir jetzt noch nicht zu sprechen. Die Zeit ist obnehin^nicht mehr fern, da es wird geschehen rönnen. Schon ahnen die Feinde im W e st e n das Schicksal, das ihnen nach der völligen Niederwerfung der russischen Heeresmacht be-
schieden sein wird. Wie Opsertiere harren sie stumm und tatenlos des zerschmetternden Schlages. Sie sehen das Unheil kommen und können ihm nicht wehren, ein ' Zustand', gemischt aus Kläglichkeit und Grauen. Und es gibt drüben gewiß schon manchen sorgenvoller Betrachter, der sich durch >den Dunst der gigantischen Lüge hinduräigefunden hat und mit einer das Herz erstarren machender Beklemmung weiß, daß über die Zukunst Belgiens und über viele weitere große Fragen nur wir allein die Entscheidung treffen werden. Das Wie soll unsere Sache sein. Und ebenso steht es im Osten. Das Schicksal Warschaus ist in unsere Hand gegeben, damit wird sich Rußland ab- zufinden haben. Es gibt keinen unter uns, der sich nicht bewußt wäre, welche Riesenausgabe so aus unsere Schustern gewälzt wird. Es wäre gewiß bequem und leichter, die Auge dort ungefähr zu lassen, wie sie bis zum Kriege waren, aber können oder dürfen wir das? Wir müssen an uns selber denken, an unsere Zukunft, die behütet werden soll, vor einem neuen Raubzug m o skowi tische r Horden. Was gab derrn bis dahin Rußland die Macht, mit der es auf unsere Ostmarken driicken konnte? Doch nur der Umstand, daß es mit seinen w ei t v o rg es chob e u en westlichen Gebietsteilen b a st i o n s a r t i g dorsprang und gowisserrnaßen Tür an Tür mit uns im eigenen Hause wohnte. Das darf fortan nicht mehr so sein, es müssen Mauern und Dänmre gegen abermalige Überflutungen aufgerichtet werden. Und wiederum sagen wir, daß über die Methode einstweilen nicht geredet werden soll und daß es auch unnötig ist, es zu tun. Wir können ruhig unseren Militärs ver-, trauen, die z u n ä ch st dazu berufen sind, das Maß des erforderlichen Grenzschutzes zu bestimmen, dessen wir für die Sicherung des nationalen Bestandes bedürfen. Dian verweist uns zuweilen darauf, daß Fürst Bismarck sich 1871 erfolgreich gegen Forderungen der militärischen Stellen wehrte, die es nach seiner Meinung für immer umnöglich gemacht hätten, mit Frankreich wieder in ein erftägliches Verhältnis zu kämmen. Aber wenn damals Moltke durchged ru ng en wäre (mit dem Anspruch auf Metz gelang es ihm ja), wo wäre alsdann der Schade gewesen, der angeblich durch die Nichterfüllung seiner Forderungen verhütet worden sein soll? Würde Frankreich noch gefährlicher geworden sein, als es ohnehin schon in den vier Jahrzehnten seit jenem Kriege gewesen und geblieben ist? Oder war es etwa ein weniger gefährlicher Nachbar, weil wir ihm Schonung hatten angödeihen lassen? Es war und ist ja >doch alles eins, und der einzige Unterschied zwischen dem Bismarckschen und dem MoWe- schen Programm ist, daß die Republik mit der größe- ren Macht, die wir ihr großmütig ließen, den Rachedurst wirksamer vorbereiten konnte, als sie es mft geschwächter Kraft vermochte. Eine noch größere St^vächung zur rechten Zeit, und wir hätten vielleicht dauernd Ruhe gehabt. Gewiß, -man kann der Vorsehung nicht in die Karten sehen, aber die e r st e Pflicht gegen sich selbst gebietet stets, nichts Halbes zu tun. Vor solchemFehler wollen wir uns bewahren, die u»s aufgezwungenen Opfer heischen Sühne. Das ist kein Krieg wie andere, darum muß auch der Friede anders sein, als es sonst Friedensschlüsse sind. Die Welt soll uns nicht ungestrakt gereizt haben.
von den östlichen Kriegsschauplätzen.
Die französische Heeresleitung von der Räumung Wilnas verständigt.
Genf, 12 Ang. (Zeus. Bim) Nach einer Meldung aus Pnris verständigte Großfürst Nikolai Nikolajewitfch bir framzMche SeeveÄe'itiMg,baß er sich-schweren Herzens zinr Räumung Würms entschließen mußte, weil trotz des heldenmütigen Widerstandes der in Karrland und Litauen ausgebotenem russischer Abteilunyen bte Bertei- ■Wgunß mit den vorhandenen Mitteln aussichtslos war. Die Räumung begann in der letzten Woche. ver Uebergang über die Weichsel bei Iwangyrod:
Eine Großtat der Kriegsgeschichte.
Stockholm. 13. Aug. (Zeus, Bin.) Ein schwedischer Berichterstatter schreibt vom österreichisch-ungarischen Hauptquartier an „Svenska DaMadet": Der Übergang über die
