erläge zum Wiesdaüerrer Tugdlult.
Uo. 33. Morgen-Ausgabe.
Donnerstag, den 22. Januar.
51. Jahrgang. 1603.
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Zwei Spiegel sind, worin sich selber schont mit Wonne Die hohe Himmel»- und die höchste Geisiersonne:
E n Spiegel ist da« Meer, von keinem Sturm empört,
Ein and rer das Gemüt, von keinem Drang verstört. tb Rückert. Ä
*99^W^»^tW*W*WWWWW¥WWW¥WW*WWWW¥¥WW*t99* (2. Fortsetzung.)
Die Sängerin.
Roman von E. Schöyen.
Dem Norwegischen nacherzählt von Emil JoaaS.
Die vornehme Dame mußte selbst hinzutreten, um sie, 0 schwedisch vermochte, zu beruhigen.
^.er Blinde bekam den Befehl, sich mit dem Kind zu entfernen und sich von dem jungen Herrn nicht mchr ins Haus fuhren zu lassen; wollten sie ihre Kunst im Garten ausuben, so sei ihnen das unverwehrt.
' In der Nachbarschaft war es bekannt, daß die vornehme Dame die Gattin des englischen Gesandten sei, daß rhr Mann sich in Stockholm befinde und daß Lionel ihr einziges Kind sei. Dieser und Elsa wurden bald gute Freunde. Bei diesen vornehmen Ausländern saß das Geld lose in der Hand und des Blinden dürftige Hütte wurde nach und nach mit Gaben aller Art bereichert. Einen solchen Sommer hatten sie nie zuvor erlebt.
Der Herbst kam und die Fremden reisten. Gegen den Winter starb Elsas Mutter, und wenige Ta-ge später wurde der alte Spielmann auf seinem Strohsack tot gefunden. Die Hütte wurde dann als Schafstall einem nahe wohnenden Landmann iiberlassen, und Elsa wurde von der Armenverwaltung bei einem jungen Ehepaar rmtergebracht, das hoch oben aus dem- Bergplateau wohnte. Die arme Kleine sang nicht mehr. Sie mutzte tm Haushalte helfen, Kartoffeln schälen, Wasser tragen.
Des Abends schlief sie mit Träum in dm Augen ein, die Hände fest um die alte messingbeschlagene Bibel klammemd — die einzige Erbschaft von ihrer Mutter.
Zur Weihnachtszeit kam wieder die Schwester des tzardeshauptmanns zum Besuch. Sie fragte nach dem
Kinde mit der wunderbaren Stimme, und da man ihr berichtete, daß Elsa nunniehr einsam in der Welt stehe, beschloß die Majorin, sofort ihren Plan vom vorigen Jahr ins Werk zu setzm. Sie wandte sich an die Armenverwaltung der Gmreinde, die ohne Schwierigkeit ihre Einwilligung gab.
Die kleine Elsa wurde nach dem Hardes-Amtshof gebracht, wo man sie »misch und mit feinm Kleidem versah.
Und eiiüge Tage später saß sie eingehüllt in Pelzwerk neben der frmndlichen Frau und fuhr in einem gedeckte», Schlitten nach Stockholm.
Elsa stand damals im siebenten Lebensjahr.
In kurzer Zeit war Elsas anfängliche Befangenheit der fremdm Dame gegenüber gänzlich verschwunden.
Das arme Kinderherz, das so früh die Geißelschläge des Lebens und die Kälte der Einsamkeit kennen gelernt hatte, wurde erwärmt und öffnete sich gleich einer Blume unter dm Sonnmstrcchlm der Liebe. Das Wohnzimmer der Majorin v. Wikner war bequem und traulich. Ter Fußboden war mit Teppichm bedeckt, so daß man kaum die festesten Schritte zu hören vermochte.
In der einm Ecke stand ein Sofa mit rotem Rips bezogen und vor demselbm ein mnder Tisch, belegt mit illustrierten Prachtwerken und den schönstm Bildern, die immer aufs Neue zu betrachten Elsa nicht müde wurde. In der anderm Ecke hing ein großes Porträt, dessen Rahmen ganz von Immortellen bedeckt war. Der schwarzhaarige Offizier in der goldgesücktm Uniform war das Bild des verstorbenm Gatten der Majorin. Elsa fühlte stets seine Augen auf sich mhm — anfangs erschreckte sie das, aber später tvurde sie mehr vertraut damit. Und eines Tages, als die Majorin eintrat, fand sie das Kind im Begriff, dem Porträt Märchm zu er- zählm. Die Majorin umarmte sie gerührt. Ja, ja! erzähle chm alles, was du weißt, sagte sie, er liebte die Kleinen gar sehr!
Sobald Elsa sich in ihrer neuen Umgebung zurecht gefunden hatte, sollte sie zu Imten beginnen. Aber ihre Pflegemutter hatte ihre eigme Erziehungsmethode. Die Kleine sollte zuerst Noten lernen und später erst Buchstaben. Me Majorin hatte einen ziemlich großen Be-
kanirtenkreis und wenn Besuch da war, sollte das „Wunderkind" stets vorgeführt werden. Me Wirtin selbst akkompagnierte dann auf der Harfe, während Elsa sang. Und dann berichtete sie von Elsas abenteuerlichem Zigeunerleben im Gebirge.
AH! »nie ist das Kind interessant rief oft die ganz! Gesellschaft im Chor aus.
Ja, »venn sie nur ihre Sümme behalten wird biS sie groß ist, sagte die Majorin, deren dunkechlaue jätugen vor Entzücken über diesen kostbaren Fund erglänzten,
Elsas Pflegemutter hatte den Spottnamen ^ „die Kunstschwärmerin" bekommen. Als junges Mädchen hatte sie schon für die Bühne geschwärmt: allein chr verstorbener Vater, ein hochangesehener Offizier, hatte nie davon hören wollen, daß sie irgend welchen Versuch auf diesem Gebiete »vage. Sie hatte sich dann früh »erheiratet und das Gefühl für ihren Mann hatte während vieler Jahre allein ihr Herz beherrscht._ Als der Gatts und die Eltern gestorben waren und sie im Alter von achtundzwanzig Jahren selbst Herrin ihrer Zukunft ge, worden, war ihre Stimme ans Mangel an künstlerischer 'Pflege verschwunden. Aber die Majorin war Stammgast in der Oper, wie sie auch alle guten Konzerte besuchte, und selten trat eine berühmte Künstlerin in Stockholm auf, ohne daß die lebhafte Offiziersivitive sich mit der- selben in Verbindung setzte und chr Haus ihr öffnete.
Vor all' solchen in- und ausländischen Größen mußte das Wunderkind sich hören lassen. Elsa vermochte nicht immer dem Gespräch der Erwachsenen zu folgen; abM daß sie etwas Ungewöhnliches werden sollte, das tvard ihr so oft eingeprägt, daß sie schließlich sich selbst davon überzeugt fühlte. Sie wurde nicht in die Schule gebracht, denn sie sollte von der möglichen Gefahr, in 23e* rührung mit weniger guteii Charakteren zu kommen, bewahrt bleiben. Die besten Privaflehrer wurden engagiert; die musikalische Erziehung aber leitete die Majorin bis auf weiteres selbst.
Eines Tages, als Elsa mit ihrer Pflegemutter im Park promenierte, begegnete sie Lionel und seinem Mger.
Der kleine Lord ging vorüber, _ ohne zu grüßen, allein sie ging gerade auf ihn zu und reichte ihm die Hand, (Fortsetzung folgt.)
Wiesbadener Männergesang-Verein. E. V.
Sonntag, den 25. Januar 1603, Abends 8 Uhr:
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