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Ra. 31.«erla»r.Frr»sprechrrSt,. 2953. Dienstag» den 20. Januar.
Rrdakti.nS-Fernfprecher No. 52.
1803 .
BaeB»sg®8i"fkisgjafec.
Die Monroe-DoKtrrn.
Herr I)r. Kllrl Peters hat neulich in der „Finanz- Chronik" von _ einem Versuch der Vereinigten Staaten gesprochen, die Monroe-Doktrin aus Südamerika aus- zudehnen, und später von einer Niederlage, welche die Monroe-Doktrin in der Venezuela-Frage erlitten habe. Beides beweist, daß Herr Dr. Karl Peters gar keinen richtigen Begriff davon hat, was die Monroe-Doktrin eigentlich ist. Denn die Monroe-Doktrin hat von allem Anfang ganz besonders für Südamerika gegolten, brauchte also nicht darauf ausgedehnt zu werden, und in der Venezuela-Frage hat sie, richtig verstanden, gerade Anerkennung gefunden, statt einer Niederlage also einen Sieg zu verzeichnen. Die Ent- stchungsursache der Monroe-Doktrin ist folgende:
. Nachdem die Franzosen 1823 im Aufträge der Heiligen Allianz das konstitutiortelle Regiment in Spanien gestürzt und deir Absolutismus wieder eingesetzt hatten, war die Rede davon, daß die hellige Allianz auch die Herrschaft des spanischen Königs über die süd- und mittelamerikanischen Kolonieen, welche ihre Unabhängig, keit vom Mutterlands erklärt halten, wieder Herstellen werde. Das wäre den Engländern, welche unterdessen den Handel mit jenen Ländern an sich gerissen hatten, sehr unangenehm gewesen. Der englische Premierminister Caining schlug daher dem amerikanischen Präsidenten Monroe ein Bündnis gegen jene Absichten, der heiligen Allianz vor. Ein Bündnis lehnte der Präsident mit Rücksicht auf den in Washingtons Abschiedsadresse niedergelegten Grundsatz (sich in keine Bündnisverträge ein- zulassen) ab, aber im Bewußtsein, daß etocittueH die englische Seemacht hinter ihm stehen würde, legte er in seiner nächsten Botschaft an den Kongreß. Dezember 1823, die seitdem so genannte Monroe-Doktrin nieder. Nachdem er die guten Beziehung»: der Vereinigte Staaten zu allen europäischen Mächten und ihre Abgeneigtheit, sich in europäische Händel einzulassen, hervorgehoben, snhrcr fort: mit den auf amerikanischem Boden neubegründeten Staaten hätten die Ver. Staaten zu viel gemeinsam, um kein Interesse an der gemeinsamen Ver- reidigung und Wohlfahrt zu nehmen.
„Wir schulden es daher", heißt eZ weiter, „der Aufrichtigkeit und den freundschaftlichen Beziehungen, welche zwischen den Vereinigten Staaten und den Mächten bestehen, zu erklären, daß wir jeden Versuch, ihr System auf irgend einen Teil dieser Halbkugel auszudehnen, als gefährlich für unfern Frieden und unsere Sicherheft betrachten würden. In die bestehenden Kolonieen und Dependenzen irgend einer europäischen Macht haben wir uns nicht eingemischt und werden wir uns nicht ein- mischen. Aber was die Regierungen betrifft, welche ihre Unabhängigkeit erklärt und behauptet und deren Unab-
Ferrilletorr.
Kapilan Cagni in Sicherheit.*)
Sonnabend, 28. Juni. Zehn Minuten lang standen wir still in tiefer Bewegung,' wir sind wirtlich auf Kronprinz-Rudolf-Land, wenige Kilometer von der Hütte, von den Gefährten entfernt!
Wir nehmen unseren Marsch wieder auf und folgen kn westlicher Richtung der abschüssigen Küste, die mit zahlreichen kegelförmigen Erhebungen gekrönt ist, die mit ihren Zacken wie kleine sarazenische Kastelle aus- sehen. Wir kommen um einen riesigen Felsen herum, der, wie ich glaube, die Basis der von Kap Brorok gebildeten Ecke bezeichnet, dann biegen wir etwas nach Nordwesten ab und folgen der Küste der Insel weiter bis zu oer Spitze, die ich für bas Alkenkap halte. Hier hört der Fels auf; der Gletscher tritt spornartig hervor, wölbt sich ziemlich steil empor und endet dann in mehreren Ausläufer», indem er 5 bis 6 Meter tief ins Meer hinabstürzt.
Ilm nach der Teplitzbai zu gelangen, urüßten wir jetzt wieder auf das Packeis hinunter, das stark zerklüftet und von Kanälen und Wasserlachen durchzogen erscheint. Ich «ehe es vor, den Gletschersporn zu überschreiten. Um dies ausführen zu können, muffen wir alle unsere Kräfte Lusammcnnehmen, weil die Schlitten längs des steilen Abhanges dem Absturz ins Meer zuzngleiten drohen. Petigax und ich spannen uns vor einen Schlitten, Fenmllet und Eanepa vor den anderen, und in wenig mehr als einer halben Stunde haben wir den schwierigsten Teil des Aufstieges hinter uns. Es finden sich hier Spalten, in deren eine Petigax bas Unglück gehabt hat, zu fallen, während er den Hunden den Weg zeigte. Die bei den Führer seile» sich an und gehen uns voraus;
*1 Aus dem hochinteressanten Werke „Die Stella Polare im von Ludwig Amadeus von Savoyen, Herzog der Abruzzen (elegant gebunden 10 Mk.», einem Settenstück zu NavsenS ..In Nacht und Eis", mit Erlaubnis der Berlaasband- (jj«g K. A. LrockHaus ur Leipzig abgedrnckt.
hängigkeit toir nach reiflicher Überlegung auf gerechte Grundsätze hin anerkannt haben, so könnten wir eine Einmischung irgend einer europäischen Macht, um sie zu unterdrücken oder ihr Geschick in irgend anderer Weise zu beeinflussen, in keinem andern Lichte erblicken, als dem der Darlegung unfreundlicher Gesinnung gegen die Vereinigten Staaten."
Diese Erklärung wurde noch ergänzt durch den gegen die russischen Bestrebungen, Kolonieen auf der nordwestlichen Küste des nordainerikanischen Festlandes, auf dem Gebiet der heuftgen Staaten Kalifornien, Oregon und Washington, anzulegen, gerichteten Satz: „Im Laufe der Besprechungen, zu welchen dies Anlaß gegeben hat, und in den Abmachungen, zu welchen es führen mag, ist die Gelegenheit für günsng erachtet worden, geltend zu machen als einen Grundsatz, welcher die Rechte und Interessen _ der Vereinigten Staaten betrifft, daß die amerikanischen Fesüande gemäß der freien und unabhängigen Stellung, welche sie eingenomlnen haben und aufrecht halten, von nun an nicht als Gegenstände zu- künftiger europäischer Kolonisation zu betrachten sind."
Das ist die sog. Monroe-Doktrin, wie sie in der Botschaft des Präsidenten vom Dezember 1823 »tthalten ist. Ob die Sätze aus seiner eigenen Feder, oder, wie es wahrscheinlich ist, aus der seines Staatssekretärs John Ourney Adams, oder gar, wie manche glauben, aus der des englischen Ministers Canning herrühren, welcher sie im britischen Parlament mit lautem Beifall begrüßte, ist gleichgültig. Die Monroe-Doktrin ist von keiner auswärtigen Macht förmlich anerkannt, ja selbst vom amerikanischen Kongreß niemals förmlich proklamiert worden, wohl aber hat sie stillschweigend volle Geltung erlangt. Die heilige Allianz handelte chr nicht zuwider, protestierte auch nicht dagegen. Aber als Kaiser Napoleon III. den amerikanischen Bürgerkrieg dazu benutzt hatte, um in Mexiko ein „lateinisches" Kaiserreich zu errichten, welches eine Dependenz des seinigen geworden sein würde, war das Erste, was der damals leilende Staatsmann der Vereinigten Staaten tat, daß er die Zurückziehung der ftcmzösischen Truppen aus Mexiko verlangte und Napoleon gehorchte. Das war seine erste große moralische Niederlage. Und als England in den 80 er Jahren des vorigen Jahrhunderts versuchte, die Grenzen seiner Kolonie Guyana auf Kosten Venezuelas bis zum Orinoco vorzuschieben, >veil dort Goldfelder eiftdeckt worden sein sollten, mußte es sich den Einspruch der Bereinigten Staaten gefallen lassen. Dagegen haben die Vereinigten Staaten stets ausdrücklich erklärt, daß die Monroe- Doktrin ihnen nicht die Verpflichtung ouferlege, die spanisch-amerikanischen Staaten gegen jeden europäischen Angriff zu schützen; nur dürfe dieser Angriff nicht zur dauernden Besitznahme von Gebiet durch eine europäische Macht führen. Diese Erklärung ist auch bei Gelegenheit des jetzigen Venezuela-Handels wiederholt worden. Die beteiligten europäischen Mächte haben dagegen ausdrücklich erklärt, sie beabsichtigten nicht, venezolanisches
Canepa und ich können ihnen folgen, indem jeder seinem Schlitten weiterhilft. Als wir auf dem Kamme anlangen, umgibt uns von neuem der Nebel, ein Nebel, der so dicht ist, daß wir ohne ernste Gefahr nicht vorwärts können. Wenige Schritte von uns entfernt ragt ein Felsen ans dem Eise empor; hinter diesem errichten wir unser Zelt. Es ist 6 Uhr früh. Wir geben den Hunden die Überreste des letzten Schlachtopfers, Knochen, die schon für unsere Mahlzeit vollständig abgeschabt sind.
Um 8 Uhr lichtet sich der Nebel, und Fenoillet, der sich vor dem Zelte befindet, ruft: „Die Hütte!" Wir laufen alle hin, um sie zu sehen . . . Wir sind wie im Fieber; die Hände zittern uns beim Zusammenrollen des Zeltes und zittern uns noch mehr, als wir die Flagge an das Bambusrohr stecken, das wir an einem Kajak festbinden. Wir wollen mit entfalteter Flagge ankommen, weil wir glauben, die Gefährten müßten daraus entnehmen, daß wir alle bei guter Gesundheit sind . . . und daß wir nicht mit einem Mißerfolg heimkehren.
Wir steigen den Gletscher, der voller Spalten ist, hinunter. Die „Stella Polare" liegt noch immer an ihrem Platze fest; es werden schwarze Punkte sichtbar, die sich hin und her bewegen, und wir beschleunigen unsere Schritte. Jetzt laffen sich schon die Menschen unterscheiden. Mit einem Male sehe ich durch den Feldstecher, daß alle zu laufen beginnen; ich erkenne daraus, daß sie uns gesehen haben. Wir steigen in immer stärkerer Aufregung weiter hinab. Nun eilen uns die Freunde entgegen. Es sind ihrer wenige, und vergebens versuche ich, sie zu zählen. In diesem Augenblick steigt in mir oon neuem die schreckliche Furcht ans, die zweite Gruppe könne verloren sein; wir sind ihnen schon ganz nahe, und wir versuchen alle, den Doktor herauszufinden; aber cs gelingt uns nicht. Und doch befindet er sich an der Spitze der Leute, und ruft uns mit ihnen, seine Mütze schwenkend, zu: „Hurra, Hurra, Hurra!!!"
Wenige Augenblicke darauf liegen wir einander in den Armen. Ich drücke allen die Hand; Hans sagt zu mir: „Wissen Sie, Ouerini ist nicht znrückgekehrt!" Ich sehe Cavaüi verständnislos an; er senkt sein Haupt ......
Gebiet dauernd in Besitz zu nehmen. Das ist zwar keine förmliche, wohl aber eine indirekte Anerkennung der amerikanischen Auffassung der Monroe-Doktrin.
Aber was immer man auch von ihr denken möge, und obgleich es einzelne hervorragende Männer inAinerita selber gibt, die es für töricht halten, daß die Vereinigten Staaten ihre schützende Hand über die verlotter- ten spanisch-amerikanischen Republiken halte,:, die ihn»: nicht einmal dankbar dafür sind, so ist sie doch den: amerikanischen Volke so inFleisch und Blut übergegangen, daß es kein amerikanischer Staatsmann wagen dürste, sie aufzugeben. Soviel ist gewiß, daß ein Versuch, ihr zuwider zu handeln, seitens irgend einer oder irgend welcher europäischen Mächte den Krieg zur Folge haben würde. _ E. Sch.
Deutsches Deich.
„Politische Vereine."
Was ist ein politischer Verein im Simm des Vereiirs- gesetzes? Ein vor kurzem ergangenes Kammergerichtsurteil gibt von dem Begriff eine Definition, die an und für sich mit Befriedigung erfüllen kann, die aber zugleich geeignet ist, einige Verwirrung anzustiften. Diese Ver- Wirrung brauchte nicht besorgt zu werden, wenn dis Polizeiorgane nur soviel Einsicht hätten, um die Aus- legung des Kammergerichts sachgemäß zu verstehen. Nur eben ist es zweifelhaft, ob solche Einsicht überall vorausgesetzt werden kann. Das bezügliche Urteil des Kammer- gerichts, mitgeteill im jüngsten Heft der „Deutsche,: Jurütenzeitung", führt aris: „Wie das Reichsgericht und das Kammergericht mehrfach entschieden und an der Hand der Motive auskinandergesetzt haben, sind „politisch« Vereine" lediglich solche, welche auf den Staat, seine Ge- setzg-ebung, seine Institutionen oder internationalen Bs- ziehung»: einwirken wollen. Die sogenannten Politischen Klubs, welche die Centtalpunkte der polittschen Bewegung bilden und die Klinke der Gesetzgebung in Bewegung setzen wollen, sind damit gemeint. Deshalb sind Frauen. Schüler, Lehrlinge von ihnen ausgeschlossen, weil ihnen nämlich die sogenannten polttischen Rechte fehlen. Ans demselben Grunde wollte man ursprünglich auch alls Männer imter 25 Jahren von diesen Vereinen aus- nehmen und sah davon nur ab, weil dadurch das früher« Unwesen heimlicher Vereine unter der erwachsenen Jugend erneuert worden wäre. Für Schüler und Lehrlinge ließ man das Verbot jedoch bestehen. Ebenso legt schon das Urteil des Kammergerichts vom 24. Oktober 1901 dar, daß ein Verein, welcher die geltende Gesetzgebung den Hören: lediglich zu erklären und zum Verständnis zu bring»: bestrebt ist, kein politischer Verein ist und sogar im gewöhnlichen Leben nicht so, sondern je nach den zu behandelnden Gegenständen juristischer, national- ökonomischer, historischer, wissenschaftlicher oder allge- mein Bildungsverein genannt wird. Demgemäß ist ein Volksverein, welcher nur eine bessere Kenntnis der
Aus Kunst unü Leben.
* Konzert. Der „S ch u be r t b u n b" gab sein Vereins-Konzert am Samstag, den 17. Januar, im „Kasino* unter Mitwirkung der Kgl. Hofopernsängerin Fräulein Nelly B r o b m a n n und des Herrn Direktor Albert Eiben schütz (Piano). Die Begleitungen am Klavier hatte Fräulein Cäcilia Geis — Tochter des Vereins- dirrgenten Herrn Wilhelm Geis — übernommen. Das Konzert wurde mit dem von Herrn Geis komponierten „Wahlspruch" eröffnet, welchem die aus derselben Feder stammende „Kaiser Friedrich-Hymne" folgte. Wie daS Programm angibt, wurde dieselbe bei der EnthüllungS- feier des Kaiser Friedrich-Denkmals in Cronberg von 660 Sänger,: gesungen. Wir dürfen annehmen, daß diese Gelegenheits-Komposition bei einer so großen Sänger- zahl einen gewissen äußeren Effekt hervorbrtngen konnte; in dem Vereins-Konzerte bei der schwachen Besetzung konnte kein nachhaltiger Eindruck erziell werden. Die übrigen, vom „Schubertbunb" vorgetragenen Chöre: „Di, drei Worte des Glaubens" von Zöllner, „Der 23. Psalm* und „Der Lindenbaum" von Fr. Schubert, sowie drei Volkslieder von Engelsberg, Kremser und ein Arrangement von K. Becker erfreuten sich sowohl hinsichtlich der Intonation wie der Nuancierung einer im ganzen recht befriedigenden Ausführung, nur schienen die anfangs sehr stimmfrischen ersten Tenöre im Laufe des Abends etwas zu ermatten. Unsere gefeierte Opernsängertn Frl. Brodmann, die ausgezeichnet bet Stimme war, erntete mit dem schwunghaften Borttag einer Arie aus „Samson und Delila" von Saint-SaönS und Liedern von Fr. Schubert und H. A. Ccsek selbstverständlich begcisterren Beifall. Fräulein GetS machte sich durch die sorgfältige, anschmiegende Klavierbegleitung besonders verdient. Herr Direktor Eibenschütz, der sich in diesem Winter zum ersten Male wieder öffentlich hören ließ, zeigte von neuem seine glänzende Virtuosität und hervorragende Vortragskunst in der Wiedergabe der .les-llur-Sonats op. 110 von Beethoven, in Klavterstücken von A. Rubin-
