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Verlag Langgaffe 21

„Tagölatt-Ha-S".

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12 Busgaken.

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Freitag, 13. August 1913.

klbend-Ausgabe.

Nr. 374. -- 63. Jahrgang.

Oie Deutschen in Rußland.

So unmittelbar dringende Aufgaben uns der Krieg stellt, so können wir -die -ganze Fülle -der politischen wie der moralischen Verpflichtungen, die uns dies nnge- h-eurc Ringen auserlegt, doch nur erst in seiner unb-e- stimmten Gesamtheit uns ncchebringen. Überall, wo« hin wir auch die Blicke richten, «ihnen wir die Notwen­digkeit, Neuordnungen zu schaffen, wie sie in gleichem Umsange und mit gleicher Bedeutung für Wohl und Wche von Millionen noch niemals einem Staatswesen und einer Nation ob-gelegen haben. 05 wir's wollen oder nicht, ab uns die Last solcher Pflichten schreckt oder ob sie willkommen -geheißen wird, jeden­falls wird schon der zukünftige Friedensschluß und dann erst recht die unermüdliche Arbeit während der Zeit nach dem Kriege für die Möglichkeiten zur Durch­führung solcher wahrhaft überwältigenden Ausgaben sorgen müssen. Wir denken -dabei an das belgische Problem, wir denken dabei aber auch an das Schick­sal der Deutschen in Rußland. Die Zeit ist noch nicht gekommen, in der die Frage erörtert werden darf und kann, was nrit den baltischen Provinzen des Zaren­reichs geschehen soll. Aber seitdem unsere Truppen Kur­land nahezu -ganz besetzt hüben und ihren Vormarsch bis zu Zielen fortsetzen, von denen wir jetzt noch nicht sprechen können, -bekommt -diese baltische Frage ein ganz anderes Gesicht als vorher, wo man sich nur theoretisch mit ihr zu beschäftigen brauchte. 2Bir möch­ten diese Frage zunächst nicht nach dem Vorbilde der Forderungen und der harten Notwendigkeiten betrach­ten, die uns für die Behandlung der belgischen Frage allerdings maßgebend sein müssen, so daß wir alle, auch ohne viel davon zu reden, genau wissen, wie es gemeint sein soll, und -daß es anders, als unsere Sehnsucht und unsere Einsicht es wollen, auch gar nicht gemeint sein kann. Die baltische Frage ist nicht so relativ einfach wie -die belgische. Sie hängt, rein poli­tisch betrachtet, unlöslich mit der V o r f r a -g e zusam­men, wie wir unser zukünftiges Verhältnis zu Rußland einrichten sollen und ob wir mit der Möglichkeit einer Wiederverständigung zu rechnen haben. Das ist ein Gesühlspunkt, der nach unserer festen Über­zeugung für das Verhältnis zu Frankreich und Eng­land nicht mehr in Betracht kommt. Wir haben es vier Jahrzehnte lang durch unendliche Geduld und Langmut versucht, mit Frankreich in einen er­träglichen Zustand zu kommen, und es ist uns miß­lungen. Wir wüvden aus Geschichte und Politik nichts gelernt haben und uns sträflicher Einsichtslosigkeit schuldig machen, wenn wir jemals -glaubten, England noch versöhnen und durch Großmut -diesen unseren ge­fährlichsten Feind entwaffnen zu können. Nach Westen hin kann es keine Rücksichtnahme -geben; ob sie nach Osten hin nützlich sein kann, das wollen wir jetzt nicht untersuchen, und es wird auch nicht so leicht sein, eine ausreichende Beantwortung dieser mähr als politischen, dieser entscheidenden weltgeschichtlichen Frage zu finden. Mer wie es mit unserem Verhältnis zu Rußland auch -wenden mag, so mutz uns -das Schick­sal -der Deutschen im Zarenreiche am Herzen liegen, und die Erfüllung unserer Pflichten gegen diese Volks­genossen darf nicht auf,geschoben werden. Nur mit banger Sorge kann man sich dm Zustand vergegenwär­tigen, dem -die baltischen und auch die in Südruß- land ansässigen Deutschen preisgegeben wären, wenn der Friedensschluß die Verhältnisse etwa so ließe wie bisher. Wenn wir uns dauernd aus -den -besetzten Gebieten im Westen zurückzögen. so wüvden wir wohl viel Wneigung hinter uns lassen, aber das brauchte uns nicht besonders zu kümmern. Wenn wir zwischen uns und die -baltischen Deutschen wieder einm größeren Raum legten, was würde dann wähl mit diesen unse­ren Volksangehöri-gen geschehen? Wir brauchen -das nicht im einzelnen auszumalen, die russische Bruta­lität hat sich ja auch bisher schon mit höhnischer Grausamkeit an jenm Deutschen vergriffen, aber was sie -bis heute an schamloser Unmenschlichkeit geleistet hat. das wäre ein Kinderspiel -gegen das, was »achkom-men -würde. Mso was soll -geschoben? Wir glaubm, -daß schon das bloße Auswersen der Frage die Antwort zum Tefl in sich schließt. Das Wie frei­lich ist rätselhaft und voller Dunkelheit. Solange die kriegerischen Ereignisse nach in Fluß sind, kann es -ge­nügen, sich die Aufgabe selbst in ihrer kaum zu über­bietenden Bedeutung zu vergegenwärtigm. Di-e Pflicht, die uns da erwächst, wird aber -durch die Er­kenntnis ihrer Größe noch lange nicht erfüllt, sondern es muß gehandelt werden, und das wird denn auch ganz gewiß geschehen, weil das Nichtgeschchm undenk­bar ist. *

Lin Durchbruch der deutkrben Garde am vuo.

Berlin, 13. Aug. (Zenf. Bln.) über den Durch­bruch der Garde westlich des Bug wird aus dem öster­

reichisch-ungarischen Kriegspresseqnartier gemeldet: Westlich des Bug gelang cs der d c u t s ch e n Garde die russische Front, die dort in den letzten Tagen heftigen Widerstand leistete, zu durchbrechen, wodurch vor der Armee Mackensen die Russen zum Rückzug gezwungen wurden.

Dis Räumung von Dünaburg:

Tie Sarge für die in Petersburg -intreffenden Flüchtlinge.

W. T.-B. Landen, 13. Aug. (Nichtamtlich.) Aus Peters- meldet Reuter, -daß dort Pfadfinder angefiellt Morden seteni, um'den in der Hauptstadt ein-treffsnden Flüchtlings» behilflich zu sein- Auch die Beamten bereiten sich dar, Dü n c-

ron 17 bis zu 45 Jahren zur Feldarbeit auf. General Ruhr, hat mit dem DistrsttSgeneval die Stadt -besucht.

Seppeline über vünaburg.

Br. Christi«»!», 13. Aug. (Eig. Doahtbericht. Zenf. Mn.)

„Aftonposten" melden aus Petersburg: Mehrere Zeppeline

zeigten sich znm erstenmal über der Festung D ü n a b u r g. Deutsche Flieger fliegen täglich über Riga. Die EinschlicHung von Nowogeorgijewsk ist. toi* bereits gemeldet, Tat- fache geworden. Am 8. August begann die Beschießung. Die Berwaltnngsbehörden von Kotono sind nach Obrinsk über- ge siedelt.

Ueber Gstrolenka weht die deutsche Flagge!

Ostowice wirb bestürmt.

8. Berlin. 13. Au-g. (ß?ig. Meldung. Zens. Mn.) Tie militärischen Operationen im Westen haben in den letzten Tagen kein Ereignis von Wichtigkeit gezeitigt. Die Ope­rationen im Osten dagegen schreiten rüstig und günstig vor- toärts. Di* lakonische Kürze unserer Generalstabsüerrchte hat Zweifel u. a. darüber aufkommcn lassen, ob nicht nur die Forts von Jwangorod, sondern auch die Festung selbst in unseren Händen sei. Jwangorod ist seitdem 25. Juli völlig im Besitz der Verbündeten Ostowice da- gegen wird berannt. Zwar sind die Forrs ausnahmslos zer­schossen. an ihrer Stelle sind aber neue Feldbr-- f e st i g n n g e n entstanden, die noch Widerstand leisten, über O st r o l e n k a endlich, von dem es im amtlichen Bericht nur hieß, daß die deutschen Truppen darüber hinaus nach Osten vorgcdrungen seien, weht seit vielen Tagen die deutsche Flagge.

Srotze verkehrseinstellungen im Rückzugs­gebiet.

Di« Perersdurg» StaatSbabichirekrion gib, in Peters­burg durch AuShänge in den Bahnhöfen bekamst, daß der ge­samte Betrieb auf den Limen Reval-Riga, Riga-2 vnaburg Dünaburg-W-lna, Wilua-Ostrow und allen Linien westlich de: Strecke Wilna-Ostrow vom Sonntag ab e i n g e st eTT t ist. Besorgnisse um einen weiteren Aufmarsch in der Richtung nach Petersburg.

Aus der „Times".

Haag, 12. Aug. (Zens. Mn ) Reuter meldet aus Lonldo-n: Der .Times" wird aas Petersburg gedrahtet: Di-e bisher all­gemein geltende Annahme, daß die Dentscksn nach Eroberung Warschaus ihre Streitkräfte u n- m i t t e l l- a r nach der w e st- lichen Front werfen würden, ist durch die Ereignisse der letzten Tage nicht bestätigt. Im Gegenteil entwickelt der Feind eine neue Offensive nachdem Innern Ruß­lands hin, offenbar mit Unterstützung zahlreicher neuer

Truppen. Ohne auf die Durchführung der U m zä lungsbewegungcn gegen das von der Weichsel zurück- ziehende russische Heer zu warten, versucht der Feind K ane» zu Minien-. Gleichzeitig rücken die Deutschen mit einer aus- gebr-eiteten Front zwischen Rjemen -und Düna vor, aördlLh nack Riga, östlich-nach Dü n ab nr g und füdkich wach W i l n a hin Im Verein mit diesen Versuchen des Feindes, die Dünalim-ie z-u erreichen, besprechen die nussische« Mätier die Möglichkeit eines weiteren Aufmarsches der Deuit». scheu in -der Richtung auf Petersburg. Von zuständig» Seite wird jedoch versichert, daß, wie auch die Plane des Feindes immer sein mögen, er kaum in der Lage fern wich, -dre Hauptstadt Rußlands zu- erreichen- Die ProvAz Pjkrrtz,

ist mit Seen und Morästen besetzt, welche eine starke Der-, teidigungÄrnie bilden. Hier würde der Angriff des Feinds, falls er einen Aufmarsch auf Petersburg unternehmen wich, zum Stillstand kommen.

Ter Polizeipräsident von Köln nach Lrbau berufen.

Br. Berlin, 18 . Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Mn.) Der Polizeipräsident von Köln, A. Bescherer, fft, wie die „B. Z." erfährt, zum Leiter der Polizeiverwaltung von Libau ernannt.

vas italienische sozialistische Hauptorgau feiert

Hindenburgs Truppen als die Befreier Polens:

S*. Mailand, 13. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Der „Avanti" begrüßt die Schlacht in Polen als einen Auf­takt zu neuen großen Ereignissen, die zur Befreiung und , Wiedergründung der staatlichen Selbständigkeit Polens führe. Die Polen, die in Preußen selbst eine harten Kamps zu kämpfen haben, begrüßen heute Hindenbnrgs Truppen- als die Befreier von russischer Knechtschaft. Das sozialistische Blatt glaubt den Polen noch den Rat geben zu sollen, nie- rnauden ganz zu trauen, sondern sich auf eigene Füße zu stellen, „um die Jodeale des modernen sozialistischen (l) Staates in geistiger Gemeinschaft mit ->en Proletariern aller Länder in die Tat umzusetzen."

Einberufung der 18jährigen in Rutzland:

Schwere Strafen für alle Drückeberger.

W. T.-B Kopenhagen, 13. Aug. (Nichtamtlich.) „Rußkoje Slowo" meldet aus Moskau: Ein Erlaß befiehlt die E i n < Berufung des Jahrgangs 1917 zum 20. August. Es wer­den schwere Strafen für Ausbleibende angedroht. Alle bisherigen Vergünstigungen und Befreiungen vom Dienst, insbesondere aus Rücksicht auf Familien- und Besitzverhält- uisfe, werden aufgehoben. Die Einberufenen müssen darauf gefaßt sein, sofort in die Armee eingestellt zu werden,

Oie einzige Rettung Rußlands.

Kopenhagen, 13. Awg. (Zenf. Bln.) Die zületzit hi» ein- gegangenen russischen Blätter berichten ausführlich über die ersten beiden Sitzungen- der Reichsduma, worin diö Rsgi-erung äußerst heftig angegriffM wurde. Nach d» „Rjetfch" sagte der Sozialdemokrat Tscheidse in läng»» Rede, Rußland w»de einen völligen Z-usamme-nbruch erleben, falls nicht eine durchgreifende Ä-ud-erung des politi­schen Kurses ftattfin-de. Die öinzige Rettung RußlarrdS fei die Beffeiung des Volkes und die Temokradifierrmy best Verfassung. Die Regierung trage die Veraridwortung am dev Hungersnot, dem Ele-nld -und dem wirtschaftlichen Znsanrnrew- bruch. D» Führ» -der Fortschrittspartei, J e f r em aw»> erklärte, das Volk fei wegen der Enchullung des elendW pM

bürg zu verlass-cn. Die Militärbehörden rufen die Mäun-er