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Beila ge Mn Wiesdnüeuer Tagblalt.

l fo< 27 \ Worycn ZustzKbe. _Samstag, den 3!- Iahrg-rng. 1803.

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®it mriftdi Menschen sind schon in initiieren Jahren!» geistifl fett oder wage ueivoiden. Sie sind velbärret oder ,?

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unsyntpaibischen 'Äugen nn. Denn die junqm Leu re ahnen, i» d-w es eine ewige Jugend fliebt. die eine Seele als Sieges- * » rt1 ® „, r . a , a !.' Ät ' nrtm Enlwick ungsaibk t gewinnen ch

wnn. Aber sie iväben vergeblich nach dieser zweiten unser- ^

ganglichcn Jugend bei ihren von wclrlicheu Nichtigkeiten und f zeitlichen Wichtigkeiten aiisgeijillien Eltern. Mit einem J Seufzer schalten sie den .Allen" und di, .Alke" au« itnen «s Erwartungen aus und geben btnauS ins Leben, um dorr Z ihre geistigen Eltern zu wählen. «ütt Key.

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(28. Fortsetzung.)

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Ich.

Roman von Jda Doy-Ed.

Hellwang schluckt? seine Rührung hinunter.

„Und hast Du Gedanken darüber, was sie alles so tragen läßt?"

„Oft", sagte Albert leise, „habe ich gedacht, es sei die Hoffnung auf Dich und das glänzende Los, was Du ihr bereiten wirst, die ihr den unerschöpflichen Blut gab. Aber oft habe ich auch gedacht, daß sie in der Stunde des Zusammensturzes, der Agnes zermalmte, ihr gutes, eigenst ick/es Wesen gefunden hat. daß sie da lernte, welche Tragödien aus der Jchliebe entstehen können und seitdem sich bestrebt, anderen hingebend zu leben. Wer weiß es! Deine Ankunft wird uns wohl darüber aufklären."

m »Es kann auch beides zusammen sein, ja, das kann es", sprach Hellwang mit einer Träne im Auge, „ich glaube es. Aber laß uns erst zu Mittag esserr. Mir ist sehr flau, so was Weichmütiges kann ich nicht vertragen. Wenn ich ordentlich gespeist habe, kommt mir erst die rechte Courage."

Mit beneidenswertem Appetit bekämpfte Hellwang seine Gemütsbewegung, und eine bedeutende L-ieges- freudigkeit hob seine Brust, als er nachher über den Haakeschen Markt durch die Schönhauserstraße der Metzer­straße zustihr. In dieser Gegend war er nie gewesen. Die enge Schönhauserstraße mit ihren dürftigen Maga- Men. ihren Keüergescksiiften, ihrem starken Verkehr, der sich auf schmalen Bürgersteigen drängt, den mannig- fachen Düften, die aus Metzgereien und Destillationen drangen — diese Straße weckte ihm sorgvolle Gedanken über Olgas jetziges Leben. Ob sie wohl selbst in diesen Schlächterladen ging, das Fleisch zu kaufen, wo ein am Türpfosten hängender, mit einer weißen Schürze bedeckter Stuhl das Vorhandensein frisckier Wurst verkündete? Ob sie dort sich wohl auch zuweilen zwischen den kleinen Bürgersfrmien am Brottisch herumdrängte, um fcisck)es Brot zu kaufen?

Als sein Wagen über den Platz am Schönhmrsertor stihr, atmete Hellwang auf. Eine neue Gegeird kam, ein anderer Straßencharakter. Pferdebahnen und Omnibusse rasselten über den weiten, etwas gegen die - Schönhauserallee aufsteigenden Platz. Fetzt entlaubte Anlagen mußten im Sommer hier das Auge der An­wohner erquicken. Rechts zog sich ein neues Straßen- ' viertel empor — lauter saubere, stattliche Mietkaserncn.

I Ter Wagen hielt vor dem Eckhause der Metzerstraße. ^Wenn..Olga da oben wohnte, so mußte sie einen freien Blick über den Platz haben und gute Luft. Die volle Nachmittagsonne schien auf das Haus.

Langsam stieg Hellivcmg empor. Das Treppensteigen war er nicht gewohnt; es nahm ihm den Atem. „Anne Kleine, arme Kleine!" murmelte er.'

Auf der Treppe von der zweiten zur dritten Etage begegnete ihm Gustav. Sie drückten sich stumm die Hände. Gustav harte sich gar nicht verändert; er schien sviveit guter Dinge, denn als er Hellwangs Beileid und den Händednick enrpfangen, sagte er:

„Das ist hübsch, daß weirigstens Sie un.S nicht ver- gessen!"

, »Aber, lieber Mesmer, dariiber werden Sie doch von keiner Seite zu klagen haben."

„Ja, ja, lieber Baron, man lernt in solchen Zeiten dse Welt kennen. Aber schließlich — es ist ja so etwas Selbstverständliches; man kann nur init Leuten verkehren, die ebensoviel mlsgeben, wie man selbst. Es stört die Geselligkeit, wenn der eine bei Dressel speisen will und dem anderen ist's zu teuer, oder wenn der eine ins Opernhaus will und der andere kann's nicht zahlen. Früher habe ich selbst deshalb mit Bedauern diesen und lenen lieben MensckMi aus meinem Kreise scheiden sehen — eben ist halt an mir die Reihe, aber das schadet Nichts. Sie glauben gar nicht, wie leicht sich manches entbehrt, waS man irnmer als vonckitio «ine gurr non angesehen. Man hat in jeder Lage neue, andere Inter­essen. Aber kommen Sie doch — wir plaudern hier auf der Treppe — ich kehre mit Ihnen um. Albert wird mern Späterkommen entschuldigen, wenn er Sie als Ursache kennt."

Hellwang legte ihm die Linke auf die Schulter.

„Tun Sie mir einen Gefallen, Mesmer, und kehren Sie nicht mit um."

Gustav lächelw verständnisvoll.

„Aha", sagte er, „nun denn — Glück auf den Weg! Auf Wiedersehen!"

Gleich darauf klingelte Hellwang oben an der Tür. Er mußte ein tvenig warten, dann tat sich die Tür auf — eine kleine weiße Hand hielt den inwendigen Drücker.

Olga stand vor ihm, tief errötend, und wagte ihn nicht anzusehen.

„Herr Baron?! Sie müssen aber doch Gustav be- segnet sein; weshalb ist er nicht mst umgekehrt? Aber bitte, tteten Sie näher."

Hellwang folgte ihr durch einen kleinen Korridor, der durch die offenstehende Küchentür von links her Licht erhielt. Sie ließ ihn in ein Zimrner eintreteii, das ihn durch Wohnlichkeit und Eleganz überraschte Es waren Olgas graue Möbel, die hier standen, und all ihre kleinen Schatze an Nippes und Bric-a-brac standen auf Klavier und Schreibtisch in gewohnter Ordnung. Durch eine graue Portiere, die Olga aus den Fenstergardinen chrer frrlheren Wohnung hergestellt hatte, sah man in eine Eßitube, wo einfache, nette Stühle um einen Tisch standen rmd ern Buffett von Eichenholz die Hauptwand zierte.

Der helle Sonnenschein lag auf dem Fußboden, der rm grauen Zimmer von einem Teppich bedeckt war. Hell-

wang fühlte sich beruhigt; Gott sei Dank, hier hatte dis Kleine aushalten können! Es ivar zwar kein Schatten jener Pracht der Friedrich Wilhelmstraße, aber in den mgen Räumen eine reizende Behaglichkeit. Im Sonnen­lichts auf den Fensterbrettern standen auch blühende Topf­gewächse; die Blumentöpfe waren auf Theeschüsseln ge­stellt und sichtlich sorgsam gepflegt.

„Nicht wahr", sagte Olga, verlegen lächelnd, „es ist hier sehr hübsch; nur müssen Sie entschuldigen, daß hier und im Eßzimmer noch keine Gardinen sind. Ich habe gestern erst welche gekauft und bin noch nicht dazu ge­kommen, sie zu säumen."

„Fräulein Olga", begann Hellwang seimig, „Sie sind ein Engel, nnd man sollte Gustav um sein Unglück beneiden — es hat ihm Sic als Trösterin gegeben."

„Ich habe nur sehr viel gut zu machen, auch an Gustav", erwiderte Olga, ihn offen ansehend, „ich tue meine Pflicht."

„Sie sind eine große Seele! Wie hätten Sie sonst den Wechsel ertragen! Und diese arbestSvolle Gegenwart!"

„Es ist nicht so arg mit der Arbeit; Klementine, unsere frühere Jungfer, konnte sich nicht von mir trennen; sie ist für weniger Lohn bei uns geblieben, macht die groben Arbeiten und die Wege; jetzt führt sie Haust spazieren. Wenn man so sieht, wie die Leute hier in der vierten und fünften Etage leben, wie die Beamtenfrau in der zweiten mit ihren sieben Kindern sich plagt, dann lernt man erst, wie leicht man es selbst hat."

„Und Sie haben niemals Heimweh nach den früheren Verhältnissen?" fragte Hellwang, sich auf ihren ein­ladenden Wink zu ihr setzend.

„Nun", sagte Olga ehrlich, „allemal ist es nicht so leicht. Gestern, als ich die Gardinen kaufte, ging ich aus Gewohnheit in das Magazin, wo ich früher znwestcn mit Agnes verkehrte. Ta traf ich Bekannte; ich schämte mich ein bißä)en, daß ich die billigste Sorte verlangte und nachher „Metzerstraße 41, drei Treppen!" dazu sagen mußte_— aber das schluckt man nieder. Und daß die Leute im Hause, mit denen man zu tun hat — wie die Frau im Gemüsekeller und der Commis im Material- waarenladen — einen nicht als was AparteS behandeln, sondern auf gleichan Fuß mit all den Meiers und Schulzes stellen — nun, daran gewöhnt man sich auch."

„Vielleicht", begann Hellwang herzlich, „gab Ihnen auch ein wenig der Gedanke Mut, daß dies nur ein vorübergehender Zustand sei. Sie wußten, daß ein Mann lebt, der..."

„Herr Baron!" rief Olga ängstlich.

„Nein", sprach er stark, „nun hilft keine Flucht mehr. Teure Olga, ich habe eine schreckliche Zest verlebt. Erst die Beweise Ihrer Zuneigung, die ich in Ihren Augen, Jhrcu Worten fand — sie hoben mich in den siebenten Himmel. Dann Ihr Ausweichen; mein Gott, eö war zum Verrückttverden! Aber endlich kam da« Licht — Sie waren ans Stolz zurückgewichen. Sie wollten dem reichen Mann nicht entgegenkommen in einem Augen­blick. wo Sie selbst Armut vor sich sahen."

Er faßte tief bewegt Olgas Hand und küßte sie. Olga wurde sehr blaß.

(Schluß folgt.)

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