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feliatowr Tagblaii

Erscheint in zwei Ausgaben. - BezugS-PreiS: Verlag: LllNggafse 27. Auzeigen-Prcis:

Abendausgabe.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 16. Januar.

Tagesordnung: Fortsetzung der Beratung der zum Zolltarif gestellten Resolutionen, und zwar der von den Abgeordneten Heyl zu Herrnsheim und Speck bean­tragten, gegen das Meistvegünstigungssystem gerichteten

S"J t Cf f? 0nett -cvf 9, v. Heyl (nat.-lib.) empfiehlt ferne Resolution. Jedermann, der den Vertrag mit Amerika studiert habe, müsse zu der Überzeugung kom- men, daß dieses Abkommen gekündigt werden muß. Was die Stellung der Sozialdemokratie zu dieser Frage an- lange, so bleibe er dabei, daß die Ansicht des Aögcorü UÜK» «aüver entschieden von der Fraktlvns-Theo/ie ab- erflare offen, der Freihandel stehe dem sozialdemokratischen Gedanken entgegen. Diese Tatsache

^nr^htt Jf UdjUrdj . öie gestrigen Ausführungen des Ab- georöneten Berustem nicht umgestoßen. Seine, Redners Resvlu.ion stehe jedenfalls, und das sage er namentlich de^ & Fraktionsgenossen Temmler, auf dem Boden des Rates, den der Handetsminister Müller den Kauf- Ä” 1 " Düsseldorf gegeben habe. Nehme der Reichstag die Resolution an, so sei er überzeugt, daß der Reichstaa niemals wieder Handelsverträge annehmen werde wie

seien ^ lReüatl°l " ^ cit angenommen worden

? ,rtfall.j _ Abg. Lucke (Bund der Landwirt! plädiert für die Resolution Heyl. WaS öaS Verhalten ^r ^staken anlange, so handle es sich bei derselben um ein Ruckzugsgefecht nach der schweren Niedcrlaae ^- n-

Ver.) wendet sich gegen den Abgeordneten v. Heyl der vorhin gesproaien habe von den goldenen Ketten ' die fein Hanöclsvertragsvcrcin von der Hochfinanz umae- Eine solche Verdächtigung müsse er, Redner auf das entschiedenste zurückweisen. Er fordere den Ab­geordneten v. Heyl aus, den Beweis für seine Verdäch­tigungen zu bringen. Redner geht sodann auf die Reio- lution und die Bleistbcgünstigungsfrage ausführlich ein Je ne Freunde erblickten in diesen Resolutioner? eine

^crn^füi E f f Ur Öl£ Meistbcgünstigungsklausel, son- öern für die Tarifverträge überhaupt. Auch geaen das Export-Pramrensystem wendet sich Redner. Durch das­selbe wurde der Abschluß von Handelsverträgen aan- besonders erschwert. Die Meistbegünstigung verschaf e Deutjchland aus jeden Fall den Vorteil, daß es von dem anderen -teile nicht schlechter behandelt werde als an­dere Staaten. Wolle man das Abkommen mit Amerika m„ er ""b "«deren Staaten vorzeitig kündigen wie die Gegner cs wünschten, dann würde Deutschland'sich selbst auf das schwerste schädigen. Das unreine Wasser dürfe

man doch nicht eher ausgießen, als bis man reines habe, -vas jetzige Verhältnis zu Amerika sei jedenfalls golden gegenüber einem vertragslvsen Zustande. (Beifall.) — Abg. Fürst Bismarck (fraktionslos) ist erfreut da- ^"ber- daß Graf Posadowsky die Hoffnung auf bessere Handelsverträge ausgesprochen habe. Der Vertrag mit Amerika habe Deutschland keineswegs die erforderliche Reclprocltüt gebracht. Für einen Rechtsbruch halte er es, wie die Bereinigten Staaten bei Gelegenheit des ^.ingley-^arifs von der bis dahin herrschend gewesenen Meistbegünstigungs-Auffassung von 1828 abgegangcn seien. Redner erklärt weiterhin, daß er der Resolution Lpeck den Vorzug vor der v. Heyl geben möchte. Vor einem Zollkriege brauche Deutschland sich nicht allzu sehr «u urch en aber er hege die Hoffnung, daß Deutschland baldmöglichst zu annehmbaren Handelsverträgen kommen wurde. (Beifall.) - Abg. Bernstein (Soz.) geht nochmals auf die Stellung des Abgeordneten Calwer in wirtschaftlichen Fragen ein. - Abg. v. Heyl (nat.-lib. bemerkt dem Abgeordneten Gothein gegenüber, er be- nicht, wie derselbe sich über seine Bemerkungen bezüglich des Handelsvertragsvereins so aufregen könne. Jlmi sei von frerhänölerischer Seite mitgeteilt worden, ö£t h "ist haute finance dem Handelsvertragsverein fli-uhc Summen zur Agitation gegen den Zolltarif zur Verfügung gestellt habe. Ein weiteres habe er mit seiner Bewertung nicht sagen wollen. Namens seiner Mit- °"^agsteller erkläre er, daß er seine Resolution zu Gunsten der Reiolution Speck zurückziehe. — Abg. P a ch n rck e (freist Ver.) wendet sich gegen den Abacorö- neten v. Heyl bezüglich dessenAußerung über öenHandels- kf^Mverein. - In namentlicher Abstimmung wird die Reiolution Speck mit 141 gegen 67 Stimmen ange- soiat tzie Beratung der Resolution Albrecht: Durch ein Gesetz zu verbieten, daß die in Strafanstalten hergestellten gewerblichen Erzeugnisse für einen anderen als den eigenen Bedarf des Staates oder der Kommunen dienen. — Abg. Säubert KSm) r'Ti Resolution. - Abg. S ch l u m b e r g c r (Elsaster) findet in die,er von den Sozialdemokraten cin- gebrachten Resolution einen Widerspruch, denu gerade -l ei . e " j* öcr Zolltarif-Kommission l % ren . Zollfrelhelts-Anträgen für unbeschränkten Wettbewerb cingetreten (Sehr richtig! rechts und in ^.^^kte.) — Geheimrat Krone legt dar, daß die Gc- fangnisarbelt für Unternehmer in Preußen andauernd zuruckgegangen se,. In absehbarer Zeit werde sie ganz verschwinden. Dagegen werde in großem Umfange ge-

arberret für den Krregs- und den Eisenüahnminister. _

äöß. Gamp (Reichsp.) lehnt die Resolution ab._Aba

5 4 r a ö e r (freif. 33er.) stimmt ihr zu. — Abg' ^chaöler (Centr.) spricht wegen der ihr anhaftenden

SftSSUf d°r -

Zur FluA der Krouprln^elsln m KaUeu und ihres Druders.

hcl. Dresden, 16. Januar. Lachenal bestätigte einem Korrespondenten der „Dresdener Neuesten Nachrichten", daß icher die gepflogenen Konferenzen strengstes Still­schweigen bewahrt würde. Ein Exeniplar des Protokolls befinde sich wahrscheinlich schon jetzt in den Händen des Kronprinzen. Auf die Frage, ob die Kronprinzessin auf der Scheidung bestehe, antwortete Lachenal, daß die Scheidung vielleicht am 28. ds. vor deni besonderen Ge- richte in Dresdeii beantragt werden würde. Auf die weitere Frage, ob die Kroitprinzessin unter gegebenen Verhältnissen von Giron lassen würde, gab LachQwl eine ausweichende Antwort.

hü. Berlin, 17. Januar. Nach einem Telegramm des „Lokal-Anzeigers" aus Dresden wurde an Stelle Girons zum Untererzieher der Söhne des Kronprinzen der Leutnaiü im Gardereiter-Regiment Freiherr von Humbracht-AIt ernannt.

Deutsches Deich.

Die Eidechse.

Roman von A. v. Klinckomström.

( 22 . Fortsetzung.)

,vr> Ihr wäre es ja lieb gewesen, seinen

kes"L,Ln fie ^tlos von ihm,

„Willst du?« drängte er.

"JA ^erde es versuchen. Angenehm ist es ja nicht."

t mtr ^fallen tun, nicht wahr'? Für ihn harte e» gar nichts Abstoßendes mehr zu ^ freundlich mit dem reichenKunstmäcen'sein könne, wenn es um seinetlvilleii geschah. Seine Anac- legenherten standen ihm jetzt im Vordergründe. Er hatte sich so m dre ^dee verrannt, daß der Professor sein Bill

Taao aTtn faU fl n toerilc ' und am nächsten

A^lt fleißig war, jeden Augenblick meinend, er S ?°pfen und der Erwartete eintreten. Ms inbeffeii Usthts dergleichen geschah, auch am folgenden Tage nickl wurde er ungeduldig und begann es Jenny zur Last zu Eigensinn und übertriebenen Karl gesuhl ihm mchr diesen Liebesdienst erweisen mochte versäumte er sogar die gewöhnliche Zusammen

ihm sicher nicht die kleine Bitte abge- Wagen. Das war ein gutes Kerlchen, das ihn immer "ÄSuhvilern verstand, wenn ihm der Mut sinken kleine wurde selbst ordentlich begierig, den Professor kennen zu lernen, dessen Name setzt so oft übe, Engters Lippen kam, und tröstete ihn aus chre Weise um ^uier L-limimlng zu erhalten, denn es hätte ih: schlecht gepaßt, ihre Tage, mit denen sie ohnehin während Sommerzeit nichts anzusanaen wußte, st,

»Seien Sie nicht langweilig!« schalt sie Er wird

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»Es ist mir strb, daß Sie das einsehen. Nun packen ^ie aber auch ue Pinsel fort und lassen Sie uns einen

SflTSje?^ Man la s ° ns bnRim wn dem

^olos rmd unlustig ging er mit ihr. Eigentlich v m 5-lhm lieb gewesen, ins Freie hinanszufahren, in die Vorstädte mit ihren Garterikiwipen und lustigen ^Een, aber dieses Großstadtkind besaß nur Sinn für die Voulevardv. Hier konnte sie stundenlang umherflanieren, die begehrlichen Blicke am Anblick der glänzenden Sck-au. erster weiden und in irgend einem Cas^ Eis löffeln.

überredete sie ihn dazu, und er fügte sich wie gewöhnlich. Ee> war merkwürdig, welckien Einfluß dies mstlge Geschöpf, bei dem der Sinn stir burschikose ^v^vdschast durch , das lange Atelierleben besonder-, enrwickelt schien, auf ihn ausübte

..Vor^sich hin pfeifend, schlenderte er die staubigen Helgen ^rottoirs entlang neben ihr her, lackte zuweilen vber ihre Bemerkungen und betrachtete ohne ^rtterejje, afiex doch gehorsam die Auslagen der Läden wenn sie chn darauf aufmerksam machte

Mit einmak stieß Fanchon einm Ruf des Entzückens aus und zupfte chn am Ärmel.

„Was ist denn?"

"Kobm Sie je etwas Reizenderes gesehen?"

schaute sich verständnislos um.

„Das Meid dn!

ich mU ' ßin Bi§djat 3U aufgetakelt, sollte

_ Sie prüfte s-hr eingchmd die Toilette mis schwarzer Lmdengaze, deren Mieder diskret mit mart^ rünem Atüw und kostbaren spitzen verziert war, und das V"rla,iaen oanach regte sich flüchtig in ihr. ^ laugen

»Ob das wohl teuer ist?"

„Vermutlich."

„Ich möchte wirklich wissen, was es kostet"

'"Wozu denn? Sie können das doch nicht kaufen " »Lassen Sie uns wenigstens nach dem Preise fraaen Nur^des Spaßes halber." 1 r 9 n ‘

Fanchon schob vertraulich ihre Hand rn seinen Arm und drängte ihn zur Ladentür. ' ürm

©ngier sah sich bestürzt um, ob auch niemand von

Aus dem Reichstag.

1 -. B e r l i n , 16 . Januar.

Mit 141 gegen 67 Stimmen, bei 2 Sstmmenthaltim- gengen, nchin der Reichslag die Resoluston Speck, be- tresscnd die Meistbegünstigungsverträge, an, nachdem Freiherr von Heyl seine Resolution zu Gunsten derjenigen des Eentrums zurückgezogen hatte. Die Weit wird nicht untergehen, weil, die Mchrtzeit des Reichstags dem System der Meistbegünstigungsverträge unfreundliche Gefühle entgegenbringt. Es bleibt bei dem, was zur Sache wiederholt schon gesagt worden ist, nämlich daß es hinterher „noch, so ist". Die deutsche Wirtschaftspolitik wird den Behelf der Meistbegünstigungsverträge nicht entbehren können, und sie wird ihn bewehalten, solange sie mit den Staaten, die sich zum Abschluß von Handels- vertragen nicht eiitschließen köimen, zu dieser allerdings besseren Form der Verrehrssicherung nicht gelangen kann Die Regierung beteiligte sich heute nicht mchr an der Verhandiung. Graf Posadowsky hätte auch nichts Neues mehr erklären können. Man weiß jetzt, daß die Regie­rung nicht beabsichtigt, auf Zollkriege Hinzusteuern, und weil ores feftiteht, ist es im Grunde genommen so übel mcht, daß der Staatssekretär verschiedentlich auch scharfe Worte gegenüber einigen Meistbegünstigungsstaaten ge- braucht hat. Man wird in diesen Staaten somst wissen, daß hier zwar der beste Wille Zum Frieden vorhanden ist daß man sich aber wirkliche Übergriffe, wirkliche Unae- rcchtigkeiten und vor allem eine wirklich differentielle Be-

den Bekannten in der Nähe sei, und strebte danach, den Arm zu befreien, aber die Kleine hielt ihn fest, und ehe er stönd er mit ihr im Geschäft und war von verbindlichen, bereitwilligen Verkäuferinnen umgeben. ... er Preis? O, eine Kleinigkeit, wenn man den herr- Echen Stofs und die moderne Machart in Betracht zog. Ob plladanie die Tostette nicht einmal anprobieren wolle? r)-anchon ging begeistert daraus ein.

»Das kostet ja nichts!" flüsterte sie ihrem Begleiter zu. „Und es ist solch ein Vergnügen. Ich möchte nur wissen, wie ich darin aussehe."

Geschwind verschwand sie mit der Verkäustrin in das Ankleidezimmer nebenan, während Engler, dem sehr un- behaglich zu Mut war. im Laden wartete. Nach Verlaus einer, Viertelstunde kehrten die Mädchen zurück, Fanchon wie ein kleiner Pfau, der ein Rad schlägt, aber entzückend m der reichen Gewandung, welche ihre strahlende Jugend mehr denn je zur Geltung brachte.

„Wie sehe ich aus?" rief sie, sich langsam vor ihm drehend, und oie Ladnerin versicherte, daß die Toilette eigens wie für Madame besümmt scheine - hübsch!" .sagte Engler obenhin, „doch jetzt

zichen Sie sich nur wieder um." 1 *

- Augenblick noch! Ich finde mich zu reizend.

Franken^ * ^uch wirtlich genug — nur zweihundert

"ml e - vvh wohl toll! So viel für den Lappen?« »Mem Lieber, Sie verstehen, wie es scheint, nicht viel von dreien Angelegenheiten, sonst würden Sie wissen, daß cs der reme Gelegenheitskaus wäre.« ö

„SBemt sich ein Käufer dafür fände, — mag sein.*

Dw Kieme beugte sich lächelnd zu ihm „Was stur nn Brummbär Sie sind! Haben Sie denn gar keine Freude daran, andere glücklich zu machen? Ich gestehe, daß ich sehr glücklich wäre, dieses Kleid zu iS !^ n ; .Sie versichern so oft, daß ich gut zu Ihnen sei' Icht haben Sie Gelegenheit, sich zu revanchieren und auch einmal gut zu mir zu sein.« m

„Wenn ich reich wäre, mit Freuden", flüsterte er ^ UrUC r« ri"'® e 5 faß .^4 das Geld hernehmen?"

„Gestern hatten Sie noch viel mehr als zweihundert Franken der sich. Das habe ich wohl gesehen."