Seilage nun Wiestmüeirer Tagklatt.
Uo. 23. Morgen-Ausgabe.
Donnerstag, den 13. Januar.
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51. Jahrgang. 1903.
Wo die fteracn der Manschen nach malericllkn Gütkrn streben konimr die Lergeltiiuc, in irgend einer Form. Wir sind nicht in die Well gekomnien mit Rechten, die wir verlangen dürfen, sondern mit Pflichten, die wir erfüllen müssen.
Tb. Carlyle.
(26. Fortsetzung^
Ich.
Roman von Iba Boy-Ed.
-y schrie^Agnes, „fort, er grinst mich an! Nein,
rch will nicht im Sarg liegen, laßt mich heraus, heraus !"
. "^llues", rief Gustav, sie niederdrückend, „Du lebst, wir find bei Dir!"
In diesem Augenblick erschien zugleich mit Olga, die ' f? n ^ Q ff ee trug, der Professor in der Thür.
Gin Mann von hoher, vornehmer Gestalt, mit einem ^^„gen Gesicht und großen, klug-sanften Augen.
^ Albert und Gustav wichen von dem Bett zurück. Ein Seufzer der Erleichterung ging von aller Lippen, ein Schweigen der Erwartung folgte.
„Sehen Sie mich an", sprach der Professor, Agnes' Hand ergretfmd; „wie stark inag die Dosis gewesen sein
~ ^ Näschchen sehen?" fügte er, zu Olga ge-
wendet, hinzu.
Olga suchte am Toilettentisch nach dem Fläschchen.
„Ich — sehe — nichts!" lallte Agnes.
„Schon Blindheit!" mirrmelte der Professor, sah mit schwerem Blick das Fläschchen an, roch hinein und schüttelte ?bn Kopf. Auf dem gläsernen Bauch der Phiole fehlte Me Etikette, jede Andeutung über den Inhalt. Mit bangen Blicken sahen die Brüder seinem Gebühren zu — er nahm Pulver aus seinem Taschenbuch, rührte sie in Wasser an und flößte sie Agnes ein, die auf seinen Wink von Olga ein wenig emporgerichtet wurde. Sodann be- deutete er Gustav, ihm auf den Korridor hinaus zu folgen.
o, r"i^S n § e f r "' sprach er leise, „ich komme zu spät. Die Dosts Morphium, die ich soeben Ihrer Frau einslößte, p'sE lE vor einer halben Stunde noch retteii können, letzt rann sie ihr nur die letzten Augenblicke erleichtern."
, • "'Hrpr Professor", sagte Gustav zitternd, „giebt es kerne Möglichkeit?
. ."Den äußeren Symptomen nach — nein! Jedoch, oa ich mcht die Menge und Stärke der Gabe Atropin er- mesien kann, wollen wir eine letzte schwache Hoffnung noch bewahren", erwiderte der Professor, der es berufs- mäßig gewohnt war, Unglückliche über die Brücke der Hoffnung m den Tod gehen zu lassm, wenn feine Kunst nicht ausrcichte, das Leben zu erhalten.
Sie kehrten in das Zimmer zurück, wo Wert laut- los auf und ab giirg und Olga auf dem Bettrand vor Agnes saß.
,D«s junge Mädchen hatte keine Thränen. Die Größe dieses Entsetzlichen packte sie so an, daß sie betäubt war Sie hatte noch niemals den Tod gesehen, und daß man chn freiwillig suchen könne, daß man so blind gegen den Kammer der Angehörigen, nur auf Selbstsicherung bedacht sein könne, war ihr so ungeheuer, daß sie auf Agnes scheu niederblickte wie aus ein Gespenst der Schande Und des Verbrechens.
Agnes ruhte besänftigt; ein Lächeln spielte um ihren Mund. Sie lebte in ihrem neuen Leben; sie war geliebt, gepriesen, geehrt — nicht von der Welt, aber heimlich und süß in ihren vier Wänden. Sie zogen an sonnigen Sommertagen heiter hinaus in deir Wald und sangen und Hansi sprang herirm und sang mit: „O Welt, wie bist Du so wunderschön!"
„O Welt — wie bist Du — so wunderschön!" sang Agnes und lachte.
Eisiges Entsetzen erfaßte die Ihrigen.
Da jagten Wolken heran — schwarz — der Tod war
in chnen — der gräßliche Tod! „Rettung, Rettung, Rettung — wohin fliehen? Er verschlingt Alle! Mag'S, wenn nur ich, ich lebe!"
„Nur ich — ich!" lallt Agnes und richtet sich hoch auf. „Nur ich — ich!" noch einmal. Sie blickt wild um sich, Konvulsionen lassen ihre Hände auf der Decke hin mrd her zucken.
„illein, mein Kindl" schreit sie auf.
Die Feuergluth auf ihrem Antlitz erlischt plötzlich, ein bläuliches Weiß deckt ihre Züge, aus der Stirnwunde tropft es roth.
„Agnes, geh nicht von uns!" ruft der verzioeifelte ^5» .®* e !strbt ihm sie, der seine erste junge Liebe
gehört; jäh wird sie wieder wach, diese Liebe.
Und der heiß ersehnte Ruf hallt als letzter Laut andern Lebens in ihren Ohren.
Ihre murmelnden Lippen wollen antworten, der Trost, die Verheißung will noch aus ihrer Seele kommen: „Ich will gutmachen!" Sie lallt:
»Ich . ."
Aber einer, der der Gewaltigste ist über Mem, was da lebt, schneidet ihr die Rede ab, und ehe sie diesem Wort, das der Inhalt des Lebens war, noch eine Silbe hmzufügen kann, sinkt ihr Haupt schwer zurück. Ein heftiges Zucken geht durch chre Glieder, ihre Lippen bewegen sich rastlos.
Mit Blick und Ohr saugen die Anwesenden die letzten Lebenserscheinungen auf.
Und dann ein AuSathmen — ein Recken — Agnes war todt.
Siebentes Kapitel.
Als Hellwang am Vormittag des letzten Septembers durch Wilhelm dm Bescheid empfing, daß die Damm nrcht zu sprechm seim, ging er kopfschüttelnd davon. Er suchte Albert mcht auf, deim dieser — so viel hatte Hell- wang gemerkt — war nicht gewillt oder nicht irn Stande, ihm das räthselhafte Bmehmm Olgas zu erklären. In dunrpfer Unzufriedenheit flanirte er dm Tag über in der Weltstadt umher, immer in der Hoffnung, daß er viel- leicht das Glück habm könne, Olga zu begegnen. Ja, er suchte den Laden auf, wo er sie zuerst gesehen, kaufte dort eine Menge unnützer Dinge, hielt sich lange auf. Alles in der kindischen Hoffnung, daß sie dort erscheinm könne. Sie dann zur Rede zu stellm, war er heftig entschlossen. Aber umsonst — keine Olga weit und breit. In der folgmden Nacht schlief der Baron zum ersten Mal in seinem Leben gar nicht. Er wälzte sich im Bett hin und her und dachte, was er morgen thun müsse.
Sein Selbstgefühl sagte ihm, daß es seiner nicht würdig sei, sich als Spielball einer Weiberlaune be- handeln zu lassen; seine Liebe spiegelte ihm immer wieder vor, daß irgend etwas vorgesallen sei. was Olga wider eigmen Willm bestimme, sich so gegen ihn zu ver- halten. Endlich fand er einm Mittelweg, bei dem so- wohl seiner männlichm Würde genug geschah, als auch seiner Liebe Hoffnung gelassm wurde.
„Ich werde abreisen", sagte er sich, als er aufstand, „dmn die Gründe, die die kleine Hexe in ihrem Be- nehmm hat, werden vielleicht noch hmt und morgen und einige Zeit fortdauern. Aber dann komme ich wieder und dann werde ich klar sehen. Zugleich merkt sie, daß ich nicht der Mann bin, vor ihrer Thür herumzuwinseln Ich gehe!"
Durch Wert würde er es sie wissen lasten, daß er infolge ihrer seltsamm und unerklärlichen Handlungs- weise abreise, aber dm Glauben an sie bewahre, sich ohnedies gebunden fühle und binnen Kurzem wieder- kehre.
Ein fester Entschluß — es sei ein freudiger oder schmerzlicher — beruhigte Hellwang stets vollkommen Mit dem größten Seelenfrieden frühstückte er, las dabei Börsen- und Lanwirthschastsberichte, sah zuweilen über
sein Zeitungsblatt weg auf die verschiedenen GruPPm der Reisenden, die au Tischen gleich ihm in der Halle des Kaiserhofs ihrm Morgenkaffee nahmen, und widmet» eine besonders wohlwollende Aufmerksamkeit einer reizenden Südländerin, die neben einer Pslanzenpyramide saß, ihrm gegenüber gähnenden altm Gemahl ungeduldig ansah und dabei mit dem zierlichen Füßchm dm Mosiak- fußbodm klopfte. Um halb elf Uhr stand er auf und schritt an der kleinm Südländerin vorüber — nicht ohne einen Blick mit ihr zu wechseln — zur Halle hinaus.
Er kündigte im Vorbeigehen dem Portier seine Abreise an und machte sich auf dm Weg nach Albert. Ein blauer Himmel lachte über Berlin, an diesem erstm Oktobertag schien die Sonne lustig in die Straßen und sog dm feuchten Dunst auf, den der Nachtthau auf dem Holzmakadam der Fahrstraßen zurückgelassm. Auf den Bürgersteigen war heiteres Lebm, der schöne Tag hatte viele Damm verführt, ihre neuestm modischen Herbstkleider spazieren zu tragen.
_ Hellwang war immer guter Dinge, wenn die Sonne schien und wenn es was Hübsches zu sehen gab. Einm lusügm Walzer aus dem „Bettelstudent" pfeifend, trat er bei Albert ein.
Weser saß mit dem alten Bach und zwei Herren, deren einm Hellwang als Werts Rechtsanwalt erkannte, im Hintergrund des Comptoirs um einen Tisch, der mit Papierm bedeckt war. Albert erhob sich und ging auf Hellwang zu.
Die lange Rede, die dieser sich Wort für Wort schon vorgesprochen und die mit jeder Silbe eigentlich für Olga berechnet war, erstarb ihm ungesagt.
„Mensch — wie siehst Du aus? Was ist los? Bist Du krank?" sprudelte Hellwang heraus.
„Nein", sagte Albert leise, „aber mein Bruder ist ruinirt und sein Weib ist todt."
„O!" rief Hellwang, und noch einmal: „O!" Er stand, die Hände in den Taschen seines Jackets, mit ge- spreiztm Beinen da, sah tiefsinnig eine Weile zu Boden, stülpte plötzlich seinen kleinm Filz in dm Nacken und lief hinaus.
Albert war zu schwer beschäftigt, um diesem verrückten Benehmen mehr als sekundmlange flüchtige Aufmerksamkeit zu schenken, rrnd wandte sich wieder der Berathung mit den Rechtsanwälten zu.
Hellwang aber rannte wie ein Wilder auf dem Quadersteig umher, der vor dem Schauspielhause entlang führt, die Hände immer in dm Taschen, dm Kopf vorgeneigt und mußte alle Augenblicke: „Pardon!" murmeln, weil er oft Jemand anrannte. Ter kurze Schreck über Gustavs Unglück, das Bedauern über dm Tod der zarten Agnes warm schnell einem starken Triumph gefühl ge- wichm.
Ja, nun war es um Tag, die vomehme, ehrliche und stolze Seele der Kleinm hatte sich dagegen aufgebäumt, ihm an einem so verhängnißvollen Zeitpunkt entgegenzukommen, ihn in eine Familie zu lockm, die am Verderben stand. Im Augenblick, als sie von dem herannahenden Unheil vernahm, zog sie sich zurück. Sie wollte nicht in den Verdacht kommen, daß sie sein Geld, seine Persönlichkeit aus Eigmnutz für sich und die Verwandten zu ergattern gesucht. Sie entsagte aus Stolz ihrer Liebe, sie wollte als armes Mitglied eines gestürztm Hauses nicht einem reichen Mann ihre Zuneigung verrathen. So war es, genau so und nicht anders!
Ilh — das hätte er sich sagen sollm — gleich — er konnte so etwas von ihr erwarten. Es steckte Rasse in der Kleinm, viel Rasse. Welche Gelegenheit, ihr seine ganze Liebe zu zeigen, sie wissen zu lassm, daß er sie ganz begriff und der Ihre sei, nun erst recht und für alle Zeiten! Es fehlte nicht viel, so hätte er nock das ganze Elend Gustavs als speziellen Glücksfall angesehen.
(Fortsetzung folgt.)
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Geschäfts ^Eröffnung.
de, “ Ter “ publita “ die — A ”^<* -
Garten-Restaurant „Znr Adollshöbe
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belegen an der Biebricherstrasse und Grenze Biebrich—Wiesbaden,
unter dem nämlichen Namen als Restaurant und Pension resp. Luftkurort neu eröffnet habe. Ich’habe mir es angelegen sein lassen, durch schone, bequem angelegte Geschaftslokahtäten, Pensions-Zimmer, grossen schattigen Garten, sowie durch mannigfaltige Bequemlichkeiten und Neuheiten den Aufenthalt in meinem Etablissement angenehm zu machen. Auch wird er, mein eifrigstes Bestreben sein durch Führung einer ausgezeichneten Küche, sowie vorzüglicher Getränke, Weine aus ersten Firmen, tadelloser Biere, alle mich mit lhiem Besuche beehrenden werthen Gäste zufriedenzustellen. *
Hochachtungsvoll
m
Johann Panly, Restaurateur.
»LMRARAWARNUUAURU«MUUUUUUU
