Einzelbild herunterladen
 

si. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — BezugS-PreiS: durch den Verlag so Pfa. monatlich, durch die Post » Mk. ft© Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

Abonnenten.

Slnzrlgen-Preiör Die einspaltige Petitzeile für lokale Anzeigen 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfa. — Reklame» die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg^

für die Rbcnd-Ausgabe bi« 13 Uhr mittags, für die Morgen-AuSgabe bis 3 Uhr nachmitt ©»**?»»»*♦* (filJHUljHU nächsterfcheincnden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

Uhr nachmittags. - Für 'dre Aufnahme später eingereichter Anzeigen »uk

No. 21. BerlagS.FernsprecherN». 2953. Mittwoch» den 14. Januar. Redaktions-Fernsprecher No. 52. 1908.

Morgen »Ausgabe.

Aus Deutsch-China.

Au§ Tsingtau, 15. November 1902, wird der „Köln, Volks-Ztg." geschrieben: Gestern war der fünfte Jahrestag der Besetzung von Kiautschou. Eine Stein- tccfcl an der westlichen Flanke des Sigtralberges, der sogen. Diedrichstein, bezeichnet mit der etwas knorrig klingenden Inschrift:

Der hier für Reich und Kaiser warb ringSher das Land,

Rach ihm sei dieser Felsen Diedrichstein genannt.

die historische Stelle, von welcher aus Vizeadmiral Diedrichs die Einnahme des Hafens dirigierte. Würde am heutigen Tage Excelleirz Diedrichs wreder an jener Stelle stehen, wie ganz anders wäre das Bild, das sich vor seinen Füßen entrollte.

Damals der einsame Meeresstrand, auf dem einige armselige Fisäsernachen sich sonnen, elende chinesische Dörfer, die an deir Fuß der kahlen Berge sich ducken, und hinter Lehmwällen versteckt ein paar chinesische Soldatenlager. Jetzt nach fünf Jahren erne aufstrebeirde Stadt, deren weitausgreifendes Straßennetz immer deut­licher aus dem Landschaftsprofil sich heraushebt. In dieses Netz eingelagert und seine Maschen immer mehr füllend nach Süd, Südost. Südwest, das europäische Mertel mft seinem reichen, die mannigfachsten Sülformen aufweisenden Häuserschmuck. Gegen Westen hin über das sicher in einer Mulde gebettete Lazarett mit seinen großartigen Anlagen die Chinesenstadt Tapantan. wo Haus an Haus sich drängt; in der Fernsicht scheinen die Dörfer ganz nahe zusammengerückt, als wollten sie sich gegenseiftg wärnien und schützen gegen den rauhen Nord- nx-st, der mit ungestümen Stößen über die breite Bucht stürmt. Weiter nach Norden hebt sich der Wellenbrecher des neuen Hafens wie eine scharfe geornetrische Linie von dem Meeresspiegel ab. Auf den Bergen rings um- her die junge Fichtenschonung, die mit ihrem Grün all- mählich die strengen Farben und starren Konturen des GZirges überkleidet. Zwischen alle dem die winnnelnden Arbeftermengen. das Pfeifen der Dampfmaschinen, das sollen der Eisenbahn. Und als Rahmen zum Ganzen bas herrliche Meer mft seinen ewigen Wogen und seinem -weitgespannten Horizont. Liber den hinaus Auge und Phantasie in ungemessene Fernen sich träumen.

Das alles gibt in seiner Gesamtheit ein Bild, dessen wir Deutsche urw nicht zu schämen brauchen. Auch die Airsländer, welche hierher kommen und mit Vorurteils- freiem Auge die Verhältnisse überschauen, sind einig in

Feuilleton.

Hygiene des Tnn;es.

Von I)r. msä. R. Ebing.

DaS Tanzen gehört zu den wohltuendsten Be­wegungen, wenn cs nickt übertrieben wird. Der Tanz setzt den ganzen Organismus tu eine gesunde Tätigkeit und auch der Geist, sowie das Gemüt werden durch die Musik und den Verkehr der beiderlei Geschlechter an­geregt.

Wie das Kind seinem ungebundenen, frohen Umher- hüpfen und -Laufen die gute Verdauung und das gesunde Aussehen verdankt, so Hai der Tanz für die Erwachsenen entsprechende, gute Gesundheitswirkungen.

Es gibt kein Volk auf dem ganzen Erdenrund, das roheste selbst nicht ausgenommen, das den Tanz nicht kannte und noch kennt. Bei vielen wilden Völkern ist der abendliche Tanz an der Tagesordnung, zumal in heißen Gegenden, wo die Natur den Menschen die Nah­rung selbst gibt, wo die Menschen tagsüber nicht arbeiten, sondern Schutz vor der Hitze suchen. Da ist diesen Völker- schäften das Tanzen eine notwendige Bewegung, um ge­sund zu bleiben. Die Lust zum Tanzen ist dem Menschen angeboren. Auch bei uns ist der Tanz für die junge Damenwelt baS höchste gesellige Vergnügen, schwärmen und träumen doch die meisten jungen Mädchen für die Freuden etneS Balles ebenso lange vor- wie nachher.

Ohne Zweifel ist der Tanz ein Mittel, die Gesund- heit zu erhalten und zu stärken, die Anmut noch gefälli­ger und die Schönheit noch schöner zu machen, indem er dem Körper und feinen Bewegungen eine gefällige Ge­schmeidigkeit und einen bezaubernden Anstand gibt. Leider übertreiben wir das Tanzen, wenn es einmal dazu kommt. Wir können in diesem Punkte von den Wilden lernen. Diese tanzen täglich, aber mit Mäßigung, ohne Übertreibung, ohne den Genuß von schädlichen Getränken. Wir aber tanzen selten und dann meist mit Übertreibung, und mit Vertilgung von Mengen geistiger Getränke. Die Wilden tanzen im Freien, wir aber meist in geschlossenen Räumer:. Man denke doch nur an die schlechten Dünste,

dem Urteil, daß deutsche Energie hier Großes geschaffen hat. Möge der Lohn nicht ausbleiben.

Wagen seiner historischen Bedeutung für die Kolonie wurde der heutige Tag zur Grundsteinlegung der ersten Ouaimauer im neuen, großen Hafen gewählt. Das ganze Deutschtum der Kolonie und auch eine große Menge der Chinesen hatten sich in der Bucht versammelt. Eine Tribüne mit terrassenartig auffteigenden Sitzen, die zu den beiden Seiten des Gorrverrreurzeltes und des Grundsteines halbkreisförmig sich aufbaute, war von Zuschauen: gefüllt. Interessant war es, zwischerr den Europäern, Militär und Civil. Damen und Herren, auch einige vornehme Chinesen mit ihren buntgekleideten, reich geschmückter: Hausfrauen und ihren Kindern zu sehen. Es war ihnen offenbar eine hohe Ehre, als Be­vorzugte ihres Stammes gleichberechftgt mit den Euro­päern auf denselben Bänken zu sitzen. Einem Vertreter der chinesischen Kaufmannschaft gestattete man auch, mit­zuhelfen zu den drei symbolischen Hammerschlägen, die den Grundstein fesstgen sollen. Der Hafen ist ein wahr- hast großartiges Unternehmen; west öfinet sich sein Bogen (acht Kilometer im Umfang), um der: Weltverkehr zu umspannen. Und dieses Wasserbecken muß wenigstens zum Teil in seiner Tiefe erst dem Meeresgründe abge- rungen werden. Man hofft, daß binnen Jahresfrist die ersten großen Ozeaudaiupfer an der neuen Quai- mauer anlegen tonnen.

Die langersehnte Kohle tritt nun auch schon seit unge­fähr einem Monat in Tsingtau auf. Trotz aller ab­fälligen Weissagungen bewährt sich das Bergbauunter­nehmen von Weihsien. Die sorgfältige:: Bohrungen ergaben in einer Tiefe von nicht ganz 200 Meter ein ziemlich ausgedehntes Kohlenflöz von 4 Meter Mächttg- keit und noch weitere 60 Meter tiefer ein zweites Flöz. Der Förderschacht ist vollendet und die Eisenbahn liefert nunmehr fast täglich einige Waggons Kohlen nach Tsingtau. Die Weihsienkohle hält die Mitte zwischen unserer westfälischen Kohle und der besten Japankohle, sie stellt sich als eine gute Flammkohle dar und eignet sich für de:: Gebrauch der Kriegsschiffe. Der Preis im Einzelverkauf beträgt pro Tonne 12,50 mexikanische Dollars, also ungefähr 21 Mk.

In Poshan ist man noch immer mft den Bohrar- beiten beschäftigt, die dortige Kohle ist derjenigen der Weihsiengruben noch überlegen. Schantung hat also in Bezug auf Kohlenbergwerke die gehegten Hoffnungen vollauf gerechtfertigt. Augenblicklich ist man gerade dabei, noch ein anderes Erzeugnis der Provinz Schantung für die junge Kolonie nutzbar zu machen: in der Nähe von Tsingtcn: wird eine moderne Seidenspinnerei an­gelegt. So wird binnen kurzem unsere Schantungseide

die im Tanzsaal durch das Gaslicht und die Ausdünstung zahlreicher Menschen verursacht werden. Die Wilden tanzen in der losesten Kleidung, unsere Damen aber meist durch ein Korsett geschnürt. Dieses ist das Schlimmste, was eine Tänzerin begehen kann. Nichts ist der weib­lichen Gestalt vorteilhafter, als eine ungezwungene, mit edlem Anstande verbundene Haltung des Körpers. Ist dagegen die Haltung des Leibes gezwungen, so müssen notgedrungen alle Stellungen und Bewegungen gleich­falls gezwungen sein. Nun ist aber bei einem festge­schnürten Korsett eine natürliche Haltung und Bewegung beim Tanzen unmöglich. Die Tänzerin wird stets eine steife Figur machen, wo sie die günstige Gelegenheit hätte, sich in ihrer biegsamen Geschmeidigkeit und gewinnenden Leichtigkeit zu zeigen. Zum Glück ist durch die heutige Mode schon Wandel geschaffen, indem das Korsett immer mehr dem weit bequemeren und gesunderen Leibchen weichen mutz.

In unserem Lande hört man häufig sagen: Dieser oder jene habe sich die Schwindsucht, eine schlimme Er­kältung oder einen bösen Rheumatismus auf dem Tanz­boden geholt. An diesen Unglücksfällen ist aber nicht der Tanz, das Tanzen schuld, sondern lediglich allein die Un­vernunft der Menschen selbst, die entweder keine Schranken kannten, oder alle Vorsicht beiseite setzten.

Wer sich beim Tanzen richtig verhält, wird nur die angenehme und gesundheitsfördernde Wirkung desselben erfahren. Selbst Schwächliche, ja sogar Tuberkulöse, im ersten Stadium der Lungenschwindsucht sich Befindliche, denen Bewegung so notwendig ist, können im mäßigen, vorsichtigen Tanze ein Stärkungs- und Heilmittel finden. Manches bleichsüchtige Mädchen hat sich schon gesund ge­tanzt.

Alle Nachteile, welche der moderne Tanz für die Ge­sundheit im Gefolge hat, verschuldet lediglich die mensch­liche Unvernunft. Da wird die ganze Nacht hindurch bis zum Morgen getanzt, womöglich die zweite Hälfte mit überfülltem Magen; da tanzt man mit einer Ausdauer und Schnelligkeit, daß alle Grazie und jede Heilwirkung ver­loren gehen muß. >

Wer vom Tanze Vorteil haben will, beachte folgende Regeln. Wie jede gesunde Bewegung stets gelinde an­fangen, sich allmählich steigern und dann wieder mäßigen soll, so muß auch jede Tanzstunde oder jeder Ball mit

nicht mehr wie bisher den Weg über Kiangnan nehmen- sondern gleich in Tsingtau in den ausfuhrfähigen Zw stand übergeführt werden.

Tsingtau wächst nickt nur in seinen Unternehmungen, auch die Bevölkernngszrffer steigt. Die ansässige deutsch« Civilbevölkerung hat schon das erste Tausend über­schritten. Die Militärgemeinde ist durch die Übersiede­lung eines Bataillons von Shanhaikwan nach Syfang um 300 Mann gewachsen. Die von Shanhaiüvan kommenden Offiziere können nicht genug das Anregende und Annehmliche rühmen, welches der Verkehr mit den Kameraden der anderen Nationen ihnen dort gebot«: hat. Und zwar ist merkwürdig, daß gerade Franzosen' und Deutsche an: besten sich zusammen fanden. Nament­lich die jungen Leute, welche den Revancheideen fernev- stehen, schlossen sich mit großer Herzlichkeft cm unserri deutschen Krieger an.

In der letzten Zeit hat man sich hier verschiedentlich die Köpfe zerbrochen über die Absichten der Engländer bei ihrer allerjüngsten Flottendenwnstratton in Wnsung. Man fürchtete schon, die Engländer würden kurzer Haph mit einem Gewaltstreich die oft besprochene I)cmgfte- frage lösen. Anderseits wurde versichert, es handeÄ sich darum, einen Drrlck auf die chinesische Regierung auszullben, damit diese die Chenchow-Streitigkeit (wegen; des Mordes zweier englischer Missionare in Hunans schleunigst im Sinne der englischen Gesandtschaft er­ledige. Die Sache wurde denn auch prompt erledigt: es wurde eine Siihnesumme bezahlt (wenn ich nicht irrq 200 000 Mk.), ein Denkmal errichtet, und was dis Hauptsache: die nächst zuständigen Mandarine auf das empfindlichste bestraft, der Präfekt und Unterprafekt wurden verbannt, ein höherer Militärbeamter erwartet im Kerker seine Enchanptung (d. h. er wird nach einiger; Zeit begnadigt) und der Hauptmaun, welcher dem vor dem Pöbelhaufen fliehenden Mr. Lowis seine Tür vor der Nase zuschlug, wurde sofort enthauptet. Das ist wirklich ein Beispiel, welches der chinesischen Beamten­welt ordentlich in die Knochen fahren dürfte.

- in W7N

Ausland.

* Italien. Minister Prinett: wurde zu«

Duell gefordert. Der Oberst Gras Bellegarüe, welcher vor einiger Zeit durch das dem Ministerium des Auswärtigen unterstehende Auswanderungskommissariat dienstlich nach Frankreich entsandt worden war, hatte wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Kommissariat bei Minister Prinetti eine Audienz, in deren Verlauf es, da der Minister die Partei des Kommissariates nahm, zu heftigen Auseinandersetzungen und schließlich dazu

langsamen Tänzen beginnen und mit ebensolchen enden. Man kühle sich vollständig ab, bevor man den Ballfaal verläßt, denn noch eine halbe Stunde nach dem letzten Tanz, wenn er heftig war, sind die Lungen erhitzt.

Man tanze nie mit vollem Magen, das heißt also nie­mals nach einem Souper.

Man schützt sich gegen Erkältung, indem man das Tanzen nicht übertreibt, weder in Hefttgkeit noch Dauer. Viele Tänzerinnen erachten es als einen gewissen Ruhm und Stolz, auf alle Tänze versagt zu fein, womöglich mit Extratouren. Das ist ein gesundheits-gefährltcher, jo oft todbringender Ehrgeiz. Also weg mit ihm. Jeder Tänzer sollte auf dem bloßen Leibe ein leichtes, feines Flanell- oder Wolljäckchen tragen. Man setze sich nicht gleich nach dem Tanze nieder, sondern gehe so lange lang- sam auf und nieder, bis das Herz wieder ruhiger schlägt. Man trinke nicht eher, besonders kein kaltes Getränk, als bis das Atmen sich gemäßigt hat. Daß man in der Auf­regung und Erhitzung nicht gleich in die kalte Luft läuft, ist eigentlich so selbstverständlich, baß es nicht erwähnt zu werden braucht. Auch bas hefttge Wehen mit Fächer oder Taschentuch ist bei erhitztem Gesicht nicht vorteilhaft; eS erzeugt gleichfalls Schnupfen, Rheuwattsmus oder Hcntt- ausschlag. Ans demselben Grunde soll man auf Masken­bällen nicht zu schnell die Maske oder die Kopfbedeckung abnehmcn.

Geht man nach Hause, so gehe man schnellen Schrittes) fährt man, so hülle man sich warm ein, damit die Per- dunstung unterwegs den Körper nicht zu sehr abkühlt.

Die Kleidung beim Tanze sei nicht zu schwer ober zu enge, besonders nicht am Halse, auf der Brust und in der Gegend der falschen Rippen. Ein ganz enthüllter Buse:: ist ebenso wenig empfehlenswert, wie ein ganz verhüllter. Ist aber die Brust nur leicht verhüllt, wie sanft ist dann der Übergang der Farben. Wie schön verliert sich das höhere Inkarnat des Gesichtes in die Weiße des Halses und Busens durch allmähliche Abstufungen. So kommen Schönheit und Gesundheit zu ihrem vollen Recht. Das Ergebnis unserer kurzen Betrachtung ist also folgendes: Der Tanz ist für jeden Menschen, ob jung oder att, oh männlich oder weiblich, eine höchst gesunde Bewegung, wenn er vernünftig und der Körperbeschaffenheit ent­sprechend ausgcführt wird. Das „Zuviel" ist auch hier vom Bösen, wie bei jeder Leibesübung oder jedem Sport.