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febailrarr (Eanlilatt.

si. Jahrgang.

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Verlag: Langgasse 27.

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1903.

|t0. 20» Verlags-Fernsprecher No. 2958.

Dienstag» den 13. Januar.

Redaktions-Fernsprecher 91». 52.

Abend-Ausgabe.

LyMberw der Srofpitip in Mim.

Unser Londoner n-Korrespondent schreibt unter dem 10. Januar:

Selbst während des Bnrenkrieges verfolgte man die Vorgänge in Südasrita kaum mit größerer Spannung, als das gegenwärtig aus Anlaß der Anwesenheit Mr. Chamberlains daselbst geschieht. Alle seine Äußerungen sind dafür aber auch auf der einen Seite für die Börse und auf der anderen für den englischen Steuerzahler Non größtem Interesse. Nach den ersten telegraphischen Meldrmgen aus Pretoria schien es, als hätte der Kolonialminister bei dem jüngsten großen Festessen da­selbst eine jener nichtssagenden Reden vom Stapel gelassen, die bei derartigen Gelegenheiten so oft gehalten zu werden pflegen. Jene Drahtmeldung glich jedoch bem sprichwörtlichen Damenbriefe, indem zu ihm ein Postskript gehörte, das aber erst mit einiger Verspätung hier eintraf. Dasselbe bezog sich auf den vielerörterten Beitrag, den der Transvaal zur Bestreitung der Kriegs­kosten liefern soll, und scheint an der Börse nicht geringe Befriedigung erregt zu haben. Dieselbe ist indes nnt Vorliebe optimistisch gestimmt und müßte eigentlich, wenn sie sich die Sache recht überlegt hätte, zu dem Schluß gekommen sein, daß, soweit wie man nach den: tele­graphischen Auszuge zu folgern vermag, die Auslassungen Chamberlains über den bewußten Punkt eigentlich recht konfuse waren. Er sprach bei jener Gelegenheit vor einer Versammlung von Minenmagnaten, Vertreten: der Transvaal-Regierung und Buren, und erklärte, daß es seine Absicht wäre, die gewichtige Frage mit den Repräsentanten aller Klassen, deren eines Extreme die Kapitalisten :n:d das andere die Arbeiter bilden, zu erörtern. Wie er sagte, gedenke die Regierung die Steuerlast nicht in einem Maße zu erhöhen, das der schnellen Entwickelung des Landes hinderlich sein könnte. Sie verzichtete auf einen mit Bdurren geleisteten Beitrag und würde nur annehmen, was der Transvaal als selbst­regierende Kolonie bereit wäre zu geben. Lieber wollte er mit leeren Händen nach England zurückkehren als mit einem Abkommen, das einer unwilligen Bevölkerung aufgenötigt wurde. Tie Bereitwilligkeit Chamberlains, die Steuerangelegenheit mit de:: südafrikanischen Kapita­listen zu erwägen, war es gerade, was man hier bisher verinißtc, und wenn dieselbe wirklich bestand, so wäre, da die Leiter der Minenindustrie auf dem Rand, wenig- stens die hervorragendsten derselben, sich in London be­finden, eine Konferenz vor der Abreise des Kolonial­ministers nach dem schwarzen Erdteil wohl am Platze gewesen. Ein für alle Teile befriedigendes Überein-

koinmen hätte sich daiu: höchstwahrscheinlich herbeiführen lassen, und der Börse, sowie dem Publikum wäre eine lange Zeit der Ungewißheit erspart geblieben, während welcher nicht nur viele Besitzer südafrikanischer Minen- werte, sondern auch zahlreiche andere große Verluste er­litten, da ein inniger Zusammenhang zwischen der unbe­friedigenden Lage des englischen Geldmarktes und dem Darniederliegen der Goldminenindustrie besteht. Die Regierung wird also nidit mit bestimmten Vorschlägen hervortreten, sondern Mr. Chamberlain erwartet solche von den verschiedenen Bevölkerungsklassen des Trans­vaals und will, wie es scheint, alsdann versuchen, es allen recht zu machen. Etwas derartiges, ist aber bisher bekanntlich noch niemand gelungen, und so wird voraus­sichtlich selbst der Tausendkünstler von Birmingham keinen sonderlichen Erfolg damit haben. Schließlich werden die Kapitalisten, von denen die ganze Zukunft der neuen Kolonie selbstredend abhängt, wohl doch den Ausschlag geben, und Mr. Chamberlain deutete schon an, daß er bereit wäre, denselben die weitgehendste Rück­sicht angedeihen zu lassen, aber sein beabsichtigter „Modus operandi" dürste eine weitere Verlängerung der Zeit der Ungewißheit und eine abermalige Verstimmung der Börse verursackzen. Es wäre übrigens interessant zu erfahren, was jenes langmütige und arg mißhandelte Geschöpf, der englische Steuerzahler, zu der Freigebigkeit Chamberlains zu sagei: hat, der also erklärte, lieber mit leerer Hand ans Südafrika heimzukehren, als etwas annohmen zu wollen, was nicht bereitwillig gegeben wird. Wenn Mr. Chamberlain sein großes Unternehmen, den südafrikanischen Krieg, aus eigener Tasche finanziert hätte, so würde sich gegen seine Großmut gewiß nichts cinwenden lassen, aber da er mit anderer Leute Geld freigebig ist, kann man sich nur über seine Unverfroren­heit und die Dummheit derjenigen wundern, die sich das alles so ruhig gefallen lassen.

Zur flmtjt der KronprinzOn von Sachsen und ltjres Druders.

hd. Wien, 12. Januar. Wie das „Neue Wiener Tageblatt" aus Hofkreisen erfährt, werde der Kronprinz von Sachsen bald dem Kaiser Franz Joseph einen Besuch abstatten, bei welcher Gelegercheit die Ehetrcnnnng be­schlossen werden dürfte. Auf beiden Seiten sei zur Zeit eine versöhnlichere Stiminung zu konstatieren. So sc: insbesondere von Seiten der Kronprinzessin der direkte Wunsch ausgesprochen worden, die Angelegenheit in ein ruhigeres Fahrwasser zu geleiten. Von Seiten des tos- kanischen Hofes wurden Schritte unteimommen, damit der sächsische Kriminalbeamte Schwartz, der mit einem direk­ten Verhaftungsbefehl, der in der Schweiz natürlich un­gültig ist, in Genf iveilt, abberufen werde. Wenn, wie

wahrscheinlich sei, ein stiller und ruhigerer Ausgleich zwischen dem Kronprinzenpaar zu stände käme, so sei dies den Bemühungen einer fürstlichen Dame bei Kaiser Franz Joseph zu danken und werde der Termin der Ehetrennung nicht zur bestimmten Zeit stattfinden, sondern verschoben lverden. Die Kronprinzessin werde dann auf der Be­sitzung eines bekannten Feudalen, welcher dieselbe zur Ver­fügung stellte, in Böhmen nahe der sächsischen Grenze Wohnung nehmen. Die Meldung, daß die Kronprinzessin aus Not habe ihre Schmuckfachei: verkaufen müssen, fe, unbegründet. Ebenso habe die Kronprinzessin von Giron kein Geld zu ihrem Unterhalt angenommen.

hd. Paris, 12. Januar. Ein Telegramm aus Gens berichtet, die Kronprinzessin von Sachsen sei erkrankt.

hd. Berlin, 13. Januar. Wie der „Lokal-Anzeiger" ans Dresden meldet, bat ein dortiger bedeutender Frauenarzt sich dahin geäußert, daß eine Suggessto:: Girons ans die kranke Prinzessin durchaus nicht ausge­schlossen sei. .Man könne int Hinblick auf ihre vielen Schwangerschaften und dem jetzigen Zustand die Gesund­heit der Prinzessin als gestört ansehen.

hd. Wien, 18. Januar. Der „Neuen Freien Presse" wird bestätigt, daß in. Angelegenheiten der Krorchrinzessiu eine prinzipielle Verständigung erzielt werden dürfte. Tic Kronprinzessin wird tatsächlich in der Nähe der sächsi­schen Grenze ans einen: Schlosse Aufenthalt nehmen und dort Gelegenheit haben, ihre Kinder zu sehen. Ohne Zustimmung de» sächsischen Hofes darf sie sich aber au.- diesem Ort nicht entfernen. Nach Meldungen aus Meran soll in einer dortigen Villa für die Kinder des sächsischen Kronprinzenpaares Wohnung genommen worden seim

*

In der Münchener „Freistatt" (Kritische Wochen­schrift für Politik, Litteratur und Kunst,' Redakteur Alexander v. Bernus) lesen wir in einem Artikel: „Am Quai du Mvutlilanc": Ter Fall der Kronprinzessin Luise mag den zweinridsiebzig Fürstinnen zu öenketr geben, die einen Bund stifteten, die Tugeitd dahin zu bringen, wo sie nicht zu erwarten war. Bielleick)t kommen sic auf den Gedanken, daß man sic auch nicht immer da findet, :vo man sie sucht. Daß eine Mutter ihre fünf Kinder verlassen hat, kann man ihr schließlich nicht ganz anrechnen, da sic an deren Existenz doll) nur die halbe Schuld trägt,' hat doch zudem die Kirche dergleichen seit jeher als hochverdienstlich hingcstellt. Daß eine Fürstin aber eine Krone ausschlägt, stimmt nachdenklich, denn sie setzt damit ihre Freiheit über eine Krone. Bleibt also schließlich nur die Tatsache, daß eine Frau von Geist und Temperament unter all den Schranzen, die sie ttmgaben, keine genießbare Frucht fand als das zwar unreife, aber nicht jeden Aromas bare Herz eines französischen Sprach­lehrers, der mit der notwendigen Dosis trivialen Esprits die nötige Weichheit der Formen verband, um eine müde Frau zu berauschen, welche den Mangel an Erfahrung

Me Eidechse.

Roman vvn A. v. Klinckowström.

(18. Fortsetzung.)

Ihm war sehr hciß, halb von der Arbeit, halb von diesem kindlichen Lächeln, das seine Nerven prickelnd erregte. Dann zählte er die ihm verbliebene Barschaft nach. Alle Wetter, sie schmolz bedenklich zusammen! Tie gestrige Nacht hatte bedeutende Anforderungen an den Geldbeutel gestellt, dazu war die Wohnungsmiete für Fanchon gekommen, die sie ihm richtig einen ganzen Monat voraus abgeschmeichelt hatte, und nun wieder die Ausgaben des heutigen Tages! Wenn das so fort­ging, saß er bald auf dem Trockenen und mußte seiner Mutter schreiben, ihn: Zuschuß zu schicken. Inzwischen half ihm wohl einer seiner Bekannten aus der Verlegen­heit. Auf alle Fälle wollte er sich jetzt nicht mit trüb- säigen und obendrein unnützen Erwägungen aufhalten, sondern so schnell als möglich zu seiner Braut laufen. Er wußte ja, in welchem der kleinen billigen Restaurants der unteren Stadt sie zu speisen pflegte, wenn sie aus der Universität mm, dachte aber daran, vorsichtshalber noch einmal in ihrer Wohnung vorzusprechen, und fand sie hier.

„Wir haben uns so lange nicht gesehen," begann et: mit etwas absichtlicher Unbefangenheit. „Ich hatte schon ordentlich Sehnsucht nach dir."

„Die hast du dann mit viel Geschick maskiert."

„Man wird dir gesagt haben, daß ich gestern abend hier war, um dich abzuholen. Du hättest auch so freund­lich sein können, ein Wort zu hinterlassen."

„Zu dem Zweck suchte ich dich im Atelier auf, doch dein Empfang war so wenig ermutigend, daß ich jede Mitteilung unterließ."

„Noch immer empfindlich?"

„Nicht die Svur! Im Gegenteil, ich bin in bester Stimmung, da sich seit gestern ein Umschwung in meinen Behältnisse:: vollzogen hat, der mir vorzügliche Aus­sichten eröffnet."

„Wie gut sich das trifft! Auch ich sehe gerchic jetzt rosig und zuversichtlich in die Zukunft. Das Bild, das ich angesangen habe, läßt sich sarnos an. Ich glaube die Sicherheit zu haben, eine großen Wurf damit zu tun. Allein schon die neue Manier, in der ich mich jetzt ver­suche, muß die Leute auf mich aufmerksam machen."

„Wieder eine neue Manier?" unterbrach sie ihn. „Mir scheint, seit d:: in Paris bist, tätest du nichts weiter, als dich in Fremdem zu versuchen. Schon dein Ausstellungsbild war solch ein Versuch, und nun denkst du dich wieder in Neues hinein?"

„Du redest, wie du's verstehst! Man muß dein Ge­schmack des Publikums Rechnung tragen und zusehen, sobald als möglich bekannt zu werden. Sisleys Art zu malen gefällt nun mal den Leuten. Warum soll ich mich nicht an ihn anlehnen?"

„Weil du dir damit als Künstler etwas vergiebst."

„Sprich nicht Unsinn! Für mich ist es jetzt die Hauptsache, Karriere zu machen, und da ist wir jeder Versuch recht, besonders da ich hoffe, etwas wirklich Hervorragendes zu schaffen. Dieses kleine Modell ist für mich wie vom Himmel gefallen. Ich bin dir besonders dankbar, daß d:: mich ans das Mädel aufmerksam machtest, und war etn rechter Narr, bis dahin geradezu mit verbundenen Augen an dem besten Material vorüber­gegangen zu sein. Du wirst staunen, wenn du das an­gefangene Bild siehst, das ich bis dahin ans dem Gröbsten herausgearbeitet zu haben hoffe. Es liegt Lebe:: drill! Ein Leben, sage ich dir, und eine feine Stimmung! — Ich könnte die ganze Welt umarmen!"

Sie hörte ihm mit zusammengepreßten Lippen zu und blätterte dabei in dem vor ihr liegende:: Buch. Zu jeder andere,: Zeit wäre sie ihm froh um den Hals ge­fallen und hätte unbefangen an seiner Freude teilgc- nommen. Aber gegenüber den Lobpreisungen, die er diesem Modell spendete, regte sich in ihr heftige Ab­neigung gegen dasselbe. Offenbar vergaß er darüber sogar, nach dem zu fragen, was ihr Gutes begegnet sei, obgleich dies doch selbstverständlich gewesen wäre. End­lich fiel es ihm doch ei::.

„Nun, Kleine, mach auch mal den Mund auf. Du sprachst ja vorhin davon, daß dir gleichfalls etwas Er­freuliches begegnet sei. Schieß doch los!"

Es kränkte sie, daß er ihre Neuigkeiten so als Bagatelle behandelte.

„Vielleicht ritteressiert es dich gar nicht. Es ist nur, daß ich das Universitätsstudium aufgebe. Wie du siehst, war ich heute schon nicht mehr unten, sondern arbeitete zu Hanse."

„Was ist de:rn das wieder für ein Einfall?"

„Professor Lebrun wird mich privatim zum Examen vorbereiten, das ich dann vielleicht um ein halbes Jahr früher machen kann. Ich war bereits gestern abend bei ihm."

„Wahrhaftig? — Das ist allerdings ... Ich ge­stehe, ich iveiß noch nicht, was ich dazu sagen soll . .., Es klingt freilich sehr vorteilhaft." »

„Das ist es auch, mein Lieber. Für mich eine große Sache. Stelle dir vor: ein halbes Jahr an Arbeits­zeit erspart; dazu der starke Rückhalt, diese Empfehlung für mich, Lebruns Schülerin gewesen zu sein. Darauf­hin ist mir eine Anstellung so gut wie gewiß. Und neben- her, — wie anregend wird sich dieser Unterricht gestalten, welchen interessanten Versuchen werde ich in seinem Laboratorium beiwohnen können, das sich bisher noch keinem seiner Landsleute erschlossen hat."

Engler stand noch immer vor dem Tisch, hinter welchem sie ans dem Sofa saß, kaute nervös an der Unterlippe und betrachtete nnt gerunzelter Stirn das Mädchen, das leuchtenden Auges und in glücklicher Er­regung erzählte. Etwas , wie kleinliche Mißgunst schlich 'sich in seine Seele. Er beneidete ihr die Aussicht aus rasches E:nporkonrmen und fühlte sich auch in seinem Selbstgefühl verletzt. Immer hatte er ihr Studium, gut­mütig duldend, von oben herab angesehen, wie eine Spielerei, die. sie jetzt angenehm beschäftigen mochte, die' aber später für die Ehe wertlos sei. Tann würde'er per. Erwerbende und Erhaltende sein. In allen Znkunsts- träumen sah er sich als den gefeierten, vielumwo ebenen Maler, dem das Gold von allen Seiten zuströmte und die