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Verlag Langgaffe 21

„Tagdlan-Hans".

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Donnerstag, 12. August 1913.

5lbend-Ausgabe.

Nr. 372. - 63. Jahrgang.

Oie Verfolgung.

Der Mittwochsbericht -er Obersten Heeresleitung wirft ein besonders helles Licht auf unsere Lage auf dem polnischen Kriegsschauplatz. In diesem wivd zum ersten Male gemeldet, daß auch der Übergang über den Bobr-Narew zwischen Lomscha und Ossowiez erzwungen werden soll. Der für uns wichtige Brücken­kopf bei W i z n a liegt hart südlich des Punktes, wo die genannten Flüsse zusammenfließen und ist die einzige Übergangsstelle in dem breiten Sumpfgebiet des Bobr-Narew. Takti'ch ist er außerdem noch dadurch wichtig, daß über ihn der kürzeste Weg nach dem wich­tigen Eisenbahnknotenpunkt Bie! ostock führt und rn weiterem Verlaufe in die Flanke der Festung Brest- Litowsk. Diese Umstände zeigen zur Genüge, welche Bedeutung der Ort Wizna ebenso für die Russen wie auch für uns hat. Bei ihm liegt der Schlüssel, welcher die in den Rücken der russischen Stellung bei Brest- Litowsk führende Tür abschließen soll. Wir Wersen bald sehen, wie stark sich dies Schloß erweisen wird. Hier sehen wir bereits einen schönen Erfolg unserer Eroberung von Lomscha. Die zweite Wirkung besteht darin, daß nun auch südlich Lomscha die ganze russi- ■ 'che Front ins Wanken gekommen ist. Die starken Stel­lungen „in der Roten Heide" mußten die Russen auff geben, wodurch jetzt auch unser linker Flügel sich der Bahn Warschau-Biclostock nähert. Am Bug- Ufer ist der Bahnhof Zavisky, südöstlich Ostrow, in unserer Hand, Ostrow selbst demnach auch bererts in deutschem Besitz. Der Bahnverkchr ist dadurch end­gültig sowohl nach Brest-Litowsk wie auch nach Bielostock und Siedlce für die Russen gesperrt. In wenigen Tagen wird daher der Teil der Bahn Warschau, von Ostrow bis Warschau, von deutschen Zügen befahren werden. Hierdurch wird es uns. möglich, jederzeit Trup' ren in den Gcfechtsraum südlich des Birg zu werten. Auch auf dem rechten Flügel der Armee Hinder­en r g sind Erfolge zu verzeichnen. Nachdem im Laufe öer letzten Tage zwei der östlichen Forts von Nowo- georgijewsk von den Deutschen erstürmt waren, haben die Verteidiger sich gezwungen gesehen, am 10. August das östlichste, Benjamrnowo, mehr oder weniger not­gedrungen zu räumen. Der Gewinn besteht für uns darin, daß die Russen in die Widerstandskraft ihrer Werke kein großes Vertrauen mehr setzen, daß sie sich auf die Stadtumwallung zurückzogen und endlich als die Hauptsache, daß unser rechter Flügel keinen festnngs- artigen Widerstand mehr findet. Die Verfolgung der Armee Hindenburg ist also im besten Gange.

Auch bei der mittleren Heeresgruppe finden wir in der Mittwochsmeldung eine erfreuliche Verände­rung des strategischen Bildes. Während diese bayerische Heeresgruppe noch am 9. August die Front genau nach Osten hatte, zeigt ihre Gefechtslinie am 10. von Novd- west nach Südost, mit dem Gesicht gegen Brest- L i t o w s k. Sie hat weiter nach Süden Raum und mit ihrem rechten Flügel Anschluß an den linken der Armee W o y r s ch gewonnen. Es ist als eine strategisch wunderbare Leistung zu bezeichnen, daß drei große Armeen, welche noch vor 10 Tagen getrennt von­einander kämpften: im nördlichen Galizien, im Gebiet der Pilica, westlich Warschau — in so kurzer Zeit den Anschluß auf dem Gefechtsselde gesunden haben. Bei der Betrachtung dieses glänzenden Erfolges er­übrigt es sich, auf nähere Einzelheiten der kriegerischen Ereignisse östlich der Weichsel einznqehen. Auf einem sichelförmigen Bogen wenden die Russen all­mählich gegen Brest-Litowsk znrückge- drängt. Der eiserne Ring im Osten schließt sich immer mehr und immer enger. N.

*

Bevorstehende Räumung von Wilna und Riga.

Br. Lugano, 12. Aug. (Gig. Drcrh'bericht. Zeus. Bin.)

Großes Aufsehen erregen die Londoner Telegramme des .Secolo" in denen Reuter die Räumung von Wilna und Riga als bevorstehend ankündigt. Der Korrespondent des Blattes bereitet Italien vor, auf Schlimm cs im Osten gefaßt zn sein. Die Zensur in Mailand läßt diese Nach­richt durchgehe».

Kutzland räumt Beffarabien?

Berlin, 12. Slug. (Zeus. Bln.) Die russischen Behörden Dessarabiens treffen, wie die in Jaffa ersch'.inende Zeitung .Opinia" der ..Nat.-Ztg." miiteilt. Matznah nen, die darauf schließen lassen, datz man stark mit einer Aufgabe dieser Pro- vtnz rechnet. Die Behörden und Privatpersonen haben den Befehl erhalten, die Ernte so schnell wie möglich in Sicher­heit zu bringen und die Getreidevorräte in das Innere zu schaffen.' Der Mangel an rollendem Material macht jedoch eine schnelle Sicherung der Ernte unmöglich. Ebenso ist der Personenverkehr stark beschränkt, da die Eisenbahnen aus- schtietzlich Verwundete und Truppen befördern.

Die gigantische deutsche Sange.

Russisches Kopfzerbrechen über die deutsche« Pläne.

Rotterdam, 12. Aug. (Zens. Btn.) „Daily Mm!" meldet aus Petersburg: Die jetzige Bewegung des Feindes zwischen L o m z a und Ostrolenka im Norden und von der Eisen­bahnlinie Cholm-Lublin im Süden bezwecke, den Russen den Rückzug abzuschneiden. Die Hoffnung des Fetdmarschalls Hindenburg war, die russische Armee vom Narew aus nach Süden Hinzustotzen und die südlichen russischen Truppen, welche zwischen Lubartow und Wlodrwa stehen, nach dem Norden hinzutrviben. Dieser Plan ist ihm nicht geglückt. Aber die deutschen Bewegungen hatten noch ein a n d e r es Ziel. Wenn sie Riga besetzten, würden die Deutschen dann in einer sehr günstigen Lage sem, um längs der Düna operierend hinter den Stellungen der neuen russischen Front zu erscheinen Gleichzeitig würden andere Armeen der g i - gantischcn Zange zugreffen, um die Russenvom Süden her im Bezirk von K o.v e l zu fassen. Für die Operationen, die bei K o w n o und in der Richtung der Düna hin vor sich gehen, verfiigt der Feind über eine Streitkraft von min­destens 250 000 Mann, das beweist, datz er diesem Frontab­schnitt die grötzte Beachtung schenkt und datz er jetzt die Ope- .ationen mit Energie und Schnelligkeit ducchzufüchren trach­tet. Wenn er die russische Front zwischen K o w n o und Düna durchbrechen kann, bevor die Russen sich aus dem Kampfe am Narew zurückgezogen haben, wird die Lage sehr kritisch werden.

Die Flucht der Zivilbevölkerung nach dem Osten.

Rotterdam, 12. Aug. (Zens. Bln.) „Daily News" berichtet aus Petersburg, datz infolge der Räumung der Städte zwischen Warschau und BDest-Litowsk von ta Zivilbevölkerung etwa 2 00 000 P er so neu sich aus der Flucht nach dem Osten beftnden.

General v. Scheffer-Voqadel Gouverneur von Warschau.

Der polnische Fürst Lubomirski zum Präsidenten der Stadt ernannt.

Berlin, 12. Aug. (Zens. Bln.) Zum Gouverneur von Warschau ist laut „Boss. Ztg." der kommandierende General Frhr. v. Scheffer-Boyadel ernannt worden. Er bat dem „Kurjcr Poznanski" zufolge eine Bekanntmachung an die Bevölkerung erlassen, nach der er den Fürsten LubomirSkr zum Präsidenten der Stadt Warschau ernennt.

Freilassung der politischen Gefang-enen.

Stockholm, 12. Aug. (Zens. Bln.) Die deutschen Mili­tärbehörden in Warschau haben aus einen Vorschlag des Bürgerkomitees alle zurückgelassenvn politischen Ge­fangenen befreit, darunter den zu ernsr Zuchthaus­strafe verurteilten bekannten Fühvcr des jüdischen Arbeitcr- bunides Webern.

verzweifelte Stimmung in Petersburg.

Br. Bukarest, 12. Aug. (Eig. Drcchtbcricht Zens. Bin.) „llnivcrsul" meldet aus Petersburg: Tie Stimmung in Petersburg ist ungeachtet aller ministeriellen Be­schönigungsreden verzweifelt. Tie täglich in Sonder- zügcn in Petersburg cintrcffrnden geflüchteten Behörden der West- und Nordwest-Gouvcrnements lassen die Befürchtung deutlich erkennen, daß mit dem weiteren Vordringen der Ver- bündeten gerechnet wird.

Die verweigerte Huldigmigsadresse.

Berlin, 12. Aug (Zens. Bln.) Der Präsident der Dum» bat den Antrag, dem Zaren eine Huldigungsadresse der Duma zu überreichen, zurückgenommen, nachdem die 95 Mann starke Linke der Duma gegen die Abfassung der Huldigungsadresse protestiert und die Obstruktion angedroht hatte. Das Präsidium begibt sich nunmehr, der „Nat.-Ztg." zufolge, ohne Huldigungsaöresse der Duma, kommenden Sonntag zur Audienz an das kaiserliche Hof­lager.

Oie Unterbindung der Durchfuhr nach Rußland.

Br> Christiania, 12. Aug. (Eig. Drakh tbericht. Zens. Bln.) „Aftonposten" berichten aus Bergen: Der nor­wegische Passagierdampfer „I r i s", auf der Fahrt von New Castle nach Bergen unterwegs, wurde von einem 17-Boot angehalten. Der Kommandant kam mit zwei Mann an Bord und verlangte, Post und Lickung zn untersuchen. Darunter befanden sich zirka 200 Pakete zur Durchfuhr nach Rußland, die zum Teil von großem Wert waren. Der O-Vootkvmmaudant befahl, sämtliche für Rußland bestimmte Pakete über Bord zn wer- s c n, womit die Mannschaft der „Iris" über zwei Stunden beschäftigt war. Der Offizier trat gegenüber der Besatzung und den Passagieren äußerst höflich auf.

Auf hoher See angehaltcn und untersucht.

W. T.-B. Christiania, 12. Aug. (Nichtamtlich.) Der norwegische Dampfer „E d e n" wurde Dienstagabend von einem deutschen Unterseeboot auf einer Reise von New- castle nach Archangel in der Nordsee angehalten und gezwun­gen, einen Teil seiner Ladung, die für Rußland bestimmt war, nämlich 30 Tonnen Blei, Zink und Eisenplatten, über Bord zu werfen. Nachdem dies geschehen war, konnte der Dampfer ungehindert seine Fahrt sortsetzem

Erneute Beschießung der montenegrinischen Stellungen.

M T.-B. Paris, 12. Aug. (Nichtamtlich. Drohtbericht) Wie die „Times" aus Cettinje meldet, richteten die 'Öster­reicher in den letzten Tagen ein heftiges Feuer gegen die montenegrinischen Stellungen am Lowcen und auf Grahowo. Österreichisch-ungarische Flieger überflogen Gra- howo, den Lowcen und Antivari, wo sie ergebnislos Bomben abwarsen.

ver Krieg gegen England.

Neue Gpfe» unserer Tl-Voote.

W. T.-B. Amsterdam, 12. Aug. I Nichtamtlich.) Lloyds Agentur melden aus London: Die russische Bark „E l t e k a r" ist versenkt worden. Ein Boot mit dem Kapitän und 18 Mann der Besatzung ist gelandet.

W- T.-B. Bergen, 12. Aug. (Nichtamtlich. Drahtüericht.) Der Bergener Dampfer „Aura" tst gestern früh von einem deutschen Unterseeboot vor Marstenen torpediert worden. „Aura" war mit Holz nach England unterwegs.

W. T.-B. Kopenhagen, 12. Aug. (Nichtamtlich. Draht­bericht.) Deutsche Torpedoboote hielten gestern vormittag südlich Drvgden den Dampfer „T e l l u s" ans Stockholm und den Dampfer „B o I l st a d" aus Christiania an und beor­derten beide abends südwärts Sie wurden von einem deut­schen Patrouillenboot begleitet.

Der dänische Schoner „Jason" vom Hilfskreuzer „Meteor" versenkt.

W. T.-B. Esbjerg, 12. Aug. (Nichtamtlich. Ritzaus Bur.) über das Schicksal des dänischen Schoners „I a s o n" wird berichtet: Der Schoner wurde von einem deutschen HilkS- k r e u z e r ein gutes Stück von der Küste in der Nordsee i u Brand gesteckt und in Grund gebohrt. „Esbjerg Avis" zufolge war der Schoner mit Grubenhölzern und Schwellen von Schweden nach England unterwegs. Die gerettete, 6 Mann starke Besatzung erzählte, daß der Hilfs­kreuzer „M c t e o r" einem Kauffahrteischiff glich. Tie Be­satzung erhielt fünf Minuten Zeit zum Verlassen des Schoners. Die Leute trafen auf dem Hilfstrruzer englische Mariue- soldaten, die der Besatzung des englischen Patrouillenbootes „The Ramfey" angchörten. Die Engländer erzählten den dänischen Seeleuten, daß der „Meteor" sie am Sonntag ge­troffen hätte. 65 Mann von „The Ramfey" sollen er­trunken sein, 43 wurden auf de« , Mewr" verbracht. Später wn-.de der „Meteor" von englischen Schiffen verfolgt. Als der Hilfskreuzer die Unmöglichkeit zu entkommen einsah, hielt er ein schwedisches Schiff an nnd verbrachte die Dänen, Engländer und einen Teil der deutschen Besatzung an dessen Bord. Der „Meteor" wurde zum Sinken gebracht. Das schwedische Schiff setzte Kurs auf Esbjerg. Später wtrrden sechs Dänen in ein Boot gesetzt, worauf der Schwede dem Vernehmen nach südwärts weiterfuhr. Augenblicklich Wird ei» Verhör abgehalten.

Die Geretteten der „India" werden interniert.

W. T.-B. Bodö, 12. Aug. (Nichtamtlich.) Die gerettete« englischen Marinesoldaten des Hilfskreuzers „Indra" wer­den im Elvegaacke interniert.

Von einem II-Boot verfolgt!

Br. Christiania, 12. Aug. (Eig. Drahtbevicht. Zens. Bln.) Der Dampfer „D r a m m e n s B j o r g" von der norwegischen AmeSikalinie hat gestern abend 9 Uhr Utsire passiert und ist heute morgen hier angekommen. Da der Dampfer gleichzeitig mit dem Schiff „Drcmthjem Bjorg von England während des Krieges äuge kauft war, batte man für sein Schicksal befürchtet. Vorgestern nacht und gestern am Tage stand das Schiff ständig in Verbindung init der Radwstation in Bergen. Nachts meldete es, es sei von einem Unterseeboot verfolgt wor­den, jedoch sei eS ihm gelungen, zu entkonimen. Uber die Fahrt der „Drammens Bjorg" meldet das Fachblatt „Sjoe- farts Tidevde", das Schiff Hobe genau wie die „Dronthjem Bjorg" unter englischer Kontrolle in New Mark geradem. Die Luken seien von dem englischen Geueralkonsnl versiegelt worden. Trotzdem habe ein englischer Kreuzer das Schiff mit einer Prisenmannschaft nach Kirkwall geschickt. j

Auch ein Beweis der Wirkung des Unterseebootkrieges.

W. T.-B. London, 12. Aug. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Der „Manchester Guardian" erörtert die Frage, ob man nicht zum Genutz van Pferdefleisch sibergehen solle. In Glasgow sind schon drei Roßschlächtereien für belgische Verzehrer eniftomden.

Oie amerikanische Kntworl zum Soll „William y. Krye".

W. T.-B. London, 12. Aug. (Nichtamtlich.) Neurer meldet aus Washington: Die Antwort auf die letzte dcutscheNcte über den Dampfer „William P. Fryc" ist übersandt worden. Man sagt, daß sie unter Wiederholung, daß der preußisch-amerikanische Vertrag verletzt sei. dennoch einer Echadensersatzvergütirng zustimme, unter der Borbe- dingnng, die in der deutschen Note genannt ist, jedoch mit dem Vorbehalt, daß dadurch Bcrtragsrechte nicht aufgegeben würden.

Neue Krbeiterschwierigkeiten.

W- T.-B. London, 12. Aug. (Nichtamtlich. Drahtbericht). Die „Daily News" berichten: Der ausführende Ausschutz desj britischen Beramarmsverbandes erörterte die drohende» Ar»