Einzelbild herunterladen
 

feliailfinr Taglilatt

si. Jakraana. m , ^

si. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. - Bezugs-Preis:

«IS? a C «B? er I« m" dffl. monatlich, durch die Post S Mk. 5» Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

Abonnenten.

Anzeigen-Preisr Die einspaltige Petitzeile für lokale Anzeigen 1.-, Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfa.. für auswärts 1 Mk.

Am-igen-Annahme %%£$&?*■ ' «* >»- ***** a«..«

„Habemus papam!“

t. Budapest, 5. Jänner Ja wohl, wir haben ihn endlich, wohl nicht den Papst, aber den Ausgleich, an dessen Zustandekommen so viele schon gezweiselt, den Ausgleich, der am letzten Tage des alten wahres, eine Stunde vor Dtttternacht, zu einer Zeit da sonst nur Verschwörungen zu stände zu kommen pflegen, von unseren beiden Regierungen ilach so viel Muh und Not noch glücklich unter Dach gebracht wurde. Poruber ist sie, die „schreckliche, die ausgleichslose Zeit" alle frommen Seelen singen freudig Hallelujah! Allerdings, die Punktationen des Ausgleichs, sie sind vor- *5^3 noch in das tiefe Dunkel jener mitternächtigen Zeit gehüllt, in der sie unter schmerzlichen Wehen geboren wurden, aber was ein gläubig Gemüt ist, das freut sich doch baß der Tatsache, daß unsere wirtschaftliche Zu­sammengehörigkeit nicht mir nicht in Brüche gegangen, sondern sogar für neue 10 Jahre wieder besiegelt wurde Areilich, es gibt auch weniger lammfromme Seeleii, die irhre Skrupeln rächt los werden und den offiziös etwas lax dementierten Bericht über die Details des Ausgleichs nicht vergessen können, aus welchem hervorging, daß der diesmalige Ausgleich ungleich inehr Konzessionen an Österreich enthalte, als der seinerzeit zwischen Baron Bünffy und B adeni geschlossene. Und an der Spitze dieser Zweifelsüchtigen erscheiiit, welch merkwür­diges pikantes Schauspiel, der Exminister-Präsident Baron BLnffy selber mit einer Publikasion, in der er sich heute als unbedingten Anhänger des getreiinten Zoll- gebietes, also der wirtschaftlicheri Unabhängigkeit be­kennt, da er die Opfer, die S z ä l I gebracht hat oder Dvmqen mußte, für zu große hält. Nun, in wenigen Tagen wird das Land ja über die Einzelheiten des Aus­gleichs Klarheit erhalten und die Parlamente hüben und drüben sollen Gelegenheit bekommen, sich über den Wert oder Unwert der Abmachungen zu äußern und hierzu Stellung zu nehmen. Eiii sehr hervorragendes Mitglied der liberalen Partei aus dem Lager der ehemaligen Dissidenten, welches über die Phasen der Verhandlungen sehr gut orientiert scheint, gab Ihrem Bndapester Be- .rlchterstatter über die Situasion folgende höchst be- merkenswerte Ausschlüsse: „Im großen ganzen", sagt

unser Gewährsmann, „hat die „N. Fr. Pr." mit ihrein Berichte Recht: der Ausgleich war nur mit Opfern ungarrscherseits zu erreichen. Doch war dieser Ausgleich eigentlich schon im Juli 1902 in Ischl so viel wie perfekt und das viele Hin- und Herverhandeln der beiden Kabinettchefs machte auf die Eingeweihten den Eindruck deii die vorbereitenden Ringkämpse im Circus hervor- surufen Pfle gen, deren Ausgang von der Dircksion schon

Die Eidechse.

Roman von A. v. Klinckowström.

(14. Fortsetzung.)

, Er raffte den ersten besten indischen Shawl, der zu Dekorationszwecken über einen Sessel geworfen war, auf, hüllte seine junge Gefährtin sorgsam darin ein und schritt mit ihr Wer die Altane weg die Stufen hinab in die 'Kühle der Morgendämmerung hinaus.

Sie ging ganz willenlos neben ihm her, empfand erst jetzt, daß ihr Kopf schwer ivar und ein übernächtiges, nervöses Frösteln ihre Glieder durchzitterte.

Draußen umfiiig sie das geheimnisvolle Schweigen, das dem Erwachen des Tages voranzugehen pflegt. Die Lampions waren erloschen. Unter den Bäumeii tiefe Schatten, in denen sich die Einzelformen aufzulösen schienen. Reglos träumend hingen die Zweige der Bosketts unter ihrer Last von Goldregen und frühem Jasmin bis auf den taufeuchten Rasen nieder. Hier und dort ein verschlafenes Zirpen aus warmem Nestchcn in das nimmerruhende Plätschern der Fontäne hinein In farblosem Grau, aber doch als hellere Streifen zwischen Wnklem Gebüsch deutlich sichtbar, schlängelten sich die Kieswege durch den verwilderten Garten. Und am nächt- lichen Himmel im Osten ein matt aufglimmender Schein eilig fliehendes Gewölk, gelbliche Streifen, die nach und nach ins Rosige hinüberspielten, flatternde weiße Nebel­fetzen, alle jene sanften Farbentöne, die der Pinsel des Malers vergeblich wiederzugeben strebt.

Diese blasse, kalte Morgenstimmung nach der heißen durchwachten Nacht, nach all dem Hasten und Gewühl hatte etwas unendlich Beruhigendes in ihrer träumerischen Melancholie.

. Während Jenny mit ihrem Begleiter unter dem weit Überhängen den Gezweig eines Jasminbosketts hindurch- Z?tt, hob sie langsam den Arm und pflückte einige Blutenbuschel Ein ferner Regen-von Tautropfen und weißen Blättchen sprWte ihr dabei über Haar und Ge­

ich Vorhinein ausgemacht ist. Der lange Kanrpf soll eigentlich nur für das dürftige Resultat entschädigen und die Kampfer vor dem Publikum in besserem Lichte erscheinen lassen. Alles war aber eigentlich beinahe bis auf das letzte Detail im Vorhinein festgesetzt, selbst die Neufahrsrede des ungarischen Ministerpräsidenten, so­wie die Rede, mit welcher Herr v. K ö r b e r die vor­gestrige neueste' Verständigungs-Konferenz eröffnete; daher klingen diese Reden so eigentümlich konform in ihreii Phrasen, daß es keineii Sieger und keinen Be­siegten gäbe, oder doch nur einen Sieger: den Gedanken der Zusammengehörigkeit. Auch die kommenden Ereig- nisse wurden, und das ist ja nur weise, von den beiden Ariers in allen ihren Einzelheiten im Voraus erwogen. Was kann geschehen? EnWeder die deutsch-tschechischen Verständigungs-Konferenzen werden ein Resultat haben, und dann ist doch die parlamentarische Durchführung des Ausgleichs in Österreich gesichert und der Himmel hangt wieder voller Geigen: oder aber diese Konferenz erleidet Schiffbruch und das Wiener Parlament ivird nicht arbeitsfähig. Nun, dann kommt eben in Österreich wie sich voii selbst versteht, der § 14, an den wir uns ja gottlob auch bei uns schon halb und halb gewöhnt haben. Sie glaWen wohl, daß ich hier die ungari che Partei ganz und gar vergesse? Wsolut nicht! In Ungarn hat eben der Ministerpräsident vorläufig nicht die geringste Angst vor deii Parteien, deren Zustimmung er sich auf alle Fälle sicher wähnt. Es ist auch schwer mög- lrch- daß sich Se. Excellenz diesbezüglich täusche. Sein gefährlichster Gegner, Herr Franz Kossuth, der Führer der Unabhängigkeitspartei, soll doch sogar, wenn die Fama nicht lügt, von Herrn v. Szdll im Februar anläßlich der Anwesenheit des Hofes in Budapest Sr. Majestät dem Könige vorgestellt werden . . Das ist doch, selbst wcnn es sich nicht bewahrheiten sollte, eine höchst charakteristische Nachricht, die einer Fackel gleich in das Dunkel des ungarischen Parteigetriebes hinein­leuchtet."

Hr Mt der KiMMMi, « «Snflfe» mit Ihres Bruders.

wb. Genf, 7. Januar. (Meldung der „Schweize­rischen Depeschen-Agentur".) Die Kronprinzessin von Sachsen sprach den Wunsch aus, während der Dauer des Prozesses allein in Genf zu bleiben. Infolgedessen reist Professor Giron unverzüglich von hier ab und verbleibt bis auf weiteres in Lausanne.

bck. Berlin, 8. Januar. Die „Morgenpost" meldet aus Wien: Nach Genfer Privatdepeschen.ergaben sich in den gestrigen Verhandlungen zwischen dem Rechts­anwalt des Kronprinzen und der Kronprinzessin von Sachsen wesentliche Schwierigkeiten in der Frage der künftigen Stellung der Kronprinzessin als Mutter Die Kronprinzessin verlangt weitgeh ende Zugeständnisse hin-

schauerte unwillkürlich zusammen, zog den Shawl fester um die Schultern und atmete den schweren, berauschenden Duft des Jasmins ein, wie um sich über eine gewisse Befangenheit hinwegztihelfen. Es kam ihr undeutlich aum Bewußtsein, daß etwas Ungehöriges, Un­gesundes in diesem noch halb nächtlichen Spaziergang liege, aber sie war so müde und energielos, wenn auch ihre Nerven noch bis in die Fingerspitzen hinein vibrierten und sie an Schlaf fürs erste doch nicht hätte denken tonnen. Außerdem wäre es ihr nicht in den Sinn qe- tommen, sich gegen dm Willen des Mannes aufzulehnen. Zu dessen Genie sie bewundernd aufsah. Sie besaß in vollstem Maß den anerzogenen Autoritätsglauben ihrer Heunath, die Überschätzung der Gelehrtentochter für alles, was m der Wissenschaft einen berühmten Namen hatte . ''Hier 'st eine Bank!" sagte Lebrun halblaut und zog

Mädchen neben sich auf den schmalen Sitz unter blühendem Hollunder nieder. „Von hier aus können wir den Sonnenaufgang beobachten." Und als sie nichts antwortete, fuhr er flüsternd fort, sich tief zu ihr neigend: „schenken Sre mir ern paar von den weißen Blumen, die Sie m der Hand haben — zur Erinnerung an die eben verflossene Nacht. Ich werde oft an diese Stunden zuruckdenken. Sie auch, nicht wahr?"

UWestimmtes Mißbehagen durchzuckte das Mädchen und ließ es hasug Mit einer halb verteidigenden Be­wegung den kleinen Strauß an sich drücken.

„Nem, nein! Das, nicht. Ich bin sehr selbstsüchtig, wMen Sie, und gebe nicht gern ab — besonders nicht an

leichtes, erzwungenes Lachen beendete die Worte und sollte wohl die deulliche Ablehnung, die im Anfang derselben lag, wieder gut machen

Er richtete sich rasch auf.

„Ich glaubte wirklich Ihnen jetzt kein Fremder mehr zil fern. Wir waren doch ununterbrochen fast vier stunden beisammen: da lernt man sich schon kennen, und ch hoffte sie von dem freundschaftlichen Interesse über­zeugt zu haben, das ich für Sie hege. Offen gestanden.

sichtlich ihrer mütterlichen Rechte, insbesondere die Er­laubnis, wann und wo immer es ihr beliebt, ihre Kinder sehen zu können. Der Kronprinz erklärt, hierauf nicht emgehen zu können. Die Kronprinzessin gab die be­stimmte schriftliche Erklärung ab, sie wünsche die völlige Auflösung ihrer Ehe und werde sich dann unverzüglich mrt Giron verheiraten.

llck. Berlin, 8. Jannar. Der „B. L.-A." meldet aus Dresden: Der Kronprinz wohnte gestern dem Gottes­dienste tn der Hofkirche bei. Als der Geistliche in seiner Predigt öte Kronprinzessin erwähnte und zu Gott betete, sie auf den richtigen Weg zurückzuführen, schluchzte der Kronprinz mehrere male laut auf.

M. Salzburg, 8. Januar. In einem hier stattge- habten toskanischen Familienrat soll beschlossen worden smn, dem ehemaligen Erzherzog Leopold Ferdinand das ihm als Sohn des Grotzherzogs von Toskana gebührende Erbteil auszufolgen und dann mit ihm alle Beziehungen abzubrechen.

Deutsches Deich.

* Zur Charakteristik der Huldigungs-Telegramme. Wre dre „Stettiner Abendpost" meldet, nahmen vorgestern Abend 1600 Arbeiter der Vulkan-Werft in Stettin in einer Versammlung, die einen ziemlich stürmischen Ver­ruf nahm, folgende Resolution an: Die versammelten Arbeiter des Vulkan erklären, daß sie mit der Unter­schriftensammlung zu dem Ergebenheits-Tele­gramm in Sachen Krupp an den Kaiser und dem Inhalt dieses Telegramms nicht einverstanden sind SieerklärenvielmehrdiesesTelegramm

für eine Mache zu dem Zweck, den Kaiser über die wahre und ehrliche Gesinnung der Arbeiterschaft des Vulkans zu täuschen. Sic bezeugen, daß sie durch direkten und indirekten Zwang vielfach zur Unterschrift unter das Ergebenheits- Telegramm seitens vieler Unter.Ange. stellter des Vulkans veranlaßt worden stn d. Sie halten es jedoch mit ihrer Mannes- und Stanüesehre für unvereinbar, daß der Kaiser über ihre wahre Gesinnung getäuscht würde und erklären, daß nur die Aussicht auf wirtschaftliche Schädigung seitens der meisterlichen Willkür, die die Arbeiter deö Vulkans schon so oft zu fühlen bekamen, sie veranlaßt hat, ihre Unter­schrift unter die genannte Liste zu setzen." Dieser Beschluß der Versammlung ist dem Kaiser telegraphisch zur Kennt­nis zu bringen. - Durch diese Resolution ist der ganzen Antelegraphiererci, über deren Unwert übrigens längst kmn Einsichtiger mehr im Zweifel, ein geradezu verntch. tendes Urteil gesprochen.

* Rnndscha» im Reiche. Die angebliche Potsdamer

Kaisers hat zu einem Strafprozeß gegen dte „Potsdamer Zeitung" und deren Gewährsmann be- kanntlich Veranlassung gegeben, und nun auch die Wir- kung gehabt, daß der ein stige Mitbesitzer und Chefredak-

war ich zuerst etwas betroffen, daß eine so junge, reizende Dame gerade meinen Beruf zu dem ihren gemacht habe, glaubte nur an ein wenig dilettantisches Hineinpfuschen, »tun ich Sie langer sah und mich versichert halten muß, daß es Ihnen weder an Ernst noch an Intelligenz fehlt werden Sre begreifen, daß es auch mir Ernst mit dem ftrder « ™ Heine KMchn au f sgjeife zu

^ Sein ganzes Wesen atmete jetzt väterliche Güte, unb ^enny bat chm innerlich sofort jedes Unrecht ab, das sie ihm eben noch in Gedanken mit unwillkürlichem Miß- trauen zugefugt. D

„Warum studieren Sie an der Sorbonne?" sprach er weiter. „Das tostet Sie enorm viel Zeit."

„Das Polytechnikum dürfen nur Franzosen besuchen, und ich weiß nicht emmal, ob Frauen überhaupt dort zw gelassen werden." 3

„Aber Sie könnten Privatissima hören, die Sie in ttsiirden" Um ^ -VrkWche vorwärts bringen

„Meine Eltern können nicht so viel an mich wenden. >;ch muß scyon den vorgefchriebenen Weg gehen."

„Sie müssen natürlich wissen,, was Sie tun, aber wenn sie bei mir Unterricht nehmen wollten — Ich gebe eigentlich nie Privatunterricht, weil ich sonst überlaufen werden wurde und auch gar nicht die Zeit hätte, würde es mir aber zur Auszeichnung schätzen, mit Ihnen eine Ausnahme zu machen —selbstverständlich ohne Honorar, ^zch mochte ^re nicht m ^zhren Plänen und Wünfchen be- irren, nur glaube ich. Ihnen versprechen zu können. Sie bei geringerem Aufwand von Zeit und Arbeit, also schneller und leichter zum Examen und für die Doktor- Lissertatlon vorzubereiten. Daß eine Schülerin von mir glatt über beides hinwegkommt, bedarf wohl keiner be- sonderen Zusicherung."

Ernst?"^ dr^essor!" rief sie glückselig. „„Ist das Ihr „Gewiß."

„Aber Sie wissen ja noch garnicht, ob ich einer solchen