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Wiksbsitemr Tsgblstt.

Sl. Jahrgang.

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U0. 8. BerlagS-Fernsprecher N,. 295?. DieNStttg, dkN 6. Itt«Uar.

Redaktions-Fernsprecher N». 52.

1803 .

Abend-Ausgabe.

Ans dm tnjliWtn Klutshmshliltk.

Unser Londoner n-Korrespondent schreibt unter dem 3. Januar:

Bon dem Augenblick an, wo der südafrikanische Krieg im Herbst 1899 begann, wurde das alljährliche Finanz- Programm des englischen Schatzkanzlers in allen Schichten der Bevölkerung stets mit einem Gefühl der Beunruhigung erwartet. Jeder Stand, zede Klasse und jeder Industrie- oder Handelszweig fürchtete eben immer, daß er das nächste Opfer sein könnte, das am Altar des Vaterlandes geschröpft werden würde, und für Leute, deren Einkommen: nicht aus zinstragend angelegtem Kapital stammt, bedeutete die Liebäugelet der Regierung mit schutzzöllnerischen Absichten stets eine große geschäft- liche Gefahr. In dem ersten Kriegsbudget erhöhte der Schatzkanzler die Einkommensteuer um 50 % und be­lastete aufs neue Bier, Spirituosen, Tabak und Tee. In dem zweiten mußte die Einkommensteuer abermals her­halten, und außerdem wurde Zucker belastet, und die Kohlenausfuhr besteuert. Im drstten, also dem letzten Ich re, nahm er abermals ferne Zuflucht zur Einkommen­steuer, belegte Brot, beziehungsweise Getreide mit einer Abgabe und plante die Verdoppelung der Stempelsteuer. Gegen die letztere wurde jedoch ein so heftiger Protest seitens der mächtigenCity erhoben, daß man sie schleunigst wieder fchen ließ. All die niederen Abgchen lasten noch immer ungemein schwer auf dem gesamten Geschäfte. Ganz besonders empfindet man auch die Einkommen­steuer, die vor dem Kriege 3)4 % eines jedenEinkommens von mehr als 160 Pfd. Sterl. rmd nunmehr 6*4 % betragt. In denjenigen Teilen des Landes, beziehungs­weise Schichten der Bevölkerung, deren Wohlstand von der sehr bedeutenden englischen Kohlenausfuhr abhängt, leidet man ungemein unter dem bewußten Exportzoll auf Kohle, und die Brotsteuer, wie geringfügig "sie auch immer sein niag, verdrießt und schädigt 'namentlich die unteren Schichten der Bevölkerung, da sie selbst die Aller- ärmsten betrifft. Aber der Krieg ist ja nunmehr seit sieben Monaten beendet, und all die schweren Lasten er­scheinen länger nicht mehr nötig. Daher sieht man seit drei Jahren den: kommenden Budget zum erstenmal hoff­nungsvoll entgegen. Die eineir rechnen auf die Redukfion der Einkommensteuer, die anderen auf die Befeifigung des Getreidezolleü, und die dritten auf denjenigen, der auf der Kohlenausfuhr ruht. Die Erleichterung, welche die Regierung dem Lande zu gewähren vermögen wird, muß aber in nicht geringem Maße von der wichtigen finanziellenFrage in den neuen südafrikanischenKolonieen abhängen. Wenn England den größten Teil der Kriegs- kosten zu tragen hätte, die auf 215 bis 260 Millionen Pfd. Sterl. veranschlagt werden und in der Zukunft

auch für das große Occuparionsheer in Südafrika be- zahlen müßte, so wäre eine größere Reduktion der Steuerlast vollständig ausgeschlossen. Aus diesem Grunde nimmt man auch jetzt in allen Teilen der Bevölkerung das größte Interesse an der Rundreise Chamberlains durch die neuen Kolonieen und verlangt allgemein, daß der Goldminenindustrie ein größerer Teil der Lasten aus­erlegt werde, die die englischen Steuerzahler bisher zu tragen hatten. . In City, namentlich a^r Börsenkreisen wiederum, will man von einem solchen Arrangement jedoch nichts wissen, wie schwer auch immer die Ein­kommensteuer empfunden wird, und glaubt, die ganze Schwierigkeit ließe sich dadurch aus dem Weg räumen, daß eine entsprechend große Transvaal-Anleihe aufge- nvmmen wird, um aus deren Erlös die englischen Garni­sonen im Lande zu erhalten. Das Problem, dem sich die Regierung nun gegcnübersieht, ist ein ungeniein schwie­riges, denn die Minenbesitzer haben einstimmig erklärt, eine größere Steuerlast nicht ertragen zu können, und schon der Umstand, daß sich der Kolonialminister hin­sichtlich seiner Finanzpläne noch nickst aussprechen konnte, genügte, um die endliche Wiederbelebung der Minen­industrie zu verzögern. Inwiefern dieselbe künstlich ver- hindert wurde, um auf diese Weise einen Druck auf die Regierring auszuüben, läßt sich natürlich nicht ermitteln. Die Minenmagnaten in Transvaal aber sind Leute, die keinen Spaß verstehen, wie Expräsident Krüger feiner Zeit erfahren, und jedenfalls auch Mr. Chamberlaiu sehr bald klar gemacht werden würde. Außerdem ist aber die Möglichkeit einer wirklichen Schädigung der Jnduftrie, von der die ganze Zukunft der neuen Kolonie abhängt, nicht ausgeschlossen und heißt es daher mit größter Vor­sicht zu Werke zu gehen. Für das Wirtschaftsjahr, das am 31 .März 1903 abläuft, waren die Staatseinkünfte auf 162.185 000 Pfd. Sterl. veranschlagt worden, indes sich die Ausgaben einschließlich der Nachkredite auf 184 659 000 Pfd. Sterl. stellen. Das Defizit wurde teils durch die Konsol-Emission im Betrage von 32 000 000 Pfd. Sterl. gedeckt, deren Erlös 29 875 000 Pfd. Sterl. betrug, und teils aus der Schatzreserve. Wenn im gegenwärtigen Jahre ein besonderer Aufwand für Südafrika vermieden werden könnte, so würden sich die Erfordernisse des Staatshaushaltes auf etwa 138 000 000 Pfd. Sterl. stellen und der Schatzkanzler vermöchte für etwa 13 bis 14 Millionen Steuern zu erlassen.

Sagasta f.

hd. Berlin, 6. Januar. Der im 76. Lebensjahre gestern abend in Madrid verstorbene ehemalige Minister­präsident S a g a st a erlag einer Bronchitis. Tausende umstanden das Sterbehaus. Die Teilnahme ist allgemein.

rvb.Madrid, 6. Januar. - Der Tod Sagastas trat um 6V2 Uhr abends ein. Die Nachricht wurde in der Stadt mit allgemeiner Teilnahme ausgenommen. Der König

äußerte den Wunsch, Sagasta zu besuchen, man bemerkte ihm jedoch, daß dies gegen die Etikette verstoße. Der König äußerte hierüber sein tiefes Bedauern.

hd. Madrid, 6. Januar. Uber die letzten Stunden Sagastas wird noch gemeldet: Die am Sterbelager

weilende Familie glaubte bereits um 6 Uhr abends, daß Sagasta gestorben sei, aber er zeigte noch schwache Lebens­zeichen. Der Tod trat um 11 Uhr 5 Minuten ein. Die Beisetzung wird voraussichtlich Mittwoch stattfinden.

*

Praxedes Mateo S a g a st a, am 21. Juli 1827 in Torecilla en Cameros geboren, studierte Physik und Mathematik, wurde Ingenieur und trat gleichzeitig auch in das politische Leben ein. Im Jahre 1854 wählte ihn die Provinz Zamora in die konstituierenden Kortes. Zwei Jahre später mutzte er wegen Beteiligung an einem Aufstande nach Frankreich fliehen: nach der Amnestie kehrte er zurück und wurde Professor an der Ingenieur­schule in Madrid. Er wurde wieder in die Kortes ge­wählt und gehörte dort der progressistischen Partei an, deren Organ, „La Jberia", er zugleich redigierte. Die Progressisten kämpften damals gegen die immer reak­tionärer sich geberdcnde Jsabella: ein neuer Aufstand, am 22. Juni 1866, war abermals erfolglos, und Sagasta mutzte wieder nach Frankreich fliehen. Erst als Prim, dessen Licbhaberdienste bei der Königin zu Ende waren, sich zu den Progressisten schlug, wurde die Revolution im Jahre 1868 siegreich. Es wurde eine provisorische Regierung unter Prim errichtet und Sagasta wurde Minister des Innern. Von da an ist Sagasta unzählige Male Minister und sehr oft Ministerpräsident gewesen, obgleich die Regierungsform Spaniens mehrfach wech­selte. Sagasta diente zuerst Prim und dann dem aus Italien geholten König Ainadev: unter der Republik hielt er sich zurück: als diese durch Serrano gestürzt war, schloß er sich diesen: a:: und wurde zuerst Minister des Nutzern und dann Ministerpräsident. Er dankte ab, als durch Martinez Campvs die Monarchie mit Alfonso XII. proklamiert wurde. Später schloß er sich der alfvnustisckcn Monarchie an und wurde der Führer der Liberalen, die mit den Konservativen unter Canovas del Castillo ab­wechselnd die Regierung führten. Man erzählt, daß Alfonso XII., als er 1885 starb, beide Führer zu sich berief und ihnen das Versprechen abnahm, daß sie der Königin-Regentin und der alfonsistischeu Monarchie treu bleiben würden. Beide beschworen ihre Tretie und trafen dann unter sich das Abkommen, daß sie abwechselnd Spanien regieren sollten: wenn der eine sich nicht mehr halten konnte, sollte der andere zur Regierung berufen werden. Das geschah denn auch: seit 1885 haben Canovas del Castillo und Sagasta abwechselnd Spanten regiert. Das hatte zunächst den Erfolg, daß, bei dem Zusammen­wirken der Liberalen und der Konservativen, die alfonsistische Monarchie, obgleich der König ein Kind und der Regent ein Weib war, ruhige Tage hatte. Es stellten sich aber auch die Nachteile ein: die beiden Parteien, die abwechselnd ans Ruder kamen, beuteten mit ihrem An­hang auch abwechselnd den Staatssäckel ans, und wenn die Führer selbst, Canovas und Sagasta, persönlich vor-

Dir Eidechse.

Roman von A. v. Klinckorvström.

(12. Fortsetzung.)

„So opfere ihm geschwind!" jubelte es um sie her, und ehe sie sich's versah, hatte sie ein gefülltes Sektglas in der Hand und war zu dem Tragsessel hingezogen, auf welchem Bacchus in halb liegender Stellung ruhte. Doch wie sie das Glas kaum an die Lippen setzte, beugte sich dieser, ein bildschöner Kupferstecher, blitzschnell herab, nahm es ihr fort und leerte es auf einen Zug.

„Habe Dank, Hersilea, Tochter des Glaukus, und laß Dir an dem Bewußtsein genügen, den Gott gelabt zu haben und seinen Lippen, wenn auch nur am Rande des Bechers, begegnet zu sein."

„Halt!" rief die dröhnende Baßstimme eines assyrischen Kriegers. „Das ist nicht des Glaukus Tochter, sondern Kliomene, meine griechische Sklavin. Sie stamnrt aus königlichem Geblüt. Ich erbeutete sie auf dem letzten Kriegszuge, und ihr werdet mir mein Eigentum nicht vorenthalten, Freunde."

„Sie ist frei", erklärte der rebenumkränzte Jüngling gravitätisch, „und mag wählen, mit wem sie gehen will."

„So folge ich Deinem Zuge als demütige Dienerin!" entgegnete Jenny munter.

Der Assyrer sprang wie ein Panther vor, um sich ihrer zu versichern, doch schreiend und lachend warfen sich die Faune dazwischen, und in dem lustigen Handge­menge, das nun entstand, erttschlüpfte sie geschickt.

Der kleine Vorfall hatte ihre Leberrsgeister angeregt. Sie war für einen Moment der Mittelpunkt der allge- meinenAufmerksamkeit gewesen; man hatte sie bewundert, und die Ueberzeugung. daß sie, hurte wenigstens, wirk- lich schön sei, gab ihr die Sicherheit zurück, die vorhin beim Eintritt in den tollen Strudel bedenklich ins Schwanken geraten war.

Ein Sprachengewirr, das ungefähr an den Bau des babylonischen Turmes erinnerte, bewies zur Genüge, wie

international die Gesellschaft sei. Diplomaten aus aller Herren Länder und Mitglieder der Pariser Fremden­kolonie vereinten sich mit den vornehmsten französischen Elementen. Dazwischen liefen eine Menge niedlicher Künstlerinnen umher, deren Ramm Memand kannte, die den Zutritt allein irgend welcher Protektion der- dankten und dem Umstand, daß sie dekorafiv zu wirken vermochten.

Jenny blickte entzückt umher. Sie hatte etwas Aehn- liches noch nie gesehen. Diese heiße Atmosphäre von Lebenslust, Glanz und Originalität stieg ihr berauschend zu Kopf. Es zuckte ihr in den Füßen bei den träumerisch wollüstigen Walzerklängm, und als ein Chinese ihr in den Weg wackelte und sie mit komischer Würde und den unverständlichen Lauten einer fingierten Sprache zum Tanz aufforderte, flog sie ohne Besinnen mit ihm durch den Saal.

, Er ernstes sich als ein vorzüglicher und unermüdlicher Tänzer, und die Unermüdlichkeit war ihr die Hauptsache. Schließlich verging ihr aber doch der Atem, und sie ließ sich lachend auf den nächsten Sessel fallen, während er noch immer pirouetfierend vor ihr sichen blieb und in einem Kauderwelsch, das denEngländer verriet, beteuerte, sie sei die reizendste Griechin, die er je gesehen. Da war auch der Assyrer wieder, der sie vorhin für sein Eigen­tum erklärt halle, und versicherte mit unzerstörbarem Ernst, er müsse jetzt ältere Rechte geltend machen. In diesem Augenblick sah sie Engler, der ihrer auch chen erst ansichtig wurde und ihr entgegen strebte.

„Du maßest Dir fremden Besitz an!" warf sie dem Assyrer neckend über die Schulter zu. „Dort kommt mein Herr und Gebieter!" Damit lief sie ihrem Verlobten wie ein frohes Kind entgegen.

„Wo steckst Du 'nur?" rief dieser. „Ich warte seit einer Stunde auf Dich."

„Und ich habe die Zeit benutzt, um Eroberungen zu machen. Schau mich an, Maxl! Gefalle ich Mr?"

„Famos siehst Du aus! Wahrhaftig, ich hätte es nicht für möglich gehalten"

„Aber Ml, ich bin doch dieselbe wie immer, weder ge­schminkt noch sonst irgendwie verändert. Nur mein Haar ist hoch aufgesteckt."

„Du hast die deutsche Biederkeit abgeftreift."

„Das will ich nicht hoffen. Ich möchte durchaus nichts anderes iein als eine Deutsche aus gutem Haus."

„Liebe schöne Pedantin!"

, „Wirklich, Max, bin ich schön? Findest Du das?" Erfrlg beugte sie sich vor, liahm ihn bei den Schultern und forschte in seinem Gesicht.

„Wie Du eitel geworden bist! Ich glaube fast. Du Hast imt den beiden verkleideten Affen, in deren Gesell- schaft ich Dich fand, recht ordentlich kokettiert."

„Faule de mieux!" scherzte sie. „Warum sahst Du Mch auch nicht früher nach mir um! Komm, laß uns zusammen tanzen."

Er war bei Weitem kein so guter Tänzer wie der Chinese, hampelte vielmehr mit Armen und Beinen recht ungeschickt umher. Trotzdem inacht es Jenny Spaß, und sie flüsterw chm, während sie sich mtt ihm drehte, allerlei heitere Bemerkungen zu.

„sieh, da fitzt meine Anstandsmutter init ihren Zög- lingen. Halte mal ein mit Deiner Gymnastik. Ich will Dich ihr vorstellen."

Frau von .Hetlinger saß in einer grünen Nische unter Blumen und hatte eine Anzahl junger Verehrer imt sich versammelt, unter denen sie Hof hielt. Sie einpfing auch Engler nnt anmuttgem Fächerspiel, dazwischen doch ein achtsames Auge auf ihren Hofstaat habend.

„Berchtold, wo wollen Sie denn hin?" unterbrach sie sich mitten in einer liebenswürdigen Unterhaltung mit Engler.

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fordern."

»Ach, und ich möchte selbst gerade mit Ihnen tanzen!" schmollte sie kindlich.

„Stehe natürlich zu Befehl!" antwortete er nicht ohne Unzufttedenheit, ein zweifelhaftes Lächeln auf sein leicht-