51 . Jahrgang.
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Redaktions-Fernsprecher N 52.
N-. 1.
Donnersing, de« 1. Januar.
BerlagS-FernsPrechcr N». 2953.
1803.
Horgen-flusgihe.
OM- Mrgrrr des Ueuiahrsfejfs crschcinl die nächste Ansgabe Frzi-ag «achtMng.
Wiener Brief, h
Gladiatoren-Samps SSrber-Gzell. — Graf Lawiwrff in Wie«.
it. Wien, 29. cezember.
Am 8.1. Dezember, Schlag 12 Uhr M ^rnacht, wenn sich die Geister des neuen Jahres regerand das alte Jahr in die Grube steigt, da ist die pllamentarische Frist fiir die Feststellung des Ausgleichs-a Ende, und dann soll, nein, nurß es sich entscheiden, cd?ir ihn haben endlich, den ersehnten Ausgleich, und zwrrnit oder ohne Korber und Szdü, oder aber, daß wir i nicht haben, nicht haben werden und weiterhin unausgzlichen durchs politische Leben wandeln sollen. Verz«üng für das hatte Wort, aber die Tragikomödie des Asgleichs kann heule unmöglich mit jenem Ernst behaupt werden, der ihr eigentlich zukäme; es ist cberr schon z- viel Komödie damit getrieben worden und man weiß in er Thal nicht, ob die schönen Fcchterposen nicht, die scxohl Herr von Kürber wie Herr v. Szdll wieder eimna'eingenommen, nur eitler Schein sind, der jedoch, zu oft /rgewesen, nicht einmal mehr die mlsera plebs blendf kann. Herr v. «zell ist neuerdings und jetzt „uni dennflich zum letzten Male" in Wien erschienen, damiiks. zum Biegen oder Brechen komme; aber in Pracht : -x Gladiawren- Stellung erwartet ihn Herr v. Körbe.Her durch seine Organe vettünden läßt, daß derWeg zu nem schlechteren Ausgleich für Oesterreich (lies: bessern fiir Ungarn) mrr über seinen Leichnam führe. Jedoc^uch der ungarische Kabinettschef hat sich schriftlich ur jnünblid) feierlichst -verpflichtet, keinen schlechteren AzLeich zu accep- tieren, als seiner Zeit Baron Bünffy, v k so stehen denn die beiden Fechter einander todesnm:ig»genüber, jeder ..freudig" zu sterben bereit. Herr v. z»-ll soll ja auch vereits die Gesamt-Demission seines/ Mabinetts nach Wüen mitgenommen haben, und auchjvcsr österreichische Premier hätte Demission fertig iifocr Tasche. Die Disferenzialp' der Ausgleichsvijhandlungen sind noch zalilreich e. g. Da ist vor allm die italienische Weinzoll-Klau' :, die Herr v. Korber um keinen Preis missen will, cbens.lwenig wie, und zwanaus budgetarischen Gründen, den Tiroler Getreidc-Au/chiag im Betrage von 1 Million Kronen pro Jahr; fener sind da die verschiedener Jndustriezölle und >ü>rmit verbundenen Fragen. Herr v. Korber hegte nämich, wenn man den eingeweihten Kreisen glauben dar, die Absicht, die ungarische Industrie, mit der es Hute noch nicht sehr
^t her ist, einfach kampfunfähig zu machen. Es sollen ~ so lautet die Forderung Körbers — von ungarischer toc üe Erklärungen bindender Art abgegeben werden, ^lche es künftig unmöglich machen würden, daß die ^garische Regierung die eigene Industrie durch Sub- "^itioncn, geheime Refaktien und ähnliche Mttel, durch Eriche sie bisher das junge ungarische Gewerbe gegen “I e alte übermächtige österreichische Industrie fördern ‘ 01 mte, verteidige. Diese sehr weitgehende Forderung ™m. der ungarische Kabinettchef nicht bewilligen, ohne eigenes Todesurteil zu unterschreibeil, d. b. befürchten * u müssen, daß der ungarische Reichstag mit einem Aschen Regierungschef schreckliche Abrechnung halten ^irde. Mit dem Kriegsgeschrei: „Siegen oder fallen!" hZben die beiden Gladiatoren angeblich zum letzteil S-.cauße Aufstellung genommen, und fürwahr die "firden Zuschauer wären schon von Herzen froh, wenn letzte Akt der Tragikomödie wirklich einmal vorüber
> Graf Lambsdorff, der morgen in Wim eintriffl (".zwischen ist er, wie gemeldet, eingetroffm. D. R.), !?ll, wie der Bettreter der „Cor. Int." von bestorien- sstr-ter Seite erfährt, nebst seiner wichtigen offiziellen Mission, welche der Regelung der maced-onischen Frage 8stt, die dm Orient so leicht in Brand zu setzm vermag u^-d die im Einvernehmen Oesterreich-Ungarns schon Istzt in ein ruhigeres Bett gedämmt wurde, auch noch offiziell nicht an die große Glocke gehängte Auf- llsibe habm, die heute, nach der neuerlichen Perfektionie- !1 ,ng des Dreibundes, für manche Kreise eine sehr unlieb- Zme Ueberraschung bildet: riämlich die Versicherung Zars zu uberbringm, daß in.Zukunft die orten- llischen Fragen stets nur in voller Übereinstimmung dt dm Ansichten der leitmden Kreise Österreich, ngams bmrteilt und behandelt werden sollm. Der lar wünsche dezidiert die vollste Harmonie der russischm lud österreich-ungarischen Diplomatie. Dieser Wunsch Zars soll durch das neuerliche Erstarken des Prestiges Englands hervorgettifm worden sein, welches Rußland /oerall auf seinm Wegen fände. Und so dürste dieser eil der Mission des Grafen Lambsdorff fiir den europäischer! Frieden mehr zu bedeutm habm, als so manche Ronarchen-Entrevue der letztm Jahre.
Ae sraPöslsA Rkglervng und die Schullehrer.
Unser Pariser Kottespondmt schreibt:
Die jetzigm Machthaber in Frankreich und die Mit- zlieder der Parlammtsmehrheit sind schlver zu befriedigende Lmte. In ihrm Augm wird schon derjenige »es Klerikalismus verdächttg, der den Glauben seines Nächsten respektiert, wmn er ihn auch keineswegs teilt. Plato verjagte die Dichter aus seiner Republik, die
Männer des „Blocks" möchten am liebsten alles, waS nicht radikal oder radikal-sozialistisch ist, aus der ihrigen verscheuchen oder wmigstens nach Kräften einschüchtern. Gegenwärtig fd>eint ein Feldzug gegen die Schullehrer in Scme gesetzt werden zu sollen, da man diese zahlreichen Staatsdimer im Verdachte hat, daß sie zu laue' Republikaner und oft nur verkappte Klerikale sind. Man plant eine gründliche Reinigung des Unterrichtspersonals von allen zweifelhaften Elementen. Dmn was nützte es, die Mönche und Nontien zu vettreiben, wmn der von ihnen gepflegte Geist auch fürderhin durch die Volksschuüehrer in die Herzen der Jugend geträufelt würde? Die Vorläufer des Reinigungsprozesses haben sich seit der Zeit, wo Combos ans Ruder gelangte, schon vielfältig bemerkbar gemacht. Neuerdings aber mehren sich die Symptome. In Brest z. B. liegm sich augen- blicklich Atheisten inrd Kirchliche in dm Haaren aus Anlaß des Gesuchs zweier Schullehrerinnm, in die Ligue des droits de l’hoinme ausgenommen zu werden. Die beiden Lehrerinnen hatten das unverzeih- liche Verbrechen bcgangm, ihre Zöglinge in die Kirche zu führen. Ob des Verlangens der gottesfürchtigen Schulmeisterinnen großer Streit innerhalb der Liga, die die Menschenrechte auf ihre Weise auffatzt. Die Mehrzahl der Mitglieder widersetztm sich dem Eindringen der Unwürdigen, und der Präsident und zwei weitere Vorstände, zufällig selbst Lehrer, die sich auf die Seite der Lehrerinnen gestellt hatten, gabm ihre Entlassung. Es ist sehr zu fürchtm, daß sowohl die Letzteren als die drei sie in Schutz nehmmdm Lehrer von einer ministeriellen Exkommunikation betroffm werdm. Wmn die Regierung viele Schullehrer eines unangebrachten „Mcderanttsmus" anklagt und die Aufrichtigkeit ihrer republikanischen Gesinnung in Zweifel setzt, so bedeutet dies im Grunde nichts weiter, als daß man sie beschuldigt, zu träge Radikale und zu wmig überzeugte Sozialisten zu sein. Sie sollm nunmehr dm Plänen des Kabinetts gefügiger gemacht werdm. Obgleich sie seit langem die willfährigsten Werkzeuge in der Hand des Präfektm waren, der des Schullehrers als politischen Agmtm ebensowenig als des Flurschützm entbehren kann, ist man jetzt im Ministerium damit beschäftigt, den Bogm noch bedeutend straffer zu ziehm urb das obligatorische und unmtgellliche Agitatormtum namentlich der Landschullehrer durch fortwährende Drohungm mit Amtsentsetzung beträchtlich wirksamer zu gestalten.
Die Zeiten sind mdglltig vorbei, wo das Lehreramt ebm das Lehreramt war und die Schullehrer sich davor hüteten, sich in die Wahlschlachten zu mischm, weil sie der Ansicht warm, daß die Teilnahme an diesem Kampfe immer einige Fleckm zurücklätzt,' von denen ein Erzieher der Jugmd frei bleiben muß. Als die Republik noch von wahren Republikanern regiert wurde, warm die Vorgesetzten Behörden damit zufrieden, wmn die Lehrer
FeniUeloLl.
Der Ofen und dus Heizen.
Plauderei von Beriyar» Ohrenberg.
„Der Ofen ist im Somner Lehm und im Winter ein Diadem", — dieses alr Sprichwort kennzeichnet treffend die in der menschliien Natur tief wurzelnde Undankbarkeit; während des Sommers wird der Hausfreund kalt gestellt und bleibtganz unbeachtet. Aber wie innig umarmt ihn die jung« Hausfrau, wenn sie durch- kältet und mit erstarrten Fügern von Einkäufen heim- kehrt.
Nachdem der Reisekor» in die Bodenkammer gewandert ist zu langem Wiuerschlas und die Abende länger und kälter werden, erinnert man sich auch wieder des unentbehrlichen Freunds-, der stumm in derZimmer» eckc steht.
plötzlich kommt im Sptherbst der eisige Nordwind angeb must, reißt fchadenf oh dir verwitterten Ziegel vom Dach und dreht die Wttecfahne wirbelnd im Kreise umher, lsis sie kreischt und chzt. Der Nordwind ist ein unwirscher Gesell, steht ab: zum Ofen in naher, vertraulicher B nehung und » ft heulend durch den Schornstein: „Heda: lieber Altei schläfst du noch? — Jetzt bringe ich dich wieder ; r Geltung, du guter Kerl. Doch zur Sttafe 'ür die 5 :chtachtung, die du lange Zeit erdulden mußtest, wolle, wir beide die Menschen ein wenig ärgern; gieb 'ma acht, wie arg ich blasen und das Feuer verlöschen wert."
Der Ösen ist nicht ssonfähig wie der vornehme Kamin, aber er meint Ehrlicher als dieser.
Unsere tapfere Arme -hat es im Feldzug 1876/71 bei sttcnger Kälte bitter erfunden, daß ein französischer Kamin nicht so gut wärnl wie ein deuffcher Ofen. Beide sind in gewisser Bezieh?g charakterisierend für die benachbarten Nationen. Tr Ofen erwärmt sich schwer und langsam, ist aber ausda ernd, schlicht und anspruchslos. Der kokette Kamin wi. gern mit zierlichem Kram geschmückt sein; seine ©I t ist rasch entfacht, lodert hell empor, — verlisckt aber uch schneller, er erhitzt und läßt unS kalt zu gleicher Ze'
Am Kamin versammelt man sich zu witzsprühender Eauserie — um den traulichen Ofen schart sich die Familie zu gemütlicher Plauderstunde.
. . . Welche heilige Erinnerungen an die glückliche Jugendzeit sind mit jenen grünen oder schwarzen Ungetümen verknüpft, die früher einen großen Raum be- inspruchten, und an deren Kacheln man biblische Geschichte lernen konnte. Um diese großen, viereckigen ivlosse war eine Bank gefügt, die im Winter stets Liebhaber fand. Räkelten sich die Herren Jungen nicht »arauf, so lagen, in friedlicher Gemeinschaft, der 'chnurrcndc Kater zusammengerollt neben dem schläfrig blinzelnden Dachshund auf dem warmen Plätzchen.
In der Ofenröhre stand Großmamas braune Bunz- lauer Kaffeekanne, deren unerschöpflicher Inhalt die Muhmen labte, die in der Dämmerstunde zu einem harmlosen Schwatz und Klatsch zu kommen pflegten. Aber auch für die kleine Schar barg diese Ofenröhre süße Schätze, denn es schmorten und zischten leckere Bratäpfel darin, die sie verschmausen durften.
Im rauhen russischen Klima sind solche riesenhaften Ofen noch jetzt gebräuchlich und unentbehrlich, sie dienen der ganzen Familie des Bauern als Lagerstätte am Tage und sind das Bett während der Nacht.
In Gebirgsdörfern ist auch bei unserer Landbevölkerung noch die „Hölle" (der schmale Raum zwischen Ofen und Wand) ein beliebter Platz für die Faulpelze.
In den Bauden auf dem Kamm des Riesengebirgcs erlischt das Feuer im Ofen auch während des Sommers nicht; auf dem großen Gestell aus Latten, das unter der Decke um den freundlichen Wärmespender befestigt ist, trocknen in belustigender Gemeinschaft Kinücrhembchen und die Plaids durchnäßter Touristcck.
I Die Kachelöfen in früherer Zeit mit der veralteten Klappen-Einrichtung waren nicht ohne Gefahr, und die „Ofenklappe" hat zahlreiche Opfer gefordert. Daß aber . auch der Kamin heimtückisch sein kann, hat erst unlängst der jähe Tod des französischen Romanschriftstellers Zola bewiesen.
Wer erinnert sich nicht jener billigen Konkurrenten der soliden Ofen aus Lehmkacheln, der sogenannten „Kanonenösen", die arme Leute in Piansardenstübchen und Kellerwohnungen anfstellten, weil sie nur einen ge
ringen Preis hatten und wenig Raum forderten. Aber diese Surrogate aus Eisenblech besaßen mehr Mängel als Vorzüge. Wenn sie in voller Glut waren, wärmten sie übermäßig und verursachten häufige Brandschäden; doch wenn das Heizmaterial verbrannt war, erkalteten sie auch rasch wieder. Außerdem hatten sie ihre Mucken; die lange, gewundene Blechröhre verstopfte sich leicht, und mancher einsame Junggeselle wurde in Raserei versetzt, wenn der Racker durchaus nicht brennen wollte. Jetzt bedienen sich dieser kleinen, leicht transportierbaren Ofen fast nur noch die Händler mit warmen Würsten, deren verschwiegener Inhalt den Jahcmarktgästen köst- ltch mundet; und in Italien röstet man darauf die beliebten eßbaren Kastanien.
Der Kanonenofen hat schon seit mehreren Jahr- zehnten seine Auferstehung in verbefferter Gestalt als „Dauerbrandofen" gehalten. Diese regulierbaren Ofen werden in verschiedenen Systemen fabriziert, und die Inserate belehren uns, daß immer wieder vollkommenere Hcizvorrichtungen erfunden werben; aber der gute ehrliche Kachelofen wird durch diese modernen Patentöfen nicht ersetzt. Freilich wäre es ungerecht, zu verschweigen, daß auch der beste altdeutsche Ofen mitunter Launen hat, die auch eine geduldige Hausfrau vastimmen kennen.
Die erste Bedingung für eine gute Hcizbarkett des Ofens ist seine gründliche Reinigung im Innern, bevor die Winterszeit eintritt; klug handelt, wer diese wenig saubere Prozedur persönlich überwacht, denn eine nur oberflächliche Entfernung der Rußmengen würde zur Folge haben, daß bald eine erneute Reinigung zu nn- paffendcr Zeit vorgcnommen werden mutz.
Jede erfahrene Hausfrau wird beim Ankauf des Heizungsmaterials möglichst sorgfältig zu Werke gehen; denn auch bezüglich der Kohlen und Preßsteine ist es eine übel angebrachte Sparsamkeit, recht billig zu kaufen. Minderwertige Kohlen brennen nicht nur mangelhaft, sondern entwickeln auch nicht die Heizkraft wie gute Kohlen: sie lassen viel mehr Asche und Schlacken zurück als die beste Qualität.
Weit leichter läßt sich sparen durch die Art und Weise, w i e geheizt wird. Es ist notwendig, daß noch vor dem Heizen das Zimmer ganz energisch gelüftet und d Brennmaterial auf dem Roste, möglichst nach:
