Einzelbild herunterladen
 

Oerlag Langgasse 21

„Tagblati-Haus".

Kchalter-Halle geöffnet von 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abend».

wöchentlich

Igeld. — Bezugs-Bestellungen nehmen außerdem entgegen^ ... .._

mnrckring 19, sowie die Ausgabestellen in allen Teilen der «tadt: in Biebrich: die dortigen Aus­gabestellen und in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffenden Tagblatt-Träger.

12 Ausgaben.

Fernruf:

„Tagblatt-Hims" 91x. 6650-58.

Bon 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, außer Sonntag«.

Anzeiaen-Prcis für die Zeile: IS Psg. für örtliche Anzeigen im „ArbeitimarN" und ,,Klemer Anzeigers in einheitlicher Satzsorm: eoPsg. in davon abweichender Satzaussuhrung, sowie sur alle übrigen örtlchhm Anzeigen: 30 Ps/für alle auswärtigen Anzeigen; 1 Ml. sur orlliche Reklamen; 2 MI. für ^swarttge Rcllamen. Ganze, halbe, drittel und viertel Setten, durchlausend. nach besonderer Berechnung.

Bei wiederholter Ausnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entsprechender Nachlaß.

mm——» srür die Aufnahme von Anzeigen an vorgeschriebenen

2a$PÄ' mx SlÄ ÄÄ“»" Berliner Schriftleit.,ng des Wiesbadener Tagblatts: Berlin-Wilmersdorf Güntzclstr. 66, Fernspr.: Amt Uhland 450 u. 451. Tagen und P>°s-n wird keine Gewahr übernommen.

Mittwoch, 11. August 1915.

Abend-Ausgabe.

Nr. 370. - 63. Jahrgang.

Ei« «euer erfolgreicher Lustangriss aus England.

Britische Kriegsschiffe» die Docks von London»Harwich und^umbermündung mit Bomben belegt.

W.T.-B. Berlin, 11. Ang. (Amtlich.) In der Nacht vom 9. zum 10. August führten unfrre M a r in e I u f t s ch i s f e Angriffe gegen befestigte Küsten- und Hascnplätzc der englischen Ostküste aus. Trotz starker Gegenwirkung wurden britische Kriegsschiffe auf der Themse, die Docks von k o n o o n, ferner der Torpedo st ützpunkt Har- w i ch und wichtige Anlagen am H n m b e r mit Bom­ben beworfen; es konnten gute Wirkungen beobachtet werden Die Luftschiffe sind von ihrer erfolgreichen Unternehmung zurückgetehrt.

Der stellvertretende Ches des Admiralstabs der Marine: (gez.) Behacke.

Zünf Zeppeline in nordwestlicher Richtung von Rmeland gesichtet.

Br- Rotterdam, 11. Ang. (Eig. Trcihtbericht. Zens. Bin.) Bei Ameland flogen gestern fünf Zeppeline rn nordwestlicher Richtung vorbei. Der gestern in gmurden eingelaufene norwegische Dampfer „Foldin" ans Christiania berichtet, daß er gestern, 5 Uhr nach­mittags, in der deutschen Bucht Zeppeline, die von einem Torpedoboote begleitet waren und schnell nach Westen fuhren, gesehen habe.

*

Zum fünften Male haben deutsche Marineluftschiffe

einen wohlgelungenen Angriff auf die engl i,s che Ost- küste ausgeführt. Vor allem war es wieder, 'wie auch das letzte Mal, die Themsemündung, welche heim­gesucht wurde. Denn an der Mündung dieses an oer Nordsee meeresbreit werdenden Stromes liegen am rechten Ufer die Flotten- und Flugzeugstützpunkte Sheerneß, Chatam, die besonders jetzt ausgiebig Ver­wendung finden. Fast an der Themsemündung noch links liegt auch das verkehrsreiche und jetzt als Tor- pedostützpunkt benutzte H a r w l ch, dem das Erscheinen deutscher Luftschiffe ebenfalls kein unbekanntes Er­eignis mehr ist und das auch diesmal wieder bedacht wurde. Die größte Bedeutung aber dürfte dem Angrrff wohl dadurch beizumessen sein, daß die Luftschiffe auch den Docks von London einen Besuch abstatten konnren; überall konnten nach dem amtlichen deutschen Be­richt gute Wirkungen erzielt werden, seLst die auf oer Themse liegenden englischen Kriegsschiffe blieben nicht verschont. Ebenso wurden die maritimen Zwecken dienen­den Anlagen an der Hirmbermündung, wo als ve- deutendster Platz Hüll zu finden ist, erfolgreich be­schossen.

Die Arbeit, die an allen Punkten verrichtet wurde, war sicherlich nicht leicht; denn selbst der amtliche deut­sche Bericht des Admiralstabes spricht von einer star­ken Gegenwirkung, und ebenso läßt sich aus dieser Darstellung — wenn wir frühere Meldungen vergleichen — herauslesen, daß die Luftschiffe, obwohl erfreulicherweise alle zurückgekehrt, doch vielleicht diesen ober jenen Treffer abbekommen haben. Das wäre za auch gegenüber dem erfolgreichen Unternehmen leicht zu verschmerzen und in Anbetracht der feindlichen Be­schießung leicht erklärlich. Die Hauptsache ist und bleibt, daß der Angriff seinem Zweck entsprechend durch­geführt wurde und daß auch den Londonern eigentlich zum ersten Male die Gefährlichkeit eines deutschen Luft­angriffes lebhaft zu Gemüte geführt wurde, und daß sie von dieser Seite noch manche andere Aufregung zu er­warten haben werden.

Man entsinnt sich noch der Kopflosigkeit, die der erste deutsche Luftangriff auf Aarmouth in der Nacht vom 19.-zum 20. Januar verursachte, und wie sich bei den fol­genden Angriffen: am 29. April die Beschießung der Küstenbefestigungen bei Harwich nebst anderen im In­land gelegenen Plätzen, am 6. Juni das Bombardement an der Humbermündung und wiederum bei Harwich und am 7. Juni der Vorstoß, der bis zu den Außendocks von London und den Vorstädten gelangte, diese Kopf­losigkeit und dieser nicht geringe Schrecken zur Bestür­zung und heillosen Angst steigerten. Wir wollen uns auch dieses neuesten Erfolges nur freuen und sind da­für denen Dank schuldig, die das gefahrvolle Werk er­folgreich durchführten. Wir wissen ja auch, daß es nicht das letzte Mal gewesen sein wird, da unsere Luft­schiffe dem Gegner jenseits des Kanals einen empfind­lichen Schlag versetzten I

Die Geretteten und Toten des „Indra".

142 Mann gerettet. — 160 Mann tot.

W. T-B. B-dö, 11. Aug. (Nichtamtlich.) Nach den neuesten Meldungen sind im ganzen 142 Mann von der Be­satzung des torpedierten englischen Hilfskreuzers „Jndia" nach Narwik gelirachi worden, davon 82 mit dem „Götaland" und 60 mit dem bewaffneten englischen Fischdampfer „Saxon", außerdem 11 Tote. Der Kapitän soll sich unter den Geretteten befinden. Insgesamt sind etwa 160 Mann «m- gckommen. Ein Jnspcktionsschiff hat gestern 48 Gerettete und drei Tote von Helligvaer abgeholt. Die übrigen Toten werden morgen hier brgraben werden.

Lin britischer Lorpedodoorszerstörer in die Lust geflogen.

W. T.-E. London, 11. Aug. (Nichtamtlich. Drahtbericht.)

Die Admiralität nieldet: Der britische Torpedobootszerstörer „L y n i" ist in der Nordsee auf eine Mine gelaufen und ge­sunken. 4 Offiziere und 22 Mann wnrdrn gerettet.

Oie deutsche Unterseebootkriegführung.

Richtigstellung norwegisch-r Behauptungen.

W T.-B Berlin, 11. Aug. (Nichtamtlich) Bon zustän­diger Seite wird uns mitgeteilt: In norwegischen

Blättern findet sich die Behauptung, deutsche II-Boote führten keine Flagge und hätten ihre Nummer ent­fernt, um neutrale Schiffe zu versenken, ohne zur Verant­wortung gezogen zu werden. Diese Behauptung ist, soweit ste sich auf das Flaggenführen bezieht, falsch. Bei jeder Kriegshandlung, also auch beim Anhalten und Durch­suchen neutraler Schiffe, führen die deutschen II-Boote die Kriegsflagge, durch die sie sich als zu Kriegs Handlungen be­rechtigte Kriegsschiffe Ausweisen. Selbstverständlich führen die ll-Boote die Flagge auch dann, wenn sie gezwungen sind, nach dem Durchstichen zur Versenkung eines neutralen Schiffes zu schreiten, die nur in Frage kommt, wenn nachge- wicsen ist, daß es Bannware zum Feinde bringt und seine Einbringung als Prise nicht möglich ist. Die Behauptung, daß deutsche ll-Boote keine Nummern führ-n, ist richtig. Die Gründe dafür sind militärischer Ilatur: es geschieht mit Rücksicht auf den Feind, aber nicht im Hinblick aus Neutrale Der Verdacht, den der Verfasser dieser Notiz erwecken will, daß sich deutsche I7-Boote durch Weglaflen der Nummer d-er Verantwortung den Neutralen gegenüber zu entziehen suchen, ist sinnlos. Die Neutralen sehen ja die deutsche Kriegs flagge. Im übrigen ist jeder Verlust eines neutralen Schiffes, der zur Kenntnis der deutschen Regierung gebracht worden ist und der die Möglich­keit offen lieh, daß das Sschiff durch ein deutsches Il-Boot der- senkt sein könne, auf das gewissenhafteste unter- sucht worden. Di« deutsche Regierung hat sich, wie die neu- traten Regierungen wissen, stets verantwortlich bekannt, wenn ein ll-Boot-Kommandant infolge einer unglücklichen Ver­wechselung ein neutrales Schiff beschädigt oder der- senkt hat. t

Die Torpedierung des „Normann.

W.T.-B. Christiania, 11. Aug. (Nichtamtlich.) Die Torpedierung der norwegischen Bark „Normann' fand 18 Seemeilen van Arendal am 7. WuAuft statt. Das Unterseeboot war sehr klein. Es schoß 12 Granaten ab, die die „Normarm" in Brcwd steckten. Die Mannschaft wurde nach 4 Stunden von dem norwegischen Dampfer „Solferma ' geborgen. Die Ladung war bei dem englischen Lloyd mit 30 000 M. versichert.

Lin deutscher Zischdampfer durch einen englischen Rreuzer versenkt.

w. T.-B. Ymuiden, 11. Aug. (Nichtamtlich.) Der hol­ländische Fischdampfcr „Ecnbracht" landete 10 Mann von der Besatzung des deutschen Fischdampfers „Saturn" auS Geestemünde, der Montagnachmittag von einem eng li scheu Kreuzer in der Nordsee versenkt wurde. Die Mannschaft hatte sieben Minuten Zeit zum Besteigen der Boote erhalten.

W- T.-B- Amuiden, 11. Aug. (Nichtamtlich.) Der Ka­pitän des deutschest Fischdampfers „Saturn" hat erklärt, daß der britische Kreuzer, welcher den „Saturn" versenkte, zu einem Geschwader von fünf Panzerkreuzern ge­hörte. Der Fischdampfer war unbewaffnet und fischte in Gemeinschaft mit einer Anzahl anderer Fischdampfer. Die Besatzung des „Saturn" erhielt den Befehl, das Schiff zu verlassen, was binnen fünf Minuten geschah. Dann trieb die Besatzung im offenen Boot 2^ Stunden lang auf dem Meere, bis sie von einem holländischen Fischdampfer ausge­nommen wurde.

ver entschiedene widerstand der englischen Arbeiter gegen die allgemeine Wehrpflicht.

Berlin, 11. Aug. (Zens. Bln.) Die amtliche Zeitung des „Bundes der Gewerkschaften" spricht laut „Evening News" vom 5. August von der Unsinnigkeit des Ver­suchs, die Arbeiter durch scharfes Auftreten, Knüttelhiebe oder Schießen zum Nachgeben zu zwingen, und sagt: „Die Arbeiter lassen sich nicht zwingen. Der Kamps in Südwales war nur eiu l e i ch t es Gekräusel au der Oberfläche im

Vergleich zu dem wilden und schrecklrchen Wogen- au fr uhr, der auf jeden Versuch der Regierung, dm Wehrpflicht in irgendeiner Form einzuführen, sicherlich folgen würde."

W- T-B. London, 11. Aug. (Drahtbericht.) „Daily Chronicle" legt in einem Leitartikel Einspruch dagegen ein, daß England wegen des Falles von Warschau die Wehrpflicht einführen müsse. Die Anwerbung schreite gut fort. Das Heer bekomme so viele Leute, als es ausrüsten und ausbilden könne. Es sei unrichtig, daß die Einführung der Wehrpflicht einen großer Eindruck auf die Verbündeten machen werde. England sei eine Insel, dis Flotte habe daher in erster Linie Anspruch auf Hilfs­quellen an Menschen und Geld.

Die „Times" schreibt in einem Leitartikel anläßlich der heute beginnenden Nationalregistrierung: Die

Regierung darf diese Liste nrcht für die Zwecke der Heeres- ergänzung benutzen, ehe sie offen erklärt, was ihre Absichten sind. Die unglücklich verworrene Lage, in die sie der Grund­satz der Freiwilligkeit führt, wird immer deutlicher. Es wäre viel einfacher, den Zwangsdienst einzuführen.

28 Arbeiter von einem Munitionsgericht verurteilt.

Weiter Streiks bevorstehend.

W. T-B. London, 11. Aug. (Drahtbericht.) Der Munitionsgerichtshof in Glasgow verurteilte 28 Arbeiter wegen Streckens. 500 Glasarbeiter kündigten den Arbeitsvertrag, weil die Arbeitgeber eine Zulage von 3 Schilling für die Woche verweigerten. Die meisten der be­teiligten Firmen arbeiten für die Regierung.

von den östlichen «riegsschauplatzen.

Ein Vorgehen deutscher Kriegsschiffe im vusen von Riga.

Zwei deutsche Minensucher in der Ostküste verloren gegangen.

Im letzten russischen Generalstabsbericht befindet sich am Schluß folgender Absatz:

Am 8. August griff ein: aus 9 Panzerschiffen, zwölf Kreuzern und einer großen Anzahl Torpedobooten be­stehende deutsche Flotte mit Hartnäckigkeit den Ein­gang zur Bucht von Riga an. Die Angriffe wurden zu- rückgeschlagen. Unsere Wasserflugzeuge trugen durch Bombenwerfen zu dem Erfolge bei; Ein Kreuzer und zwei Torpedoboote des Feindes wurden durch unsere Mrnr» beschädigt.

Wolffs Telegraphen-Bureau veröffentlicht darauf auf Veranlassung folgende Klarstellung:

W• T-B. Berlin, 11. Aug. (Nichtamtlich.) Zu der russi­schen Meldung, daß bei einem großen deutschen Flotten­angriff auf den Rigaischen Meerbusen drei deutsche Kriegs­schiffe verloren gegangen seien, erfahren wir von zuständiger Stelle, daß cs sich nicht um einen großen Angriff, sondern um eine Erkundung russischer Minensperren handelte und daß lediglich zwei kleine Minensuchboote (d. h. jetzt nur zum Minensuchen benutzte Torpedoboote ältere« Jahrganges. Schriftltg.) verloren gegangen sind. Die Nachricht von dem Verlust dreier deutscher Schiffe ist frei erfunden. ,

Eine wertere russische Darstellung.

Stockholm, 11. Aug. (Zens. Bln.) In Marinekreisen Rußlands werden zu dem Angriff der deutschen Flotte am letzten Sonntag folgende Erklärungen gemacht. Der Feind hat unzweifelhaft großes Interesse daran, in den Besitz des Golfes von Riga zu kommen. Er würde dann durch seine Flotts den deutschen Streitkräften zu Lande erhebliche Unter­stützungen gewähren können. Die Deutschen haben gegen­wärtig die Westküste des Golfes inihrem Besitz. Der Zweck der deutschen Operationen war jedoch, den ganzen Gcckf zu beherrschen. Am Sonntag erschienen deshalb zu diesem Zweck 9 Linienschiffe, 12 Kreuzer und eine große Anzahl Torpedoboote. Die Flotte versuchte, die See-Enge von Irbeit zu bezwingen. Es ist dies die einzige Fahrstraße für Kriegs­schiffe. Trotz seiner großen Stärke war dies für den Feind keine leichte Aufgabe. Die Deutschen machten drei Angriffs und versuchten, oas Minenfeld, das von unserer Flotte ver­teidigt wurde, zu zerstören. Unsere Wasserflugzeuge und Schiffe haben sich an der Aktion beteiligt und versuch ttu die Deutschen zurückzutreiben. <

Kein Seegefecht!

S. Berlin, 11. Aua. (Eig. Dvahtbericht. Zens. Bbn.) übep den Zwischenfall im Rigaischen Meerbusen erfahren wir ztt- verlässig, daß entgegen der russischen Darstellung und dev Annahme in außerdsutschen Blättern, ein Seegefecht überhaupt nicht stattgefunden hat. Die Rekog­noszierung der deutschen Flottenabteilung l ezweckte die Fest­stellung der Minensperre im Rigaischen Meerbusen. Von denj Minensuchbooten, die von einigen größer en Einheiten keglsjtzß