Verlag Langgaffe 21
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12 Ausgaben.
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„Tagblatt-H-us" Nr. KK50-53.
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Montag, 9. Äugust» morgens.
Sonderausgabe.
1915.
ver Uebergang über die Weichsel bei Warschau erzwungen
Die Zestungswerke Seros! und Iegrze besetzt.
weiteres Vordringen der Armeen von Scholtz und von Gollwitz.
Die Ruffen gegen den wieprz zurückgeworfen.
Der Tagesbericht vom 8. August.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 8. Aug. (Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
Französische Handgrauatenangriffe bei Sonchez und Gegenangriffe gegen einen vorgestern dem Feinde entrissenen Graben in den Westargouuen wurden al-gewiesen.
Die Gefechte in de» B o g e s e n nördlich von Münster lebten gestern nachmittag wieder auf. Die Nacht verlies dort aber ruhig.
Gsffz.cher Kriegsschauplatz.
Die deutsche Narewaruppe näherte sich der Straße Lomza-Ostrow-Wyszkow. An den einzelnen Stellen leistet der Gegner hartnäckig Widerstand. Südlich von W y s k o w ist der Bug erreicht. S e r o k an der Bugmündnng wurde beseht.
Vor Nowogeorgijewsk nahmen unsere Ein- schließungstruppen die Befestigungen von Zegrze.
Bei Warschau gewannen wir das östliche W e r ch s e l u f e r.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Vor dem Druck der Truppen des Generalobersten v. Wohrsch weichen die Ruffen nach Osten.
Zwischen Weichsel und Bug hat der linke Flügel der Heeresgruppe des Generalfcldmarschalls v. Mackensen den Feind nach Norden gegen ven Wicprz-Fluß geworfen. Ter rechte Flügel steht noch im Kampfe. ^ Oberste Heeresleitung.
Der £etn6 im Rückzug nordwestlich von Jwangorod.
Oie Ruffen in aufgelöster Flucht über den wieprz. — Erfolgreicher Flanken- und Front, angriff bei Miechow. — Bisher 6023 Gefangene» 2 Geschütze und lt Maschinengewehre erbeutet. Iurückqescklagener italienisch. Einbruch in
Der österreichisch < ungarische Tagesbericht,
W. T.-B. Wien, 8. Aug. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 8. August, mittags.
Russischer Kriegsschauplatz.
Die Armee des Erzherzogs Joseph Ferdinand setzte gestern im Raum zwischen Weichsel und Wieprz den Angriff fort. Die unmittelbar westlich des Wieprz vor- gehenden Stotztrnppen warfen den Feind aus mehreren Linien nördlich L u b a r t o w und drangen gegen Norden bis zu dem Flüßchen Wieprz vor. Der geworfene Gegner flüchtet in Auflösung über den Wieprz. Auch südlich und südwestlich Miechow errangen unsere Truppen einen vollen Erfolg. Der Feind war hier, um unsere Angriffe zu parieren, zum Gegenstoß übergegangen, der bis zum Handgemenge führte, wurde aber in Front und Flanke angefaßt und über den Wieprz znrückgetrieben. Die Zahl der bei Lubartow und Miechow eingebrachten Gefangenen betrug biS gestern abend 23 Offiziere und 6l>M Mann. Die Beute belief sich auf 2 Geschütze, 11 Maschinengewehre und 2 Munitionswagen. Bedroht durch unsere, von Süden her siegreich gegen den Wieprz vorgehenden Truppen, haben heute früh auch die noch im Weichselgelände, nordwestlich Jwangorod, verbliebenen russischen Korps den Rückzug gegen Nordosten angetreten. Österreichisch-ungarische und deutsche Kräfte verfolgen den Feind. Zwischen Weichsel und Bug wird weitergekämpft.
In O st g a l i z i e n ist die Lage unverändert.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Rach neuerlicher heftiger Artillerievorbereitung griff stärke italienische Infanterie am Abend des 6. August den Plateaurand im Abschnitt Polazzo-Bermegliano an. Auch dieser Angriff wurde wie alle früheren, die sich gegen den Monte di Sei-Busi richteten, vollkommen zurückgefchlagen. Sonst waren im Küstenland, in Kärnten und Tirol nur Gefchützkämpfe tm Gange. Am 6. August, abends, und in der Nacht zum 7. August brach italienische Infanterie mit zwei Batterien über die Forcellina di Montozzo, südwestlich Pejo, nach Tirol ein. Der von dieser Gruppe in de« Morgenstunden des 7. August versuchte Angriff wurde durch unser Artillerie- und Jnfanteriefeueo vereitelt. Die Italiener gingen unter lebhafte» „Evivw Jtalia"- und „Abaffo - Austria"-Rufen schleunigst zurück.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs.
». Hssrr, Feldmarfchalleutnaut.
Der Vormarsch am wieprz.
Br- Berlin, 8. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zerrs. Mn.) Aus dem österreichischen Kriegsprcffequartier wird gemeldet: Das Lorrücken der verbündeten Truppen beiderseits des Wieprz dauert unaufhaltsam an. Das Vorrncken der verbündeten Zentrumsarmee hat sich bis auf 50 Kilometer an den wichtigen Knotenpunkt L u k o w herangcarbeitet, wo sich die Bahnlinie von Warschau und Jwangorod nach Brest-Litowsk vereinigen.
Oie höheren Schulen Wilnas werden nach Petersburg verlegt.
Bialvstock in der RäumungSzone.
Br- Basel, 8. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Wie den „Baseler Nachr." gemeldet wird» sind die hohen Schulen von Wilna auf Befehl des Unter- richteministers nach Petersburg verlegt worden. „Nowoje Wremja" meldet, daß B i a l o st o ck in der Räumungszone liege. '
Begeisterte Kundgebungen in der Türkei.
W. T.-B. Konstantinopel, 8. Aug. (Nichtamtlich.) Aus ollen Landesteilen, selbst auS den entlegensten Provinzen, laufen bei der deutschen Botschaft täglich Glück- wünsche zu dem siegreichen Vordrinyen der deutsche:: Armeen im Osten und zu der Einnahme von Warschau und Jwangorod ein. In Erze cum fanden vor dem deutschen Konsulat stürmische Sympathiekundgebungen statt.
Oer Deutsche Handelstag an den Kaiser.
W. T.-B. Berlin, 8. Aug. (Nichtamtlich.) An den Kaiser hat der Deutsche Handelstag das folgende Telegramm gerichtet:
„Unter dem Donner der Geschütze, die in Berlin den Fall der Festungen Warschau und Jwangorod feiern, bitten wir Eure Majestät unsere untertänigsten Glückwünsche zu den glänzenden Erfolgen der deutschen Waffen aus- sprechen zu dürfen. Deutschlands Industrie und Handel sind stolz auf die herrlichen Taten der deutschen Kriegsmacht und unerschütterlich im Vertrauen auf den endgültigen Sieg. Dem Obersten Kriegsherrn bringen sie ehrerbietige Huldigung dar.
Deutscher Handelstag. Kaempf. Soetbeer."
, Auf dieses Ergebenheitstelegramm ist aus der kaiserlichen Kanzlei folgende Antwort eingegangen:
„S. M. der Kaiser und König lassen für den Huldigungsgruß und die Glückwünsche anläßlich des Falles von Warschau bestens danken. — Auf Allerhöchsten Befehl, Geheimer Kabinettsrat von Valentin i."
Oer „strategische" russische Rückzug.
Französische Beruhigungsversuchc zum Fall Warschaus. W. T.-B. Paris, 8. Aug. (Nichtamtlich.) Die Presse sucht die Öffentlichkeit über die § i n n c. fj m e Warschaus zu beruhigen, indem sie erklärt, das Ereignis, das man seit mehreren Tagen erwartet habe, sei strategisch (?) ohne Beldenituny. Tie russische Armee ziehe sich u n b e h e l l i g t (?) zurück, ohne ihre Widerstandskraft verloren zu haben. D>e de -u t s ch- oft e r r e i ch i s ch e n Armeen hätten in Warschau eine leere Stadt gefunden. Die deutsche Offensive habe ihr Ziel nicht erreicht, nämlich die russische Armee ein. zu kreisen annfe zu vernichten. Dagegen habe dw Großfürst Nikolaus programmätz'.g (?) den strategischen Rückzug durchführen können. „Matin" schreibt: Die rufsisckre Armee verliert ihre Stellung, aber nichts von ihrer Kraft.
Ver Fall von Warschau und Jwangorod.
österreichisch-ungarische Truppen geben dem italienischen Gegner den Sieg bekannt.
W. T.-B.Wien, 8. Aug. (Nichtamtlich.) Mitteilung aus dem KriegSpressequartier: Anläßlich des Falles von Warschau und Jwangorod wurde auf denk Fort H e n s e l die Kaiserstandarte gchitzt und mit 24 scharfen Schüssen gegen den Feind salutiert. Die Italiener haben das Fort nicht beschossen, dagegen wurde die auf Scorluzza auf der italienischen Seite des StilfserjocheS anläßlich der Siegesfeier aufgezogene schwarzgelbe Flagge vom Feind mit 30 Granaten beschossen.
verschleierungs- und Veruhigungsversuche.
Der russische Botschafter in Rom versendet eine Erklärung. Br. Lugano, 8. Aug. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Da die russische Botschaft in Rom von'der steigenden Kenntnis der Lage in Polen durch die italienische Volksmenge beunruhigt wurde, versendet sie eine längere Erklärung an die Preffe, in der es heißt, daß die Angaben Deutschlands über Fortschritte in Polen als Schwindel bezeichnet werden.
Es heißt weiter in der Erklärung, Rußland verlor bei dem russischen Rückzug keinen Mann, Deutschland dagegen Yz Million. Die Deutschen konnten nur besetzen, was dis Russen freiwillig räumten.
wie der russische Barbar in der Ukraine haust.
W. T'-B. Wien, 8. Aug. (Nichtamtlich.) Der Bund zur Befreiung der Ukraine veröffentlicht einen Protest gegen die barbarischen Maßnahmen der russischen Regierung in den Gouvernements Cholm, Grodno, Wolhynien und Podvlien, die eine vollkommene Verwüstung und Enwölkerung bezwecken. Diese Maßnahmen bedeuten eine barbarische Willkür r nd einen unerhörten Gewaltakt an der friedlichen ukrainischen Landbevölkerung. Der Bund richtet an alle freien und gesitteten Nationen einen Aufruf, ihre Stimme gegen die russischen Greueltaten zu erheben zur Verteidigung der Rechte, kulturellen Errungenschaften und des Besitzes des ukrainischen Volkes.
Ein Fackelzug zu Ehren des Thronfolgers in Ofenpest.
W. T.-B. Ofenpest, 8. Aug. (Nichtamtlich.) Gestern abend wurde zu Ehren deS Thronfolgers und seiner Gemahlin ein Fackelzug veranstaltet. Auf eine Begrüßungsansprache des Bürgermsisters antwortete der Thronfolger, indem er für Me Liebe und Anhänglichkeit der unga- rischen Natwn dankte: Ich sowohl wie Me Erzherzogin werden die in historischen Tagen kurbgegcbene Königs treue in unvergeßlicher Erinnerung behalten.
Oie württemberger in ven Narew-KSmpfen.
W. T.-B. Stuttgart, 8. Aug. (Nichtamtlich.) An den König ,st folgendes Telegramm gelangt: Ew. Majestät melde ich untertänigst, daß das Armeekorps nach Erzwingung des Narewübergangs einen neuen Feind in fester Stellung vor sich fand. Wir griffen ihn am Jahrestag des Gefechts von Weitzenburg an und schlugen ihn auf der ganzen Linie. Die 26. Infanteriedivision erzielte im Wetteifer mit preußischen Divisionen des Korps schöne Erfolge. Das Korps entriß dem Feind im Frontalansiurm außer seinen Befestigungen 20 Offiziere, über 4300 Gefangene und 16 Maschinengewehre. General v. Walter.
Bittere Wahrheiten für Sie Regierung.
W. T.-B. Kopenhagen, S. Aug. (Nichtamtlich.) Wie „Rjetsch" zu entnehmen ist, hat in der Duma der Führer der Kadetten Miljukow, dessen Rede in dem amtlichen Auszug unerwähnt geblieben ist, unter großem Beifall der ganzen Linken auSgeführt: Bereits vor einem halben Jahre versammelten wir uns mit dem Gefühl großer Unruhe und sprachen der Regierung in geheimen Sitzungen aus, was öffentlich nicht ausgesprochen werden durfte. Die Regierung antwortete, daß sie unsere Hilfe nicht brauche und ohne uns stetig zu werden hoffe. Jetzr sind wir im Moment der aller- schwersten Prüfungen des Volkes versammelt. Unsere Unruhe hat sich als begründet erwiesen. Die Versicherungen der Regierung erwiesen sich als leere Worte. Das Volk will jetzt selbst da? Versäumte nachholen. Es sendet uns hierher mit dem Befebl, der Regierung die W a h r h e i t zu sagen, Die Aufgabe der Duma, im Lande ein bewußtes poli - t: s ch es Leben einzuführen, wurde von der Regierung in jeder Weife gehemmt. Vollständiges Mißtrauen gegen das Volk ist immer noch der leitende Gedanke unseres politischen Lebens. Die Regierung hat alles getan, um die Patriotin s ch e Begeisterung des Volkes zu vernichten. Selbst dis Beziehungen zu den Verwundeten wurden mißtrauisch beobachtet. Unter dem Vorwand des Kriegszwangs wurden die unsinnigsten Verfolgungen fremder Völker, besonders der Juden, eingeleitet. Erst heute ist nach früheren nebelhaften Aufrufen des Generalissimus das Wort von der Autonomie für Polen gefallen. Gegen die armen russischen Juden wurde eine systematische Drangsalierung robeste: Art unter der Beschuldigung der Spionage durchgeführt, wofür keinerlei Beweise erbracht worden sind- Das sind Maßnahmen, die an die allerwildesten Zeiten des barbarischen Mittelalters erinnern. Hinsichtlich des Prozesses gegen die sozialistischen Dumamitglieder habe ich Einsicht in die Akten genommen und erkannt, daß der Prozeß für alle Zeiten ein Symbol russischer Rechtsverdrehung bleiben wird. Die Verurteilten sind völlig unschuldig. Redner verlangte darauf die Zurückberufung dieser Mitglieder in die Duma und soforiige völlige Amnestie für politische Vertu ccher. Auch das Bestechungsshstem blühe immer weiter. Mit dem Abgang des K r i e g s m i n i st e r s sei es nicht getan, da er die Duma direkt betrogen habe. Redner verlangte eine gerichtliche Untersuchung, da solche Handlungen als Staatsverbrechen zu betrachten seien.
Goremykin durch einen Schlaganfall gelähmt.
Br- Kopenhagen, 8. Ang. (Eig. Drahtbericht. Zens, Mn.) Aus Petersburg wich gemeldet Ministerpräf^
