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..Sobald nun die Negierung eingesehen hatte, daß England durch den Krieg nur gewinnen konnte, benutzte sie jede noch so geringfügige Gelegenheit zum Krieg".Wenn man weiß, unter welchen Antrieben die englische Regierung steht, so be­greift man ohne Muhe, daß es keine noch so abscheuliche Stellung gibt, welche diese Regierung nicht gegen den Konti­nent einnehmen sollte, um dem Unglück zu entrinnen, das mit einem Nationalbankrott verbunden ist".

Buchholz zeigt an der Hand der neuesten Geschichte, wie England immer wieder den Frieden der Welt stört, weil der Krieg ihm ein Geschäftsunternehmen ist; vor allem der Krieg, der mit den Gütern der anderen geführt wird. Und die Reihe .wird nach und nach an alle kommen, denen etwas abzuneh­men ist, und dies wird fortgesetzt, bis alle Hilfsquellen er­schöpft und der gesellschaftliche Zustand Europas eine Total- Nevolution gelitten hat." Heftiger, deklamatorischer, aber im Augenblick nicht weniger interessant ist eine anonyme Schrift tom Jahre 1808:England in seiner tiefsten Erniedrigung", von der der Verlag Müller in München soeben einen Neudruck erscheinen läßt.. Als Verfasser wird ein sonst fast unbekann­ter Karl August von Rade genannt. Die englische Politik wird hier in einer Weise charakterisiert, daß man glauben möchte, es mir einem Werk zu tun zu haben, das nicht vor mehr als 100 Jahren, sondern in unseren Tagen geschrieben worden sei. Rade hat im wesentlichen mit Englands Verhal­ten gegenüber seinen Bundesgenossen, die es zum Vorspann seiner Raubpolitik gemacht, zu tun, mit der treulosen Art, mit der cs dieselben an entscheidenden Punkten im Stich ge­lassen, nachdem es sie ins Verderben gehetzt. Aber ein briti­sches Kabinett kümmert sich nicht um menschliche Rücksichten. Vivtus post nummos. Ob Millionen Menschen unglücklich werden, ob dies Unglück seine treuesten Bundesgenossen trifft, dies kann bei ihm gar nicht in Anschlag kommen, sobald eine von seinen Launen ausgeführt werden soll. Es ist ja so seine Politik, andere der Gefahr bloßzustellen. der man sich nicht selbst aussetzen will." England steckt die Welt in Brand,um auf den Trümmern sein Heil zu suchen." Wenn es sein selbst­süchtiges Ziel erreicht: was kümmert es das andere. Es kennt bloßdie Stimme des Geizes und ist taub gegen die schreiend­sten Vorwürfe seines Gewissens." Solch ein Staat aber ist im Zustand tiefster Erniedrigung,weil er alle Gesetze der Moral mit Füßen tritt und gleichsam wie ein moralisches Scheusal dasteht." Wenn man diese Äußerungen, die mehr als 100 Jahre alt sind, liest, muß man erstaunen, wie wenig die Völ­ker aus der Geschichte gelernt haben. Ehemals hetzte England die Welt gegen Frankreich; heute hetzt es sie gegen Deutsch­land. Dieselben Dinge wiederholen sich, und Englands Bundes­genossen werden heute keine besseren Erfahrungen machen mit dem perfiden Albion wie vor 100 Jahren. Und Ruhe wird niemals sein, bis Englands Einfluß und Macht für immer gebrochen ist.

= Bunte weit, s

Bus der Nriegszeir.

Kunst an die Ostfront! Während unsere Feldgrauen! auf dem westlichen Kriegsschauplatz schon durch mancherlei künst­lerische Genüsse erfreut uinlb erfrischt worden sind, während es dort Konzerte, Vorträge und Theaterausführunaen, sogar auf Freilichtbühne», gibt, war der Osten bisher in dieser Hinsicht stiefmütterlich behandelt worden. Und dabei brauchen die Truppen in Polen und Galizien geistige Anregung noch viel nötiger als die Soldaten, die in Frankreich und Belgien auf altem Kulturboden inmitten einer reichen Kumstwett stchep. Deshalb ist eine Anregung aufs dankbarste zu begrüßen, die von dem Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen, Herrn v. Batccki, ausgeht und ihrer baldigen Ausführung entgegen­reift. Was einer Vortvagsreift an der Ostfront sollen die freundlichen Töne des deutschen Liedes und Gedichtes in dm Kanonendonner hineinhallen und den wackeren Streitern einen erhebenden Gruß aus der Heimalt bringen. Zur Durch­führung dieses Planes, so wird uns auS Königsberg ge­schrieben, hat sich der bekannte Königsberger Schauspieles und VortvagSmeisttt P. du BoiS-Rehmond mit dem Kammer­sänger N- Herold und dem Berliner Schriftsteller ftuflijÄ jfeoe, die beive bei einem LandsturMbataillon in der Pregek- jtadt stehen, znsammengetan, Din geladenes Publikum, unter

dem sich die Spitzen der Königsberger Militär- und Zivi De, Hörden befunden, erhielt dieser Tage durch eine Probevor- führnng den ersten Eindruck von dieser eigenartigen Beraw- staltung, die nicht nur um ihres eigentlichen Zweckes htfUeg, sondern auch durch ihre ganze Anlage und Ausgestaltung cm» gemeine Brachtung verdient.Die Deutschen und der Krieg" lautet das Thema. Ein gedankenvoller Vortrag Babs schlingt die Verbindungsfäden durch ein Jahrtausend deutscher Ge­schichte und rückt die einzelnen Dichtungen und Gesänge, dft charakteristische Proben germanischer Kriegspoesie bieten, inS rechte Licht. Ist durch diese Betrachtungen die passende Stim­mung geschaffen und der Gesichwpnnkt hervorgehoben, unter dem das betreffende Kunstwerk innerhalb des ganzen Pro­gramms gesehen werden soll, dann treten der Rezitator unh der Säuger hervor. Eine ganzes Welt deutschen Wesens und deutschen Kampfes zieht so an uns vorbei. Den düster trotzigen Heldengeist der Urzeit offenbart mit eindringlicher Macht ein Edda-Lied vom Streiten und Fallen in Reckentreue bis auf den letzten Mann. Das feinere, vom Christentum bereits be­rührte Rittertum läßt einen Gesang desNibelungenliedes" anklingen. In kecken Liedern erdröhnt die Werbetrommel dev Lands inechtSzeit, und ihren höchsten Ausdruck findet dies« Stimmu,ng des deutschen Berufssoldaten in Schillers wunder­vollem Reiterlied ausWalleirsteins Lager". Die Töne des Prinz Eugen" undFridericuö Rex" charakterisieren daS 18. JWrhundert, und dann werden wir über die großartige, noch heute jugendfvische Soldatenlyrik der Befreiungskriege, über die volkstümlich lustige Poesie von 1870 (König Wilhelm saß ganz heiler") und die Lyrik Liliencrons zu den Schöpfunt. gen unserer Gegenwart geführt, und aus Gedichten Detzmels, Heymanns, Alb recht Schaeffers u. a., aus den schwermütigen Tönen desösterreichischen Reiterliedes" konnte man ahnen, daß auch aus der Sintflut der neuesten Kriegskunst sich manch unvergängliche Insel der Schönheit emporhelen wird. DaS fein ansgebaute und angeordnete, so außerordentlich farben- und tönereiche Programm, das in seinem deklamatorischen Teil von du Bois-Reymond rqnd in seinem musikalischen von Herold mit bestem Gelingen wiedergcgeben wurde, packte daS Publikum stark und Ivird auch auf unsere jetzt im Osten von Sieg zu Sieg schreitenden Soldaten seine Wirkung nicht ver­fehlen, wenn sie in einer Kampfpause sich zu dieser fried­lichen Erholung versammeln.

O diese Fremdwörter! Wie anderwärts, ist auch in den Mauern der Musenstadt Göttingen der Vernichtungskrieg gegen daS Fremdworts ans dem Geschästsschild entbrannt. Militär-, RegierungS- und Polizeibehörde haben sich zn einem Dreibuind zusammengetan und dem fremdländischen Schmr- rotzertum in den Aufschriften grimme Fehde angefagt. M>t der in unseren, Tagen zum Sprichwort gewordenenmitleids­losen Verfolgung" wird den Eindringlingen in das deutsche! Sprachgebiet zn Leibe gegangen, ganz gleich, ob sie sich dick uni> aufgeblasen in gleißendem Goldgewande auf den Spiegel­scheiben von Schaufenstern breit machen oder skachbriistig hm« gepinselt an nüchterner Mauer kleben. Pardon was zwaö auch ein Fremdwort ist wird nicht gegeben! Da aber dis Ausländer" Sinter den Schildevauffchriften sich aus verschie­denen Gründen nicht immer und überall von heute auf morgen verbannen lassen und noch weniger im Handumdrehen für sie Ersatz zu beschaffen, ist, so geriet mancher GeschäftI- miann in nicht gelinde Verlegenheit. Dazu kam, daß hintetz der freundlichen Aufforderung:ES wird anheimgestellt, diH Inschrift zu entfernen", ein mikitärijHes Verbot für den Fal! der Nichtbefolgung lauerte, das di!e Firmeninhaber dazu an« trieb, so schnell wie möglich reinen Tisch zu machen. Und ft wurde denn zunächst einmal alles, was als ketzerisch boiifj Bannstrahl der Obrigkeit getroffen war, verkratzt, übermalt und mit Papierstrieifen beklebt, ohne Rücksicht darauf, daß solches Verfahren die Schilder bisweilen zn rätselhaften In­schriften werdtn ließ. Die Göttinger sahen aber Wohl diZ Nichtsnutzigkeit des fremden Federschmuckes ein und fügten sich willig den behördlichen Anordnungen. Ja, sie entwi'ckflteß hier und da sogar recht gefunden Humor bei ihrer Aust rottuingsarbeit, wie die kühne Tat eines ehrsamen Bart­scherers beweist. Er, der bis heute einenFrisier-Salon für Damen und Herren," sein Eigentum nannte, ging ebenfalls reumütig hinaus vor sein« Tür urch radierte mit Entschlossen» heit den welschenFrisier-Salon" von Mauex, so ®ifl seinen belustigten Kunden beiderlei (Wchlechis Mt Stunde ein weithjg :Fgx MtstM M öätfP

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