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i Der Roman.!

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1s.,.~a Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblatts, l»=— ai

Nr. 183.

Sonntag, 8. auguft.

1915.

(25. Fortsetzung.) $1*011 &60$ ZT5d)tCf. (Nachdruck verboten.)

Roman von Emma Hanshvfer-Merk.

( , Zwei Tage nach der Ankunft ihres Gatten ging es Mrt Ada zu Ende. Das Herz, das so mühsam gearbeitet hatte, stand in einer plötzlichen Lähmung still und es War erschütternd, wie alt das Gesicht nun schien, das so lange durch das Mienenspiel, das Lächeln der Naiven, den kirchlichen Augenausschlag, einen Schein von Jugend Vorgetäuscht hatte.

Dörnberg zeigte eine diskrete feine Teilnahme und ersparte trotz seiner karg bemessenen Zeit Dr. Roder- tus alle die traurigen Gänge, die ein Todesfall in der Fremde erheischt. Das Begräbnis sollte in München stattfinden, und als Olly und ihr Vater ihre ernste Heimreise antraten, mußten sie sich mit warmen Worten des Dankes von Dornberg verabschieden.

In der Trauerstimmung war nichts von einem Wiedersehen gesprochen worden und unterwegs durchs zuckte Olly plötzlich der Gedanke: ob sie ihm wohl noch einmal im Loben begegnen würde?

Wer erst Monate später, als der Eindruck des Todes sich allmählich verwischte und jene schwere Dumpfheit und Lebensgleichgültigkeit, in die der Verlust eines Nahestehenden Menschen versetzt, sich wieder verlor, als Olly mit lebhafteren Augen in die Zukunft zu blicken vermochte, kehrte ihre Erinnerung oft zu Dörnberg zu­rück. In den traurigen Tagen in Marienbad iioar er rmmer nur der Arzt für sie gewesen. Nun stand er wieder mehr als ein junger Mann vor ihren Augen, yls ein Mann, der sie einmal geliebt hatte! Ob jene heiße Leidenschaft im Laufe der Jahre ganz verblaßt war?

Es -war ein stiller Winter ohne Geselligkeit, ohne Theater, ohne Zerstreuungen.

Felicitas las alle Werke über die Kolonien, deren

t habhaft werden konnte, besuchte auch manchmal eftie rlesung eines „Afrikaners" und -war in Gedanken iben, aber e8 fohlte ihr die Kraft zu einem festen tschluß und sie wartete auf einen Anstoß von außen, auf. eine günstige Gelegenheit, die ihr die Überfahrt erleichtern, sie zu den: schweren Losreißen von der Heimat hindrängen würde.

Olly hatte wohl ihre schriftstellerische Arbeit sort- csetzt, aber jenes stolze, freudige Gefühl, das sie der en' ersten Erfolg durchbebte, kehrte nicht wieder. Ihre Novelle war gedruckt, doch einen großen Effekt hatte sie nicht herdorgerufcn. Es wurde ja so viel geschrieben! Wer kümmerte-sich -um eine heitere Erzählung mehr? Wer las sie nur überhaupt? Auch die Mißerfolge blieben nicht aus und sie erkannte, daß auch das Glück der Arbeit kein dornenloses war.

Sie, die so fertig zu sein geglaubt mit der Liebe Md mit den: Interesse an den Männern, empfand doch etwas wie ein Emporflammen ihrer Lebensgeister, wie Äne Neubelebung, als -eines Tages im Januar eine Karte hereingebvacht -wurde: Dr. Dornberg.

Sie toar nicht allein mit ihm im Salon. Auch

§ elicitas war gerufen worden und sie hatten wohl alle nen ernsten Eindruck bei diesem Wiedersehen. In

diesem Salon, in dem früher so viel Lachen und leb- Haftes gesellschaftliches Loben geherrscht hatte, saßen sie beide nun mit ihren schwarzen Kleidern und auch das Gemach selbst bot nicht mehr den lustigen, kindisch­kunterbunten Anblick von einst. Es war viel ruhiger, stiller eingerichtet, nur das/ große, schöne Bild Adas stand mit einem Lovbeerkranz mit schwarzer Schleif« auf der Staffelet.

„Ich genieße meine Ferien im Winter", sagte Dr. Dornberg, ^möchte mich an verschiedenen Plätzen im bayerischen Gebirge u-msohen, was sich wohl am besten für eine Winterstation eignet. Ich habe so ver­schiedene Pläne und auf der Durchreise wollte ich mich nach Jhroni Befinden erkundigen!"

„Sohr freu'ndlich, Herr Doktor!" sagte Olly. „Mir scheint, so richtig bummeln und nichts tun, das können Sie gar nicht!"

Er sah sie scharf an.

„Nein, das habe ich nicht gelernt; dazu fehlt mir immer die Zeit! Aber wie geht es Ihrem Vater?"

Olly besann sich einen Augenblick. Sie wünschte, daß er bliebe, nicht bloß zu einem kurzen, steifen Be­such, nein, als intimer Freund der Familie, zu behag- lichent Gesprächsaustausch. Aber sie wollte ihn um keinen Preis diesen lebhaften Wunsch erraten lassen. Zum Glück siel ihr ein, daß sie als Tochter des Hauses, in dem Felicitas mehr als Gast weilte — jetzt die Ver­pflichtung zur Gastfreundschaft habe und sie sagte resolut:

„Essen Sie doch mit uns, Herr Doktor. Sie wissen, das ist die einzige stunde, in der man Papa genießen kann!"

.herzlich gern, wenn ich darf!" erwiderte er mit einer Verbeugung. „Ich freue mich auch, Bruno wtoderzusehen. Was treibt er denn?"

„Ach, Bruno! Herr Doktor, Sie haben doch solche Macht über die Menschen!" rief Olly.

„Sie sagen das, gnädiges Fräulein!" unterbrach er sie erstaunt.

„O, ich habe doch gehört, wie Ihre Patientinnen behaupteten, sie gingen ins Wasser, wenn Sie es be­fehlen würden!"

Er lachte. „Ja, wenn die Leute krank sind, dann kriechen sie zu Kreuz und fressen aus der Hand, aber Ihr Bruder —"

„Er ist auch krank; gemütskrank", sagte Felicitas traurig.

„Bruno!" stieß Dr. Dörnberg ganz verblüfft hervor.

„Ach, sehen Sie, Herr Doktor", erklärte Olly. „Er wollte doch eigentlich zur Bühne. Papa wußte davon noch nichts. Das hatte er nur Mama auvertraut. Und nun, da Mama uns entrissen wurde — nun fühlt er sich ganz haltlos. Aber es ist nicht das allein. Er hatte doch allerlei, was ihn wohl erschüttern mußte und dann — seit — seit einem Unfall ist er auch gar nicht mehr hübsch. Das drückt namenlos auf seine Eitelkeit. Schauspieler kann er nun nicht mehr werden, daS