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Verlag Langgaffe 21

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Sonntag, 8. Stugust 1915.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 365. - 63. Jahrgang.

Ein Nordfort von Nswogeorgijewsk genommen!

Der feindliche widerstand Wischen Lomza und vngmündung gebrochen, vom 4. bis 6. August M200 Gefangene, 6 Geschütze und 69 Maschinengewehre erbeutet

Deutscher Krlillerieerfolg in Flandern, weiteres Vordringen gegen oünaburg und die Westfront von Kowno. — Feindliche Stellungen bei Ruskowola gestürmt. — Der Austritt aus

den Seenengen bei Lenczna erzwungen.

Der Tagesbericht vom 7. Rugirst.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 7. Aug. (Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz.

In Flandern wurden die Belgier durch die Wirkung unserer Artillerie gezwungen, ihre bei Herr- nisie (südlich von Dixmuidcn) über die Iser vorge­schobenen Stellungen teilweise zu räumen.

Französische Handgranatenangriffe in der Gegend von S o u ch e z wurden abgrwieseu.

Südlich von Leintrey (östlich von Luneville) wiesen unsere Vorposten einen Vorstoß des Gegners leicht ab.

In den Gebirgskämpfc» nördlich von Munster keine besonderen Ereigniffe.

Westlicher Kriegsschauplatz.

Östlich von Poniewiez gingen die Russen hinter die Jara zurück.

Gegen die Westfront von K o w n o wurden Fort­schritte gemacht. Hierbei sind 500 Russe» ge» fangen genommen und 2 Maschinengewehre erbeutet worden.

Tie Armeen der Generale v. Scholz und v. Gall- witz haben nach heftigen Kämpfen den feindlichen Wioerstand zwischen Lomza und Bug- mündung gebrochen.

Das Gesamtergebnis aus den Kämpfen vom 4. bis 6. August beträgt 85 Offiziere und mehr als 14 200 Mann Gefangene, 6 Geschütze, 8 Minenwerfer und 09 Maschinengewehre genommen.

Die Einschließungstruvpen von Nowogeor» g i j e w s k drangen von Norden her bis zum Narew durch. Das Fort D e m b e wurde genommen. Von Süden her ist die Weichsel bei Plankow erreicht.

In Warschau ist die Lage unverändert. Die Russen setzten die Beschießung der Stadt von dem östlichen Weichseluser aus fort.

Unsere Luftschiffe belegten die Bahnhöfe von N o w o- Minsk und Siedler mit Bomben.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Bei und nördlich I w a n g o r o d ist die Lage un­verändert.

Zwischen Weichsel und Bug haben deutsche Truppen bei Ruskowola (südöstich von Lubartow) die feindlichen Stellungen gestürmt und nordöstlich von Lenczna de» Austritt aus den dortigen Seen- cngen erzwungen. Oberste Heeresleitung.

Jara liegt 60 Kilometer östlich von Poniewiez von Norden nach Süden, Ruskowola liegt 8 Kilometer östlich von Lubartow.

Der Einbruch in die feindlichen Linien zwischen. Lubartow und Lenczna. — Die dritte italienische wffensive bei Görz.

Der Sfterreichlsch««ngarifche Tagesbericht,

W. T.-B. Wien, 7. Aug. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 7. August, mittags:

Russtscher Kriegsschauplatz:

Zwischen Weichsel und Bug wird weiter ge­kämpft. Österreichisch-ungarische Truppen drangen südlich von Lubartow, deutsche nordwestlich und nordöstlich Lenczna in die feindlichen Linien ein.

Sonst ist die Lage im Nordosten unverändert.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Im G ö r z i s ch e» stand das Frvntstück östlich Polazzo-Redipuglia vormittags unter sehr heftigem feindlichen Artilleriefcuer. Nachmittags gingen mehrere italienische Bataillone gegen diesen Abschnitt vor, stellten jedoch nach kurzem Feucrgefecht das Vor­rücken ein.

An allen sonstigen Fronten des Küstenländischen, in Kärnten und Tirol war nur Geschützkampf im Gange.

Der Stellvertreter des Chefs des Gencralstabs: v. Höf er, Feldmarsckalleutuaut.

Vas italienische Unterseeboot »»Nautilus" in die Luft geflogen.

Das am 5. August, früh, durch eines unserer Unter­seeboote versenkte italienische Unterseeboot war „N e r e i d c", das aur 26. Juni aus gleiche Weise ver­nichtete Torpedoboot ist „5 P. N.". Am 29. Juli, abends, ist tm Golfe von Triest ein Fahrzeug auf eine unserer Minen gestoßen und in dir Luft ge­flogen, ohne daß man damals wegen stürmischen Wetters erkunden konnte, welcher Art das Opfer war. Nun hat sich mit voller Bestimmtheit ergeben, daß es das italienische Unterseeboot „Nautilus" war, welches damals mit der ganzen Bemannung untergegangen ist. Schon früher sind das italie­nische Torpedoboot „6 P. N." und das bereits gemeldete Torpedoboot „17 0. 8." mit der ganzen Bemannung unseren Minen zum Opfer gefallen.

Flottenkommando.

Der Kaiser an den König von Württemberg.

Br. Stuttgart, 7. Aug. (Mg. Drahtbericht. Jens. Bln.) Auf ein Glückwunschtelegramm des Königs Var. Württemberg zur Eroberung von Warschau ist vom Kaiser folgende Erwiderung eingogangen' „Kielen herzlichem Dank für Deinen Glückwunsch zur Einnahme Warschaus. Wir dürfen doch jedenfalls darin einen bedewtunigsvollein Schritt sehen -ruf dem Wege, den der allmächtige Gott uns bisher gnädig geführt hat. Im Vertrauen aus ihn werden unsere herrlichen Truppen weiter kämpfen bis zu einem ehren­vollen Frieden."

Der Drden „Pour le merite“ für Prinz Leopold von Bayern:

Berlin, 7. Aug. (Zeus. Bln.) Wie das „Berliner Tage­blatt" meldet, ha? der Kaiser dem Geueralfeldmarschall Prinz Leopold von Bayern, dem Eroberer von Warschau, den Orden Pour Io nuadte verliehen.

Hohe Auszeichnung eines österreichischen Generals.

W. T.-B. Wien, 7. Aug. (Drahtbericht.) Das Armee­verordnungsblatt teilt die Verleihung des Großkreuzes des Leopoldordens mit der Kriegsdekoratton an General der Infanterie Koevesz von Koeveszhaza in Anerkennung der siegreichen Führung seiner Truppen mit.

Die Hiobsbotschaft in der französischen Kammer.

Sr. Haag, 7. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Die Nachricht vonr Falle Warschaus und Jwangorods wurde in der gestrigen Pariser Sitzung der Kammer während der Ver­lesung der Präsidcntenbotschaft bekannt und nach Beendigung dieser Verlesung von den Abgeordneten in einer derartigen Aufregung besprochen, daß der Präsident nur mtt Mühe die Ruhe wiederherstellen konnte. Unmittelbar nach der Plenar­sitzung fand unter dem Vorsitz Poincares ein Minist crr.ii statt. In militärischen Kreisen wird die Lage des russischer Heeres trotz der halbamtlichen Versicherungen Petersburgs als kritisch angesehen.

Noch eine englische Blätterstimme zum Fall Warschaus.

W.T.-B. London, 7. Aug. (Nichtamtlich.) Die „Times" schreibt in einem Leitarttkel: Der FalA Warschaus must jedenfalls die deutsche Nation ermutigen, und die moralische Wirkung auf gewisse Neuttale mutz beträchtlich sein. Un­zweifelhaft ist die Einnahme Warschaus am Ende des ein­jährigen verzweifelten Kampfes ein Markstein in diesem Kriege umid must sehr ernst betinchtet werden, denn sie bedeute eine bestimmte Wärmung an die Alliierten. Die Engländer, die das Ereignis zu verkleinern suchen, erweisen der natto- nalen Sache einen schlechten. Dienst. Die Zeit ist vorüber, too wir uns über die innere Bedeutung grotzer, unangenehmer Ereigniffe wegtäuschen dürften. Die „Times" hofft, dah die russische Armee unversehrt bleibe und Deutschland nicht im­stande sein wird, anderwärts große, ernste Ansttengumgen in absehbarer Zeit zu machen.

„Die Lage ist nicht erfreulich."

Rotterba,n, 7. Aug. (Zens. Bln.) In einer Rekrutie- rungsversammlung sagte Lord Derby, der ftühere Lord des englischen Schatzamtes, er habe vor wenigen Tagen einen Brief von General Sir Jan Hamilton erhalten, in welchein ihn dieser beschwor, mehr Nachschübe zur Verstärkurig der East Lancers (Ulanen) Division hinauszusenden. „Die Lage", fuhr Lord Derby fort, „kann nicht als erfreu­lich bezeichnet werden, besonders in Rußland. Unsererseits haben wir die Dardanellen nicht bezwungen." Er glaube, daß das geschehen werde, aber nur auf Kosten sehr schwerer Kämpfe und Menschenverlustc. An der Westfront sei die Lage

Frankreichs und Englands tatsächlich dieselbe wie im vorigen November. Diese Lage bedeute nicht den Sieg, aber auch nicht endgültige Niederlage. „Mr. Churchill habe kürz­lich im Mansiou House gesagt, wir hätten einen sehr mächti­gen Verbündeten auf unserer Seite, nämlich die Z e i t. Es ist ein mächtiger Verbündeter, aber nur mächtig, wenn wir ihn zu unserem Vorteil ausnutzen und uns in jeder Weise aus den Kamps vorbereiteu." Er protestierte endlich gegen Angriffe auf einzelne Minister und Beamte und sagte, daß, wenn das brittsche Publikum einen Sündenbock brauche, er betonen möchte, daß der wirkliche Sündenbock das britische Volk selbst sei, das bisher nicht auf die Mahnungen der Gefahr hören wollte.

Oer Thronfolger der Donaumonarchie in (vfenpest.

W. T.-B. Ofenpest, 7. Aug. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die Stadt ist anläßlich des Besuchs des Thronfolger­paars festlich geschmückt. Um 11 Uhr 50 Min. traf das Thronfolgerpaar auf dem Ostbahnhof ein. Es fand kein offi­zieller Empfang statt. Bürgermeister Barczy begrüßte namens der Hauptstadt den Thronfolger. Dieser dankte und sagte: Wir schreiten von Triumph zu Triumph. Gott hat unsere Waffen gesegnet, hat unseren braven Truppen bei­gestanden. Die Truppen haben Übermenschliches geleistet. Der Lohn ist nicht ausgeblieben. Der Thronfolger sagte dem Ober- stadthauptmann Broda, die italienische Offensive sei kläg­lich zusammengebro-chen. Die Italiener hätten nach Triest gewollt und trotz ihrer kolossalen Verluste in der Schlacht am Jsonzo von allein 110 000 Mann keinen einzigen Kilometer Boden gewonnen. Sodann folgte die Fahrt durch die festlich geschmückten Straßen unter begeisterten Huldigun­gen einer vieltausendköpfigen Volksmenge in die offene Hof­burg.

Die Erörterung über die Räumung Rigas freigegeben.

Br. Kopenhagen, 7. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die Petersburger Presse beschäftigt sich in längeren Leit­artikeln bereits mit der Erörterung über die Möglichkeit einer kampflosen Räumung auch der Stadt Riga nach des Ost­gebietes an der Rigaischen Bucht durch die „zurückgehende russische Armee".

Die Unterstützung Rußlands durch japanische Munition.

W. T.-B. Paris, 7. Aug. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) ,Petit Paristen" meldet aus Mailand: Ein Mitglied der japa­nischen Militärmission bei der italienischen Armee erklärte be­züglich der Unterstützung, welche Japan an Rußland durch Zu­sendung von Munition gewähre, die technischen Ausschüsse hierfür seien von beiden Regierungen zusammengesetzt und bereits zusammengetreten, um ein Programm zur Erreichung des gemeinsamen Zusammenwirkens festzusetzen. Das Pro­gramm sei augenblicklich in Durchführung begriffen und werde bald i'eine Wirkung auf dem östlichen Kriegsschauplatz geltend machen.

Rußlands verzweifelte Lage.

Just am Jahrestage von Wörth haben sich die Tore von Warschau den siegreichen deutschen Truppen geöffnet. Auf dem Sigismundplatz, wo das alte, stolze Schloß der Herzoge von Masovien ragt und wo der Zar, wenn er seinen Aufenthalt in Warschau nahm, zu wohnen pflegte, stehen heute deutsche Soldaten. Eine mehr als.hundertjährige russische Herr­schaft hat mit dem 6. August 1915 ein u n r ü h m - liches Ende gefunden.

Gewiß, der Fall von Warschau kam nicht uner­wartet. Die russische Heeresleitung, der russische Kriegsminister haben darauf schonend vorbereitet. Aber noch am Vorabend des Falls schrieb der die Stimmung der französischen Regierungskreise wider- spiegelnde „Lemps", daß „selbst bei einem Rückzuge der russischen Armee nach Osten in Warschau eine Gar­nison zurückgelassen werden würde, um die Festung so lange zu halten, bis die russischen Heere in einem Offensivstoß die belagerte Festung wieder entsetzen würden." Von Jwangorods Mauern und Bastionen wehen die deutschen und österreichischen Fah-nen, .War­schau, das noch vor wenigen Wochen als uneinnehmbarer Stützpunkt galt, an dem „sich die Heere der Zentral- nrächte den Schädel einrennen" sollten, ist fest in deutscher Hand. Schon heißt es, daß N o w o georgijewsk, ja sogar vielleicht auch Kowno in wenigen Tagen sein Schicksal teilen werden. Ganz Polen und Litauen sind preisgegebeg. eilig