Verlag Langgafse 21
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^ °^M^JJntjn^fi^6ena46artei^8aniiDrtEn und im Rheingau die be treffenden Tugblatt-Träger. Anjeizen-Annadme: Für dieAiend-AuSg. bislSIIbr
mittaga; für die Morgen-Ausg. bi s S Uhr nachmittags. Berliner Schriftleitung des Wiesbad euer Tagblatts
Samstag, 7. Nugust 1915 .
!2 Ausgaben.
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klbend-klusgabe.
Nr. 364. ♦ 63. Jahrgang.
Nach dem Zall von Warschau und Iwangorod.
Der Bericht der Obersten Heeresleitung gab uns gestern (6. August) eine auffallende Kunde: Die Russen haben, aus dem Hauptteil der Stadt Warschau auf oas rechte Ufer der Weichsel Vertrieben, von der ~ 0 r st adt Praga aus das Sladtinnere Warschaus mit Artillerie und Infanterie lebhaft beschossen. Man darf raum annehmen, daß die Russen geglaubt haben, mit Lie,em Bombardement irgend eine militärische Notwendigkeit, der sich ja schließlich alles unter- ordnen muß, zu erfüllen. Man beschießt eine Stadt, die man erobern will; aber das Bombardement eines Platzes, den man flüchtend verlassen hat, könnte nur dann einen Zweck haben, wenn man annimmt, damit dem siegreichen Feinde starken Abbruch tun oder sein Vordringen hindern zu können. Beides ist nach Lage der Dmge im Fall Warschau so gut wie ausgeschlossen. Die Deutschen werden in der weitver- zweigten Stadt mit ihren zahllosen Gassen und Straßen sich nicht gerade den Geschossen der Russen aussetzen; und ein Übergang über die Weichsel ist wohl auch an anderen Stellen möglich.
... -?j e Schießerei der Russen entspringt also nicht nüli- tarischen Rücksichten; sie hat ihre Ursache in der ohn- in a ch t i g e n Wut der russischen Heeresleitung dar- uoer, datz sie dem gewaltigen Ansturm der verbünderen ^ 5 ?ch-en nicht st a n d z u h a l t e n vermochte und einen kläglichen Rückzug autreten mußte.
^^H»?^chi^ung TÜavfchaus durch die Russen, die redliche Absicht also der bisherigen Machthaber, die schone und berühmte Stadt aufs schwerste zu schädigen, enthüllt södoch die wahren Gedanken der russi- Aen Gewaltherrschaft über die Behandlung und das Schicksal der Provinz Polen. Schaumschlägerei war es, wenn man von russischer Seite vor dem Fall Warschaus verkündete, man wolle durch Räumung der Stadt diese und die Bevölkerung schonen. Das jetzige Bombardement zeigt, wie diese „Schonung" in Wirklichkeit beschaffen ist. Nein, die jetzigen Kanonenschüsse in die bisher unverwüstet gebliebene Hauptstadt Polens hin ein sind als eine Art Abschieds grüß des Mos lowitertums an das polnische Land aufzu fassen!
Die Russen fühlen, daß sie Polen verloren haben. Wie auch immer der Krieg ausgehen möge, daraus kann sich die russische Regierung im Ernst keine Hoffnung mehr machen, daß die polnischen Landstrecken die jetzt von Deutschland und Österreich-Ungarn erobert sliid, und diejenigen, die ihnen auf der russischen Flucht letzt noch zufallen werden, wieder in den Bereich der russischen Knute zurückgelangen könnten. Als Mitte September 1914 die deutschen Truppen in Polen einzogen, da erließ der General v. Morgen eine Proklamtion an. die Einwohner, in der er seine Leut scheg,Truppen als Freunde der Bevölkerung be zeichnete und diese aiufforderte, mit ihnen zusammen die russischen Barbaren zu vertreiben, ,die Euch knechteten", zu vertreiben „aus Eurem schönen Lande, das seine politische und religiöse Freiheit wieder erhalten soll". General v. Morgen verkündete dies als den Willen des deutschen Kaisers.
Die Zeit der Erfüllung dieser Zusage naht heran. Für die Palen ist Rußland stets der Todfeind gewesen. Die Befreiung vom russischen Joche ist die Sehnsucht weitester polnischer Kreise. Sollte das polnische Land nach dem Frieden wieder in russische Hände zurückkommen, so würde ein furchtbares Schreckensregiment die unmittelbare Folge lein. Wir schen ja schon jetzt, wie sich Rußland für ferne Niederlage an den Polen „rächt", indem die russischen Truppen den roten Hahn auf Stadt und Dorf setzen und durch Verwüstung von Lebensmttteln aller Art die unschuldige Bevölkerung in Not und Verzweif lundg versetzen. Wehe den Polen, wenn sie noch je Mals in russische Herrschaft zurückkehven müßten!
I Die Befreiung ist den Polen gebracht. Sie muß sich auch staatsrechtlich und politisch zur Geltung bttn een. Warschau und Polen waren bisher der vorge schabene Posten des Russentums, das seiner ganzen Struktur nach mit Asien verwandt ist und sein richtiges Gesicht nach Sibirien zukehrt. Je mehr das Ergebnis des Krieges dahin geht, Rußland seines europäischen Besitztums zu entäußern, um so besser wird dies für die Aussichten eines zukünftigen Weltfriedens sein, um so mehr wird sich aber auch Rußland seinen eigentlichen Aufgaben, der Erschließung uns Nutzbarmachung der ungeheuren Länderstrecken im Osten und in Sibirien, zuwenden können.
Warschau ist befreit. Das ist ein Symbol: Polen darf nicht wieder in die russifche Hand zurückfallen. Eine der bedeutsamsten Aufgaben der Staatsmänner wird kein, die richtige Lösung für die zukünftige Gestaltung des Polen landes zu Anden,
Jubelnde Begrüßung der deutschen Truppen beim Einzug in Warschau.
Köln, 7 Aug. (Zens. Bln.) Die „Köln. Ztg." erhält von ihrem. im Osten weilenden Berichterstatter über den Einzug der deutschen Truppen in Warschau nachstehenden Bericht:
Warschau ist hrute morgen von den deutschen Truppen genommen worden. Zwei Tage haben unsere Geich ütze ohne Unterbrechung vor den Festungswerken ihre dumpftönendc eherne Sprache geredet, da die Russen nach Ausgabe der Blonielinie es nochmals versuchten, den deutschen Bormarsch aufzuhalten. Noch in der letzten Nacht dauerte die gesteigerte heftige Beschießung mit der ganzen Artillerie des Feldheeres an. Jedoch schon um: 1 U h r räumten die Ruffen das von den Bayern bedrängte Fort « der äußeren Linie. Bald darauf griffen Württem- bcrgcr, Sachsen und Preußen die weiteren acht Werke an. Tr* den Bastionen von Werk 7, 7a, 8 und 9 kämpften preußische Regimenter, die sich, wie die Sachsen vor Werk 5, schon tags zuvor bis an die Drahtverhaue herangearbeitet hatten. Uber die nassen Gräben stürmend, drängten sie nun vor. Es entspannen sich auf der ganzen westlichen Angriffs- t** 1 .!** heftige Kämpfe. Wir erlitten keine übermäßigen Verluste. Bon einer freiwilligen Ausgabe Warschaus kann keine Rede sein. Die Russen wurden regelrecht von unfern Truppen h i n a u s g e s ch l a ge ». Sre leisteten vor und in der stark befestigten inneren Bertei- digungslznie des engeren Fortsgürtels keinen weiter» Widerstand. Bei ihrem Zurückgehen durch die Stadt bis auf das östliche Wcichsclufcr, wo sie sich auf die um die Vorstadt Praga errichteten Festungswerke nochmals stübten, sprengten die Russen alle großen Weich sclbrücken. In den genommenen Westwcrken erbeuteten wir Maschinengewehre und Geschütze aller Kaliber. Warschau selbst hat bei der Beschießung so gut wie gar nicht" gelitten, beim Ein zug unserer sich in der besten Verfassung befindenden Truppen bemächtigte sich der Bevölkerung ein geradezu * “ “J * q« h ,il r Freudenzustand. Alles drängte sich aus den Marschstraßen zusammen. Man winkte den singend ernzrehenden Regimentern zu, lachte, jubelte, so daß der Ein. ?*'l r /'* e I" em Triumphzuge glich. Die ganze West
stadt war auf den Beinen. Erst in den nahe der Weichsel gc- legenen Straßen änderte sich das prachtvolle Eiuzugsbttd. Dort wurden die Straßenzüge leer, denn es entspann sich so- fort ein kräftiges N a ch h u t g e f e ch t, in das zur Unter- stutzung der Infanterie Maschinengewehrabteilungen und Artillerie mit eingrisfen. Hier an der Weichsel pfiffen die Jnfanteriekugeln, zeigte sich vor dem Schloß und in deffen Umgebung ein Bild erregten Kampfes. Dort standen Infanterie-Reserven m Bereitschaft, und im Schloßgarten lagen 2c "*?. ,m ^fccht, wobei die Maschinengewehre ohne Aussehen hämmerten. Nun weht also die dentis che Fahne, die ich heute in der Morgenfrühe zuerst über den Werken von Fort b sah, über dem stolzen Warschau Unter d°m Befehl des Generals der Infanterie von Sch . stan den d.e angrerfenden Truppen, die sich glänzend geschla^ gen haben. Regimenter der Division des Generals H
Truppen in die Hauptstadt Polens
ern. General G-wurde zum Gouverneur vvn
a r s ch a u ernannt.
„ » w SrI l n ' a ‘'Jl 5 '», ® 0 nif. Mn.) Wie die Svnderbericht- crstatter des „B. L.-A." und des „B. T." melde,-, erfolgte am
?• der Einzua der deutschen Truppen
,n Warschau. Die Forts waren durch Drahtverhaue, Gruben, Minen und Graben gegen Jnfantcricangriffc stark befestiat und die Truppen hatten in den beiden letzten Tagen und Nachten noch beträchtliche Kämpfe zu bestehen Lle Erdwerke wiesen mehrere Volltreffer deutscher Artillerie anf Warschau ist also durchaus nicht kampflos geräumt worden. Die Zerstörung in der «tadt nnd in der Umgebung ist kebr «"-"gfiigig da die Bevölkerung sich weigerte, den Zer- storiingsbcfrhl der zurückweichcnden Russen ousznführen Beim Einzug waren die Straßen voll von Menschen, die allen deutschen Offizieren nnd Soldaten einen freudigen ja jubelnden Empfang bereitetem Fast alle Grschätte sind geöffnet. Die elektrische Straßenbahn verkehrt wi- ac wöhnlich. In den Straßen tat während de? Einzugs der Truppen Biirgermiliz P-lizcid-cnst.
Die kritische Lage.
Die unverantrvortliche Haltung der Wcstmächte.
»n. Wien, 7. Aug. (Eig. Drahtvericht, Zens. Mn.) Nach einer Meldung der Korrespondenz Rundschau steht der qnil-- tärtritiker des „Rjetsch" nicht an, zu erklären, daß sich die Lage äußerst kritisch gestalte. Er warnt davor, das Land über die drohende Gefahr im unklaren zu lassen. Mit unverkennba-er Gereiztheit wendet sich die russische Öffentlichkeit gegen die Alliierten. „Rußkj Invalid" sugl, diese hätten sich einfach unverantwortlich benommen. Es wäre ihre Pflicht gewesen, wenigstens anf kurze Zeit einen energischen M a s s e n st o ß zu unternehmen. Vielleicht wäre es ihnen gelungen, den Feind zu überraschen nnd zu entmutigen oder sogar auf feindliches Gebiet vorzudringcn. Die deutsche Frour im Westen sei ein Spinngewebe, das man mit einigem guten Willen hätte zerreißen können.
von der verfallenden Russenherrschaft in polen.
Der Widerstand der Polen gegen die ErntevcrnichtUng.
IV. T.-B. Ofenpest, 6. Aug. (Nichtamtlich.) Der „Pester Lloyd" schreibt über den Fall von Warschau und Jwangorod:
Lange, ehe die verhündeten Heere in die Hauptstadt Polens eingezogen sind, haben sich die erschreckenden Zeichen vollständiger Desorganisation und des Berfalls in Polen bemerkbar gemacht. Militärische Einberufungen konnten in Russisch-Polen nicht mehr durchgeführt werden. Der- Stab der im Rauni um Warschau stationierten 8. und- Armee wurde, verhaftet, mehrere Personen vom Stab erschossen. Der Zar, der so gern die Stimme der rusiischen Erde hören wollte, mutz wohl keine Kenntnis davon haben, datz polnische Bauern um Warschau gegen die russischen Soldaten, die auf Befehl dieSaatenvernichten sollten, in höchster Erbitterung revoltiert haben, so daß von einer Vernichtung der Saaten im Gebiet von Warschau abgesehen wurde. Die russischen Beamten polnischer Rationalität haben die Befolgung des Befehls a b g e l e h n t, Warschau zu verlassen, obzwar ihnen für den Dienst im Innern Rußlands 50 Prozent Gehaltserhöhung zugesagt wurde.
Das russische Eingeständnis der Preisgabe ) Warschaus.
W. T.-B. Petersburg, 6. Aug. (Nichtamtlich.) Der Generalstab des Generalissimus teilt mit: Infolge der Verhältnisse der allgemeinen Lage erhielten .unsere Truppen westlich Warschau den Befehl, auf das rechte Weichselufer zurückzugehen. Nach dem eingeganaenen Bericht wurde dieser Befehl ausgcführt. Die Truppen, die Warschau deckten, gingen am 8. August, 5 Uhr morgens, ohne vom Feind- angegriffan zu werden (Darüber berichtet unser Tagesbericht die Wahrheit. Schrift!.), in die neue ihnen bezöichnete Front zurück, nachdem sie a l l e B r ü ck e n über die Weichsel hinter sich in die Lust gesprengt hatten. In der Richtung aus R i g a wich der Feind nach den Kämpfen an der Mirre am 4. August in voller Eile zu dem Flusse Eck an zurück, indem er in seinen Schützengräben viele Granaten und Munition zurückließ. In der Gegend von PoniewieA dauern die Kämpfe cm.. Es gelang den Deutschen von neuem, ein wenig vorzurücken. An der Narewstont unternahmen die Deutsche^, Angriffe in der Richltulnig aus Lomscha und vor der Front Ostrolenka - Rozan; sie ergriffen die Offensive mit bedeutenden Kräften auf de»» Straßen nach O st r o w. Am 4. August wurde ein Kampf mit äußerster Erbitterung tat Abschnitt des Oje-Flufses geliefertt Unsere Truppen machten gegen den Feind, der diesen Flutz an mehreren Stellen überschritten hat. energische Gegenangriffe. Rechts der Weichsel bei Matzievitze ist die Lage int großen nnd gangen unverändert- In der Gegend von I w a n- gorod gingen unsere Truppen, ohne vom Feinde angegriffen zu werden, aus das rechte Weichseluser himülber, indem sie die Brücken hinter sich sprengten. Zwischen Weichsel und Bug warfen unsere Truppen spät abends am 3. d. M. die Deuffchen unter außerordentlichen Verlusten für den Feind zurück. An zahlreichen Punkten der Fronten gaben diese örtlichen Erfolge, die durch kurze Verfolgung ausgenutzt wur- tat, unseren Truppen die Möglichkeit, in derselben^ Nacht, ohne daran gehindert zu werden, eine neme vorteilhafte Front (!) auf dem linken Bugufer sowie in der Richtumlg Wladimir - Wolynski (in dem die Deutschen bekanntlich schon seit drei Tagen sind! Schriftl.) K o w e 5 einzunehmen. Am oberen Bug, an der Zlota-Lipa, und aitt Dnjestr keine Veränderung.— Im Schwarzen Meer wechselten unsere Torpedoboote Schüsse mit den Batterien von Eregli, versenkten 37 Segelschiffe und zerstörten die Schiffswerft.
versenkten 37 Segelschiffe
Petersburg erwartet die Ausrufung eines Königreichs Polen?
Le- Amsterdam, 7. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zenf. Mn.) „Daily Chronicle" meldet aus Petersburg: Hiesige diplomatische Kreise erwarten die Ausrufung des Königreichs Polen unter der Suzeränität der Hohenzollern oder Habsburger mit dem Erzherzog Karl Stephan als König. Das Königreich dürfte voraussichtlich folgendes Gebiet umfassend Russisch-Polen, den polnischen Teil von Posen und den größten Teil von Galizien. Der Erzherzog wohne in Galizien und seine polnischen Sympathien seien bekannt.
Daß in Petersburger Drplomatenkreisen derartiges gerodet wird, ist möglich, daß es ein bloßes Gerede und von uns irgendwelche Entschließungen über das Schicksal Polens noch nicht gefaßt sind, ist selbstverständlich, daß aber eine englische Zeitung derartige Phantasien veröffentlicht, ist charakteristisch dafür, wie man selbst in England die Hoffnung auf die W-i ed evi e r o b c r u n g Polens durch die Russen einschätzl.
Der Lichtschimmer der polen.
In Erwartung eines Manifestes.
Rr- Wien, 7. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. An.)' Der Obmann des obersten polnischen Nationalkomitees I a w o r s k i äußerte sich nach dem Eintreffen der Nachricht vom Falle Warschaus, wie folgt: Die Polen sehen endlich einen L i ch t s ch i nt m e r, den die Dunkelheit ihres Schicksales zerstreuen will. Wir hegen nicht den geringsten Zweifel, daß ein M a n i f e st an die polnische Nation zur Veröffentlichung gelangt. Wir möchten, daß man allgemein erfasse, welche großen politischen Folgen der Inhalt dieses Manifestes nach sich zu
