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Samstag, 7. August 1915.
Morgen - Ausgabe.
Nr. 363. - 63. Jahrgang.
Lin italienisches Unterseeboot in der Adria versenkt.
Vernichtung eines italienischen Lustschisses.
weitere erfolgreiche ReiterKämpfe in Uurland. — Erfolgreicher Vorstotz gegen den oberen Narew. — Luftbefchietzung von Sialostok. — Erweiterung unserer Stellungen am östlichen Weichselufer. — Die verfolgungskämpse der Armee Machensen.
Der Tagesbericht vom 6. August.
W. T.-B- Großes Hauptquartier, 6. Aug. (Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
Der Kampf am Lingekopf und südlich davon dauert noch an.
Durch unsere Abwehrgeschütze wurden 4 feindliche Flugzeuge zum Landen gezwungen. Eins davon verbrannte, eins wurde zerschossen.
An der KLste fiel ein französisches Wasser- flugzeug mit seinen Insassen in unsere Hand.
«östlicher Kriegsschauplatz.
In Kurland fanden in Gegend von Popel (66 Kilometer nordöstlich von Ponnowicz) und bei K»warst und Kurkle (nordöstlich von Wilkomierz) für uns erfolgreichr Reite rk ämpse statt.
An der Narew-Front, südlich von Lomzha, machten dir deuffchen Armeen trotz hartnäckigen Widerstandes der Russen weitere Fortschritte.
Zwischen Bugmünd ung und R a s i e l S k durchstießen Einschliehnngsrrnppen von RowogeorgijewSk eine feindliche Stellung südlich von Blendvstwo und drangen gegen den oberen Narew vor.
Unser Luftschifsgeschwader belegte die Bahnhofsanlagen von Bsialostok mit Bomben.
Südöstlich« Kriegsschauplatz.
Unsere über die Weichsel vorgedrungenen Truppen nahmen einige feindtichc Stellungen. Feindliche Gegenangriffe blieben erfolglos.
Die Armee des Gencralseldmarschalls von Macken- fen fetzte die Bersolgnngskämpfe fort. Nordöstlich von Nowo-Älexandria wurde der Gegner von österreichische,ngarffchen Truppen, bei Sawi« (nordöstlich von Kolm) von Deutschen aus seinen Stellungen geworfen.
Wie in dem gestrigen Tagesbericht erwähnt, batten die Russen, nachdem sie aus der äußeren und inneren Fortslinir von Warschau geworfen waren, ohne daß dir Stadt irgendwie in MitleidensckMst gezogen war, diese geräumt und waren noch Prag« auf das rechte Weichselnser zurückgewichen. Bo» dori aus beschießen sie seit gestern morgen daö Sta,dtinnere Warschaus stark durch Artillerie und Infanterie. Besonders scheinen die Russen es auf die Zerstörung des alten polnischen Königsschloffes abgesehen zu haben. Unseren Truppen wird in einer Stadt von der Größe Warschaus natürlich durch solches Streufeuer kein Schaden zugesügt. Man wird aber hiernach nicht gut die russffche Behauptung glauben können, daß die Räumung der polnischen Hanptstadt aus Schonungsrücksichten erfolgt fei.
Die oberste Heeresleitung.
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veschietzung von Warschau durch die Russen vom rechten wetchselufers
(Bon unserer Berliner Schriftleitu ng.)
8. Berlin, 6. Aug. (Eig. Meldung. Jens. Mn.) Die von uns und unseren Verbündeten besetzten Festungen Warschau und Jwangorod sind die Kernpunkte der wichtigsten riffsischen Weichselbefestiq-uug gewesen. Warschau vor allem war die Bu s »s für den gauzen russischen Aufmarsch, wie für die Operationen in Polen und aus Polen heraus. Bride Festungen liegen an besonders wichtigen Eisenbahnlinien, die dort zusammenstießen und an dem wichtigsten westrussischen Stromlauf Besonders große Bedeutung hatten beide Festungen für die Verteidigung im operativen Sinn. Der Fall beider Festungen verlegt die russischen Operationen weiter nach O st e n: Wie weit, darüber läßt sich natürlich heute noch nichts sagen. Die Vorteile der beiden beseitigten Plätze sind in unsere Hände übergegangen. J«i Lbri»«l haben die Russen die Forts von Jwangorod völlig zerstört, die Forts von Warschau aber, die nach russischen Angaben schon 1313 zur Schleifung bestimmt waren, haben die Unseren völlig erhalten vorgefunden. Heute kalten die Russen noch das recht« Weichselufer und Koben von dort ans gestern die Stadt Warschau unter intensivem Artbblerie-ßeurr gehalten. Wenn die Russen also behaupten sollten, sie hätten Warschau gern u m t, um dir Stadt zu f ch on e n, so ist das ein p l u m - p«r S ch w i nd es. Di« Russen sind einfach zurückgegange«, sie sich außerstande ffchtterr, Marschau zu halte«. Der
Fall beider Festungen soll natürlich nicht überschätzt werden. ES sind nur Plätze, und der Krieg wird durch Menschen entschieden werden. In diesem Sinne ist der Fall Warschaus und Jwangorods nnr ein Schritt vorwärts in dem Rahmen der ganzen großangelegten Operation. Aber zumal der Fall von Warschau zeigt, bis zu welchem Grad die russische Armee zermürbt ist. Hindenbnrg und die Seinen werden das Ihrige tun, dieser Zermürbung und Auflösung der russischen Armee nach Kräften zu fördern.
Oie Vernichtung des italienischen Unterseebootes und Luftschiffes.
W. T.-B. Wien, «. August. (Nichtamtlich, Drahtber.) Amtlich verlautet vom 6. August: Eines unserer Unterseeboote versenkte ein italienisches Unterseeboot vom Typ „Nautilus". Das italienische Luftschiff „Citta di Jefi" wurde über Pola durch Schrapneüsener hernntergeholt. (Vergl. auch österreichisch-ungarischen Lagebericht.)
Seit dem 23. März, dem Tage ihrer Kriegserklärung, haben die Italiener außer ihren Mißerfolgen zu Land auch schon so manchen Verlust zur See zu verzeichnen, womit sie also auch in dieser Hinsicht ihren Verbündeten nichts nachgeben. Wie die französischen Panzerkreuzer „Courbet", „Jean Bart" und „Leon Gambetta", wie der englische Kreuzer „Liverpool" in der Adria durch österreichische Unter-ee- boote zerstört wurden, so sah Italien ebenfalls schon zwei stattliche Admiralschiiffe „A m a l f i" und „G u i- seppe Garibaldi" und zwei Unterseeboote in dieselben Fluten sinken.
Jetzt folgt mit dem italienischen Unterseeboot vom Typ „Nautilus" das dritte dieser Art Kriegsschiffe. Aber mit diesem Erfolg ließ sich un>er Verbündeter nicht begnügen. Auch ein italienisches Luftschiff, das Pola, dem österreichischen Kriegshasen, einen Besuch abzustatten gedachte, um dort soine ehernen Grüße zu hintcrlassen, mußte das Schicksal eines ferner Vorgänger, der „Crtta di Ferrara", teilen, indem es durch Schrapnellseuer tödlich getroffen als ein Hausen brennender Trümmer und Fetzen niederstürzte.
Wir gönnen unseren Verbündeten diese Erfolge aufrichtig und freuen uns mit ihnen. Trotz aller Vorsicht und Zurückhaltung der Gegner gelingt es den österreichisch-ungarischen Streitkrästen als den Klügeren doch immer wieder, dem Feinde eins auszuwi'chrn. Italien bsansprucht die Herrschaft über die Wria. Bis jetzt hat es sich dieses Vorzuges jedoch noch in keiner Weise würdig gezeigt.
Neue Kredite für Italic« in England.
Br. Lugano, 6. Awg. (Eig. DrahLbericht. Zeus. Mn.) Wie „Co-rriere della Sera" mittßttt, haben Me BerhandLunqerl der italienischen Regierung mit dem englischen SrhatzVcmzler zum Abschluß eines bedeutenden Kredits zugunsten- Italiens geführt.
Die Versenkung ves „Garibaldi".
Mißbrauch der Genfer Flagge durch italienische Zerstörer.
W. T.-B. Wien, 6. Aug. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Aus dem KriegSpressequartier wird gemeldet: über die Versenkung deS „Guiseppe Garibaldi" werden von m> figrbender Seite noch folgende Einzelheiten mitgeteilt: „Garibaldi" fuhr im Verband von feindlichen Flottille- beuzeru und Torpedobooten, worrmter sich drei Kreuzer vom Thp „Garibaldi" und einer vom Typ „Bettor Pisani" befanden. TaS Unterseeboot lancierte ein Torpedo, das den „Garilntldi" traf. Dir drei anderen Kreuzer flohen. Die Matrosen des „Garibaldi" sprangen mit RettungSgürteln ins Meer: der Kreuzer versank in 5 Minuten. Die Matrosen wnrden von den zurückgebliebenen Zerstörern ausgenommen. Kaum begannen diese das Rettungswerk, als der Untcrsee- bootskommandant mi» Erstaunen sah, daß ans jedem Zerstörer die Genfer Flagge hochging, daß sich diese also unter den Schutz der völkerrechtlichen Vereinbarungen stellen wollten, der ihnen keineswegs zukam. Das Unterseeboot versuchte, rährrznfahren: doch kaum war cs entdeckt, als sich diese merkwürdigen Spitalschifse auf das Unterseeboot stürzten, um es zu überrenne«. Sie erzielten zwar keinen Erfolg, aber die gegnerische Kriegführung erscheint durch den kraffen Mißbrauch der Genfer Flagge und die hinterlistige Handlungsweise auf das treffendste gekennzeichnet. Im all- ge«»tzinW dürste das-ichnellv Wechseln der Flqgge bei der
italienischen Marine zur Gewohnheit geworden sein. Die Zerstörer verließen nach einstündiger Bergnngsarbeit den Schauplatz ihres Mißerfolgs.
Unter zahlreichen aus dem Wasser gefischten Gegenständen befand sich die Flagge des italienischen Bi-z«- o d m i r a l s, woraus zweifellos, hervorgeht, daß der „Garibaldi" das Flaggschiff der vor Ragnsa operierenden Flotte war. Der „Garibaldi" ist somit das vierte Admiralfchiff, das unseren Unterseebooten zum Opfer siel. Die bisher vernichteten Admiralschiffe sind die französischen „Jean Bart" Bizeadmiral Bauer de Lapeyrrre), „Leon Gambetta" (Konteradmiral Sanes), nnd die italienischen „A m a l f i", Flaggschiff der 3. Division. „Garibaldi", Flaggschiff der 5. Division.
von den östlichen Kriegsschauplätzen.
Oer Kaiser bei der Rrmee-klbkeilung woqrsch
Aus dem Großen Hauptquartier wird uns geschrieben:
Am 17. IM hatte das zu diesen Zwecke aus der Division B r e d o w verstärkte Landwehrkorps die stark ausgebaute und von einer Elitetruppe Rußlands, dem Moskauer Grenadier-Korps verteidigte Stellimg nordöstlich S i e n n o gestürmt.
Der erste Durchbruch durch das feindliche Drahthindernis verdankt sein Gelingen dem heldenmütigen Entschluß der Leutnants Wilcke und Gerbing vom Land- wehr-Jnsarrterie-Regiment Nr. 7 und «des Leutnants Zoll vom Landwchr-Jnsanterie-Regiment Rr. 6, die, gefolgt von einigen ihrer Landwchrlente, sich im feindlichen Feuer eine schmale Gasse durch das Hindernis schnitten und den nachfolgenden Sturmtruppen den Weg «bahnten.
Der 18. Juli brachte die kräftige Verfolgung des Gegners an den Jlzanka-Abschnitt, besten Nord- rand wieder als starke Stellung mit Hindernissen aus- gebant war. Sie wurde in der Nacht zum 19. bei Ciepielow und Kasanow durchbrochen. Unter sehr schweren Verlusten flüchtete das Grenadier-Korps in den Schutz der östlich Zwolen in mehrmonatiger Inge» nieurarbeit vorbereiteten Außenstellung der Festung Jwangorod, die seit längerer Zeit von allen ruffischen Gefangenen als uneinnehmbar bezeichnet war.
Ter beispiellosen Angrisssfreucdig- keit der von der Artillerie gut unterstützten schtefischen Landwehr gelang es in der Nacht vom 20. zum 21. Juli, auch diese Stellung einzudrücken und den Gegner in die engere Festungsstellung zurückzuwerfen.
Über 7000 Gefangene, viele Maschinengewehre waren die Beute lder tapferen Landwehr.
Stolz konnte der Führer der Angriffstruppen, der General der Kavallerie Freiherr v. König, ihnen zu» rufen: „UnverwelMchen Lorbeer habt ihr euch erworben, das Vaterland, insbesondere die schlesische Heimat, wird dankbar euerer Siege gedenken, nun toleiter, bis der Feind völlig am Boden liegt."
Die größte und schönste Anerkennung aber ward' der Truppe hadurch, daß es sich unser Oberster K r ie g s h c r r nicht nehmen ließ, ihr perßinlich seinen kaiserlichen Dank für die vollbrachten Taten zu sagen.
Am Morgen des 23. traf Seme Majestät auf dem Gesechtsselde ein, wo Abordnungen unmittelbar vor einem erstürmten russischen Berg, aus dem die baut" sche Flagge stolz im Winde wehte, Aufstellung genommen -Hütten. Huldvollst begrüßte Seine Majestät die sich dort meldenden Führer, den General der -Kavallerie Freiherr v. König und den Generalleutnant Grafen Bredow, und überreichte beiden Preußens höchsten Kriegsorden, den Orden Pour le murrte, nachdem dem verdienten Armeesührer, Generaloberst v. Woyesch, bereits vorher das Eichenlaub zu diesem Orden, und seinem Chef, Oberstleutnant Heye, -das Ritterkreuz des Hohenzollernschen Hausordens verliehen worden war.
Nach Abschreiten der Front der Wordnungen, wobei Seine Majestät jeden Offizier und Wann durch ein« Ansprache auszeichnete und vielen das Eiserne KreUK selbst übergab, wurde die russische Stellung einer- 'ein» gehenden Besichtigung unterzogen. Höchstes JutarLsttz erweckte die Sorgfalt, mit welcher die Stellung ausge- baut war. Anschließend hieran sprach Seine Majestät «den Abordnungen seinen kaiserlichen Dank aus 'rmÄ trug ihnen auf, denselben auch den .K a nr e ra-cd-e n zu übermitteln, die vorn in den Schützengnrä pk tt treue Atzacht vor den letzten Stellungen dye-
