Einzelbild herunterladen
 

Beilage zum Wiesduüener Tugklatt.

Uo. 665. Morgen-Ausgabe.

Dienstag, den 36. Dezember.

56. Jahrgang. 1V6L.

Nur Derjenige, welcher gelernt hat, einige Wenige so -» ba§ tr Mr sie sterben kann, wird im Stande

sein, für Viele schön zu lebe».

Ellen Key, Das Jahrhundert des Kindes,

?

Ü S.

* 9 ¥WW***W*WWW 9 WW¥¥¥*WWW¥*WW 99 ¥¥¥¥ 9 W 9 ¥* (18. Fortsetzung^

Ich-

Rvman von Iba Boy-Ed.

Gegen vier Uhr kam Hänschen. Das glückliche Kind, das heute rm Hause im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand, ward von Olga freudig bewillkommt. Endlich ein Wesen, mit dem sie plaudern konnte — sein Liebling. Ungestüm zog sie ihn an sich. Er mußte Alles von gestern noch einmal erzählen, der Name „Albert" glitt unauf- horlich von seinen oder Olgas Lippen. Hänschen er­zählte auch, daß Mama mit ihm zu Papa ins Comptoir gefahren sei, daß sie dann zusammen nach Söhlke ge­gangen wären, woselbst Mama ihm eine kleine Uniform gekauft habe, gerade solche, wie Leutnant Defsky trage, er wolle sie nachher anziehen. Auch eine Schachtel Chokolcwe habe er bekommen. Mama äße mit Papa der Hrller und habe eine Karte an Defsky geschrieben, daß der auch hinkäme, sie wollten von da ins Theater, und ihn habe der Johann nach Hause gefahren. Es gab Olga einen Stich durchs Herz — nicht einmal nachzusehen kam man inzwischen nach Hause, ob ihr Befinden schlimmer geworden.

Sie legte den Kopf zurück und träumte zum Plafond empor: Ja, Albert hatte recht, hier im Hause dachte jeder nur an das eigne Ich, Vielleicht hätte sie es nicht anders gemacht, wenn Agnes die Leidende gewesen wäre. Richtig, rm Februar hatte Agnes einmal Zahnweh irnd litt sehr, aber Olga fuhr mit Gustav zu einem Ball, auf den airch Agnes sich so gefreut gehabt. Agnes mußte es aber nicht empfunden haben, sonst könnte sie es sicher nicht über sich gewinnen, es jemand Anderen anzuthun.

„Hansi", sagte Olga, sich gewaltsam aus ihren Be- trachtungen reißend, „nun wollen wir essen, und nachher spiele ich mit Dir."

„Ach!" rief er glücklich.

„Klementine soll hier decken, und Du bist , mein Kavalier. Bitte, mein Herr, wollen Sie die Gefällig- kert haben, zu klingeln. Möchten Sie mir mich die Vase von nebenan mit dem Bouquet holen und auf den Kamin stellen."

Hansi lief vergnügt hin und her, half dann dem etwas mürrischen Wilhelm, dem es nicht paßte, das

Essen zwei Treppen hoch zu tragen, fragte seine Dame: „Befehlen Sie Wein, meine Gnädige?" und lachte immer­zu. Das kindische Spiel vergnügte auch Olga, sie gab allerlei Thorhesten an und fand ein dankbares Publikum. Dann brachte Wilhelm die Lampe, deckte einen rosa Schleier über die Milchkuppel, zog die Vorhänge zu und fragte, ob das Fräulein ihm gestatt^ für sich aus- zugehen.

„Meinetwegen könnt ihr Alle ausgehen", sagte Olga, sich behaglich unter ihrer Decke streckend, „wenn nur einer dableibt, auf die Thür zu passen und unsrer Befehle gewärtig zu sein."

Ein unbeschreibliches Gefühl der Zufriedenheit dehnte ihren Körper wohlig aus. Es war so heimlich, so warm im Zimmer, die Kaminflammen lohten ruhig, der rosige Lampenschein füllte den Raum, Hansi hatte heiße Bäck­chen und schmeichelte mit ihr herum. Im ganzen Hause herrschte SAiw. Sie waren allein wie auf einer Insel des Friedens. Und im Behagen dieser anspruchlosen, schönen Stunde begriff Olga erst ganz die Noch der Ein­samkeit, bte das arme Kind von der Schwelle dieses Hauses getrieben. Eine Thräne füllte ihr Auge, sie zog Hans an ihre Brust, und ein Gelöbniß, das mehr Em­pfindung als Gedanke war, bewegte ihr Herz.

Es mochte gegen acht Uhr sein, als Olga und Hansi aus ihrem Geplauder aufgeschreckt wurden: Jemand

klopfte an die Thür und öffnete diese sofort, ehe noch das junge Mädchen „Herein!" rufen konnte.

„Onkel Albert!" jubelte Hansi auf, sprang ihm ent­gegen und streckte seine Aermchen an chm empor.

Olga richtete sich erglühend halb auf und zog ihre von den Knieen herabgeglittene Decke an sich. Albert blieb ein wenig zögernd stehen. Es war zwar nicht das erste Mal, daß er Olgas Wohnzimmer betrat, aber da Klementine chn ohne Weiteres hinaufgesckickt hatte, er- wartete er nicht Olga liegend und im Neglige zu finden. Vom rosigen Lampenlicht überstrahlt, das züchtige Ge­wand mtt seidenen Bändern hoch am Halse und an den Handgelenken geschlossen, das reiche dunkle Haar sehr lose um den Kopf gewunden, sah Olga so schön aus, wie Albert sie nie gesehen. Sie schaute chm befangen und glücklich entgegen und sagte:

„Das ist hübsch. Albert, daß wenigstens Sie keine Angst haben, sich mir zu nähern."

„Klementine sagte mir mir. Sie seien erkaltet, ist es mehr? Sie sprechen von Angst?"

„Agnes fürchtete sich, sie ist den ganzen Tag dem Hause fern geblieben."

. „Und sie läßt Hansi zu Ihnen?" fragte er mit brtterem Ausdruck.

„Zum Glück", meinte Olga begütigend, „ist hier von kemer Gefahr die Rede; morgen bin ich wieder gesund.'"

„Wie behaglich es hier oben ist!" sagw Alberst sich umschauend.

„Und Tante Olga und ich haben uns so schön zu­sammen amüsirt wie noch nie", erzählte Hansi; „Damm und Mühle haben wir gespielt, und, eine ganze Schlacht haben wir gemacht; Tante Olga hat die Artillerie gehabt und mit den Kanonen alle meine Soldaten todtgeschossen."

„Aha", meinte Albert, einige trockne Erbsen von der Tischdecke lesend, „hier liegen noch die Kanonenkugeln umher."

„Mama hat mir auch eine Uniform geschenkt, ich will sie Dir zeigen", rief der Knabe und lief hinaus.

„Sie sind heute gut mit dem Kinde", sprach Albert, dem jungen Mädchen in die Augen sehend, „werden Sv es bleiben?"

Olga sah chn ehrlich an, nickte und sagte kräftig:

„Immer!"

Er reichte ihr die Hand, es war eine Gebärde des Dankes und der Anerkennung. Albert fühlte in diesem Augenblick, daß er in Gefahr stand, mehr, Alles zu äußern, was ihn Olga gegenüber bewegte. Wie ein liebes, anspruchloses Kind sah sie ihn zärtlich und der- trauend an, und er fühlte wohl, daß jetzt nichts Ge­wolltes, nichts Bewußtes in ihrem Wesen war. Hastig wandte er sich ab und ging im Zimmer hin und her.

„Wenigstens hat Agnes Ihnen chre Theilnahme durch diese herrlichen Blumen bewiesen", sagte er nach einer Weile, auf den Kamin zutretend, und nahm den Strauß in die Hand. Dabei kam ein Bild zu Gesicht, das zuvor durch die Blumen verdeckt gewesen: seine eigne Photo­graphie, die dort auf dem Kaminsims in einem Mora­ständer aufgestellt war.

„Mein Bild!" rief er leise. Er wußte, daß er es Olga nicht gegeben hatte. Sie mußte es sich unten aus Agnes' Photographiekasten genommen haben. Er sah Olga an, lange und stumm. Und sie verstand all die Fragen, Geständnisse und Vorwürfe nur zu wohl, die in seinen Blicken lagen. Ihr Herz klopfte, ihre Hände tour- den kalt. Eine namenlose Angst ergriff sie. „Er wird etwas sagen — ein Wort, ein entscheidendes Wort, und ich werde weinen, ihm um den Hals fallen — grenzenlos thöricht sein, und dann ist es zu spät, zu spät — ich bin gefangen." Solche Gedanken jagten wild durch ihren Kopf! Während ihre Augen verlangend an ihm hingen, lotterte sie zitternd:

„Die Blumen sind von Ihrem Freund."

Albert stellte sie in die Vase zurück.

(Fortsetzung folgt.)

Neu! Silvester-Scherze Neu!

_ mT „ m p om ron. Confect, Fruchten, Wnrst etc. t&nechend nachgeahmt, mit »cherzhaftem Inhalt, sowie

ftrliiclis-^iisse, Glücks-Figuren, Glücks-§chliisisel etc« zum Bleigiessen

empfiehlt -

cm puciin

Iff« Schweitzer, Hoflieferant, Ellenbogengasse 13

Neujahrskarten,

reichhaltigste OTtV*

Auswahl,

A. Venn),

Bitte -«r «. »■«« . ->---> >>»» höchsten Preisen ausgezeichneten

DW" Punsch w Syrupe

der Firma

H. Jös. Peters & Cie. Naciif., Cöln,

i" den durch Pinkate kenntlichen OescliKrten!

) I 11 H. t e UM C W 2 P hl H <• II UM M FH Ml _ MM Te I n —. _ »M mm . I HX 2 - _ VI_ rn _

BpecIalitKten i Heldu-Punach

Japan

Verloosungs- Gegenstände

(originelle Sachen) empfiehlt in reichster Auswahl

SelmaW elnrich,

r _ jm Cafd Hohenzollern. _

Meer-Marmelade

sowie alle andern Sorten Marmeladen

zum Füllen der Pfanncnkuchen

anvstrhltpcr Bkd. von 40 Itzf. an 10500

LmlmMrld 1 Melier. m w t '

in den durch Plakate kenntlichen tSescliärten! - ^—|

Jt.ar.ne- und taUer-Pun.eh, .«wie feine, B„r g un der-. Anana,- Portwein-, irr,c und . C h. 104

— — ' ■ -- jm linilHH'

Punsch-Essenzen,

Copac, Batavia - Arrac, Hin, Lim«, Südweine

von

Her. Jos. Peters Nachfolger, Cöln a/Rhein,

empfiehlt die

10347

Neujahrspostkarten

itt größter Auswahl! Da» Beite de» Marktes. 10 Pf. und Köder.

Neujahrskarten für Briefumschläge von 5 Pf. bi» 3 Mk. dar Stück in feinster Ausführung bei 10453

Gisbert Noerterrhaeuser,

Buch» und Kunsthandlung. Wiesbaden» 4 Wilhelmstratze 4.

Telefon 2143.

Imnttncherjyaaren-Expedition, «ü-kslHuren.

LLL x NimMrs-Kart . x x x

«rößte Auswahl.

4 ms», cats sstaT

' a7 - 10894 » ischnewermeister «iexier, Goldgasse 5,

ür Ball. Hochzeit und Gesellichaft

da« Neueste in der Art. in Carton, 12 St., mit Löffel. Glücksblei, in der 1048b

Sinngietzerei »■»M. Rossi,

_ Mehgergasse 3. _

Prnna Weistkraut, lebe» Uuanlnm. Pfund

3 Pf. bei jF. Mudini», Walramstroße 38.

Prima «ans- und «raknfctt dauern»

zu haben» tueicli’« Weinstuben.