Verlag Lauggaffe S1
„Tagdlitt-Haus".
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Zreitag, 6. Kugust 1915.
Morgen - Ausgabe.
Nr. 361. - 63. Jahrgang.
Jwangorod ebenfalls besetzt!
weiteres Vordringen zwischen Bug und Weichsel, fluchtartiger Rückzug italienischer Truppen südlich des Grenzdaches, heftiges Rrtillerie- feuer im Görzischen.
Der österreichisch»«ngarifche Tagesbericht,
W. T.-B. Wie», 5. Aug. (Nichtamüich. Drcchlbericht.) Amtlich verlautet vom 5. August, mittags:
Russischer Rriegsschauplatz.
Die lauge Reihe von Erfolgen, welche die Verbündeten feit der Maischlacht am Dunajez in Galizien, in Süd- und Nordpolen und in den Ostseeprvviuzen errungen haben, wurden durch die Besitznahme von Jwangorod und Warschau gekrönt. Gestern haben unsere Truppen Jwangorod besetzt. Heute sind die deutschen Truppen der Armee des Prinzen Leopold von Bayern in der Hauptstadt von Russisch- Polen cingerückt. Zwischen W ei chse l und Bug dringen die beiden Verbündeten unter Versolgungskämpfen gegen Norden vor. Österreichisch-ungarische Reiterei hat U st i l u g, deutsche Wladimir-Wolynski erreicht. Sonst ist die Lage unverändert.
Italienischer Rriegsschauplatz:
An der Tiroler Front kam es nur in der Gegend des Kreuzbergsattels zu größeren Kämpfen. Ein gestern morgen begonnener Angriff von mehreren Bataillonen des rtalie- i,-scheu Regiments Nr. 92 gegen die Nemes-Alpe (nordöstlich des Kreuzbergsattels) brach blutig zusammen. Der Feind ging nachmittags teilweise fluchtartig in d,e Wälder südlich des Grenzbachs zurück. Zur Entlastung dieser italienischen Kräfte versuchte am Nachmittag ein feindliches Bataillon überraschend gegen die Seikofel-Stellung ,unmittelbar nördlich des Sattels) vorzubrechen. Auch dieses wurde nach kurzem Kamps zurückgeschlagen und verlor ca. 190 Mann an Toten. Der Bataillonskvmumndaut und „tkhrere Offiziere des Bataillons sielen. Unsere Bcrluste in diesen Gefechten waren gering.
Im Gör zisch en unterhalten die Italiener seit gestern mittag wieder ein heftig es Artilleriefeuer gegen unsere Stellungen am Plateau von Dobrrdo. Als feindliche Infanterie von Sagrada und von südlich Sdraus- sina her zum Angriff vorzugehen versuchte, wurde sie durch unsere Artillerie zusammengeschossen.
An allen sonstigen Fronten hat sich nichts Wesentliches ereignet.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs, v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
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Die Siegesbotschaft in der Reichshauplstadt.
8. Berlin, 5. Aug. (Gig. Meldung Jens. Mn.) Der Fall vom Warschau ist natürlich in der ReichShauptstadt mit hellem Jubel ausgenommen worden. Berlin war in wenigen Minuten in seinem reichsten Flagqenschmuck gehüllt und im Zentrum, vor allem am Potsdamer Platz und der Leipziger Straße, stürmten die Menschen zu Haufe, so daß der Wagen- und Strahendahnverkehr stockte. Am ?lbend waren dann, wie immer, die Liniden und SchloßFSgemb das Ziel vieler Zehntausender. Hier — gegen 7 Uhr — wurde auch zuerst die Einnahme van Jwamgcrod bekannt.
Prinz Leopolds Telegramm an Rönig Ludwig.
W. T.-B.. München, 5. Aug. (Nichtamtlich.) Dir Korrespondenz Hofsmann berichtet amtlich: Prinz Leopold
von Bayern meldete dem König telegraphisch die Einnahme Warschaus. Seine Majestät verlieh dem Prinzen das Großkreuz des Militär-Max-Joseph-Ordrns.
Oer geniale weichselübergano.
Verschleierte Truppenverschiebungen.
Sr. Wien, 6. Aug. (Eig. Drcchtbericht. Jens. Mn.) Der Berichterstatter des „L.-A." meldet aus dem Kriegspreffe- quartier: Im Norden zielt die Stoßrichtung der Armee W o y r s ch auf die 7 Kilometer östlich von Warschau iich bin- zichende wichtige Chanffee hin, deren Unterbrechung die Russen der letzten Möglichkeit einer Blockade in den Räumen unmittelbar östlich der Weichsel berauben würde, über den genialen Weichselnbergang des General- obcrstcn v. Woyrsch werden nachträglich interessante Einzelheiten bekannt: Die Russen erwarteten einen Brückenschlag gegenüber von Rowo-Mexandrowsk, wohin die Armee Woyrsch anfangs vorgerückt war. Inzwischen hatten aber, von den Russen unbemerkt, Truppenverschiebungen nach Norden stattgesunden. Auf ungezählten Pontons von mehr als 20 Brückenkolonnen, in Stroh unkenntlich cingehüllt, sind die wirklich zmn Übergang bestimmten Truppen aus das jenseitige Ufer gebracht worden. Ehe sich die Russen versahen, waren dann auf eimnal vier Brücken gleichzeitig geschstMa.
Brennende Dörfer und verwüstete Felder bezeichnen die Spur nach Warschau.
Berlin, 6. Aug. (ZeMs. Bin.) Wie Berliner Blätter erklären, sind die Kriegsberichterstatter der Blätter bereits bis an die B l» n i e - Stellung gelangt und befinden sich nur noch 12 Kilometer von Warschau. Aus den Wegen flüchtet dir Bevölkerung mit der letzten Habe »nd einigem Bieh. Man hört das Donnern der schweren Geschütze und sieht vor sich brennende Dörfer und verwüstete Felder.
Die Räumung Polens.
Br. Petersburg, 5. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Der vom Großfürst-Generalissimus mit der Räumung Polens betraute Hofmeister des Zaren, Neidhardt, erläßt eine Bekanntmachung, deren Schlußworte höchst bezeichnend sind:
„Schließlich schreibt der erlauchte Höchstkomrnandierende vor, strengste und energische Maßregeln zu ergreifen, um die eingerissene Zerstörung von Hab und Gut der friedlichen Bevölkerimg von seiten des Heeres hintanzuhalten, da dies l'.nvermeidüch die Disziplin unseres Heeres untergräbt."
Die Eitenbahnzüge sämtlicher Bahnen im nordwestlichen Rußland sind mit Flüchtlingen gefüllt. Der Höchstkommandierende in Petersburg, Rußki, ruft di« örtliche Bevölkerung auf, die Eisenbahnlinien gegen geplante Attentate zu schützen und sich zu diesem Zweck mit Schußwaffen zu versehen.
Die Vorbereitungen auf die Belagerung von Reval.
W. T.-B. Petersburg, 5. Aug. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Zn dem Befehl des Kommandanten der Festung Reval wird weiter ausgesührt, daß ein vollständiges Verzeichnis aller vorhandenen Telephonanlagen, Apparate, Kabel und Drähte angefertigt werden soll und sämtlichen Ausländern der Aufenthalt im Festungsgebiet untersagt wird. Sämtliche in Moskau sich noch anfhaltenden Ausländer feindlicher Staaten werden nunmehr durch Befehl des Gouverneurs endgültig bis zum 14. August aus Moskau ausgewiesen mit der Berechtigung, nach dem Ausland zu fahren. Diejenigen, die nicht ins Ausland reisen wollen, sollen hinter den Ural verwiesen werden.
Ein Tagesbefehl des Generals von Boroevic.
Wien, 5. Aug. Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Der Kommandeur der fünften Armee hat nach
stehenden Armeebefehl erlassen:
Soldaten! Der Kaiser und König hat nachfolgendes Allerhöchstes Handschreiben an mich zu richten geruht:
Lieber General der Infanterie von Boroevic.
Unter Ihrer vielbewährten Führung hat die fünfte
Armee heldenmütig kämpfend die schönsten Erfolge errungen. In ganzer Dankbarkeit Ihrer Verdienste gedenkend, spreche ich Ihnen meine Anerkennung aus.
Wien, 29. Juli 1918.
Franz Joseph.
Soldaten der fünften Armee! Diese Allerhöchste Auszeichnung Eures Führers gilt in erster Linie Euch. Sie gilt Eurer Treue, Eurer unvergleichlichen Tapferkeit, sie gilt Eurem felsenfe-sten Entschluß, keinen Zoll des heimatlichen Landes ohne Befehl preiszugeben. Eure Kinder und Kindeskinder, sie werden noch mit Stolz erzählen, daß Ihr die Jsonzoschlachten geschlagen habt, Soldaten dei- fünften Armee, Euer Führer ist stolz auf Euch!
Im Felde, am 30. Juli 1918.
Boroevic, General der Infanterie.
Ein unlauterer Versuch, die ruffische Volksvertretuug mundtot zu machen.
V/. T.-B. Petersburg, 8. Aug. (NlchtamMch.) „Rjetsch" nnb andere liberale Mütter äußern sich empört über einem Artikel Menfchikoffs, der in der „Nowoje Wremja" versuchte, die VerwatwortAMg cm den Ereignissen der Duma zugu- schieban, um dadurch die Abgeordneten kleinlaut zu machen-. „Rjetsch" sagt, daß die Duma, obwohl sie ihre Meinung nicht öffentlich sagen dürfe und sie auch durch den Reichsrät völlig lahmyelegt sei, doch in den geheimen Sitzungen ihre Pflicht voll erfüllt, alle notwendige Kritik geübt und Hinweise in den Sitzungen gegeben habe. Hinzu käme noch, daß immer die Kontrollrecht- der Du-ma in Militär- angelegenheiten bestrittqn würden und Menschi ko ff immer derjenige sei, der die Duma am meisten mundtot machen wollte. Vielleicht ließen sich in Zukunft die jetzt plötzlich geäußerten Wünsche Menfchikoffs über die Kontrollrechte der Dunia durchführe-n.
Sonninos Freude über Ssasonows Rede. W.T.-B. Turin, 5. Aug. (Nichtamtlich.) Die „Stampa" meldet aus Rom, daß Sonnt n o den italienischen Botschafter in Petersburg beauftragte, der russi- schM Regierung den Ausdruck lebhaftesten Beifalls der
italienischen Regierung für die erhebenden Worte zu .übermitteln, die S s a s o n o w in der Duma bei Erwähnung Italiens ausgesprochen habe.
Warschau und Iwangorod?
Nun flattern wieder einmal Vieltausend Fahnen im lauen Sommerwind, nun schwellt wieder Stolz, und Freude über die neuesten Erfolge unserer tapferen deutschen Streiter und ihrer Verbündeten jedes Deutschen Brust. Zwei wundervolle Siege wurden an ein und demselben Lage erfochten, zwei russische Festungen fielen am gleichen Tage in unsere Hand. Warschau, der Mittelpunkt des großen russischen Festungsgürtels an der Weichsel und 'das östliche Gegenstück zu Antwerpen, ist durch den kühnen, unvergleichlichen Durchbruch der Armee des Bayernprinzen Leopold durch die äußere und innere Fortslinie in deutschen Besitz genommen worden. Dasselbe Warschau, von dem ernst die russische Heeresleitung das feierliche Gelöbnis abgelegt hatte, daß es bis zum letzten Mann und bis zum letzten Geschütz gehalten und den Deutschen dort der Weg dauernd verlegt werden sollte. Weiter südöstlich davon, ebenfalls an der Weichsel, drei gute Tagesmärsche von jener Stadt entfernt, ist Jwangorod, zwar nicht mehr so neuzeitlich ausgöbaut, durch die österreichisch-ungarischen Truppen unter Generaloberst v. Woyrsch besetzt worden.
Eine große erhabene Zeit, Wochen und Monate schwieriger Kämpfe tauchen wieder in unserer Erinnerung auf, die bis in den September und Oktober vorigen Jahres zurückreichen. Es war kurz nach dem Falle Antwerpens. Die Russen unternahmen auf der Linie Jwangorod-Warschau mit etwa acht Armeekorps erneu Vorstoß über die Weichsel. Die Vorbereitungen für jenen Angriff waren vor langer Hand getroffen. Wer die russische Kriegführung hatte sich wieder einmal verrechnet. Unsere braven, herrlichen Truppen warfen den Vorstoß auf der ganzen Linie unter schweren Verlusten für die Rufsen zurück. Und dann ging es in Eilmärschen gegen Warschau. Die russische Führung war lange Zeit im unklaren über die Absichten der Verbündeten. Nun erst erkannte sie die Gefahr, die Warschau drohte. Über achtzig Infanteriedivisionen wurden jetzt von den Russen zwischen Nowogoorgijewsk und den Karpathen bereitgestellt. Rußland schwächte sein gegen Ostpreußen verwendetes Truppenkontingent zugunsten einer über Warschau zu führenden Offensive und zog aus Galizien etwa zwanzig Divisionen nach dom Raume Warfchau-Jiwangorod. Gegen eine solche ungeheure Überzahl mußte der deutsche Vormarsch eingestellt werden. Wohl mancher siegesfrohe La-ndwöhr- mann hat da gebrummt und im stillen mit den „Oberen" gehadert. Wer die „elastische Methode" Hindenburg-Ludendorffs war nur allzu berechtigt. Der große Enderfolg stand auf dem Spiel. Mau durfte sich vor Warschau nicht einkejseln lassen und Darum hieß die Losung bei beiden Festungen zunächst: »Zurück!"
Wir erinnern auch uns wieder der Zeit vor wenigen Wochen, da die russischen Scharen bereits über Lemberg hinausgeflutet waren, da sie mit ihrer Rosse- und Geschütze Spuren die westen Felder Russisch-Polens zerstampften und Dörfer und Flecken niederbrannten, da sie von den Verbündeten verfolgt, auf dem historisch gewordenen Boden von Zamosz und Komarow noch durch Nachhutkämpfe den Rückzug zu decken suchten, um sich in die Festungen zu retten. Wir erinnern uns wieder, wie damals, als schon der russische Adler _ vor Mariampol und Praschnüsch das arg zerzauste Gefieder schüttelte, Herr Nikolai Nikolajewitsch dem englischen Glückwunsch zu seinem schwierigen Rückzug, „im Vertrauen auf die Grundsätze, für die er kämpfe, dem festen Glauben an den endlichen Sieg" dankender Erwiderung Ausdruck gab. Wir können wieder auf den Mas desZaren an soinenMinisterpräsidenten Hinweisen, in dem er „aus der nationalen Einmütigkeit die unerschütterlicheSicher- heit einer strahlenden Zukunft" schöpfte. Diese .prahlende Zukunft" Rußlands hat sich seitdem schon mehr als einmal erwiesen. In fast, aufgelösten Hansen strömen die Russen zurück, damit sich nach den verlorenen Käiupsen an der Narew-Iinie rette, was sich,pur hinter die Buglinie retten kann. Aber auch diese bietet den zerbrechenden Russenheeren keine sichere Aussicht mehr, daß sie der weiteren Bedrängung entgehen werden, nachdem ihre Linien berests von Norden her^drrrch den vordrängenden Vormarsch aus Dünaibuyg uM ,Mr
