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1. Beilage;um Wiesdailener

N». 685. Morgen-Ausgabe.

Sonntag, den 21. Dezember.

50. Jahrgang. 1902.

*. . lf*

2 . Lebenslauf.

5J® ?i nb T ba man und ist dumm,

* wiV2 Unfl A ns ?, e j fe ma" viel und ist sehr weife,

L Es schlüpf der Mann sich mit der Weit bcrnm,

^_^ tr Greis schweigt wieder still und lächelt leise. A

(8. Fortsetzung.)

Ich.

Roman von Iba Boy-ES.

MÄiS, S. toie ^"lam es wohl jetzt unter den hohen ^umen wew, wo Hans so oft rm Mittagsschein umher ste wohl rauschten und in der Nacht zu den Menschen sprachen, wre es im Märchenbuch stands Wie hatte doch Onkel Wert gestern Mittag gesagt G-tten Menschen wird die Natur zur Trösterin wende Dich an die Natur, wenn Du traurig bist!" Gewiß sie hatte ihre Sprache, und man verstand sie nur, wenn man nre gelogen hatte und sehr ttaurig war

Em groger Gedanke kam Hans. Sein Herz klovftt zum Zerspringeir. Niemand. Niemand auf der 25d fjatte mehr Zeit für ihn: er wollte hingehen zu den Baumen und ihnen sagen, daß er sehr allein, sehrtraun! und^daß sein Kopf ihn schmerze. Er hatte nie ge

troswn 16 tourben 3U rhm sprechen und ihn

Mit zitternden Füßen schlich er binab: die aan.n Dlmerfchast war in der Küche oder in den GesellsMrftt raumen. ,elbst der Portter hatte seinen Posten ffife fl" ! IMeren Klopfer an der Hausthür kann

?Äs rnlb lrS* * ^ Sur»

2>te herbe Nachtluft that seiner Sttrn wohl: er schaut. ^p°r. Der Mond lachte noch so freundlich; aus de ersten Etage des Hauses ^ schollen die Klänge eines ^h^rs Hans rannte die Sttaße hinauf, quer übe ^5 b Ergartenstraße und in den nächster, '"^pfad hinein, der in den nächtlichen Park führte- e-

S}J °+ nb mit ihm ging, das freute ihn

Draußm unter den Baumen war es viel dunkler al-

8 ,,Em flüsternder Nachtwind strio

raschelnd losten sich die welken. Der ^i)^h°.'iwbten auf dem Weg dürres Laub aus §? Mar sehr kalt, und in den Gräsern quillte der Than

le^iw" "" b über den Raser

legte, blinkte perlende» Demantgesunkel auf. Han

rannte weiter und weiter. Er kam an einen Wasser spiegel. und drüben sah er eine große weiße Gestalt ragen Der Mond zitterte auf der Wasserfläche^ und die 3 Emt b f rufien .auf bmt nmben Stein wuchs und wnckst wo Riesengrotze. Sie schien sich winkend gegen das Kink zn neigen. Hans schrak zurück und verkroch sich hiute einem Baumstamm. Der Wind fegte droben durch di Ulmenkrone und schüttelte nasse Blätter in Hans' Racker- Er schauderte, er umklamerte den Stamm, warf den Kow empor und lauscht in die Höhe. Wohl giiig ein Raunei durch das Geäst, aber das Kind verstand die Sprache nicht Sttimm. gräßlich stumm war es ringsumher, das todtei' hafte schweigen der Nacht. Mt eineni Schrei der plöp lich erwachenden wahnsinnigen Furcht warf das Kiird sick

zu Boden und schluchzte an der kalten, nassen Erdrinde seinen Jammer aus.

*

Ms Gustav nach Hause kam, um sich für die Gesell­schaft noch umzukleiden, fand er, in das Schlafgemach tretend. Agnes vor ihrer Spiegeltoilette beschäftigt. Auf dem mit blauer Seide und gelblichen spitzen umkleideten Tischchen standen zahlreiche Kristall- und Silberbüchschen und -döschen; Agnes hatte ihr Antlitz gegen den spitzen­umwallten Spiegel geneigt und hielt eine Augenspritze vorsichttg zwischen den Fingern.

..Was machst Du da?" fragte Gustav, flüchttg hin- blickend.

Nichts!" sagte Agnes und legte das spitze, mit einer Gummihülse zur Hälfte umkleidete Glasröhrchen fort, ttifs zur Puderquaste und tupfte mit derselben auf ihre Wangerr.Weshalb bist Du heute nicht zu Tisch ge­kommen? Ich ei-suhr es erst durch Wilhelm; ich hätte Dich gern gesprochen und Dir sonst heute Morgen mein 'lnlregen vorgerragen". begann Agnes, während sie ihre Ohrläppchen rosig färbte.

. .Dein Anliegen heißt wohl Geld?" fragte Gustav, -einen Comptoirrock abwerfend.

( Agnes lachte verlegen. Sie hatte nach ihrer Rück­ehr vor wenigen Tagen erst eine größere Sunime von -Iran Gatten bekommen. Er hatte dabei die Hofftning nisgesprochen. das es bis Ende des Monats, ja darüber nnaus reichen möge. Aber Agnes hatte das Geld be- mtzt, ihre Modistin zu bezahlen, die schon vom vorigen -.ahr wartete. Allein da sie für diese Rechnung schon nehrfach Geld empfangen und es immer anders ver- wendet hatte, mochte sie es im Augenblick Gustav nicht restehen.

Allerdings heißt mein Anliegen Geld; ich hatte ein mar Kleinigkeiten zu erledigen, und da ich in meiner strrvatkasse vis-ä-vis de rien stand, nahm ich vorerst dal Hausstandsgeld."

Darf ich wissen, was das für Kleinigkeiten waren?"

Aanes drehte sich empört um.

Du willst meine Ausgaben kontrolliren? Das ist -a was Neues! Kümmere ich mich um die Deinen?"

. "Nicht kontrolliren. aber beschränken will ich sie", 'agte Gustav, an seinen Nägeln feilend;unser Per- 'rauch hat nach und nach unerhörte Dimensionen an- -enommen; Du mußt Dich einschränken."

Ick?!" rief Agnes auflachend,ich?! Fange Du m. damit ich lerne, wie man es nrackit!"

Ich kann es nicht, denn meine Einschränkungen wür- aen benierkt werden und meinem Kredit schaden, aber Du Hnntest Dich einfacher kleiden, zwei Dienstboten weniger unten und bliebest noch eine elegante Frau", sprach Vustav mrt e>ner genüssen Bonhomie. Aanes rauschte mregt hin und her: dies Gespräch war ibr höchst zuwider, unso mebr, als sie eine stattliche ftahl unbeglichener Rechnungen m rbrem Schreibtisch hatte Wert, hat Dich aufgehetzt!" rief sie Nur verständig ermakmt. Wabrhafttg. AgneS. ich elbst,streue auch lieber sorglos Geld umber. als daß ich wie ein Krämer rechne. Siehst Du. Kind, wenn Ultimo

" - - - T .

ttck ausfällt, will ich Dir geben, so viel Du willst Aber ->eut bin ich es nicht im Stande."

Sie sah. daß er die Wahrheit sprach, sie fühlte es, aber sie wollte es nicht glarchen, nein, sie wollte nicht.

Du hast Dich von Albert doch aufhetzen lassen, ich merke es", sagte sie schmollend,aber zur Sttafe ver­sprich mir. nach Ultimo alle meine Rechnungen zu be­zahlen!"

Aha", rief Gustav,also Du hast unbezahlte Rech- nungen? Wieviel?"

Sechstausend Mark!" sagte Agnes, kühn tausend hin­zulügend. um diese dann für sich zu haben.

Verschwenderin!" sprach Gustav kopfschüttelnd.Nun, Ultimo sollst Du sie haben. aber von da an fangen wir an, sparsam zu werden. Und wenn Ultimo schlecht ist.."

Ihre Blicke wurzelten sekundenlang ineinander. Das Beben einer gräßlichen Furcht schüttelte an ihren Herzen einer flüchtigen Furcht, die. kaum geboren, schon wieder erstarb. Dann lachten beide hell auf, und Gustav sagte:

Was für dumme Sorgen man sich macht! Natürlich wird Ultimo gut sein!"

Agnes hörte einen Wagen Vorfahren und rief munter: Da kommt gewiß Albert schon mit Hellwang!", ob­gleich sie gewiß wußte, daß es Defsky war, der so früh zu kommen versprochen hatte, und mit einer ungewöhn­lichen Schnelligkeit ging sie hinab, währeird Gustav noch an seiner Krawatte knüpfte.

In der That, es war der Leutnant von Defsky, der, mit einem Blunrenstrauß in der Hand, im blendend er­leuchteten Salon stand. Er küßte Agnes die zarten Finger; sie nahm die Blumen und ging langsam mit ihm auf und ab, wobei sie ihren blonden Kopf aufwärts wenden mußte, um ihm ins Gesicht zu sehen. Sie sprachen leise und eindringlich zusammen; ganz vertteft vernahmen sie nicht, daß Albert und Hellwang in den Salon eingetreten waren und die Zimmerflucht durch­schritten bis zu jenem letzten Raum, wo Agnes sich eben ein aufgegangenes Armband von Defsky schließen ließ, wobei der Leuttiant auf einem niederen Stuhl saß und Agnes nahe vor ihm stand.

Agnes begrüßte den glückstrahlenden Baron mit Freundlichkeit und sagte, als sie seine suchend umher- schweifenden Blicke sah:

Mein Mann und Olga werden sogleich hier sein; der eine hat sich im Comptoir, die andere bei der Toilette verspätet. Guten Abend, Albert; Olga und ich haben Ihnen noch immer nicht verziehen, daß Sie uns den gestrigen Abend störten. Blieben die Herren noch lange beisammen?"

Bis nach Mitternacht bei Drossel". sagte Albert.

Das heißt. Albert, da gingst Du nach Hause", be- richtigte Hellwang,dieser Verführer schleppte mich noch in den Klub." - #

"Sie kennen das Reglement. gnädige Frau", scherzte Defsky.der gemeine Soldat muß um zehn Uhr. der Unteroffizier um elf und der Offizier den anderen Morgen zu Hanse sein."

Bei so einer Gelegenheit merkt man erst die eigene Solrdftät", sagte der Baron:ich gehe in Reinhof mit den Hühnern zu Bett, und diese gottverlassene Jugend spielt und trinkt, bis der helle Tag ins Fenster scheint."

Svielt?" fragte Agnes mit einem kurzen Aufblick zu Defsky. (Forlsctzmia folgt.)

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