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Donnerstag» 5. August 1915.

Morgen- Ausgabe.

Nr. 359. * 63. Jahrgang.

Hei Met i>es me» M m

Oer lvestteil von Iwangorob erobert.

s

Rupftchki auf der Linie nach Dünaburg er­reicht. — r>ie letzten Narew - Uebergänge bei Gftrolenka genommen. — Weiterer russischer Rückzug zwischen Dug und Weichsel.

Der Tagesbericht vom 4. August.

W.T.-B. Großes Hauptquartier, 4. Aug. (Amtlich.)

westlicher Rriegsschauplatz.

Nichts Neues.

westlicher Rriegsschauplatz.

In der Verfolgung des weichenden Gegners er­reichten unsere Truppen gestern die Gegend von Kupischki (östlich von Poniewiez). ,

Nördlich von Lomza wurden die Russen in ,dle vorgeschobenen Verteidigungsstellungen zu ruck­gedrängt. .

Ost- und westpreußische Regimenter nahmen die noch durch Feldbefestigungen geschuhten N a re w - Übergänge bei O str ol e nka nach heftig­stem Widerstand. Mehrere tausend Russen wur- den gefangen genommen, 17 Maschinengewehre er- beutet. Auch hier ist die Verfolgung ausge­Bor Warschau wurden die Russen aus der Blonie-Stellung in die äußere Fortslrnie ge­worfen. Die Armee des Prinzen Leopold von Bayern befindet sich im Angriff auf die Festung.

Südöstlicher Rriegsschauplatz.

Bei den über die Weichsel vorgedrungenen deutschen Tellen der Armee des Generalobersten v. Woyrsch nimmt der Angrift seinen F o r t g a n g. Die öster­reichisch-ungarischen Truppen dieser Armee find rm Be­sch des Westtciles der Festung Jwangorod bis zur W e i ch s e I. _

Gegenüber den verbündeten Armeen des General­feldmarschalls v. Mackensen versuchte der Feind auch gestern die Verfolgung zum Stehen zu bringen. Er wurde bei L e ne z v a, nordöstlich von C h o l m und westlich des Bug, erneut geschlagen. Seit heute früh ist der geworfene Feind im Rückzug Zwischen Weichsel und Bug in all g c mein n ord lrch e r Rich­tung Auch bei und südlich Uscilug am Bug w e'icht d e r G e gn cr. Oberste Heeresleitung.

Nördlich VudienKa und Tholm heftige Rämpse.

— Der russische Rückzug nach Norden hält weiter an. —Lin zersprengtes Rosakenregiment.

— Italienische vorstötze gegen den Monte Der Seibusi. — Zeindliche Infanterie von ihrer eigenen Artillerie am Tellon-Rofel beschossen.

Der Sfierreichisch, ungarische Tagesbericht.

W.T.-B. Wien, 4. Slug. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 4. August, mittags:

Russischer Rriegsschauplatz.

Zwischen Weichsel und Bug leisteten die schrittweise weichenden Russen in gewohnter Art an verschiedenen Stellen erneut Widerstand. Es kam nördlich Dubicnka und Cholm an der Swinska und an der Linie Lenczna-Nowo-Alexandria zu starken Kämpfen. An manchen Teilen der Front umer- nahm der Gegner, um unser Nachdringen einzudämmcn, kurze Gegenstöße, aber er vermochte nicht standzuhaltrn, wurde g e w o r f e n und setzte um Mitternacht den Rückzug gegen Norden fort. Der ans dem linken Wcichselufer gelegene We st teil von Jwangorod ist in unserer Hand. Die gegenüber der Radomka- mündung aus dem Ostufcr der Weichsel stehenden deutschen Kräfte machten abermals Fortschritte.

' Zwischen Wladimir-Wolinsky und Sokal zersprengten unsere Truppen ein Kosakenregimcnt. Südwestlich Wladimir-Wolinsky sind große Brände sichtbar. .

In Ostgalizicn nichts Neues.

Italienischer Rriegsschauplatz.

Im G ö r z i s ch c n wurden in der Nacht vom 3. August am Plateaurande wieder mehrere einzelne italieni­sche Angriffe abqewiesen, so südlich Sdransiina und östlich Polazzo, wo die feindliche Infanterie zwei­mal mit dem Bajonett angriff, jedoch beide Male unrer schweren Verlusten zurückgrfchlageu wurde. Am Nach-

mittag des 3. August versuchten die Italiener nach hef­tiger Artillerievorbereitung abermals Vorstöße gegen unsere Stellungen auf dem Monte Dei Seibusi.

Im Kärntner und Tiroler Grenzgebiet kam es in einzelnen Abschnitten zu lebhafterer Artillerie­tätigkeit. Die gegen den Cellnn-Kofcl eingesetzte italie­nische Infanterie zog sich, da sie von ihrer eigenen Artillerie beschossen wurde, auf den Westhang der Höhe zurück. Ein Angriff von zwei feindlichen Kom­pagnien gegen die Grenzbrücke südlich Luderdach und ein starker Jwsauterieangriff auf den Col di Lana (Bugenstein) wurde abgewiesen.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Hofer, Feldmarschalleutnant.

Nasser Wilhelm bei Erzherzog Friedrich.

Überreichung des preußischen Feldmarschallstabs an Erzherzog Friedrich.

W. T.-B. Wien, 4. Aug. (Nichtamtlich.) Aus dem Kriegs- preffranartier wird gemeldet: Der deutsche Kaiser ernannte, wie bereits anläßlich der Befreiung von Lemberg gemeldet w!,rde, den österreichisch-ungarischen Armeeoberkommandan- te« Feldmarschall Erzherzog Friedrich zum preu­ßischen Generalfeldmarsch all. Kaiser Wilhelm stattete gestern dem Feldmarschall Erzherzog Friedrich im Standort des Armeeoberkommandos einen Besuch ab, um ihm den preußischen Marschallstab als Wahrzeichen der höchsten militärischen Würde persönlich zu überreichen.

Obwohl die Nachricht von dem Besuch erst in den Vor­mittagsstunden bekannt wurde, waren die Häuser reich be­flaggt. Trotz des strömenden Regens brachte die patriotische Bevölkerung der Stadt dem erlauchten Verbündeten b e - geisterte Ovationen dar. Von Erzherzog Friedrich, der das erstemal die Felduniform eines preußischen General­feldmarschalls angelegt hatte, vor dem Quartier begrüßt, über­reichte der Kaiser im Kreis der Generalität des Armeeober­kommandos mit kurzer, von Herzen kommenden und zu Herzen dringenden Ansprache dem Feldmarschall Erzherzog Friedrich den kunstvoll gearbeiteten Marschallstab. Der Erzherzog dankte gerührt in einigen Worten. Bei der darausfolgenden Mittagstafel hielt der Erzherzog eine warmempfun- d e n e A n s P r a ch e, in der er drn Mar>challstab als ein Symbol jener Einigkeit brzeichnete, der wir unsere bisherigen großen Erfolge verdanken, die uns den endgültigen Sieg und einen ehrenvollen Frieden verbürgen. Mit herzlichen Worten die stolze deutsche Wehrmacht apostrophierend, brachte Seine Hoheit auf den obersten Kriegsherrn, Kaiser Wilhelm, eiij, • dreimaliges Hurra aus, in das alle Anwesenden be­geistert einftimmten.

Sichtlich gerührt dankte Kaiser Wilhelm in der ihm eige­nen markigen Weise. Er gedachte mit warmen Worten und der aufrichtigsten Verehrung des erlauchten Freundes und Bundesgenossen Kaiser Franz Joseph und brachte auf die österreichisch-ungarische Armee und deren allerhöchsten Kriegs­herrn ein dreimaliges Hoch ans.

was Rußland erreichen möchte.

W. T.-B. London, 4 Ang. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Das „Rentersche Bureau" meldet aus Petersburg: Folgende cmtliche Mitteilung wird hier veröffentlicht: Es scheint, als habe die Entsendung starker deutscher Verstärkun­gen aus Frarckreich cm die r u s s i s ch e F r o n t in dm, vier­

ten Juliwoche begonnen, als die Armee Mackensen im Wierpztal schwer bedrängt war und die Kämpfe am Narew sich lange hinzogen. Jeder russische Erfolg zwingt den Feind, frische Streitkräfte von der Westfront wegzuziehen. Diese Tatsache schafft günstige Bedingungen für aktive Aktio­nen für unsere Verbündeten.

Die „Times" bezeichnet in einem Leitartikel das obige Telegramm etwas ungewöhnlich und meint, daß, wenn die Veröffentlichung solcher amtlichen Telegramme wirklich nötig war, ein gewisser Mangel an Zusammenwirken zwischen den verantwortlichen Militärbehörden in West und Ost bestehen inüsse. Die Wiederaufnahme der Offensive im Westen hänge nicht allein davon ab, ob gewisse deutsche Armeekorps nach dem Osten gebracht würden, sondern ob die Stärke der Stellungen und die Bewaffnung der deutschen Armee eine all­gemeine Offensive gegenwärtig rötlich mache. Das Blatt sucht nachzuweisen, daß die deutschen Stellungen im Westen nicht geschwächt sind und fordert, daß die britischen Behörden sofort eine Schätzung der Stärke der Deutschen auf den beiden Fronten bekanntgeben, ferner sei eine Besprechung zwischen den Generalstäben der Alliierten nötig.

Aus belgischen Archiven.

Reue Enthüllungen über die englische Isolierungspolitik.

König Edward VII. und Delcaffe.

W. T.-B. Berlin, 4. Aug. (Nichtamtlich. Drahtvsricht.) Die „Nordd. Mg. Zig.", die heute weitere Dokumente aius der» belgischen Archiven veröffentlicht, bringt dazu e.ne Einleitung, in welcher es hÄht: Die politische Atmosphäre, nach dem bereits charakterisierten Besuche König Edwards in Parts den Ereignissen, die sich im Verläufe des JivhreS >907 in Europa avspiolien, eine besondere Färbung gab, läßt sich wohl am besten mit der Schwüle vergleichen, die bei einem aufztehenden Gewitter am Horizont entladen wird.

Ruß la-nd schien' ganz von den Sorgen über die Ent­wicklung der inneren Politik in Anspruch genommen. Das r u s s i s ch-en glische Abkommen über Persien und Zonivral- Astvn war in der Zeit zwischen der Auflösung der zweiten (am 16. Juni 1907) und dem Zusammentreten der dritten Duma (14. November 1907) perfekt geworden. Zu Anfang des Jahres 1908 war kaum noch ein Zweifel darüber möglich, daß das englifch-fvanzösffch-vussische Zusammenwirken 'Tatsache geworden sei. Mtie April trat in London die Konferenz der britischen K olon ia l m i n t ft e r, deren Arbeiten jedoch nicht erkennen ließen, ob sie zu einem größeren Ein­fluß der Kolonien auf die RöichspolWk oder einer stärkeren Heranziehung der großen Dominions zu den Zwecken des Mutterlandes führen werde, zusammen.

Vom 15. Juni bis 18. Oktober 1907 tagte im Haag die zweite Friedenskonferenz, die im wesentlichen zu vorsichtigen Kompromissen führte, die demjenigen, der das Ziel hinter den Kulissen verfolgen konnte, keinen Zweifel darüber ließ, daß England bemüht war, sich fteie Hand für eine Angriffs- Politik zu sichern, während Deutschland daran fcsthielt, sich feine Verte idigungsm i:te l nicht aus der Hand winden zu lassen. Auf diese Formel läßt sich der Kern der Verhandlungen durchweg zurücksühren. In Frankreich fand man die Lage als günstig zur Wiederaufnahme einer Politik, die in Marokko über die von der Konferenz von Alge- ciras festgesetzten Schranken' hinauszugreifcn bemüht war und schließlich den Casablanca-Konflikt zur Folge hatte. In England setzte König Edward die auf die Isolier u-n g Deutschlands gerichtete Politik fori. Sein Besuch in Spanien.' hatte den Abschluß von Verträgen zur Folge, die das Mittelmeer den Dreibnndmächten lvenn nicht zu ver­schließen, so doch einzuengen bestimmt waren. Die Besuche des Königs in Cartagena und Wien waren Fühler, die sest- stellen sollten, wie stark die Bande waren, die Italien mir Österreich und Deutschland verknüpften. Eni Intermezzo bilden die Besuche der englischen Journalisten, in Berlin und Kaiser Wilhelms Besuch in London Anfang November 1907.

Die von uns für diese Periode veröffentlichten Berichte der belgischen Gesandten berühren nur einen Teil der hier kurz charakterisierten Probleme, aber so durchaus merkwürdig, daß sie immer deutlich darauf Hinweisen, wie die Poliffk König Edwards VII. den europäischen Frieden und speziell auch die politische Zukunst Belgiens gefährdete. Di- wahre Bedeutung des englischen Besuches in Cartagena wurde von den belgffchen Vertretern in London wie in Berlin über­einstimmend sofort erkannt, nämlich als ein weiterer Schritt auf dem Wege der Isolierung-Deutsch­lands. Sehr treffend bemerk: Baron Greindl:

„Der Eifer 'der Mächte, die niemand bedroht, sich an­geblich zu Verteidigungszwecken zu einen, können-mrt Recht als v e r d ä ch t i g erscheinen«"