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morgen Beilage -es Wiesbadener Tagblatts.

Nr. 178 .

Dienstag, 3. August.

IM

(20. Fortsetzung.)

§rau M-a§ Töchter.

Roman von Emma Hanshofer-Merk.

' <Nachdruck verboten.)

Wisse traurigen, häßlichen Bilder stimmten doch Nicht zu dem Herrlichen, was Anna nun erlebte! O, so weit, so fern waren die Lehren und Ermahnungen, Mn und vergessen wie übevhcuipt hie Wirklichkeit, der nüchterne Tag!

Sie, die nur an -das Schelten, an die Püffe der Mutter, an di-e ungeduldige Reizbarkeit der gnädigen Kdau gewöhnt war, sie wurde umworben, wie ebne

f uge Dame behandelt, durfte sich der Macht ihrer chönhcit bewußt werden! Sogar Blumen hatte -uno für sie, die sie sich an die Brust stecken mußte! Und wie süß es war, wenn er sie küßte!

An diesem ersten Abend in der Sennhütte, an dem Cf nur daran dachte, ihre Freude zu machen, mit wohl- berechneter Zurückhaltung sein Opfer in Gichecheit .wiegte, da war es ihr zu Mut, als wäre das Aschen­brödel eine Prinzessin geworden. u»n die der Fürst des Landes sich bewarb.

Natürlich versprach sie, wiederzukommen in sein kleines Reich.Unser Reich?" sagte er sogar.

Und sie kam wieder. Und es geschah, was geschchen mußte, wenn ein verliebtes, junges Ding zu einem -lebenslustigen leichtsinnigen jungest Menschen Weicht.

Wie in einem seligen Rausch ging sie in ihr Schick­sal. Sie dachte nicht an die Mutter, sie dachte nicht an die Zukunft. Sie kannte weder Furcht noch Reue.

Wie der BlH, der draußen murmelte, seinem Lauf

f '"Igte, wie die Bäume sich neigten unter dem Hauch des stwindes, wie alles um sie her wogte Und reifte in eser Somnkervrgcht, so folgte auch sie nur willenlos jver Natur und ihren dunklen Gesetzen, wenn sw in -seine Arme fiel, sich Hm hingah.

Und Bruno war im Löben ein so grfter Schau­spieler, daß niemand ahnte, Wucher Romäft sich im Mntergruude der stillen Billa aöspielte; daß -das Mm- hüttchen sein Geheimnis bewahrte.

Fanny kam einmal an eiirain Ssnntag zu Besuch Nach Fischbach.

Ihr fiel es gleich auf, daß die Tochter verändert war. Bor allem: Anna schien ihr rebellischer als sonst-, Uie wehrte sich, da die Mutter sie wegen einer Kleinig­keit hart anließ, und hatte plötzlich eiiw ganz schneidige .»Zunge. Wer wie argwöhnisch auch Fanny herum-

* rschte, sie konnte nichts VerdachtAiweckeNhes entdecken, ach die schwei-fame Köchin mutzte bestätigen, daß NNä nicht aus der Villa heraus kann. Und Bruns Machte ein so kühles, hochmütiges Gesicht, daß sogar Anna sich von dieser Maske täuschen ließ und traurig ftstd niedergeschlagen wurde, weil er so kühl über sie hntwegsah. Und gerade diese Trübung ihrex Stim- "unH beruhigte wieder die Mutter, der zuerst die en der Tochter so üoermlltig-glänzmd, dersn Hal- so selbstbewußt erschienen war. Sie koMte sich |ffit eine eben, daß die Freude des Wedeyschens ihrem Müde diesen strahlenden Ausdruck gggeben hatte, als W gm AahNhof enigegengekomnien war.

Fanny reiste am Aheüd wiöder ab, nicht völlig he* ruhigt, aber doch ohne irgend welchenibestimmten Grund des Argtvühns, und ein paar StMdeN später trafen sich Anna und Bruno am Waldhayschen und sielen sich lachend und wie von einem Alpdruck befreit in die Arme.

So verging der August. Der Herbst rückte an. Dr. Robertus war nur einige Male für kurze Zeit auf die Billa gekomipen und Felicitas hatte ihn begleitet. Bleiben wollte sie nicht. In dieser Landstille überkmu sie eine, noch Hel tiefere Melancholie als in der Stadt, wo sie im Haüse, in der Nähe des Baters verschiedene Beschä-fttgung fand. Und Mama machte ihr eine Szene, so oft sie , in Hre Nähe kam, versicherte ihr immer wieder mit tiefer Stiinme:Ich habe »nich tadellos gehalten in allen Gefahren der Bühne, und du o, es ist furchtbar!"

Das ertrug sie nicht. Sie litt schon genug unter ihren Selbstvorwüvfen. Auch mit Olly fühlte sie nicht jene innige Zusammengohörigkeit, die die Zunge löst und das Vertrauen leicht macht. Jinmer wieder mußte sie an jenen Tag denken, da sie allein nach München gefahren war und den Vater um die Einwilligung zu Hver Verlobung gebeten hatte. Damals war ihr zum erstenmal klar geworden, wie jedes von ihnen sein eigenes Leben führte, wie sie gar nicht wie eine rechte Familie zusammengchörten, und dieses Gefühl des Alleinseins bei den Ihren empfand sie nun schärfer, schmerzlicher als je zuvor.

Im September kam nach -wolkenlosen Wochen eine trübe, kühle Regenzeit. Es war, als sollte zugleich mit der SogMiechervlichkeit auch der Jubel, der Annas Seele erfüllte, der Glanz, der ihr die Augen geblendet hatte, verschwinden und verblassen.

Bruno war ja immer noch lieb zu Hr, aber siq fühlte doch, daß er sie nicht mehr mit so feuriger Un- gKM erwartete, daß er zerstreut und gleichgültiger Mr, wenn sie kam. Sie froren nun auch in ihrem Almhüttchen, und sie zitterte mehr als in 'den warmen Aagen vor dem Gedanken, Hre Herrin könnte noch eininal nach ihr rufen. Die Ausrede, sie sei im Garten göwesen, müßte dann höchst unwahrscheinlich klingen bei Regen und Sturnn

Ach, und die Angst, mit der sie oft nachts auffuhr aus dem Schlaf und mit großen Augen ins Dunkle starrte! Eine Angst, die ihr den Atem raubte, die Hr die Brust zusammenschnürte, Hr fast das Herz obdrückte. Am Morgen, wenn sie ausstellen mußte, drehte sich Hr das Zimmer im Kreise und sie mußte rasch wieder in die Kissen sinken, um 'das unerträgliche Schwindel* gefühl zu bekämpfen.

Es dauerte nicht lange, da wich auch die rasige Faibe von ihren lPangen, ilnd sie sah so elend aus. baß es Frau Robertus aüfsiel.

Was fehlt Ihnen denn, Anna?" fragte sie mHv ärgerlich als besorgt.Sie iyerden ysix hier dM nicht krank werden l"