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Verlag Langgaffe 21

„Tagbl-tt-Hous".

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Dienstag. 3. August 1915. kIl0vgeN-KU§g(tVL. Nr. 355. . 63. Jahrgang.

Mau von deutschen Truppen besetzt!

Mehrere feindliche Schützengräben in den Kr- gönnen erobert. — Die Franzosen nach er­bitterten Uämpfen am Varrenkopf zrrrück- geworfen. — Höhe 186 nordöstlich von Suwalki erstürmt. — ;Oer Narew auch bei Lomza er- evrelcht. — ver Halkkreis um Iwangorod fchtietzt sich immer enger. — ver Feind wird nordöstlich Tholm weiter verfolgt. ,— Dubieka am Bug erreicht.

Oer Tagesbericht vom 2. August.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 2. Aug. (Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz.

Im Westteil der Argonnen setzten wir uns durch eineu überraschenden Bajonettangriff in Besitz mehrerer feindlicher Gräben; nahmen dabei 4 Offiziere, 141 Mann gefangen und erbeuteten 1 Maschinengewehr.

Am Abend griffen die Franzojen in den Vogesen abermals die Linie Schratzmänle-Barrrn- f o p f an. Die ganze Nacht hindurch wurde dort mit Erbitterung gekämpft. Der Angreifer ist zurück­geworfen. Auch am Lingekopf find erneut Kämpfe im Gauge.

An verschiedenen Stellen der Front sprengten wir mit Erfolg Minen.

Südlich von Ban-de-Sapt schoß unsere Artillerie einen französischen Fesselballon herunter. Ein Kampfflieger zwang bei Longcmer (östlich von Gerardmer) ein feindliches Flugzeug zur Landung.

«vestlicher Kriegsschauplatz.

M i t a u wurde gestern von -unseren Truppen »ach Kampf genommen. Die Stadt ist im allgemeinen un­versehrt.

Östlich von Poniewiez haben sich Kämpfe ent­wickelt, die für uns einen günstigen Berlau' nehmen. Nordöstlich von Suwalki wurde die Höhe 186 (südöstlich von Kuletnik) erstürmt. Nordwestlich von Lomza erreichten unsere Truppen, nachdem an ver­schiedenen Stellen der russische Widerstand gebrochen war, den N a r r w. 1 Offizier, 1003 Mann wurden von uns gefangen genommen.

Auf der übrigen Front bis zur Weichsel ging es vorwärts. 560 Gefangene, dabei 1 Offizier, wur­den eingebracht.

Vor Warschau ist die Lage unverändert.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Nördlich anschließend an die am 31. Juli eroberten Höhen bei Podzawcze drangen gestern Truppen des Generalobersten v. Woyrsch unter heftigen Kämpfen durch das Waldgelände nach Osten vor. Der weichende Feind verlor 1500 Mann an Gefangenen und acht Maschinengewehre.

Vor Iwangorod lieferten österreichisch-ungari­sche Truppen siegreiche Gefechte. Der Halbkreis um die Festung zieht sich enger.

Bei den Armeen des Generalseldmarschalls von Mackensen hält der Feind nock, zwischen Weichsel und der Gegend s ü d w e st l i ch von L e n c z n a. Deut­sche Truppen erzwangen neue Erfolge östlich von K u r o w. Sie machten 600 Gefangene. Zwischen L e n c z n a und Z a l i n (nordöstlich von C h o l m) schreitet der Verfolgungskamps vorwärts.

Am Bug erreichten wir die Gegend nördlich von Dubieka. Österreichisch-ungarische Truppen drangen südwestlich von Wladimir-Wolvnsk über den Bug vor.

Oberste Heeresleitung.

Nowo-Mexanöria erstürmt.

westlich Iwangorod acht etagenförmig ange­legte betonierte Stützpunkte entriffen. — Vor­marsch gegen lvladimir-wolinskq. — Erfolg­reicher österreichischer Gegenangriff auf dem ' ylateau von Doberdo.

ver Ssterreichksch»ungarische Tagesbericht,

W• T.-B- Wien, 2. Aug. (Nichtamtlich.) Amtlich ver­lautet vom 2. August, mittags:

Russischer Rriegsschauplatz.

Bei Damazzow, gegenüber der Radomkamündung, errangen unsere Verbündeten gestern neue Erfolge.

Westlich Iwangorod haben unsere siebenbürgischcn Regimenter dem Feinde 8 etagenförmig angelegte betonierte Stütz p uni te mit dem Bajonett ent­riss eo. Bier dieser Werke wurden allein von den grötzten-

teils aus Ruthenen bestehenden Infanterie-Regiment Nr. 50 erobert. Der Halbkreis um Iwangorod verengt sich beträchtlich. Wir nahmen 15 Offiziere und über 2300 Mann gefangen und erbeuteten 29 Geschütze, darunter 21 schwere, ferner 11 Maschinengewehre, einen großen Wcrk-- zeugpark und viel Munition und Kriegsmaterial. Unsere bewährten siebcnbürgischen Truppen dürfen diesen Tag zu den schönsten ihrer ehrenvollen Geschichte zählen.

Unmittelbar östlich der Weichsel erstürmte eine un­serer Divisionen die Eisenbahnstation N o w o-A lexandria und einige zunächst gelegene Positionen. Bei Kurow drangen deutsche Truppen, nachdem sie gestern zwei feindliche Linien genommen, in eine dritte ein.

Weiter östlich bis zum W i e r p z hält der s^ind noch seine Stellungen. Zwischen Wierpz und Bug wird die Verfolgung fortgesetzt. Unsere zwischen Sokal und Grilow über den Bug gegangenen Truppen rücken in der Richtung Wladimir- , Wolinsky vor.

In O st g a l i z e n ist die Lage unverändert.

Italienischer Rriegsschauplatz:

An der Tiroler Front wurde eine feindliche Ab­teilung im Ledrotale westlich Bezzecca überfallen und unter großen Verlusten zurückgeworfen. In den Judi- carischen Alpen vertrieben unsere Patrouillen zwei italienische Beobachtungsposten, die stch ans den Höhen nordwestlich Cvn- dino eingenistet hatten. Im Kärntner Grenzgebiet hat sich nichts Wesentliches ereignet.

Im Küstenland herrscht in den nördlichen Abschnitten größtenteils Ruhe.

Im Plateau Doberdo hält der Geschützkampf an. Die gegen unsere Stellungen östlich Polazzo geführten starken italienischen Angriffe wurden durch einen Gegenangriff, der unsere Infanterie bis über die ursprünglichen Stellungen hinausführte, vollständig zurückgcschlagen.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

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Der Kuszug aus Warschau.

300 000 Personen haben die Stadt bereits verlassen. — „Der Tag der Sühne und Erlösung naht!"

Br. Berlin, 2. Aug. (Erg. Drahtvericht. Zeus. Bln.) Dem „B. T." wird ans dem österreichisch-ungarischen Preffequartier gemeldet: Die Räumung Warschaus von Zivilbevölke­rung und Militär (ausgenommen die notwendigen Garnison­bestände) gehr, wie von zuverlässiger Seite mitgcteilt wird, in beschleunigtem Tempo fort. Bon den 900 000 Ein­wohnern haben bis Ende Juli 300 000 die Stadt »er­lassen. Die Staatsbeamten verließen die Stadt größten­teils schon im Laufe des Juli; zuletzt reisten die zahlreichen Polizei- und Postbeamten ab. Erst in den letzten Tagen, als die Kolonnen des Trains und der Rückzngstrnppen in end­loser Folge die Straßen überschwemmten und deutsche Flieger immer häufiger über der Stadt kreisten und die Brücken bom­bardierten, der Donner schwerer Krupp- nnd Skodageschütze immer lauter wurde, wurden auch die Kreise der Intelli­genten von der allgemeinen Nervosität ergriffen und brachen in überstürzter Eile auf. Das Polenblatt „Gonviec" ver­öffentlicht folgenden Aufruf: Gekommen ist der Tag der Sühne und der Erlösung. Es naht der entscheidende Moment. Warschau wird siegreich hcrvorgehen. Die Ehre gebietet es, hier zu bleiben. — In den letzten Tagen wurdeu die Läden um 7 Uhr abends gelassen. Die Kaffeehäuser sind meistenteils leer. Trotzdem wurde eine neue Konditorei im Stile Ludwigs XVI. eröffnet. Die häufigsten nnd zahl­reichsten Gäste waren Halbweltsdamen, die die Tracht der Roten-Kreuz-Schwestern trugen und sich zusammen mit Offi­zieren photographiere» ließen.

Die Einnahme wird in jedem Augenblick erwartet!

Besorgnis wegen des rapiden Belowschen Vormarsches.

Br. Kopenhagen, 2. Aug. (Cig. Dvahtbertcht. Zeus. Bln.) „Politiken" meldet, daß in London die Nachricht von der Einnahme Warschaus jeden Augenblick er­wartet werde. Die größte Sorge mache man sich in Militär« kreisen und im Publikum über die Flankenbewegun­gen der Belowschen Armeen. Falls Kowno den Vorstoß der deutschen Nordarmeen nicht zum Stehen bringt und General Below das Ostufer des Nsemen erreicht, HM man in London die Rückzugsstratze für schwer bedroht. Das Tempo drs Belowschen Vormarsches, der über überlegene Kavalleriemassen, verfügen müsse, rufe große Besorgnisse her­vor. Der Generalissimus habe in größter Eile alle verfüg­bare Kavallerie von Brest-Litowsk nach Norden geworfen.

Der russische Rriegsminister über die Lage.

Die Hoffnung auf ein zweites Moskau.

W. T -B. Petersburg, 2. Aug. (Nichtamtlich.) Im wei­teren Verlaufe der Beratungen in der Duma begann, von langcmhaltendem Beifall von allen Bänken begrüßt, der «riegsminister Poliwanow seine Rede mit der Erklä­rung, daß Rußland die Staaten bekriege, die es vor einem

Jahrhundert aus den Händen von Napoleon be­freit habe. Durch die geschickten und hartnäckigen Vorbe­reitungen von Deutschland während vierzig Jahren er­zielte es in der Tat Ergebnisse, die es in militärischer Hin­sicht über die anderen Länder stellt. Unter diesen Umständen werden wir dem Feinde vielleicht einen Teil dieser Gegend überlasser: und uns auf Stellungen zurückziehen, in denen unser Heer die Wiederaufnahme der Offensive vorbereiten kann. Dies ist das Ende, das das 1812 erprobte Vorgehen krönt. Wir werden vielleicht heute Warschau dem Feinde überlassen, wie wir seinerzeit Moskau geräumt haben, um den schlietzlichen Sieg zu sichern. Dieses Gefühl herrscht in ganz Rußland vor, ebenso wie die Liebe für unsere Armee und die Achtung vor ihr, der wir den triumphartigen Marsch nach Lemberg verdanken (Auch den Rückzug! Schristltg.), sowie die Siege in Galizien und bei Praschnüsch (Ebenso wie die Niederlagen. Schristltg.), wo wir imerhörte Trophäen erbeuteten. (Lebhafter anhalten­der Beifall.) Der Kriegsminister sprach dann voll Wärme von den verbündeten Heeren. Er erwähnte die heldenhafte Verteidigung der Belgier und die glänzende Schlacht an der Marne, wo die brüderlich nebeneinander fechtenden englischen und französischen Truppen die deutschen Truppen zum Rück­zug zwangen. Der Kriegsminifter erwähnte dann die mili­tärischen Vorlagen, die der Duma unterbreitet werden, vor allem die Einberufung des Jahrgangs 1916 und verschiedner Kategorien Reserven. Der Kriegsminifter stellte fest, daß in keinem der vorhergehenden Kriege das ungeheure Problem der Heeresversorgung so gut gelöst worden fei wie diesmal. Infolge der guten Ernte herrsche im Lande auch wieder Überschuß an allen Nahrungsmitteln. Poli­wanow schloß mit den Worten: Sie sehen, wie der Feind beschaffen ist, den wir bekämpfen. Er muß unbedingt und um jeden Preis besiegt werden, f

Die sibirischen Vcrbannungsorte mit Verbrechern überfüllt.

W. T.-B. Berlin, 2. Aug. (Dvahtbericht.) Die „Voss. Ztg." meldet aus Zürich, das in Genf in russischer Sprache erschei­nende Blatt „Sozialdemokrat" veröffentlicht einen Brief eines Sibiren, in dem es heißt, die dortigen Gefangenenorte seien überfülltmitVerbrechern. In einem einzigen Ort befinden sich allein 140 Sozialdemokraten, die dem Hunger preisgegeben sind. Trotzdem sei Hoffnung auf eine baldige Befreiung vorhanden. Unter den Verbannten seien über 100 baltische Barone. f

Bestechung und verrat im russischen Heere.

W. T.-B. Berlin, 2. Aug. (Drahtbevicht.) Der „L.-A." meldet aus dem Kriegspreffeguarner: In der letzten Zeit wurden große russische Truppenmassen über Warschau in der Richtung gegen Lublin befördert. Bestechung und Verrat vermehren sich erschreckend. Der Stab der 5. Armee in Gru- disko, 30 Kilometer südwestlich der Mitte Warschaus statio- niert, der zugleich die Kanzleigeschäste der 2. Armee besorgt, wurde verhaftet. Einige Personen vom Stab wurden er- schossen. Der Rest wurde in dem Militärgcbäude des War. schauer Lezinski-Parks untergcbracht und unter starke Be- wachung gestellt. k ß'

Der Krieg gegen England.

Ein neuer englischer Trick.

Englische Kapitäne werben mit Borliebe Amerikaner für ihre Besatzungen an.

k. New Dort, 2. Aug. (Eig, Drahtbericht.) Die englischen Schiffskapitäne haben jetzt offenbar zu einem neuen Trick ihre Zuflucht genommen. Aus zahlreichen Mitteilungen dev Schiffsbcvölkcrung, die sich namentlich aus Skandinavier» und den zum Nichtstun verurteilten deutschen Seeleuten zu- sammensctzt, geht hervor, daß die Kapitäne der zwischen den Oststaatcn und Großbritannien verkehrenden engllschen Schiffe als Ersatz für ausgekniffene Mannschaften mit Bor­liebe Amerikaner anwerben und wenn es n,»r ein oder zwei Mann sind. Der Zweck dieses Verfahrens ist durch­sichtig genug. Es soll dadurch ein Borwand geschaffen wer- den, daß die Bereinigten Staaten bei der Torpedierung eine» solchen Dampfers und etwaiger Gefährdung amerikanischev Leben Deutschland verantwortlich machen und einen ,,u«. freundlichen Ak t" konstruiere» können.

Norwegischer Erzdampfer nach Kirkwall gebracht.

Ein neuer englischer Böllerrechtsbruch geplant?

Christiania, 2. Aug. Nach dem Verhör der in Bergen ongetommenen Mannschaft des von einem deutschen Unter« seeboot versenkten, mit Bannware beladenen norwegi­schen Dampfers „F t m r e i t e" ist es doppelt auffallend, daß dieses Schiff das mit einer Eisenerzladung nach einem engli­schen Hafen bestimmt war, von einem englischen Hilfskreuzer angehalten und zur Kontrolle nach Kirkwall gebracht würbe, nachdem vorher ein Offizier mit vier Mann an Bord gegan­gen war. Die eigentliche Erklärung dürste sein, daß die Eng­länder beabsichtigten, von diesem neut-raten Schiff aus ver­mittels des mitgebrachten Waschineruiewebrs einem II sceboot aut&tlauem.