i Der Koma
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te-.-r-^gi Morgen-Veilage der Wiesbadener Tagblatts, i» - ■ ,-■)
Nr. 177. Sonntag, I. August. 1915.
118. Fortsetzung.)
Zrau Ktzas Töchter.
Roman von Emma HanShofer-Mrrk.
I <Nachdruck verboten.)
Doch die Woche ging hin. Das Wetter war herrlich und das junge Fräulein, das so brennend gern auf einen Berg gewollt Hatte, fand sich nicht ein.
An einein Feiertag kam Leutnant von Gräfe und «nachte Besuch.
„Was ist denn mit Ihrer Schwester?" fragte Olly unbefangen. „Sie ist doch nicht krank geworden?"
Der Leutnant wurde verlegen, stammelte eine sehr schlechte Ausrede. Später ließ er bann einfließen, die Mama sei so streng und lasse das arme Klärchen gar nicht von der Seite. Ganz altmodisch sei sie darin noch -Er für seinen Teil finde es viel hübscher, wenn die jungen Mädchen etwas freier feien. Man unter« halte sich doch besser als mit solchen Gänschen, die nichts lesen durften.
Er ivar offenbar kein großer Diplomat, der Leutnant. Vielleicht fand er es auch nicht der Mühe wert, die Ansichten seiner Frau Mama zu verbergen.
Olly konnte aus seinen Bemerkungen Wohl heraushören, daß Frau von Gräfe ihrer Tochter nicht erlaubt hatte, bei ihnen Besuch zu machen, mit ihnen zu verkehren. Man fand sie zu frei erzogen. Natürlich! Man hatte wohl schon von der Scheidung der Fahrenstoin- schen Ehe munkeln hören.
Auf die Gesellschaft des kleinen Mädchens konnte Olly leicht verzichten, aber als der Leutnant später anfing, eine recht starke Anekdote zu erzählen und lachend bemerkte: „Gnädiges Fräulein, verstch'n ja Spaß!" da wies sie ihn sehr entrüstet in die Schranken.
„Sie scheinen in einer Bogriffsverwechslung befangen, Herr Leutnant", sagte sie scharf. „Ich bin für Freiheit eingenommen: aber ich will nicht, 'daß die Herren sich mir gegenüber Freiheiten erlauben! Der Typus des nwdernen jungen -Mädchens ist Ihnen offenbar nicht klar!"
Es verstiinmte sie doch, mehr als sie sich selbst ein- gestehen mochte, daß sie unter den ganz korrekten Daunen nicht mehr für vollstiindig tadellos galt. Sie Wußte ja, wie man in der Gesellschaft urteilte. Es hieß nun Wohl: O diese beiden Schwestern! Die eine hatte doch einen Skandal in der Pfalz! Was war mit der andern?
Aber ihr Trotz half ihr darüber hinweg. Nun gnt! Wenn -man ihr Steine vor die Tür warf, dann ging sie eben den Menschen ans dem Weg!
Bruno war enttäuscht, daß die niedliche kleine Blondine nicht kam. Da es nun mit einem Flirt mit der adeligen jungen Dame nichts »rar, beschäftigte er sich um so mehr mit der hübschen Anna.
Er sagte ihr Schmeicheleien, riet ihr, das Haar nicht so straff zurückzirkämmen, sondern etwas loser über hie Schläfen fallen zu lassen. Er plauderte mit ihr, ■* oft er sie allem antraf, und als er mit freundlichen orten und warmen Blicken genügend ihre Scheu erspurten zu haben glaubte üdb kr ihr auch etwnal - Dunkeln einen Kuß.
„Aber Herr Robertus!" mahnte sie ablehnenU. Doch das Herz klopfte ihr vor Seligkeit, daß der schöne, feine, elegante junge Herr sie beachtet. So klang di- Entrüstung denn recht schwach.
Im Flug erhaschte er nun so manchen Kuß. Da er aber seine Neigung für die hübsche, schlanke Zofe der Mutter vor allen Blicken verbergen mußte, so war er nur auf eine flüchtige Annäherung angewiesen. Und er -fand es sehr langweilig, abends mit der Mama Domino zu spielen und uin zehn Uhr schlafen zu gchen oder in dem Dorstvirtshans mit dem Lehrer und dem Bahnexpodit-or zu tarocken. Das waren die einzigen Freuden, die sich in Fischbach boten. Er sehnte sich nach einem reizvollen Abenteuer.
Am Ende des Parkes, wo dieser von einem niederen Zaun mnfriodet an den Wald grenzte und draußen ein schmaler schattiger Weg an einem Bach entlang führte, stand ein Blockhaus, das wie eine niedliche Almhütte hcvgemchtet war. Ma-nia kam nie so weit auf ihren Spaziergängen, weil man hier Stufen gut steigen hatte, und Olly fand das Hüttchen gefchmack« los: „Der Traum eines Spießbürgers", sagte sie.
Bruno aber hatte eines Tages mit Wohlgefallen entdeckt, wie behaglich der Raum im Innern sei, wis hübsch er sich ausnahin, wenn man die Lampe an- zündete und die roten Vorhänge schloß. Ein stilles Plätzchen, wie geschaffen für -heimliche Liebe!
Nun hatte er ja ein Chambre s<*par£e, in dem ihn niemand stören würde! Und sogar mitten im sommerlichen Wald! Das war doch reizend.
Er inachte sich auch gleich daran, sich hier noch etwas wohnlicher einzurichten, ließ sich Kissen und einen billigen Teppich und ein paar Decken schicken,, denn er saß als moderner Sybavit nicht gern auf Holzstühlen. Auch süßen Wein schaffte er sich an und feines Konfekt, damit anan in dem Schränkchen etwas zu knabbern fand. All den kleinen Luxus schleppte er heimlich wie ein Hamster in seine Höhle. Und das Geld — um diese Einkäufe sofort zu bezahlen — denn es durfte um keinen Preis bei dein Vater -oder der Mutter eine Rechnung einlaufen — verschaffte er sich durch einen schlauen Trick.
Er breitete eines Tages sin Wohnzimmer Karten aus, las eifrig im Reisehandbuch und schien ganz ver« tieft in Pläne.
„Was studierst du denn da?" fragte -die Mama.
„Ach, ich möchte einmal eine größere Bergtour machen. Auf den wilden Kaiser, und da sche ich nach, wie es sich am besten einrichten läßt."
„Bruno! Um Gottes willen! _ Auf dem Kaiser sind schon so viele verunglückt. Nein, das erlaube ich nicht!"
Er zuckte bloß mit den Schultern, machte sich weiters Notizen und warf zerstreut hin: „Aber ich bin doch lein Kind, Mama, und ich muß wwder einmal ordenA sich laufen. Dian rostet ein in dieser Ruhe hteru
