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Sonntag, 1. Flugrist 1915.

Morgen - Busgabe.

Nr. 355. 65. Jahrgang.

Der Heind wird überall angegriffen!

Neue Erfolge bei Hooge und Ypern. Luft­bombardement von Luneville, St. Vis und Naneq. weiteres Vordringen nordwestlich Lomza. f Gescheiterte russische Angriffe am rechten Weichselufer.

Der Tagesbericht vom 31. Juli.

W.T.-B. Großes Hauptquartier» 31. Juli. (Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz.

Gestern früh erstürmten wir die nach unserem Angriff auf Hooge (südlich von Dper») am 3. Juni noch in englischer Hand gebliebeuen Hänser am Westrande des OrteS sowie eine» Stützpunkt südlich der Straße nach Dperu. Nach­mittags und nachts wurden Gegenangriffe des Fein­des zurückgeschlagen. Wir eroberten 4 Maschinenge­wehre, 5 Mineuwerser und nahmen einige Engländer ge­fangen. Die in den Gräben des Feindes gefundene Zah^ Toter beweist feine großen blutigen Verluste.

Dir Franzoscn griffe» bei Souchez abermals erfolg, los mit Handgranaten an.

Die erbitterten Kämpfe um die Linie Lingekopf. Barrenkopf in den Vogesen stnd zu einem Stillstand ge­kommen. Die Franzosen halten einen Teil unserer Stellung am Lingekopf noch besetzt. Schratzmönle und Barrenkopf sind nach vorübergehendem Verlust wieder in unserer Hand.

Als Vergeltung für die mehrfachen Bombenabtvürfe der Franzosen ans Shauny, Tergnier und andere Orte hinter unserer Aisne-Front, wurde der Bahnhof Compitzgne befchoste«. Auf Angriffe französischer Flnggeschwader» dir gestern auf Pfalzburg, Zabern, nördlich Hagenau uud auf F r r i b u r g Bomben abwarfen, antworteten am Nach, mittag unsere Geschwader mit Bombenabwürfen auf Flug­hafen und Fabriken von Luneville, die Bahnhofsanlagen von St. Die und den Flughafen bei Nancy. Der durch die feindlichen Flieger angerichtete Schaden ist unwesentlich. Ein französisches Flugzeug wurde bei Freiburg durch unsere Ab- wehrgeschütze heruntergeschossen.

Gestlicher Kriegsschauplatz.

Nordwestlich von Lomza und an der Bahn nördlich von Goworowo (östlich bei Roshan) geht unser Angriff vor- wärtS. Gestern wurden 1890 Rnffen gefangen, 3 Maschinen- gewehre erbeutet. >

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Die auf das rechte Weichselufer übergegangenen Truppen des Generalobersten von Woyrsch dringen unter hartnäckigen Kämpfen nach Osten vor. Alle Gegenan­griffe eiligst herbrigeführter ruffischer Verstärkungen scheiterten völlig. Die Zahl der Gefangenen ist auf 7 Offiziere (darunter rin Regimentskommandeur) uud 1660 Mann gestiegen.

Den in der Verfolgung begriffenen verbündeten Ar­meen des Gencralfeldmarschalls von Mackensen scheint der Gegner in der ungefähren Linie Nowo-Alexandria an den Weichsclhöhen, nördlich Lublin (daS gestern nach- mtttag besetzt wurde), und dicht südlich Cholm erneuten Widerstand leisten zu wollen. Der Feind wird überall an- gegriffen.

Während der Kämpfe der deutschen Truppen bei B kupier-Pi aski am 36. Juli sind 493« Gefangene macht und 5 Geschütze, 8 Maschinengewehre erbeutet.

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Obrrste Heeresleitung.

vie Einnahme von Lublin. Angriffe auf der ganzen Linie. weitere erfolglose italienische Vorstöße.

vor österreichisch - ungarische Tagesbericht,

W. T.-B. Wien, 31. Juli. (Nichtamtlich.) Amttich verlautet vom 31. Juli, mittags:

Russischer Kriegsschauplatz.

Die Armee aes Erzherzogs Joseph Ferdinand nahm gestern nachmittag von Lublin Besitz. Der linke Flügel überschritt in der Verfolgung die Bystra. Deutsche Truppen drangen den W i e p r z abwärts vor und nähern sich von Sübwesten der Stadt Cholm. Der Gegner versucht an verschiedenen Punkten in vorbereiteten Stellungen e>-neut Widerstand zu leisten. Er wird überall angegriffen Nordwestlich Jwangorod wiesen die auf dem Ostufer der Weichsel vorgedrungenen deutschen Kräfte Angriffe ab. Die Muffen erlitten große Verluste.

In O st g a l i z i e u blieb die Lage unverändert.

Italienischer Kriegsschauplatz:

Die italienischen Jnfanterieangriffe im Görzischen Habe« gestern vollkommeu ausgesetzt. Gegen unsere Stellun­

gen am Plateaurande verfeuerte die feindliche Artillerie nach wie vor große Mengen Munition.

Im Kärntner Grenzgebiet kam es zu mehrere» Gefechten. Drei italienische Bataillone griffen nach starker Artillerievorbereitung die Stellungen unserer Truppen auf dem Kleinen Pal a». Es gelang dem Feinde in erneu vorgeschobenen Schützengraben einzudringen. Doch wurde er nach hartnäckigem Kampfe unter schweren Ver­lusten wieder vollends zurückgeschlagen.

Ebenso wurde ein Vorstoß italienischer Truppen bei Paß Lodin nt (rvrdlich Paularo) auf nächste Distanz durch Feueranfall und Handgranaten ab gewiesen. Am Grenz- kamm südlich Malborghet räumte eine unserer vorge­schobenen Abteilungen einen Beobachtungspostea von über­legene» feindlichen Kräften.

In Tirol beschoß italienische Arüllerie erfolglos die Plateaus von Folgaria. Lafarone. Ein Angriff schwächerer feindlicher Kräfte im Gebiet des Monte Cristallo wurde blutig abgewiesen.

Der Stellvertreter des 6 Hess des Generalftabes: v. Höf er, Feldmarschalleutuant.

Lin Kriegsjahr.

Von Dr. Traub (Dortmund), M. d. A.

Ern Jahr voll Kampf und Sieg liegt hinter «uns. Wer hätte es so gedacht? Kein Schriftsteller und kein Dichter kann dem gerecht werden, was in diesen 365 Tagen und Nächten da draußen in den Fronten und Etappen, in den Schützengraben und den Zimmern der StadLbevatun-gen gedacht, gekämpft, gelitten, ge­sorgt, gesudelt worden ist. Eine große mächtige Arbeit wurde da geleistet, und das alte deutsche Sprach- curpfinden hat recht, wenn es den Krieg eineArbeit" nennt.

Wir 'haben viele Siege erfochten. Der Mann hinter der Front ist fast verwöhnt worden. Er hat kein rechtes Augenmaß mehr für das, lvas der Sieg kostet an Vorbereitung, an Opfer. Der Erfolg ist nicht ein emfaä)es rechnerisches Exempel; am es so klappt, wie man's vorausderechnete, 'da war die Sorgfalt riesen­groß. Eine einzige Empfindung ringt sich heute stark aus aller Herz und Brust: heißer Dank den Truppen und ihren Führern! Sie haben ihren Namen nicht nur in die Täfeln der Geschichte eingezeichnet; lebendige warme Herzen tragen ihn wie ein Heiligtum. Das Volk kennt seine Tapferen und blecht chnen treu. Geschlechter werden kommen und langsam rückschauend im Zuiammenhang berichten und erzählen, was geschah, als der große Krieg anhub, als Lüttich und Antwerpen fielen, als die Masurenfchlacht geschlagen war. als das heiße Ringen in den Kar­pathen zum Erfolg führte; sie werden schildern, was unsere Blaujacken für Heldertaten vollbrachten von derEmden" bis zu Weddigen und zu all den stummen Toten auf dem Meeresgrund hin; sie werden künden von den Taten der Bundesgenossen uud dem Gewaltigen, was an den Dardanellen geschah. Und sie werden es doch alle nicht vermögen wie wir selbst, die wir nur einen kleinen Teil übersehen, aber die Wucht des ganzen einzigartigen Erlebnisses am eigenen Leib erfahren.

Großes ist dir geschenkt, du deutsches Dolkl Ver­giß es nie!

Ein Jahr voll Not und Kraft Liegt hinter uns. Wir denken der Frauen, Mütter, die ein tapferes Menschenkind ihr eigen nennen, das heute unter frem­der Erde schläft. Wir denken an die vielen Ver­mißten und Gefangenen und die hundert­tausend Sorgen und Fragen, die ihre Fußtritte hintec- lassen, die sich im Dunkel verlieren. Wir denken an die Verwundeten, Lahmen. Blinden, die wie ein ehrwürdiger Zug durch unstve Gaue ziehen, habt sie lieb, nicht nur jetzt in den Tagen der öffent­lichen Aufmerksamkeit, nein, besonders später, später! Wir wissen von vieler Sorge im Geschäft, vielem Kopfzerbrechen im Haushalt, vielem Sinnen und Sorgen bei Tag und Nacht. Gewißlich! Die An­forderungen an das deutsche Volk in diesem Jahr waren riesengroß. Und doch! Welche Kraft hat sich entfaltet.

Was konntest du, du deutsches Land! Du hast es dir gar nicht zngetraut. Gut, daß du 1914 nicht wußtest, daß es bis zum 1. August 1915 dauert, du wärst vielleicht kleinmütig gewesen. Nun hast du ge­sehen, welche Kraft in dir steckt. Das Schicksal hat Großes von uns verlangt. Das ist Probe und Ehre. Der Tüchtige will zeigen, was er vermag. So

scheu wir nicht die Not in erster Linie, sondern wie diese Not getragen, überwunden wurde, wie sie Tau­sende segnete mit ungeahnter Widerstandskraft und ße fähig machte zum Helden. Dieses ganze Jahr ist ein großer Protest gegen die jammerseügen Leute, die keinem Helfen und nur lästig fallen, mrd es ist ein Hort der schlichten tapferen Seelen, die sich nichts ern- dilden, aber in ihrer starken Pflichterfüllung das Land bchüten, vani Kaiser bis zum Arbeiter und Bauern- knecht.

Ein Jahr voll Saat und voll Hoffnung liegt hinter uns. Es hilft nichts, die Uhr vorzustellen. Die Zeit gcht ihren Gang. Darum hat es keinen Wert, sich in den Fragen zu bewegen, ob der Frieden nwrgen oder in einem halben Jahre kommt. Wir gehen unseren Gang. Deutschland ist unüber­windlich, Das hat dieses Jahr gelehrt. Diese blutige Saat ist ausgestreut in alle Welt und trägt goldene Ernte. Man wird später in indischen Bergen und auf malaiischen Inseln und in bvasÜMrftchen Wäldern erzählen, daß acht Feinde nicht genügten, um Deutschland rrnd seine wackeren Bundesgenossen nocder- zuwerfen. Wir hoffen auf ein stärkeres Deutschland, das nach Westen und Osten Land gewinnt, be­sonders um Bauern Boden und Siedlung zu schaffen; wir hoffen auf ein starkes Kolonialland, das uns Wege schafft für unsere überschüssige Bevölkerung, und auf viele Kohlen st ationen auf dem Erden­rund, daß unsere Schiffe die Freiheit des Meeres be- wcchren. Wir hoffen auf ein freieres Reg im ent in unserem deutschen Vaterland, das der Acft- sache Rechnung trägt, daß das Volk mündig ist. Wir hoffen, daß der Geist sich frei betätigen werde und .ferner den anderen in seiner Überzeugung in wissen­schaftlichen, religiösen und künstlerischen Dingen mehr kränke. Ein freies Volk im starken Staat, getragen von einheitlicher nationaler Ge­sinnung das erhoffen wir von diesem Kriegsjahr. Zunächst aber hoffen wir, daß wir so siegen, daß dies alles möglich sein wird. Das ist die Hauptsache. Vorher soll man nicht viele Worte machen. Alles muß reifen. So werden wir nicht ungeduldig. Die an­deren Völker sind schon viel ungeduldiger. Wir warten und 'beten nicht in erster Linie um Frieden, sondern um Sieg. Dann fonrmt alles zurecht.

Das zweite Kriegsjahr beginnt. Wie das klingt! Hart uud stark wie deutsches Eichenholz. Deutfch- land bleibt Sieger.

Das Ergebnis des ersten ttriegsjahres.

(Von unserer Berliner Schristleitung.)

8. Berlin, 31. Juli. (Zeus. Bln.) Ein Rückblick auf das zu Ende gehende erste Kriegsjahr zeigt, daß zwar die Feinde Deutschlands und seiner Verbündeten noch keineswegs end- gültig niedergerungen sind; aber auf der anderen Seite darf mau doch, ohne die eigenen Erfolge zu überschätzen, feststellen, daß auf unserer Seite zum mindesten ein großer Schritt gufn endgültigen Siege getan ist. Bezeichnenderweise geben selbst dieTimes" zu, daß die Bildung des ersten KriegSjahreZ mit einemPlus auf der falschen Seite" abschließe. Ein paar Zahlen mögen diese Bilanz veranschaulichen:

Am Schlüsse des ersten Kriegsjahres befinden sich von deutschem Boden noch 165« Quadratkilometer Voges-en- landes in französischem, 1600 Quadratkilometer gali- zischer Boden in ruffischem Besitz. Dagegen halten wir besetzt in Belgien 29600 Quadratkilometer, in Frank­reich 21 600 Quadratkilometer und in Rußland gemein­sam mit unseren Verbündeten 130 000 Quadratkilometer, zusammen 180 000 Quadratkilometer feindlichen Bodens/ Die besetzten Gebiete bedeuten natürlich auch hohe wirt­schaftliche Werte. Der Wert Belgiens, das >oir ja fast ganz in Händen haben, ist bekannt, ebenso, daß von gesamten französischen Kohlenförderung 60 bis 70 Prozent, von der französischen Erzförderung 90 Prozent in unseren Händen sind. Im ganzen stehen 40 Prozent der ftanzösischen Gesamtindustrie, soweit sie mit Dampflraft arbeitet, unter deutscher Aufsicht und Verwaltung. Von Rußland endlich besitzen wir, um ein paar Beispiele zu nennen, in Libau den besten ruffischen Ostseehafen, in dem Bezirk von Lodz den Mittelpunkt der gesamten westrnsfischen Industrie. Besonders groß wird natürlich der Wert des von uns besetzten Landes für die endgültige Auswertung der bis­her erzielten militärischen Erfolge.

Das hellste Lichr das auf diese militärischen Erfolge fällt, gibt die Statistik der deutschen Kriegsbeute. Seit dem Beginn der großen deutsch-österreichischen Offensive gegen Gorlice und Tarnow sind gefangen genmomen worden" im Biai 300 000 Russen, im Juni 160 000, allein in den Tagen vom 14» bis 23. Juli 123000 (außer 38 GHchütze»