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Verlag Lauggaffe 21

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Samstag. 31. 2uli 1813, Kbend-Kusgabe. Nr- 352 - * S3. Jahrgang.

Gesterreichische Kavallerie in Lublin eingezogen!

W.T.-B. Wien, SO. Juli. (Nichtamtlich.) Amtlich ver­lautet: 30. Juli, 8 Uhr qbendS: Unsere Kavallerie ist heute kurz nach Mittag in Lublin eingerückt.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: v. Höf er» Feldmalschalleutnant.

Die Vorbereitung der öffentlichen Meinung

in Rußland auf den großen Rückzug.

Der „Rußkij Invalid" redet der Räumung der polnischen Festungen das Wort.

Berlin, 31. Juli. (Zeus. Bln.) Wie die Morgenblätter aus Petersbur g melden, gibt „Rußkij Invalid" einen Rückblick auf das vergangene KriegSjahr und schreibt, cs sei sehr gefährlich, an der bisherigen Front stehen zu bleiben und der Weichsel und dem Rarem mit ihren Städten und Festungen eine allzu große Bedeutung beizulegen. Biel wertvoller sei es, die wertvolle Tiefe des russischen Kriegs­schauplatzes auszunutzcii und dabei die deutschen Streitkräfte mit sich mehr und mehr von ihrer Basis abzuziehen und sie zu ermatte». Um dies zu erreiche», kann der vorderste Teil des Kriegsschauplatzes sofort aufgegeben werden. Das ruffische Heer muß sich vor allem seine Bewegungsfreiheit bewahren. Man soll lieber Festungen opfern und sie nicht der Belagerung aussetzen, wenn sie untir keinen Umständen zu hallen sind.

Der „Rustki Invalid" schreibt weiter zur Begründung des russische» Rückzugs: Die Entscheidung ist unabhängig von der Stelle, wo sie stattfindct. Der Rückzug der Ruffen verspricht ihnen den Sieg, denn ihre Streitkräfte sind immer noch im Anfang der Entwicklung. Deshalb sehen wir, daß es für die russischen Streitkräfte notwendig ist, sich auf die H a u p t l i n i e der Entfaltung zurückzuziehen, diefüralleEventualitäten geeignet ist. Wir sollten a»ich die neue Front näher an die Stelle verlegen, woher die Munition kommt und den Feind m i t z i c h e n, selbst wenn e8 uns W a r s ch a u, die W e i ch s e l st e l l u n g, Jwangorod nnd Nowogeorgijewsk kostet. Dieser Rückzug wird Rußland die Offensive ermöglichen, die sich als entscheidead und unwiderstehlich Herausstellen wird.

Auch ein englisches vlatt bereitet auf die Räumung Warschaus vor!

W. T.-B. London, 30. Juli. (Nichtamtlich.) Der Peters­burger Berichterstatter der „Morming Post" weist daraus hm, daß Rußland beschlossen habe, die Warschauer Befestigun­gen und die W e i ch s e l l i n i e zu räumen .nnd zu verhin­dern, daß die Deutschen die russische Front durchbrechen. Diese Taktik findet die Billigung der Verbümldeten, da die letztere Möglichkeit alle anderen Erwägungen in den Hintergrund drückt.

Die kritische Lage in Warschau.

Br- Kopenhagen, 31. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Der Warschauer Sonderberichterstatter der „Times" meldet: Die Lage wird mit jeder

Stunde gespannter und gefährlicher. In den Straffen ist der Kanonendonner deutlich ver­nehmbar. Fortwährend treffen große Mengen Ver­wundeter hier ein, die die Bevölkerung von der kritischen Lage bezeugen und beweisen, das, man damit rechnen müsse, die Linie a u f z u g eben. Jedoch ist es immer noch unmöglich, etwas über den Ausfall des rasenden Kampfes vorauszusagcn. Die Befestigungs­anlagen der B l o n i e - Linie find außerordentlich stark; ähnlich wie mit dem von den Russen gegen die Linie von Lublin- Cholm geleisteten Widerstand (der ist inzwischen in der Hauptsache erledigt. Schrift!.), könnte es auch durch diese Anlage hier gelingen, den feindlichen Vorstoß zu verhindern. Die Deutschen, die vorläufig im Süden aufgchalten sind, scheinen nun einen Flankenangriff gegen Warschau zu richten und sich den Übergang am Zusammenfluß von Bug und Narew erzwingen zu wollen. Der Be­richterstatter fand die Stimnmng im russischen Haupt- - quartier besser, als er erwartete. Trotz der äußerst gespannten Lage und der Entfaltung intensiver Tätigkeit auf der ganzen Linie scheint der Generalstab die Gefahr augenblicklich nicht für besonders ernst an- zuschen.

ftm Vorabend der Entscheidung.

IV. T.-B. London, 31. Juli. (Nichtamtlich.) Peters­burger 5torrespondenten Londoner Blätt>-r bestätigen, daß Rußland am BorabrndderEntscheidung stehe, wenn diese nicht schon gefallen sei. Alle stimmen in der An­nahme überein, das) Warschau unmittelbar vor dem Fall stehe.

in unserer fjaitö!

vis pessimistische Stimmung in Petersburg.

Haag, 30. Juli. (Zeus. Bln' Die „Morning Post" mel­det aus Petersburg: Die Stimmung in den Kreisen der Armee und des Publikums ist in den letzten 24 Stunden pessi­mistisch geworden. Bisher verlautete, daß die Deutschen fruchtlose Angriffe ans die Verteidigungslinien rund um Warschau machten und sich in schweren Angriffen erschöpften. Es scheint aber, daß das deutsche Aushaltnngsver- N; ö g e n, das durch den verzweifelten Widerstand der Russen nicht znrückgewiesen werde» konnte, abermals nicht richtig ein- geschätzt worden ist. Denn trotz aller rücksichtslosen

Armee die Freiheit des Handelns vollauf gewahrt. In welcher Weise und mit welchem Endziel diese ausge­nutzt werden wird, werden uns wohl die nächsten Tage zeigen. Voller Spannung richten sich die Augen aller Welt auf diesen Teil des Kriegsschauplatzes, und die besonders offenherzigen englischen Militär-- kritiker erblicken in den Operationen der Armee Below den Ansatz zu einer gewaltigen Umgehungs" und V e r n i ch t u n g s k a m p f und erinnern hierbei an die Studie Schlieftens über Cannä.

Der zweite Kampfraum reicht südlich des Njemen

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Zwischen Bug und Weichsel

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Verwendung der Menschen nnd der knappen Muni­tion ist eine Zurückhaltung der deutschen Angriffe nicht mög­lich gewesen. Um Warschau wird gegenwärtig an drei ver­schiedenen Punkten gekämpft. Der Kanonendonner ist in der Stadt hörbar. Die Stadt liegt abends in völligem Dunkel; tagsüber fliegen feindliche Flugzeuge dar­über hinweg.

Ein holländisches Urteil über die Ankündigung des grotzen russischen Rückzuges.

DaS Ergebnis des ruffischen „Zuges nach Berlin".

W.T.-B. Haag, 30. Juli. (Nichtamtlich-^ Der „Nieuwe Courant" schreibt in einer Übersicht über die Kriegslage: Dar­auf ist also der russische Zug nach Berlin hinausgc- laufen: auf die Räumung Warschaus ä la minute. Man muß, wenn man objektiv bleiben will, zugcben, daß an den breitspurigen Betrachtungen des „Rußkij Invalid" etwas W a h r e s ist. Es ist nicht unmöglich, daß der klaffiscke Zug Napoleons nach Moskau sich wiederholt. Aber wir glauben uns zu erinnern, daß die russischen Heere 1812 sich nicht vorher ein paarmal besiegen ließen. Wir müssen abwartc». Es wird sich bald erweisen, ob der aus Petersburg angekündigtc Rückzug wirklich strategischer Natur ist oder durch den Drang der Umstände veran­laßt wurde. Die Ankündigung, daß die Duma Sonntag zn- sammenkommt und die Regierung das Land von dem militäri­schen Zustand in Kenntnis setzen wird, spricht Bände.

Oer östliche Uriegsschauplatz.

Auf dem östlichen Kriegsschauplatz heben sich mehrere Kampfgruppen, örtlich voneinander getrennt, deutlich ab Diese einzelnen Heeresgruppen lohnen sich mit ihren Trennungslinien an Flutzläufe an, stehen jede für sich unter einem besonderen Oberbefehlshaber, wechseln sich ineist in ihrer Kampftätigkeit ab und arbeiten dennoch nach dom einheitlichen Grund­satz der obersten Heeresleitung. Tie nördlichste Heeres­gruppe steht Zwischen Ostsee und dom Njemen. Aus der 8-förmigen Biegung dieser Front kann man schließen, daß der nördliche Flügel den Flanken­schutz gegen feindliche Angriffe von Riga und Mftau bildet, während die anderen Teile der Armee Below das Gesicht Dünaourg zugewandt haben und hier­gegen im Vormarsch sind. Die vergeblichen Stöße gegen die linke Flanke der Deutschen sind bisher sieg­reich abgowiesen worden. Eine Umklammerung B e I o w s iit völlig gescheitert. Hierdurch hat sich diese

bis in die Gegend nördlich der Festung Ostrolenka. In militärischer Hinsicht ist er ein besonders inter­essantes Gebiet, weil seine Bodenbeschaffenheit viele natürliche Hindernisse bietet: im nördlichen Teil ein ansehnlicher Höhenrücken, von welchem unsere Stellun­gen das Flußbett des Njemen beherrschen, in seinem mittleren Teil ein asgedehntes Seegsbiet, ) üblich Kalwarja, während südlich davon die breiten, teils dicht bewaldeten Sumpfstrecken des Bober und Narew auf weite Strecken eine Annälierung verhindern. Ent­sprechend dieser Eigenart des Geländes hören wir auch nur auf dem nördlichen und mittleren Teile brat Kämpfen, südlich Kowno und östlich Suwälki. In welcher Wechselwirkung hier die Operationen mit denen; der anderen Heeresgruppen in Zusammenhang stehen oder stehen werden, ist nicht klar zu erkennen. Die russischen Berichte messen ihnen anscheinend keine Be­deutung bei, wodurch auch das Gegenteil bewiesen sein könnte. Eine bestimmte Ansicht läßt sich hier noch nicht äußern.

Die dritte Kampfzone liegt auf dem ö st l i ch e n Narew-Ufer in einem Dreieck, dessen Spitze bei Ostrolenka zu suchen ist und dessen Basis das Flußbett des Bug bildet. Seitdem die Deutschen in diesem Raum das Narew-Ufer gewechselt halben, spielen sich hier erbitterte Kämpfe ab. Durch unser siegreiches Vorgehen auf dem Ostrolenka am nächsten känipienden Flügel ist die von hier auf Warschau und Jwangorod führende Bahn bereits rm Feuer unserer Artillerie, ustd zwar an zwei Punkten: im Norden bei Goworowo nach deutscher und im Süden bei Olzaki nach russischer Meldung. Dies ist deswegen von Wichtigkeit, weil der Vorteil der inneren Linie nur gewahrt werden kann, wenn das Bahn­system ungestört in der Hand des auf ihr Operieren­den verbleibt — nämlich der Russen. Während auf diesem Flügel das russische Heer in die Verteidi­gung gedrückt ist, erfolgen auf dem linken schwache Gegenstöße im Kampfe um Serock. Diese scheinen aber auch in unserem vernichtenden Feuer zu ersterben, da die Russen am gestrigen Tage eine deutsche Gegen­offensive melden, ohne irgendwelche eigene Erfolge zu erwähnen. — Auf dem westlichsten Teile des östlichen Kriegsschauplatzes wird der Ring um die beiden Festungen Nowogeorgijewsk und Warschau immer enger geschnürt. Auch auf dom Südufer der,