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Seite 4 . 18 . November 190».

Wi-Svadener Tagblatt (Morgen-Ansgabe). Verlag: Langgasse 27

SO. Jahrgang. No. S81

halten. Im Zickzack schleppten sich die Pferde unter den

Hieben der Offiziere voran, als wollten sie sich bald rechts bald linkö an die Bänmc der Landstraße anlehnen. Zu dem Mitleid mit den gequälten Thieren kam bei den Zu­schauern bald genug gerechte Entrüstung über die Roh­heit, womit die mit blutigen Flecken dahinstolpernden Thiere behandelt wurden. Die Sporen der Reiter waren bis zu den Stiefelabsätzen mit Blut gefärbt. Und so sollte nun das grausame Spiel noch 18 Kilometer weiter­gehen:" Der Berichterstatter des „Petit Bleu" bemerkt, er habe sich schließlich entfernt, um solche Thierquälerei nicht mehr mitansehen zu müssen. Er schließt seine Schil­derung so: „Den Schaulustigen hat man eine große Freude bereitet. Aber man braucht deswegen einen sol­chen Ritt nicht zum zweiten Male zu unternehmen. Wenn man erfahren will, welcher Grad von Erschöpfung nöthig ist, damit ein Roß verende, so möge man Armeepferde auf endloser Bahn zu Tode Hetzen lassen und dem, der zuletzt stürzt, den Siegespreis zuerkennen. Das gestrige Wettreiten war kein Fernritt, sondern ein Wettbewerb für die Zugrunderichtung von Militärpferden. In Zu­kunft wird Niemand mehr Augenzeuge eines solchen Schauspiels sein wollen.

* Die beanstandete „Schiffstaufe". Gegen den Aus­druck „Schiffstaufe" wendet sich ein wunderbarer Antrag der Kreissynode Samter, der auf der Posener Provin- zial-Synode verhandelt wurde. „Die Provinzialsynodc wolle beschließen, den verfassungsmäßig ihr möglichen Einfluß dahin geltend zu machen, daß die Namengebung von Schissen nicht mehr als „Schiffstaufe" bezeichnet wird und dadurch die einzigartige Bedeutung des heiligen Taufsakramcnts im Bewußtsein der Gemeinde getrübt zu werden Gefahr läuft." Die Provinzialsynode muß diesen Antrag sonderbar gefunden haben, denn sie hat ihn der Kreissynode Samter zur „weiteren Erwägung" zurück­gegeben.

* Eine Rcvolvcrkugel im Herze«. In der letzten Sitzung der Wiener Gesellschaft für innere Medizin stellte Dr. Kienböck einen Mann vor, welcher in selbstmörde­rischer Absicht zwei Revolverschüsse gegen sich abgefeuert hatte. Der erste Schutz ging in die linke Schläfengegend: der Mann wurde für kurze Zeit ohnmächtig, und als er wieder zu sich kam, feuerte er die zweite Kugel gegen sein Herz ab. Die erste Kugel wurde später operativ entfernt, die zweite verblieb im Körper, wo sie erst durch Röntgen-Strahlen nachgewiesen wurde. Sie sitzt merk­würdiger Weise im Herzbeutel hinter dem Herzen und macht unausgesetzt unter dem Einflüsse der Athmung und des Herzschlages elliptische Bewegungen. Der Mann ist, abgesehen von einem alten Herzleiden, gesund und hat keine Beschwerden, welche auf diesen Fremdkörper des Herzens bezogen werden könnten.

* Die Walfische, die Tintenschnecke« und Minister Pelletan. Die Franzosen werden nicht müde, sich über ihren Marineminister Pelletan und seine gediegene Sach- kenntnitz lustig zu machen. Im „Figaro" theilt Lavier Roux seine neuesten ausschweifenden Pläne in folgendem hübschen Dialog mit. Reporter: „Ist es wahr, Herr Minister, daß Sie beschlossen haben, den Bau aller Schiffe auf den Werften einstellen zu lassen?" Pelletan: „Es kann nichts wahrer sein." Reporter: „Ich weiß, daß Sie nicht an die Nützlichkeit der Panzerschiffe glauben, aber Sie lieben die Torpedos." Pelletan: „Ich liebe sie nicht mehr." Reporter: „Was aber nun?" Pelletan: „Ich schaffe ganz einfach die ganze Flotte ab." Reporter: „Wie!!??" Pelletan: „Ihre Verblüffung macht mir Spaß, und ich will Ihnen das Projekt mittheilen, das ich der Kammer unterbreiten will ... Kennen Sie Homer, mein Herr?" Reporter: „Wie alle Welt." Pelletan: „Nun dann werden Sie mich begreifen. Ich schaffe alle unsere Schiffe ab und er­setze sie durch die explodirenden Walfische und die patriotischen Tintenschnecken. Die Walfische sind für die Offensive, die Tintenschnecken für die Defensive." R e -

von Rembrandt, in kraftvollem Ton-Holzschnitte gegeben,

ein anderes, Lionardos Abendmahl, in fein eingehendem Lichtdruck. Die Folge enthält sonst noch den Christus­kopf aus Lionardos Abendmahl, groß abgenommen nach dem Original, dann Dürers Beweinung Christi, Rem- brandts Raub der Proscrpina und Turners Temeraire. Gleichzeitig werden drei neue Vorzugsdrucke erscheinen, Blätter, mit denen wir unseren Freunden eine besondere Freude zu machen hoffen. So das Brustbild der Madonna mit dem Christusbild aus Raffaels Sixtina, hergestellt in großem Formate in einer schönen Gra­vürentechnik — das Blatt wird mit Text für 3 Mk. abge­geben, entsprechende Reproduktionen waren bisher kaum für den vierfachen Preis zu erhalten. Dann bringen wir des Peter Cornelius' großes Nibelungen-Blatt in einem etwas kleineren Lichtdruck, der, für 2 Mk. käuflich, dieses gewaltige Werk in Haus und Schule wieder einführen soll. Als drittes Blatt (zu 1 Mk.) erscheint der mächtige, lebensgroße „Christuskopf" nach Dürer, von dem eine billige Reproduktion unseres Willens bisher überhaupt nicht zu bekommen war. Wir haben ihn, entsprechend seinem Charakter als Zweifarbenholzschnitt, mit schwarzer und gelber Platte in der Größe des Originals auf Büttenpapier drucken lassen. Auch diesen Blättern geben wir Texte mit. Weitere neue Kunstwartunter­nehmungen werden in den nächsten Heften des „Kunst- wart" angezeigt werden.

* Der Fall Hugo Vogel. Durch den trefflichen „Kunstwart" kommt eine Sache an die breitere Oeffent- lichkeit, die, so gern man sie todtschweigen mochte und auch bereits todtzuschweigen versucht hat, wie dasselbe Blatt angiebt, nun doch nicht mehr unbesprochen bleiben kann. Schon im August hat die „Werkstatt der Kunst" in München durch Nebeneinanderstellung der Ab­bildungen verblüffend, nein, vernichtend unwiderleglich bewiesen, daß Herr Professor Hugo Vogel, Mitglied der Akademie der Künste und Besitzer der Großen goldenen Medaille für Kunst, eine „siegreiche Germania" im Staatsauftrag für das Ständehaus in Merseburg gemalt hat, die eine genaue Kopie der — Jungfrau von Orleans, des keineswegs unbekannten Standbildes von Paul Dubois, ist. Die Germania trägt unsere Kaiserstandarte, Johanna d'Arc ein Schwert,- jene zu dem verzückten Blick der französischen Schwärmerin noch einen Lorbeer- kranz, daher der Name „siegreiche Germania": die

Deutsche hat wallendes Haar und einen etwas kräftigeren

porter: „Ja, aber ich sehe nicht recht . . ." Pelle» tan: „Das ist doch sehr einfach. Die Geschichte vom hölzernen Pferde hat mir immer großen Eindruck ge­macht. Sie wissen, daß sich in seinem Inneren zahlreiche Griechen einquartirt hatten, die so in die Stadt Troja ein- dringen konnten . . . Nun dachte ich, man sollte tausend Walfische bauen lassen, die nicht einen Jonas, sondern ein Bataillon bis zu den Zähnen bewaffneter Jonase aufnehmcn könnten. Wenn sie gelegentlich Walfische ge­fangen haben, so wissen Sie, daß man, wenn man das Thier harpuntrthat, es auf die Brücke des Walfischfängers hißt. Können Sie sich nun vorstellen, was für ein Gesicht der englische Admiral machen wird, wenn er das Un­geheuer gefangen hat und es dann zerlegen will? Drei­hundert Matrosen werden unter dem Absingen der Mar­seillaise aus meinem Walfisch, der aus mit Kautschuk überzogenem Kork gefertigt ist, herauskommen und Schrecken und Tod mitten unter die verblüfften Feinde tragen!" Reporter: „Das ist wirklich zugleich er­haben und einfach ..." Pelletan: „Für die Ver- theidigung unserer Häfen habe ich an die Tintenschnecken, an echte Tintenschnecken, gedacht. Sie wiffen, daß man sie mästen kann wie die Austern und abrichten wie die Elephanten. Regimenter von Tintenschnecken werden also den Eingang aller unserer Häfen versperren und die Tiefen des Meeres überwachen . . . Dem Schiff, das sich an Toulon, La Rochelle oder Cherbourg wagen wird, wird es schlecht ergehen. Tausend Arme werden seinen Rumpf umklammern und es zur Unbeweglichkeit ver- urtheilen. . . Die tapferen kleinen Tintenschnecken werden voll ihre Pflicht thun . . . Und jetzt erwarte ich mit festem Seemannsfutz alle Interpellationen! Wie Pilatus wasche ich meine Hände mit Bimsstein . . . ."

* Nationale Eigenthümlichkeite«. Wenn Jemand in Frankreich stirbt, ist die erste Frage: „Wie alt war er?" Hört man von einem Todesfall in Deutschland, so ist vor allen Beileidsbezeugungen erst nothwendig, zu erfahren, an was er gestorben ist: „Was hat ihm gefehlt?" ist die Redensart. Der Amerikaner, der sich nie viel mit Ge­fühlsfeinheiten abgiebt, bleibt sich auch in diesem Fall treu: „Gut, daß er endlich todt ist", sagt er. In Italien heißt es: „Armer Bursche, armer Mann, armes Mäd­chen", in Rußland: „Ihm ist wohl, er braucht nicht mehr zu arbeiten." Die>Holländer erkundigen sich sofort nach den Vermögensverhältnissen des Verblichenen: „Wie viel hat er hinterlassen?" und des Engländers Interesse kon- centrirt sich in der Frage: „War er versichert?"

* Frost- «nd Sturmwarnungen. Die auf Grund der Wetterbeobachtungen zusammengestellten Voraussagungen von besonderen Witterungsverhältnissen, die in irgend einer Weise der menschlichenBethätigung Schaden bringen können, haben mit der Entwicklung der meteorologischen Wissenschaft überhaupt und zugleich auch mit der Ent­wicklung der Verkehrsverhältnisse ehren Werth erlangt, wie er noch vor einem Jahrzehnt nicht denkbar gewesen wäre. Der Erlaß von Sturmwarnungen ist eine der ältesten Leistungen unserer Wetterwarten, deren Be­deutung für die Schiffahrt geradezu greifbar ist. Außer­dem ist die Lanöwirthschaft am stärksten daran interessirt, schnell und zuverlässig über die zu erwartende Witterung unterrichtet zu werden. Auch nach dieser Richtung hin sind bedeutende Fortschritte gemacht worden. Ein Land- wirth kann sich jetzt täglich das in Aussicht stehende Wetter für einen mäßigen Preis von Hamburg aus telegraphisch ansagen lassen. So tüchtig und erfreulich aber auch die neuen Errungenschaften der praktischen Meteorologie in Deutschland sind, so bleiben sie doch noch hinter dem zu­rück, was das Wetterbüreau der Vereinigten Staaten auf Grund einer großartigen Organisation und mit Hülfe reichlicher Geldmittel vor sich bringt. Das Wetterbüreau ist dort geradezu ein Theil des landwirthschaftlichen Ministeriums, und schon darum besonders dazu verpflich­tet, seine Thätigkeit der Lanöwirthschaft dienstbar zu machen. Erst seit ganz kurzer Zeit ist die Vereinbarung

Oberkörper — sie scheint männliche Rüstung zu tragen, ihr Pferd hat gleichfalls im Schweif wehende Haar- zuthaten,- im Uebrigen ist mit geringen Fortlassungen am Zaumschmuck das deutsche Bild eine genaue Kopie nach einer Photographie des französischen Bildwerkes, nur daß das Pferd der Kopie, namentlich bei den linken Beinen, hinter dem Original an Feinheit der Be­obachtung zurückbleibt.

* „Wie kann nor ä Mensch «it von Frankfurt sein?"

Sarah Bernhardt macht dem alten Homer Konkurrenz. Um die Ehre, des griechischen Dichterfürsten Vaterstadt zu sein, stritten sich bekanntlich sieben hellenische Orte: aber nicht lange wird es dauern, und Sarah Bernhardt wird den gottbegnadeten Sänger der Ilias und Odyssee „geschlagen" und einen neuen „Rekord" aufgestellt haben. Zuerst dachte man, sie stamme aus Paris, dann hieß es, ihre Wiege habe in Frankfurt a. O. gestanden, später wurde Frankfurt a. M. und schließlich Havre genannt. Und jetzt kommt Schopfloch in Bayern, ein kleiner Ort von etwa 2000 Einwohnern, und reklamirt allen Ernstes Sarah Bernhardt für sich. Die Schopflocher schreiben nämlich dem „Fränkischen Kurier" Folgendes: „Im Ge­burtsregister der israelitischen Kultusgemeinde dahier ist verzeichnet: Sara, Tochter der Judit Bernhardt, ge­boren am 24. Januar 1834. Die Mutter wanderte ein paar Jahre später nach Amerika aus und überließ ihr Kind der israelitischen Armenpflege. Nachdem das Mäd­chen ca. 12 Jahre alt war, wurde es in Begleitung an­derer Auswanderer der Mutter nachgesandt, traf jedoch nicht in Amerika ein und blieb verschollen. Später hörte man, es sei unterwegs in ein Kloster gekommen und erzogen worden. Die Mutter kam vor ca. 30 Jahren gelähmt hierher zurück, fand jedoch keine Aufnahme und ließ sich bald darauf nach Triest transportiren. Alte Leute erinnern sich, daß auch die Mutter eine große, hagere Person war, wie auch die (Tochter) Sara Bernhardt geschildert wird." Sarah Bernhardt wird mit Schopfloch schwerlich zufrieden sein. Der Ort ist doch allzu wenig bekannt, und dann macht das erwähnte Geburtsregister die Tragödin noch älter — als sie selbst angiebt, die, wenn auch Jüdin von Geblüt, doch auf ihr Christenthum etwas zu halten scheint. Sie schreibt nun unterm8.November aus Köln an Rochefort: „Lieber Freund! Es überrascht mich, daß Ihr Blatt (der „Jntransigeant") der dummen

getroffen worden, daß täglich zwischen Europa und Amerika Beobachtungen über den Stand des Wetters aus» getauscht werden, die für beide Gebiete wertyvvll sind, vielleicht für Europa noch mehr als für Amerika, weil die großen Luftwirbcl, die den Gang des Wetters hauptsäch­lich beeinflussen, in östlicher Richtung über den Atlanti­schen Ocean wandern, also von Amerika zu uns kommen. Die Mittheilung der amerikanischen Wetterbeobachtungen wird daher der Wettervoraussage in Europa ein wichtiges Material geben, andererseits auch die transatlantische Seefahrt genauer über die voraussichtliche Fahrt auf- klären. Was eine Wetterwarte für die Landwirthschaft bedeuten kann, geht aus dem Nachweis hervor, daß durch Frostwarnungen Seitens des amerikanischen Wetter- büreaus im vorigen Jahr der Schätzung nach allein im Gebiet von Jacksonville ein Schaden von etwa Vz Million an den Obst- und Gemüsepflanzungcn verhütet worden ist.

* Eine Stadt aus der Elbe. Der Hamburger Hafen giebt nicht nur vielen Tausenden Arbeit und Nahrung, er liefert auch ständig zahlreichen Menschen Wohnstätten. Bei der letzten Volkszählung (am 1. Dezember 1900) zählte man innerhalb des hamburgischen Stadtgebietes 1928 bewohnte Schiffe im Hafen mit 7375 Bewohnern. Von Letzteren wohnten am rechten Elbufer 3228, am linken 4147 Menschen, im Freihafengebiet 5562, im Zoll­gebiet 1818. Unter diesen Schiffsbcwohnern waren 6581 Männer und 794 Frauen. Gegenüber der Zählung von 1896 hat sich die Anzahl der Schiffsbewohner um 1040 vermehrt, und diese Vermehrung fällt auf das Freihafen­gebiet. Hierbei sind die Bewohner der Schiffe auf der Alster und den Kanälen noch nicht mitgerechnet worden. Das waren 152 Bewohner auf 63 Schiffen. Im Ham­burger Freihafengebiet, das nach der letzten Erweiterung vom Jahre 1900 den Umfang von 979 Hektaren erreicht hat, wurden 1680 Bewohner gezählt, 823 männliche und 857 weibliche. Der Freihafen hat damit 1238 Bewohner mehr als 5 Jahre zuvor. Im Freihafengebiet zu Kux- haven, das 56 Hektar groß ist, wohnten an Land nur zwei Personen. Auf den Schiffen in Kuxhaven wurden 323 gezählt.

* Das Ende der „kalifornischen Venus". Aus der Schönheitskonkurrenz, welche die Miöwinter-Fair vor einigen Jahren zu San Francisco veranstaltete, ging Marian Nolan als Siegerin mit dem ersten Preise her­vor. Seitdem kannte sic ganz Kalifornien unter dem Namen der „kalifornischen Venus". Im 26. Lebensjahre stehend, galt sie noch heute für das schönste Mädchen in San Francisco. Sie hatte eine stattliche Figur, hell­blondes Haar und dunkelblaue Augen. Ihre in der O'Farrell-Stratze wohnenden Eltern mißbilligten aber ihr Verhältniß zu dem Sekretär und Stenographen Ed­ward Marschütz aus Guatemala. So lange ihr Liebhaber seiner Venus ein glänzendes Leben bieten konnte, blieb sie ihm zugethan, als indeß das Geld zu Ende gegangen, waren Zänkereien zwischen den Liebenden an der Tages­ordnung. Als Marian jüngst ihren Edward gar auf offener Straße mit dem Regenschirm bearbeitete, griff dieser nach dem Revolver und schoß sie nieder. Darauf richtete er die Waffe gegen sich und tödtete sich durch einen Schutz in den Kopf. Die schöne Marian, die unter Anderem auch für die Statue auf der Kuppel des neuen Rathhauses in San Francisco Modell gestanden hatte, hauchte im Aufnahmehospital ihr junges Leben aus. '

* Was Alles „gemacht" wird! „Es ist mir in unserer Sprache nichts widerlicher", sprach ein deutscher Professor, „als bas Wort „machen": Denn was sonst als Faulheit ist es, daß man das Wort „machen" für jedes Zeitwort sub- stituirt? Das Herz möchte einem brechen, wenn man unsere schöne und reiche Sprache durch dieses Wort so verunstaltet sieht. Denn wirklich: Früh, wenn es Tag macht, macht sich der Bauer aus seinem Bette heraus. Er macht die Kammerthüre auf und macht sie wieder zu, um sich an sein Tageswerk zu machen, dessen Anfang damit

Zeitungsente eines Berliner SkandalblatteS Glauben zu schenken scheint, wonach ich zugegeben haben soll, ich sei eine deutsche Jüdin und habe meine Kinderjahre in Frankfurt a. O., meiner Geburtsstadt, zugebracht. I ch bin Christin und Französin und verlebte meine ersten Jugendjahre im Kloster Grandchamps in Ver­sailles. Ihr Blatt scheint dies nicht zu wissen, und ich wende mich an Ihre Freundschaft und Ihre Courtoisie, auf die ich immer zählen durfte, auch wenn wir entgegenge­setzter Meinung waren. Tausend Dank und Grüße! Sarah Bernhardt."—Daß sie ihre ersten Jugendjahre in einem Kloster verlebt, spricht weder gegen ihre Geburt in Frank­furt a. M., noch in Frankfurt a. O., noch in Havre, noch in Schopfloch. Es wäre aber doch wirklich sehr nett, wenn die Sarah Bernhardt eine gebürtigte Schopflocherin wäre.

* Im Unterseeboot zum Nordpol. Ueber den Plan des Herrn I)r. A n s ch ü tz - K ä m p f e äußert sich jetzt der berühmte Noröpolfahrer Or. Julius v. Payer in den „M. N. N." wie folgt: Das Projekt des Herrn A.-K. hat meinen Beifall unter der Voraussetzung, baß die nautischen Schwierigkeiten der unterseeischen Fahrt ge­löst werden. Das heißt, daß es gelingt, horizontal zu fahren, eine bestimmte Richtung festzuhalten und Eis­bergen rechtzeitig auszuweichen. Fährt er in 80 Meter Tiefe^dann hat er vom Scholleis nichts zu fürchten, auch nicht von übereinander geschobenen Feldern: denn sic reichen nicht so weit hinab. Was die sommerliche Wasser- bedeckuug in der Polarwelt anbclangt, so ist diese viel größer als man anfänglich anzunehmen geneigt ist. Ich möchte das Verhältniß von Wasser zu Eis etwa mit 5:3 angeben. Dies schließt nicht aus, daß das Eis sich stellen­weise und auch auf größere Ausdehnung hin vorüber­gehend dicht zusammenschließt. Umso größer ist an andern Orten dann das offene Wasser. Nur im Winter liegt das Eis völlig dicht. Aber auch dort, wo das Eis im Sommer kompakt erscheint, auch dort giebt es zahllose Wasserstraßen und die Schollen, welche sie trennen, sind in der Regel nicht übermäßig groß. Schollen vom Durch­messer einer deutschen Meile wären kaum zu finden. Nur im Nordosten von Grönland liegen die Dinge ganz anders. Dort geht Alles ins Riesenhafte, dort liegt das schwerste Eis der Welt, mit dem um Franz Josefslqnd nicht im Entferntesten zu vergleichen. Dorthin wird sich Herr A.-K. gewiß nicht wenden. Wir kennen die nächste