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Tagblatt.H-uS" Nr. 6650-53.
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Sreitag, 30. 3ult 1915. Morgen - Kusgave. Nr. 34». . 65. Jahrgang.
Der Krieg.
Gilt gelungener Ueberfall an der besiarabifchen Grenze. — vie Italiener räumen ihre Stellungen im Vorfelde des Brückenkopfes von Görz.
Der Ssterrelchisch»ungarische Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 29. Juli. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 29. Juli, mittags:
Russischer Kriegsschauplatz.
An der Grenze zwischen der Bukowina und Bessaravicn überfielen Landwehr und ungarischer Landsturm eine stark ausgebaute russische Stellung. Der Feind wurde vollständig überrascht und flüchtete nach einein blntigeq Handgemenge, das ihn 17V Tote kostete, aus seinen Ber- schanzungen.
Östlich Kamionka-Strumilowa nahmen unsere Truppen einen Oberstleutnant, 7 Offiziere und 50V Mann gefangen.
Bei S o k a l wurden erneut heftige Angriffe des Gegners zurückgewiesen. Sonst ist die Lage an der Nordostfront unverändert.
Italienischer Kriegsschauplatz:
An der k ii st c n l ä n d i s ch e n Front unternahmen di- Jtaliener am Plateaurande bei Sdraussina und bei B er megliano erfolglose Vorstöße. Im Vurfrlde des Brückenkopfes von Görz räumte der Gegner seine Sturmstellungen und ging in jene Linien zurück, die er vor der Schlacht innc hatte.
An der Kärntner Grenze Artilleriekampf und Gcplänkel.
Im Tiroler Grenzgebiet wurde ein feindliches Bataillon bei Marco im Etschtale zur ückge warfen, eine italienische Kompagnie im Gebiet der Trosane zersprengt.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: v. Höf er, Feldmarschallcutuant.
«
Deutsche Flugzeuge über Warschau.
Stockholm. 29. Juli. (Jens. Bln.) Nach Petersburger Meldungen überflogen deutsche Flugzeuge abermals Warschau mit der Aufgabe, dnrch Bombenabwürfe eine der Weichselbrücken zu zerstören. Durch die herabge- ichleuderten Bonkben wurden mehrere Militär- und Zivilpersonen getötet.
Das verbrecherische Treiben der Gchrana.
Die Judenverfolgungen in Ruffisch-Polen.
Br. Berlin, 29. Juli. Das ,.B. T." meldet aus Wien: Das russische Blatt „Nasze Slowo" berichtet über das verbrecherische Treiben der Ochrana in Russisch-Polen. In Lomscha denunzierten zwei Agenten den jüdischen Kinemato- graphsnbesitzer Eisenbiegel wegen Spionage In der gerichtlichen Untersuchung stellte sich heraus, datz der Agent Cz,u- pranyk einen Telephonapparat in die Wohnung des' Sisen- biegel geschmuggelt nnid dann 5000 Rubel für Unterlassung der Anzeige bewilligt hatte. Im Lause der Verhandlungen wurde erwiesen, datz aus das Anzeigen des Czu- pranyk bei Krtegsbegimn nicht weniger als siebzehn jüdische Bürger gehängt wurden. Die fabelhafte Geschäftstätigkeit der Berbrecherbande war durch einen im April d. I. erlassenen Befahl cm die Ochrana, speziell nach jüdischer Spionage zu trachten, angespornt worden.
vor Eröffnung der Duma.
Ein Beratungsansschnß für dir nationale Verteidigung.
W. T.-B. Petersburg, 29. Juli. (Nichtamtlich. Petersburger Telegvaphen-Agentur.) Der Ministerrat hat der Einbringung eines Gesetzes in der Duma zvgesttmmtt, wodurch ein besonderer Ber atungsau sschu h für die Vereinheitlichung der Matznahmen zur nationalen Verteidigung eingesetzt werden soll.
Kaiserin und Kronprinzession in Ostpreußen.
W. T.-B. Allenstein, 29. Juli. (Nichtamtlich.) Tie Kaiserin begab sich am Mittwoch in Degleitulng der Kronprinzessin mft der Effenbahn von Allenstein nach Neiden- burg, besichtigte die Stadt und das Johanniter-Krankenhaus und kehrte über Hohenstein ' und Grieslienen mittels Auto nach Allenstein zurück. Am Donnerstag fand eine Besichtigung von Ortelsburg und der dortigen Kriegs- lazarette statt.
Die Zusammensetzung der Bevölkerung Russisch-Polens.
über die Zusammensetzung der Bevölkerung Rußlands noch Nationalitäten gibt eine Abhandlung von Dr. Rudolf Claus im laufenden Jahrgang der Zeitschrift des KLni.pl. Preutz. Statistischen Landesamts nähere Auskunft. Ergänzt werden die hier über die Bevölkerung Russisch-Polens gemachten Angaben noch durch einen in Pebcrmanns Mitteilungen (1814, Dezemberheft) gebvachien Aussatz von Dr. Hans Praesent .Liufsisch-Poken. Landeskundliches und Militär- geographisches", dem wir die ngchtzchenden Zahlen entnommen
haben. In den 10 Gouvernements des Zcrütuims Polen — jetzt Weichselgebiet genannt — wurden 1897 gezählt:
Gouvernement Deutsche Polen Juden Russen')
Kalisch . 61482 705 400 64193 8 919 840597
dav. Stadtbevölk. 8 393 65 766 36 897 4 710 115 992
Kielce. 2 403 666 772 82 895 9 131 761 995
dav. Stadtbevölk. — s ) 28 530 35 962 5 407 —*)
Lomsha. 4 651 448 065 91 236 32 044 579 592
dav. Stadtbevölk. —') 24 197 35 013 13 899 74 824
Lublin. 25 972 729 529 155 398 244 913 1160 662
dav. StadbbevAk. — s ) 50 927 72 926 33 813 160 824
Petrikau. 148 765 1 Oll 928 213 562 22 088 1 403 901
dav. Stadtbevölk. 81 850 253 297 156 256 17 444 611663
Plozk. 35 931 447 685 51 215 17 601 553 633
dav. Stadtbevölk. 2181 40 470 30 685 14148 88 237
Radom . 8 755 681 061 112 123 11292 814 947
dav. Stadtbevölk. —') 41 075 50 671 7 232 100 230
SieÄlce. 11 645 510 621 120 152 127 624 772 146
dav. Stadtbevölk. — s ) 35 599 63 290 16 777 117 699
Suwalki. 30 485 134 006 59 129 53 109 582 913
dav. Stadtbevölk. 3 845 19 776 29 463 12 753 73 648
Warschau .... 77 160 1 420 436 317 169 105 123 1 931 867
dav. Stadtbevölk. 15 578 492 909 252 236 76 963 845 243
zusammen .407 249 6 755 503 1 267 072 631 844 9 402 253 Zu beachten ist, datz die Gliederung der Bevölkerung nach der Nationalität auf Grund der bei der Bolkszählnng erhaltenen Angaben über die Muttersprache erfolgt ist. Datz hierbei Fehler entstanden sind, geht aus der Zahl der Juden hervor, deren Auszählung nach der Muttersprache (Jargon, JLdrsch) 5,06 Millionen ergab, während nach der Religion 5,21 Millionen ausgezählt wurden. Die Zahl de: Deutschen ist jedoch von Professor Richard Weinberg in Petersburg aus den Spezialberichten der Fchlinng möglichst ergänzt worden. Bei dem Fehlen nerrever Zahlen dürften die vorstehend gegebenen zur Beurteilung der BevölkerungsverhAk- nisse Ruffisch-PolenS immerhin von einigem Wert sein.
einschl. Ukrainer. — ') einschl. Letten, Esten, Tschechen, P.ilitaier wirb andere. — *1 Serbien sind nicht vorhanden.
Der Krieg gegen England.
,4428 Gfsiziere und 316 567 Mann englische Verluste.
Nr. Rotterdam, 29. Juli. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Die schon gemeldeten Gesamtverluste der englischen Streitkräfte verteilen sich wie folgt: Marine bis 24. Juli 515 Offiziere, 8491 Mannschaften;StreitkrästeinFrank- reich: bis 18. Juli 11254 Offiziere, 255 849 Manuschaften; in den Dardanellen einschl. Marine 2244 Offiziere, 47 094 Mannschaften. Mit den aus Deutsch-Südwestafrika gemeldeten Berlusteu von 415 Offizieren und 5333 Mannschaften würden sich die Gesamtverluste also ans 14428 Offiziere und 316 567 Mann beziffern. Die Verwundeten sind dabei allerdings einbegriffen.
Das verschobene englische Pensionsgesctz.
W- T.-B. London, 29. Juli. (Nichtamtlich.) Vor Vertagung des Parlaments am Mittwoch fragte Samuel (Lib.) im Unterhaus, wie die Regierung sich zu dem Oberhausbe- schluffe auf Vertagung der Beratung des Pensionsgesetzes bis nach den Parlamentsferien stelle, wodurch viele Verwundete geschädigt würden; die Führer der Opposition hätten sich doch im November verpflichtet, sich der Ent- scheidung einer besonderen Kommission hierüber zu unterwerfen. Asquith kündigte eine Erklärung hierüber gelegentlich der Vertagung an. Auf eine weitere Frage des Liberalen Hogge erwiderte Asquith, er habe seinen Äutzerun- gen nichts hinzuzufügen.
-Neue Durchstechereien im englischen Heen ,
Das beteiligte Unterhausmitglied.
W. T.-B. London, 29. Juli. (Nichtamtlich.) Das militärische Untersuchungsgericht hat schlimme Durch st echereien bei dem British Empire-Bataillon, das von dem British Empire-Comitce errichtet worden ist. f e st g e st e l l t. Die Mitglieder des Comitees erhielten Lieferungsauftrüge, bei welchen arge Mißbräuche vorkainen. Die Kontrakte wurden erneuert, obwohl der Skandal bereits ruchbar war. Das Verhalten des Oberstleutnants Bowden, der das Bataillon führte, wird vom Gericht ernst getadelt. Bowden, der Unter- hausn-itglied ist, versuchte sich in der Sitzung vom 27. Juli zu rcchtkertigen, was allgemeines Erstaunen hervorrief und ihm . den Rat von den anderen Abgeordneten eintrug, sein Mandat schleunigst nieder;«legen.
Ei« englischer Offizier — Lockspitzel einer Spielhölle.
W- T.-B. London, 29. Juli. (Nichtamtlich.) Vo: dem Kriegsgericht fanden dre öffentlichen Verhandlungen gegen den aktiven Oberleutnant Prior statt, der nach einem Mittagessen in einem Londoner Restaurant die dabei anwesenden Untergebenen aufferderte, ihn in ein Privathaus zu einem Glücksspiel zu begleiten. Bon diesen Offizieren, die sämllich beim Spiel verloren, weigerte sich nur einer, die Zahlschuld zu begleichen, weil er glaubte, datz falsch gespielt worden sei. Er beschuldigt den Oberleutnant, er lasse sich dafür bezahlen, datz er andere Offiziere an den Ort des Falschspiels verschleppe.
Gesunkener englischer Dampfer.
W. T.-B. London, 29. Juli. (Nichtamtlich. Reuter.) Der Dampfer ,,Mangar a" ist gestern nachmittag bei Lowestost gesunken.
Explosion in einer englischen Lustschiffhalle.
W. T.-B. London, 29. Juli. (Nichtamtlich.) Reuter. Bei einer Explosion in der Luftschiffhalle wurden zwei Mechaniker getötet und neun verwürfet. Die Luftschiffhalle ist leicht beschädigt.
Verkauf der Baumwolladung der „Dacia".
IV. T.-B. Lc Havre, 29. Juli. (Nichtamtlich. Havas.) Der Verkauf von 10 000 Ballen Baumwolle an Bord des Dampfers „Dacia", der beschlagnahmt war, ergab 3%i Millionen Franken.
Die englischen Arbeiterschwierigkeiten.
W. T.-B. London, 29. Juli. (Nichtamtlich.) Die „Times" schreibt: Kaum war ta Bergarbeiterstreik beigelegt als
Schwierigkeiten mit den Eisenbahnern in erlügen Kohleridezirkeln in Südwales entstanden. Sie drohten, am 30. Juli zu streiken, trenn die Lohnforderungen nicht bewilligt werden würden. Die Angelegenheit wurde gestern zur Zufriedenheit der Leute erledigt. Aber der Fall zeigt, datz die Arbeitsschwierigkeiten noch nicht beendigt stnd, selbst nicht in so lebenswichtigen Verkehrsgewerben,
W. T.-B. London, 29. Juli. (Mchtom'lich.) Das Eim'igungsamt für das schottffchc Kohlenrevier tagte am 27. FM in Glasgow, am über die Forderung der Berglouk« auf eine Dageszulage von 1 Schilling zu verhandeln. Es mutzte sich vertagen, ohne eine Einigung erzielt zer haben.
Zur Internierung der Zivikgefangene».
W. T.-B- London, 29. Juli. (Nichtamtlich.) Der Staatssekretär des Innern Sir John Simon »erwiderte auf eirre Anfrage im Unterhaus, datz 14 090 Gesuche um Befreiung von der Internierung eingegangen seien; die meisten rührten von Polen, Tffchechen, Italienern und Elsässern her. Im ganzen seien 7325 Gesuche abgelehnt und 6092 bewilligt worden. Seit Beginn des neuen Verfahrens seren 6302 Personen heimgesandt und 9325 interniert, 6000 blieben noch zu internieren, was Ende August geschehen sein ksird; wöchentlich würden etwa tauserrd interniert.
Rsquith über die Lage.
England und die Freiheit der Meere.
W. T.-B. London, 29. Juli. (Nichtamtlich.) Vor Vertagung des Unterhauses gab Asquith einen allgemeinen Überblick über die Lage. Er sagte seiner Ansicht nach wücke der Krieg wenigstens für einige Zeit eine Frage der Ausdauer sein. England wäre undankbar, wenn es nicht die beispiellos tapferen Bemühungen der Russen anerkennte, die eindringende Flut aufzuhalten und ihre Stellungen unversehrt zu bewahren. Über Italien sagte der Ministerpräsident unter dem Beifall des Hauses, er erkenne mit größter Befriedigung und Genugtuung an, wie dieser neue Verbündete stetig Boden gewinnt und sich einen Weg vorwärts zum Sieg bahnt, den er wahrscheinlich in sehr kurzer Zeit erreichen wird. Über die F l o t t e brauche er nur zu sagen, datz sic so stark und noch stärker sei als zu Beginn des Krieges, und daß die bl-Bootblockade ihr keinen ernstlichen verhängnisvollen Schaden zugefügt habe. Die Meere seien frei, Großbritannien erhalte Lebensmittel; gutes Rohmaterial ströme in derselben Fülle und mit derselben Frecheit, und wenn man aus den Befficherungsraten Schlüsse ziehen dürfte, mit ebensowenig ernstlichem Risiko wie in Friedenszeiten zu. (Beifall.) Die Rekrutierung, gehe unvermindert vorwärts. Lloyd George, dem geschulte Ratgeber beistünden, habe die industrielle Produktion sür die kräftigste Fortführung des Kriegs und der notwendigen Dinge auf einer Grundlage organisiert, wie man sie nie erträumt hätte. Großbritannien falle nicht nur die Aufgabe zu, die Freiheit der Meere zu erhalten und große Kontingente gut ausgerüsteter Soldaten auf die Schlachtfelder zu senden, sondern auch zu einem großen Teil die Kriegführenden zu finanzieren. Gäbe es eine größere Verleumdung als die, datz die Nation im Mutierlande und Übersee sich ihrer ganzen Aufgabe nicht gewachsen gezeigt hätte! Eine noch größere Verleumdung wäre es, zu behaupten, daß die tapferen Der- bündeten den Anteil Großbritanniens an dem schlietzlichen Triumph nicht würdigen. ,
Lloyd Georges Rechenschaft über sein Ministerium. '
W. T.-B. London, 29. Juli. (Nichtamtlich.) Lloyd George sagte im Unterhaus über die vom neuen Munitions- Ministerium geleistete Arbeit: Es seien in verschiedenen Teilen des Landes 16 nationale Fabriken unter Aussicht der Regierung errichtet worden. Sie würden die Erzeugung von Granaten auherordentlich vermehren. Um den neuen, ungeheuren Anforderungen zu genügen, werde es nötig sei», noch 10 nationale Werkstätten, unter Aufficht der Regierung zu errichten, Lloyd George sprach die Erwartung aus, daß in wenigen Wochen Großbritannien in den Stand gesetzt slün mürbe, seine Heere so auszurüsten, datz auch die besten europäischen nicht besser ausgerüstet sein könnten.
Die' verbannten Iren.
Eine ironische Anfrage.
ap. Rotterdam, 29. Juli. (Eig, Trahtbericht. Jens. Wmf Im englischen Unterhaus antwortete der Chefsekretär M Irland auf die Frage betreffs der angeblich wegen pokitifctzer Verbrechen verbannten Iren, datz das Betreten -erbotener Bezirke oder falsche Angaben über kn; rutsche
