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Donnerstag. 29. IuN 1915.
1
Der Krieg.
3000 Gefangene nordöstlich Suwalki. klbge- schlagene russische Angriffe südlich des Narew und von Nasielsk. Zurückwerfung der Russen bei Gora-Ralwarja.
Oer Tagesbericht vom 29. Iuli.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 29. Juli. (Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
In Flandern schoß unsere Artillerie einen auf dem Furneskanal liegenden Prahm in den Grund, in den ein schweres Schiffsgeschütz eingebaut war.
Westlich von S o u ch e z wurde ein Angriff abgeschlagen.
Bei G i v e n ch 8, in den Argonnen und bei B a u - quois sprengten wir mit Erfolg Minen. Französische Sprengungen in der Champagne verliefen ergebnislos.
Gestlicher Kriegsschauplatz.
Nördlich des Njemen ist die Lage unverändert.
Nordöstlich von Suwalki, beiderseits der nach Llta führenden Bahn, besetzten unsere Truppe» einen Teil der feindliche» Stellungen. Sic machten dabei 291» Gefangene nud erbeuteten 2 Maschinengewehre.
Gestern und in der Nacht zu heute wiederholten die Nüssen ihre Angriffe gegen unsere Front südlich deS Narew und südlich von Nasielsk. Alle Borstöße scheiterten unter schweren feindlichen Verlusten.
Westlich von N o w o g e o r g i j e w s k, auf dem Südufer der Weichsel, nahm eine halbe deutsche Kompagnie bei einem Überfall 128 Russen gefangen. In der Gegend südwestlich von Gora-Kalwarja versuchten die Russen in der Nacht vom 27. zum 28. nach Westen vorzudringen. Sie wurden gestern angegriffen und zurückgeworfen.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Die Lage bei den deutschen Truppen ist im allgemeinen unverändert. Oberste Heeresleitung.
Berlin-Wilmersdorf Güntzelstr. 66, Fernspr.: AmtUhland 450 u. 451.
Kbenö-Ausgabe.
Itr. 348. ♦ 63. Jahrgang.
Hur noch wenige Kilometer vor Lublin.
Br* Stmbott, 29. Juli. (Eia. Drahtbericht. Zens.
.Hiesigen Blattern zufolge empfangen die Petersburger Zeitungen keine telegraphischen Meldungen aus Warschau; jedoch erfährt man durch private Mittellungen, daß die Stadt vollkommen ruhig ist. Die bedeutendste Aktion vollzieht sich auf der ganzen Linie zlvtschcn Weichsel und Bug, wo Mackensen wie ein Schmiedehammer auf die russischen Massen
gefährlichen Stimmung unten den russischen Truppen, welche schon mit weiteren schweren Nieder- lagen rechnen, warnten.
Mensch ikow über die Notwendigkeit des Kampfes bis zum Messer für Rußland.
.Kopenhagen, 28. Juki. (Nichtamtlich.) Ein .v 1 ?^ Menfchlkows in ld-er „Nowoje Woemja" erörtert mfolge ber Bedrohung Warschaus die .Möglichkeiten emes v-rtedensjchlnffes für Rußland und führt aus, Deutschland
von den östlichen Kriegsschauplätzen.
Der neue Kampf in polen.
Russische Erkenntnis.
Stockholm, 29. Juli. (Zens. Bin.) „Mwoje 'Wremio" schreibt: Nach einigen Tagen scheinbarer
N u h e ist -der Kampf, von dem das Schicksal Polens abhängt, von neuem aufs heftigste entbrannt. Gleich einer ungeheuren Welle brawden die deutsch- österreichischen Heere von allen Seiten gegen die stählernen Mauern heran, welche unsere Truppen zum Schutze Polens uni Warschau -gezogen haben. Es darf nicht daran gezweiselt werden, daß der Kamps auf beiden Seiten mit verzweifelter Energie -ge führt werden wird. Der Ausgang wird für lange Zeit ,die Ereignisse auf dem östlichen Kriegsschauplätze bestimmen. Der Sieger in diesem Kampfe wird isdenfalls lange, vielleicht Monate hindurch, keinerlei Offensive des Gegners zu befürchten haben. Auch der offizielle „Rußki Invalid" weist auf -die große Bedeutung der Kämpfe um Warschau hin. Unseren Nachrichten zufolge hat der Feind seine Gruppierungen beendet und steht im Bogriffe, höchst energische Vorstöße gegen unsere Hauptstellung an der Weichsel zu unternehmen. In diesem Augenblick bereits verwandelt sich unsere Front in ihrer ganzen Lange in ein ununterbrochenes Schlachtfeld. Der Fall der Würfel steht bevor. Es ist klar, daß der Feind in bwsem blutigen Ringen endlich mit den Kämpfen an der Ostfront zu E n d e kommen will. Seine Truppen- kon-zentrationen sind enorm.
Oie vergebliche russische Gegenoffensive.
Nowogcorgijewsk bald nur noch in Verbindung mit Warschau.
Br- Berlin, 29. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. f i"-) Uber die vergebliche russische Gegenoffensive der letzten Tage, wird der „B. Z." aus dem Kriegspresse- Viartler beruhtet: Auch den neuesten Versuch, die Offensive in Polen durch eine eigene Gegenoffensive zmn Stehen zu bringen, mußten die Russen mit r« r ° ^ ^b rbezahlen. Bisher waren ihre
Gegenstoße hauptsächlich un Sübabschnitt erfolgt fzetzt griffen sie mit starken Kräften und tiefgegliedert m 6 5 Kilometer Länge Ausdehnung die nach Eroberung von Pultusk und Roshan über den N-arow vorgebrochenen Abteilungen an. Der Ansturm vernwchte ebensowenig auszurichten, wie die ver- M«felten Durchbruchsversuche in der Norüostecke Galiziens. Die Kämpfe, die sich im Frontabschnitt am Bug adipielten, sind schon beinahe bis in den Rucken von Nowogeorgijewsk vorgedrungen. fo daß di-eiem bald nur noch die Verbindung mit W a r i ch a u ofsenstehen dürste. ,
In
der
noch
wirkt, die hartnäckigen Widerstand leisten, fiepten Rächt besanoen sich die Deutschen nur wenige Kilometer vor Lublin.
„Oas gewaltigste aller Kriegsmanöver".
W - T;-B Bern, 29. Juli. (Nichtamtlich.) Stäge- mann schreibt un „Bund": Dre Armee Below, die von. ^ch?ulen in der Richtung Poswol-Keydany vor- qeruckt ist, hat damit die Offensive eröffnet, deren Zielpunkte zum mindesten Wilna und Dünaburg lem müssen. Trifft das zu, dann hat die Umklammer uug der russischen Zentralstellung eine Ausdeynung erfahren, die auf die Unterbrechung der rückwärtigen Verbindung, 30(1 Kilometer vom Zentralpunkt Brest-Lltowsk entfernt, ausgeht. Je heftiger sich also die Russen zwischen Warschau und Brest wehren und je weniger sie geneigt sind, der Zange zu entrinnen, die jetzt weit über Kowno hinausgreist und dort mehr als einen Zahn einzuschlagen sucht, desto verzweifelter wird ihre strategische Lage Wenn die Armee Below stark genug ist, eine solche riesenhafte strategische Umgehung vorzu- nehmen, ohne selbst umfaßt zu werden, dann erleben wir das gewaltig st e aller Kriegsmanöver das je in Angriff genommen ist. Atemboklemmend muß das Schauspiel für die französische und die englische Heeresleitung sein, die dieses gigantische Ringen aus der Ferne verfolgen, ohnmächtig, zu helfen. Gefährliche Stimmung unter den russischen Truppen.
Wien, 29. Juli. (Zens. Bln.) Das in Petrikau erscheinende Blatt „Dzienmk Warodwoy" meldet, daß laut ans Petersburg zugegangenen Informationen die Mitglieder der russischen Reichs dum a, die aus dem russischen Hauptquartier und von der ruffischen Front zurückkehrten, vor vcr -
wurde gern Frieden schließen, um den Rücken frei zu bekommen, aber für Rußland würde ein Frieden der Sei, n r ch tu -n g gleichkommen. Die T-cntscben würden große §• ™ ' £tne ungeheure Kontribution, eine»
für Rußland schädlichen Handelsvertrag verlangen und sodann das ganze Slaioent u- m vernichten.■ Rußland Würbe verarmen und nicht imstande sein, Armee nnd Flotte zu unterhalten, so daß cs ans den Standpunkt Chinas hera-bsinve. Deshalb bleibe nur ein Kampf bis aufs Mitesser
Oie Wiedereröffnung der Reichsduma.
Unter dem Eindruck des Ernstes der Situation.
Br. Wien, 29. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die Korrespondenz „Rundschau" meldet: Die Kanzlei der Dmn.r hat sämtliche Abgeordnete zur Eröffnung der Duma einbe- rufen, auch diejenigen, die sich gegenwärtig ans dem Kriegsschauplatz befinden; es sind dies etwa 130. In dem Einbe- rnfuugSschrechen wird ans die Dringlich keit des Erscheinens verwiesen und voni Ernste der Situation gesprochen. Biele Deputierte sind schon in Petersburg einge- troffen, wo von nationalistischer Seite im Sinne einer möglichst -effektvollen Ausmachung der Dumaeröffunng gewirkt wird. Tatsächlich ist die Stimmung jedoch in den Du-makreisen, d ie sich bereits iu den Beratungen des Seniorenkonvents zeigte, keineswegs zuversichtlich. D-r Seniorenikon-v-ent vermochte sich nicht einmal über die Tagesordnung der ersten Sitzung zu einigen, sondern mußte beschließen, ihre Festsetzung der Duma anbeimzustellan. Ter Dumapräsident wollte die Erklärungen der Regierung in geheimer Sitzung erfolgen lassen. Der Kadeitensührer Miljukow wandte sich entschieden gegen diese Vorschläge n-rd erklärte, die Regierung müsse ihre Äußerungen in der ersten ösfe-nt- l i ch e n Sitzung des Hanfes abgeben, weil das Land das Recht habe offene Antworten auf die von ihm aufge- worfenen prägen zu erhalten.
