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|ttf. 603. Redaktions-Fernsprecher No. 52. DiöNstttg» de« 28. Oktober. Berlags-Fernsprecher No. 2266. 1902.
Kloipgegi-fliiggalie.
Süd-Afrika nach dem Kriege.
Me definitive Einverleibung der südafrikanischen Republiken Transvaal und Oranje-Freistaat in das britische Kolonialreich giebt diesem letzteren eine außerordentliche geschlossene Gestalt, die, schon ihrem geographischen Aeußeren nach, ein Uebergewicht und in gelvissem Sinne eine Bedrohung der benachbarten Kolonialgebiete darstellt. Dabei umfaßt das britisch-südafrika- nische Kolonialreich, und zwar besonders infolge der Einver- leibung der Burenrepubliken, gerade jene Gebiete, in denen bisher mit großem Erfolge die werthvollen Bodenschätze Süd- Afrikas, die hauptsächlich in reichen Goldadern bestehen, schon aufgeschlossen sind.
Unser beistehendes Kartenbild läßt die nunmehr endgültige politische Situation in Süd- Afrika sehr klar erkennen. In der Karte ist der britische Besitz, welcher sich von Kapstadt an der Südspitze Afrikas nach Norden bis zur Binnengrenze Deutsch- Ostafrikas und an den Langanika-See erstreckt, durch eine breite, schwarze Randlinie hervorgehoben. Im Osten grenzt der Besitz fast bis zur Delagoa- Bah hin, an den Indischen Ozean und weiter nördlich an die portugiesische Besitzung von Mozambique, sowie an den Njassa-See an. Im Westen grenzt die britische Kolonie an den Atlantischen Ozean und weiter nördlich hinauf an Deutsch-Südwest-Asrika, so» wie an das irördlich davon gelegene portugiesische Angola, und weiter hinauf an den Süden de»
Kongostaales. Es ist ein einheitlicher zusammenhängender Besitz, der von Süden nach Norden vermittels einer Bahnlinie durchzogen wird, die zur Zeit bereits bis in das Zentrum des Matabele-Landes reicht und deren Fortführung als Kap-Kairo-Bahn durch den ganzen afrikanischen Kontinent geplant ist.
^ Me Goldfelder sind in unserer Karte durch schwarze r^lachen-Signatur hervorgehoben; sie erstrecken sich
namentlich durch die Buren-Republiken in der Osthälste des britischen Kolonialbesitzes und durch das Matabele- Land.
Ferner sind Goldfunde auf dem portugiesischen Gebiet gemacht worden, die eine erhebliche Bedeutung zu gewinnen versprechen. Ganz im Westen an der Küste Deutsch-Südwest-Afrikas befindet sich, auf unserer Karte durch schwarze Umrahmung markirt, inmitten deutschen Besitzes die Walfisch-Bay, die jedoch infolge Versandens
ihres Hafens von Jahr zu Jahr an praktischer Be- deutung verliert.
Um sich den neuen Kolonialbesitz auch dauernd zu sichern, hat England eine verhältnißmäßig starkeGarnison in die beiden ehemaligen Burenstaaten gelegt. Diejelbe wird im Ganzen eine Friedensstärke von 70,000 Mann haben; dies ist mehr, als General Kitchener nach seiner
Rückkehr nach England vorschlug. Zu den Besatzungstruppen gehören auch solche während des Krieges entstandene koloniale Bataillone, die man als Garnisontruppen bestehen ließ. Me Vertheilung auf die verschiedenen Kolonieen wird sich folgendermaßen gestalten:
Kavall.
Art.
8er. Inf.
Inf.
Transvaal . . .
. 3500
750
4500
27,000
Orangeftußkolonie
. 1000
450
1500
8000
Kapkolonie . . .
. 1000
450
3500
12,000
Natal .....
. 1000
450
1500
6000
Nach Zeitungsmittheilungen haben übrigens die Bataillone in Süd-Afrika nach Entlassung der Reservisten bei Weiten, nicht chre volle Stärke und werden diese auch mit den aus England herausgesandten Verstärkungen kaum erreichen.
In unserer Karte sind ferner die Kabellinien und die Linien der regelmäßigen Dampfschiffahrt durch entsprechende Signaturen eingetragen, so daß der Leser sich eine fehr anschauliche Vorstellung von der Bedeutung der südafrikanischen Kolonialverhältnisse machen kann. Wie groß namentlich das einheitlich zusammenhängende britische Kolonialreich Süd-Afrikas ist, tritt aus den ersten Blick im Vergleich zu den benachbarten deutschen und por- tugiesischen Besitzungen in überzeugender Weise hervor.
Die Bierproduküon Hessen-Kassaus.
In volkswirthschaftlicher, mehr noch in social-ethischer Beziehung spielt unter den alkoholischen Genußmrtteln das Bier eine hervorragende Rolle. Wenn auch Fürst Bismarck ein entschiedener Gegner des „dick und dumm" machenden Getränkes war, wird doch der Nationalökonom, der sich mit der sehr ernsten Frage des modernen Alkoholismus beschäftigt, nicht umhin können, dem Bier sozusagen eine sociale Mission zuzuerkennen. Gegenüber den zahllosen mißlungenen Versuchen, den Alkoholgenuß durch gesetzgeberische Maßnahmen oder auf dem Verwal- tungswege einzudämmen, kann man die erfreuliche That- sache seststellen, daß mit der zunehmenden Popularisirung des Biertrunks die stärkeren Alkoholiker enorm gehemmt wurden. Me deutsche Bierproduktion hat speziell seit den Achtziger Jahren einen ganz gewaltigen Aufschwung genommen. Zwar ist die Zahl der Brauereibetriebe in dem Zeiträume von 1881 bis 1900 von 11,266 auf 6,903, also um ca. 39 pCt., zurückgegangen. Aber dessen unge- achtet hat sich die Gesammtproduktion in derselben Zeit mehr als verdoppelt. Im deutschen Brausteuergebiet, zu welchem das südliche Deutschland inkl. Elsatz-Lothringen nicht gehört, wurden im Jahre 1881 ca. 21 Mllionen Hektoliter Bier gebraut: 1900 waren es fast löMillionen. Auf den Kopf der Bevölkerung kamen 1881 nur 62 I, 1900 dagegen 101 I. Me Steigerung betrifft vornehmlich die sogenannten :.ntergährigen bayrischen Biere. Me obergährigen Biere, bei höherer Temperatur eingebraut (das Weißbier von Berlin und München, das westfälische Adambier, das Lichtenhainer Studentenbier, die Leipziger
Feuilleton.
Me der Champagner entsteht.
Plauderei von Otto Gebhardt.
«.Champagnerwein, du edler Wein, sollst uns stets willkommen sein", heißt es in einem bekannten Trinkliede, — und in der That, vom Aequator bis zu den Polen jubelt Alt und Jung dem köstlichen Sorgenbrecher zu, den uns die liebliche Champagne bescheert. Nur von dem echten, wahrhaftigen Erzeugnisse der Champagne wollen wir hier plaudern und nicht von den Schaumweinen anderer Abkunft, so aristokratisch diese auch sein mag) denn wir gehören nun einmal zu denselben Käuzen, welche dem wirklichen Champagnerweine unwandelbar treu geblieben sind und ihm trotz des Lockens seiner zahlreichen Nebenbuhler nach wie vor die Krone im Reiche der schäumenden Kinder des Bacchus znerkennen. — Wie entsteht dieser Trank aller Tränke, diese herrliche Lethe, dieser vom Olymp den Menschenkindern geoffenbarte Nektar? Das mag sich schon so mancher unserer lieben Leser, so manche unferer holden Leserinnen gefragt haben, wenn der schäumende Sekt im Spitzglase steigt oder sich brausend in die Trinkschale ergießt. Wir wollen unser Licht nicht unter den Scheffel stellen, sondern es zu Nutz und Frommen aller Wißbegierigen leuchten lassen und hier kurz die wichtigsten Vorgänge der echten französischen Champagner-Erzeugung beschreiben.
Die Fabrikation beginnt in der Champagne gewissermaßen schon bei der Auswahl der Trauben. Während in anderen Ländern nicht selten irgend ein beliebiger Weinbeerensaft zu Schaumwein verarbeitet wird, geht der Fabrikant der besseren französischen Sorten bei der Wahl des Rohmaterials mit größter Sorgfalt zu Werke. Der von der Kelter kommende Most wird niemals allein benutzt, sondern stets mit anderen Mostarten vermischt, eine Arbeit, welche große Erfahrung voraussetzt. Der
gemischte Most kommt nun, wie bei der gewöhnlichen Weinbercitung, in den Gährkeller, wo er bis zum Ende der Währung liegen bleibt. Sodann setzt die hauptsächliche Spccialbehandlung ein. Im April oder Mai wird der Wein, natürlich nur in völlig klarem Zustande, auf Flaschen gefüllt. Da diese einen sehr hohen Druck auszuhalten haben, müssen sie fehlerlos und aus besonders starkem Glase hergestellt sein. Sie werden vor dem Gebrauche auf ihre Haltbarkeit geprüft und mindestens einem Drucke von 20 Atmosphären unterworfen. Ebenso wichtig ist es, daß auch nur Korke bester Qualität Verwendung finden. Da der Jungwein gewöhnlich nur 0,5—0,8 pCt. Zucker enthält und diese Menge nicht ausreicht, um durch Gährung eine lebhafte Entwickelung von Kohlensäure zu bewirken — diese ist es ja einzig und allein, die bas Schäumen verursacht — so muß jeder Flasche eine bestimmte Menge von Zucker hinzugesetzt werden. Dieser Zuckerzusatz geschieht in Gestalt des sogenannten Liqueurs. Zur Bereitung desselben wird sehr reiner weißer Kandiszucker in Weißwein gut gelöst und etwas Cognac beigefügt. Je nach dem Ge- schmacke, den der Wein haben soll, setzen einzelne Fabrikanten zu dem Liqueur bisweilen noch Madeira, Porto, Kirschwasser, Himbeergeist oder desgleichen hinzu. Die gefüllten, gut verkorkten und verschnürten Flaschen werden jetzt, mit dem Halse etwas nach unten geneigt, in einem Keller von 15—26 Grad 0. aufbewahrt. Bald wird der Wein von Neuem anfangen zu gähren. Diese Gährung hat den Zweck, die Flüssigkeit mit Kohlensäure zu sättigen und den letzten Rest der Hefe auszuscheiden. Um das in möglichst hohem Grade zu erreichen, werden die Flaschen häufig umgeschüttelt und immer mehr geneigt.
Während dieser Zeit geht ein nicht unbedeutender Theil des Weines durch Springen von Flaschen verloren. Um dies so wett als möglich zu verhindern, stellt man die Flaschen während einiger Zeit aufrecht hin, wobei die Kohlensäure theilweise durch die Poren des Korkes entweicht. Vorher, so lange der Wein den Kork be
rührte, konnte das nicht geschehen. Ein anderes Mittel, diesen Verlust zu verringern, besteht darin, daß man die Flasche in einen kälteren Raum bringt.
Hat sich in den Flaschen aller Absatz am Korke abgelagert, so schreitet man zum „Degorgiren" oder Reinigen des Schlundes der Flasche. Hierbei kommt es besonders auf große Geschwindigkeit und Geschicklichkeit an. Der Arbeiter löst zunächst die Verschnürung, wobei er jedoch die Flasche in ihrer alten, mit dem Halse nach unten gerichteten Lage läßt,' beginnt dann der Kork, sich zu heben, so richtet er die Flasche allmählich auf, sodaß sie beim Ausstößen des Korkes schräg nach oben gerichtet ist. Hierdurch wird das Ausfließen des Weines auf ein Minimum beschränkt. In demselben Augenblicke, wo der Kork davonfliegt, steckt der Arbeiter einen Finger in den Flaschenhals, um die noch daran befindliche Hefe zu entfernen, und schließt dann die Flasche wieder. Alles das mutz natürlich das Werk eines Augenblicks sein.' Der Wein ist jetzt moussirend, aber ungenießbar, da die Säure des Weines mit der Kohlensäure zusammen einen sauren Geschmack hervorbringt. Erst durch Zusatz von Liqueur wird er schmackhaft und je nach der Menge des- selben stärker oder milder, strenger oder süßer. Den beim Oeffncn verloren gegangenen Wein ersetzt man durch Hinzufügung derselben Sorte aus einer anderen Flasche. Ist die genügend gefüllte Flasche mit gutem Korke unter Hülfe von Bindfaden und Eisendraht fest verschlossen, so muß sie doch noch mindestens einen Monat lang häufig umgeschüttelt werden, um eine möglichst gleichmäßige Vertheilung des Liqueurs herbeizuführen, der sonst in Folge seiner Schwere sich nicht in gehörigem Maße mit dem Weine vermischen würde. Erst nach Ablauf dieser Frist ist der Wein zum Versandt fertig.
Bei der Fabrikation des Schaumweins gilt äußerste Reinlichkeit als Hauptbedingung, um ein befriedigendes Resultat zu erzielen. Außerdem müssen die Lagerkeller gut gelüftet und gegen Temperaturschwankungen und Luftzug geschützt sein.
Will man besonders gute Sorten Wein erhalten, so.
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