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Ul» 490. Red»kti.ns.Fernfprecher No. 52. KnMKttg» de« 25.
BerlagS-Fernsprecher No. 2266.
1902.
Morgen-Ausgab e.
Kür Wovember xmb Dezember
aus dar
„Wiesbadener Tagblatt"
zu abonniren, findet sich Gelegenheit
im Vertag Kanggasse 87. bei den Ausgabestellen, de» Imeig - Grpeditione«
der Nachbarorte,
und d»i sammtlichrn deutschen Keichspostanstatten.
Die folfien du Kesiuhs der Kmeigueule.
Die Burengenerale haben Berlin wieder verlassen und damit sind die stürmischen Wogen der Begeisterung, mit denen die braven Kämpen überall in überschweng. licher Weise begrüßt wurden, auch wieder zurückge- gangen. Während der Anwesenheit der Transvaalhelden war es kaum möglich, sich ein unbefangenes Urtyeil über die Sache selbst und viel weniger noch über die mannigfachen Unter, und Nebenströmungen zu bilden, so sehr wurde man unwillkürlich durch den allgemeinen Enthu- stasmus beeinflußt. Jetzt aber ist es an der Zeit, die Angelegenheit näher zu beleuchten. Warum die Buren nicht vom Kaiser empfangen wurden, darüber ist trotz oder vielleicht wegen aller Ströme von Tinte, die darüber vergossen sind, keine Klarheit gekommen, wogegen ver schiedene Maßregeln der Behörden es deutlich erkennen lasten, daß man von dieser Seite aus die opferfreudige Strömung eher einzudämmen als zu fördern suchte. In diesem Vorgehen, das muß betont werben, geht die Regierung nicht mit dem Volke, ja, letzteres führt es sogar, mit Recht oder Unrecht, das sei dahingestellt, auf den persönlichen Wunsch des Monarchen zurück. Wie dem nun auch sei, die ganze Angelegenheit hat eine peinliche Miß- stimmung erregt, die nicht sobald verschwinden dürfte. Auf der anderen Seite ist zu berücksichtigen, daß das amtliche Deutschland gewisse Rücksichten auf England zu nehmen hat. Es wäre natürlich thöricht, Großbritannien unnöthig zu reizen, doch ebenso verfehlt erscheint es den Vettern über dem Kanal zuviel Zugeständnisse zu machen, und der beste Beweis dafür, daß wir jetzt darin bereits zu wett gegangen sind, liegt in dem Hohn, mit dem die englisch« Presse Deutschland ob „seines muthigen Rück- zuges" überschüttet. Das ist auch nicht der geeignete Weg, um den Briten Achtung vor Deutschland einzuflötzen. Dem Engländer imponirt in der Politik nichts als die brutale Macht und die Bethätigung eines starken Selbst- bewußtsetnS, ein Vertrauen auf die eigene Kraft vermag er in dem augenblicklichen Verhalten unserer leitenden
Kreise selbstverständlich nicht zu finden. Man muß sich ein- für allemal von der Idee losmachen, daß früher erwiesene Liebesdienste in London jemals angerechnet werden, ebensowenig wie verwandtschaftliche Verhältnisse dort ins Gewicht fallen; in letzterer Beziehung ist schon die persönliche Macht des Königs viel zu gering. Glaubt man in England, daß es vortheilhafter sei, gegen als mit Deutschland zu gehen, so wird man dort ohne das mindeste Zögern so handeln, ohne irgend etwas Anderes in Erwägung zu ziehen, und deshalb sollte es das unablässige Bestreben unserer Politik sein, den Engländern beständig zu zeigen, wir könnten sehr gefährliche Feinde sein, es läge also in ihrem Interesse, mit uns gut zu stehen. Durch fortwährendes Nachgeben, durch zarte Rücksichten wird dieses nicht erreicht; in solchen findet der Brite nur das Eingeständniß von Schwäche. Die Folgen des Besuches der Burengenerale sind also keine erfreulichen; nämlich Mißstimmung zwischen Volk und Herrscher, sowie eine Demüthigung vor England, die uns die Schadenfreude anderer „befreundeter" Nationen einträgt und unser Prestige schädigt. W.
Pie drei größeren yelsen-nMuWn Mdikreise nnd die MW Einkmmenfleuer.
Im Anschlüsse an die Reform der direkten Steuern in Preußen, die in den Jahren 1891 bis 1895 durch- geführt wurde, hat bekanntlich auch das Preußische Kommunatsteuerwesen eine durchgreifende Umgestalumg erfahren, nämlich durch die Gesetze vom 14. Juli 1893, über Aufhebung direkter Staatssteuern, welches die Grundsteuer, die Gebäudesteuer und die Gewerbesteuer vom 1. April 1895 ab vom Staate auf die Gemeinden übertrug, während andererseits die Zuwendungen aus der lex Huene an die Stadt- und Landkreise aufgehoben wurden, und, als Abschluß, durch das Kommuualab- gabengesetz vom 14. Juli 1893. Me wichtigsten Bestimmungen des letzteren betreffen das Verhältntß der den Gemeinden nach Vorstehendem zugewiesenen Real- steuern zur Gemeindeeinkommensteuer.
In dem gesammten kommunalen Steuerbouquet steht naturgemäß die Gemeindeeinkommensteuer als die wichtigste nach wie vor an erster Stelle.
Um so interessanter und werthvoller ist eine Nachweisung über die Höhe der procentualen Zuschläge auf die staatliche Einkommensteuer, welche das statistische Anck der Stadt Hannover auf Grund bezüglicher von den einzelnen Städten durch Fragebogen eingezogener Mit- theiluugen zusammengestellt und denjenigen Stadtgemeinden zugesandt hat, welche von den preußischen Städten mit einer Einwohnerzahl von mehr als 50,000 (am 1. Dezember 1900) in den letzten sieben Jahren, also von 1896/97 bis 1902/03, erhoben worden sind. Aus unserer Provinz Hessen-Nassau sind in dieser Nach-
tveisung, welche insgesammt 46 Städte umfaßt, die Städte Frankfurt a. M., Kassel und Wiesbaden enthalten, und zwar mit folgenden Angaben:
Einwohner
am
Proccntualer Zuschlag auf die staatl. Einkommcusteuer.
I.Dcz. 1900
96/97
97/98
e8 /9e
99 /00
00 /oi
01 /02
°-/o-
l
70
70
70
70
70
70
70
288,939 j
bis
bis
bis
bis
bis
bis
bis
l
100
100
100
100
100
100
100
106,034
96
96
96
96
96
96
96
86,111
90
90
90
90
90
90
90
Frankfurt. .
Cassel . . .
Wiesbaden
In welcher Weise diese unsere fünf größten hessen- nassaurschenStadltreise mit ihren angegebenenZiffern des Jahres 1902/03 sich unter die übrigen 43 preußischen Städte der in Rede stehenden Einwohnerzahl einreihen,, sei in Folgendem kurz klar gelegt:
Zunächst gehen von den 46 in Betracht kommenden Städten zwei ab, deren procentualer Zuschlag für 1902/03 zur Zeit des Abschlusses der Ermittelungen des statistischen Amtes der Stadt Hannover noch nicht bekannt war (Posen und Gleiwitz). Es bleiben also 44 Städte. Davon haben
4 Städte niedrigere Gemeindeeinkommensteuer als die staatliche (Wiesbaden 90pCt., Kassel 96 PCt., Charlottenburg 97 pCt., Frankfurt a. M. 70—100 pCt.). In Frankfurt am Main werden von der Einkommensteuer je nach der Höhe des Einkommens 70—100 pCü, erhoben;
7 Städte gleichhohe Einkommensteuer wie die staatliche (Berlin, Schöneberg, Görlitz, Bonn, Münster, Potsdam, Ltegnitz, sämmtlich 106 pCt.);
7 Städte 101 bis einschließlich 124 pCt. (Kölw, Hannover, Linden je 110 pCt., Altona, Bochum, Beuthen je 120 pCt. und Aachen 123 PCt.);
8 Städte 126 bis einschließlich 149 PCt. (Stettin und Osnabrück je 130 pCt., Breslau 134 pCt., Halle 135 pCt., Magdeburg 136 pCt., Düssel- darf 140 PCt., Erfurt 143 pCt. und Brombera 146 PCt.);
12 Städte 150 bis einschließlich 199 pCt. (Rixdorf 150 PCt., Dortmund und Duisburg je 160 PCt., Krefeld 167 PCL, Frankfurt a. O. 170 PCt., Bielefeld 176 pCt., Kiel und Remscheid jo 180 pCt., Spandau und München-Gladbach jo 185 PCt., Danzig 188 pCt. u. Hagen 195 PCt.):
6 Städte 200 und mehr Procent (Essen, Elber- seid und Barmen je 200 pCt., Königsoera 202 PCt., Elbing 210 PCt. und Königshütt« 225 pEt.).
~ 44 ~
Feuilleton.
Modernes Cyklopenthum.
Bon M. Folticiueauo (Berlin).
II.
I« Preußen kennt man offiziell sechs Abarten des EisenS: 1. DaS Roheisen, daS seiner Bestimmung nach Gießerei-, Puddel-, Bestcmer» oder Thomasrohetseu genannt wirb. 2. Gußeisen, das aus einer Umschmelzung des Roheisens hervorgeht. 8. Das Schweitzeisen, das früher Schmiedeeisen genannt wurde, und in Puddelöfen hergestellt wird. 4. Der Schweißstahl, ist dem Schwciß- eisen nahe verwandt. 5 . und 6. Flußetsen und Flußstahl, sind ebenso nahe verwandt, wie die beiden vorhergehenden Sorten untereinander, und werben in flüssigem Zustande mittels des Bessemer-, Thomas- oder Martinverfahrens gewonnen. Der Unterschied zwischen Schweihund Flutzeisen einerseits und Schweiß- und Flußstahl andererseits besteht nur darin, daß der Stahl härtbar ist. Deshalb ist die ganz willkürliche Scheidegrenze ausgestellt worden, daß schmiedbares Eisen als Stahl gilt, wenn seine Zerreißbarkeit über 50 Kilogramm pro Ouadratmillimeter beträgt; leichter zerreißbares Schmiedeeisen heißt, je nach seiner Herstellung, Schweiß- ober Flußetsen. Thatsächlich verdrängt daö härtbare Eisen oder der Stahl das weiche Eisen immer mehr.
Doch waS sind Thomas-, Beffemer» und Martinverfahren? Das Bestemerverfahren ist das älteste. Beginnen wir also mit diesem. Bis 1856 wurde Stahl durch Pudbeln hergestellt. DaS Roheisen wurde in einem Puddelofen nochmals geglüht. Sobald daö Eisen weich zu werden begann, mußte es der Puddler mit der Rührstange umrühren, so daß möglichst alle Theile der Masse mit dem Feuer in Berührung kamen, damit die im Eisen enthaltene Kohle sich oxydire. Nach dieser Operation, die auch heute noch zur Darstellung des Schweitzeisens angewendet wird, kommt der Eisenklumpen oder die Luppe unter den Luppcnquctscher, die Luppenmühle oder einfach unter den hydraulischen Hammer, der dem unförmlichen Klumpen eine Gestalt gtebt und außerdem etwa 10 bis
Io Procent Schlacke herauspreßt. Bessemer fand das Verfahren der Verwandlung von Roheisen in Schmiedeeisen und die Ueberführung des letzteren in Stahl zu umständlich und zu kostspielig; außerdem war die Kohlung des Stahles keine konstante. Deshalb versuchte er Roheisen direkt in Stahl zu überführen, indem er dem flüssigen Roheisen stark komprimirte Luft in feinen Strahlen zuführte und dadurch die Entkohlung des Roheisens durch Verbrennung der Kohle bewirkte. Die ganze Operation dauert durchschnittlich nur etwa fünfzehn Minuten, und die Masse wird trotz der Zuführung der kalten Luft durch die Verbrennung des Siliciums zu Kieselsäure in flüssigem Zustande erhalten. Die Schwierigkeit der Lösung seines Problems bestand darin, daß bei der Kürze des Verfahrens und bei der energischen Einwirkung des Sauerstoffes, der die Kohle oxydirt und das Silicium löst, auch ein Theil des Eisens oxydirte, wodurch die Qualität des Stahles merklich herabgesetzt wurde; das Produkt war brüchig. Nach vielen endlosen Versuchen, die Millionen verschlangen, kam er endlich darauf, leicht oxydirendes Mangan in die Retorte oder die Birne zu bringen, in welche das geschmolzene Eisen geleitet wird. Das Mangan verhindert die Oxydirung des Eisens und verbessert dadurch die Qualität des Stahls.
Sobald die Bessemerbirne oder der Converter in liegendem Zustande mit geschmolzenem Eisen und Man- gan gefüllt ist, wird die Birne aufgerichtet und die Luft durch den durchlöcherten Boden der Riesenretorte eingc- blasen. Sofort beginnt die flüssige Masse unter großem Lärm zu kochen, da die Verbrennung des Kieselstoffes zu Kieselsäure eine ungeheure Hitze entwickelt. Das Verfahren zerfällt in drei Abschnitte, deren Beendigung durch das Spektrum der äußerst hellen Flamme, die zum Halse der Birne hinausschlägt, beobachtet werden kann. Neuerdings wird die Oxydation so weit getrieben, daß die gesummte Kohle verbrennt, sodaß man gänzlich entkohltes Eisen erhalt, was im Spektrum ersichtlich wird Nun wird die Birne wieder wagerecht gelegt und dem kohlen- freien Elsen so viel geschmolzenes kohlenretches Spiegeleisen Angeführt, als der StahlKohle enthalten soll, woraus die Birne wieder aufgerichtet und die Vermengung durch daS Lustgeblase während zwei Minuten ansgesührl ivtrd Die Masse bleibt bann in ber umgelegten Retorte einige
»auiuien ruyig ,rcyen, oamlt dte noch vorhandenen Gase entweichen, und wird schließlich in Formen gegoffen.
Dieses sauere Verfahren, so genannt, weil Kiesel- saure dargestcllt wird, konnte in Deutschland eine nur sehr beschrankte Anwendung finden, da die deutschen Eisenerze viel Phosphor enthalten. In der Theorie war me Frage der Anwendung des Bessemerns auf Phosphor- haltiges Eisen längst gelöst. Durch den Zusatz einer Base oder ernes kohlensauren Salzes ließe sich die Phosphor, saure leicht binden, wie jeder Chemiker wußte, allein dre frerwerüende Kieselsäure zerstörte die Auskleidung der Bessemerbirne. Da fand der Büreauschreiber Thomas in London des Räthsels Lösung. Von der Metallurgie verstand er gerade so viel, als er in öffent- lichen Vorlesungen gehört hatte; er war jedoch ein of ener Kopf und vermochte selbständig zu denken. Er schlug vor das feuerfeste „Futter" der Bessemerbirne mit einem knetbaren Gemisch von geglühtem Dolomitstein - der aus kohlensaurem Kalk und kohlensaurer Maanelia (Bittersalz) besteht - und Theer zu bekleiden, ww auch der geschmolzenen Roheisenmasse 10 Procent Kalk mr Bindung des Phosphors hinznznfügen Der Erfinder war indesien ein Wotkenkuckucksheimer. Ein Belaier Tasquin hieß der brave Mann, der in nördlichen Franks reich eine Hütte leitete, hatte ihm das Verfahrt, für 60 Pfund Sterling abgekauft, und der arme Thomas war so erfreut über den Handel, wie Hans im Glück. Er be. das Geschäft mit einer Flasche Champagner unü
^ s, e ^ t Vü' euett Ueberzteher. Nachher war er allerdings durch Schaden klug geworden. Ans Deutsch, land allem zog er für seine Idee drei Millionen Mark Doch erfreute er sich nicht lange seines Glückes. Bald nach seiner Erfindung starb er 1878, kaum 28 Jahre alt an der Schwindsucht. Seit diesem Jahre aber nahm diö Elscnmdustrie in Deutschland einen mächtigen Auf»
Bei dem Thomas-Verfahren, das man den basischen Prozeß nennt, wird genau so und mit denselbenApparaten gearbeitet, wie bei dem Bessemer sauren Prozeß; mit dem Unterschiede jedoch, daß die Birne mit der asphalt. artigen Masse ausgekleidet oder gestampft und daß dem Roheisen je nach seinem Phosphorgehalt zehn bis zwanzia Procent Kalk zugesetzt wird. Zur Darstellung von zehn
