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Verlag Langgaffe 21

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Mittwoch, 28. Juli 1915.

Kbend-Kusgabe.

Nr. 346. * 63. Jahrgang.

Der Krieg.

weitere 1000 Gefangene in Kurland weitere Zortfchritte bei Koshan. Die russischen Gegen­angriffe am unteren Narew wieder völlig ge­scheitert. 2800 Gefangene, pierunow vor Warschau gestürmt.

Der Tagesbericht vom 28. Iuli.

W■ T.-B. Großes Hauptquartier, 28. Juli. (Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz.

Nordwestlich von E o u ch e z wurden einzelne von früheren Kämpfen in der Haud der Franzosen befiudliche Teile unserer Stellung nachts von schlesischen Truppen erstürmt. 4 Maschinengewehre sind erbeutet.

Ja den Vogesen fanden in der Linie Lingekopf- Barrenkopf erbitterte Kämpfe statt. Französische Angriffe wurden durch Gegenstoß nach mehrstündigem Nahkampfe zurückgeschlagcn. Dabei sind auch die vorgestern abend v e r l o r e n gegangenen Gräben am Lingekopf bis auf ein Heines Stück von uns zurückgenommen.

Gestlicher Kriegsschauplatz.

Zwffchen M i t a u und N j e m e n wnrden gestern noch etwa 1000 versprengte Russen zu Gefangenen gemacht.

Östlich und südlich von Roshan schreitet «nser An­griff vorwärts. Goworowo wurde genommen.

Nördlich von S e r » ck, beiderseits dcS Narew und süd- lich van Na s i e l o k, setzten die Russen ihre Gegenan­griffe fort. Sie scheiterten völlig. Der Feind ließ hier und bei Roshan 2500 Gefangene und sieben Maschinengewehre in unserer Hand.

Bor Warschau wurde westlich von B l» u i r der Ort Pierunow von uns e r st ü rmt. In der Gegend südwest­lich von G o r a - K a l w a r i a wird gekämpft.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Dir Lage bei den deutschen Truppen ist i» Allge­meinen unverändert. Oberste Heeresleitung.

Pierunow liegt 24 Kilometer weltlich von der Frontlinie von Warschau.

Ein mißglückter Rettungs­versuch.

Den gegenwärtigen Entscheidungskamps auf dem östlichen Kriegsschauplatz erkämpft die russische Armee aus der inneren Linie. Dieser Kampf bot zwei Möglichkeiten für die russisch? Heeresleitung, entweder den befreienden Durchbruch oder den rechtzeitigen Rückzug ^aus eine bereits vorbereitete rückwärtige Stellung. Sie wählte den Durchbruch. Dieser Durch­bruch war nach der letzten deutschen Meldung russischer- siits groß und einheitlich angelegt, aber die Durchführung scheiterte vollkommen. Sein Zweck war, die siegreich vorgedrungenen deutschen Armeen über den Narew zurückzuwerfen, die verlorenen Festungen Roshan und Pultusk zurückzuerobern und Nowo- georgijewsk von der deutschen Umklammerung zu be­freien. In richtiger Erkenntnis, daß Gewaltiges nur mit gewaltigen Kräften geleistet werden kann, wurde die russische Offensive auf einer Frontvon60 Kilo­meter unternommen, mithin einer Ka-mpfftärke vo-n mindestens zehn Armeekorps. Das ist eine gewaltige Kraftanstrengung und beweist, daß die russische Heeres­leitung den atemberaubenden eisernen deutschen Ring an der Narewfront sprengen wollte, ohne Ansehen der Verluste, koste cs, was es wolle. Woher diese gewal­tigen Truppenmassen herangöschafft worden sind, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Es ist wohl anzu­nehmen, daß es „ad hoc" zusammengestellte Truppen waren: Trümmer der Besatzungen Pultusk und Roshan, Hauptreserven der noch intakten polnischen Festungen, auf der Petersburger Bahn über Bialoftock herange­worfen, oder Halbausgebildete. die teils bewaffnet, teils auch nicht, durch den Druck einer Menschenlawine wirken sollten. Aber auch diese riesige Kraftanstrengung zerschellte an der deutschen Offensivkraft. Aus der Angriffslinie: Goworowo.Wyswock-Serok wurden die Russen auf dem Novdflügel östlich und südöstlich -von Roshan zurückgeworfen, verfolgt von den deuffchen Truppen, während der Südflügel noch das nördliche Bugufer verteidigt. Es dürfte nur eine Zeiffrage sein wie-lange hier der russische Widerstand .dauern wird. Gelingt es den deutschen Truppen — und wer wollte daran zweifeln? — die Russen zu einem Ufer­wechsel am Bug zu zwingen, so nähern sie sich immer mehr der strategisch wichtigen Bahn st recke Peters­bur g - B i a l o st o ck - W a r s ch a u. Ein weiterer Hinweis über die Bedeutung derselben, als Lebens­nerv für die großen Weichselfeftungen, erscheint über­flüssig. Sie wird am hellsten beleuchtet durch die

gestern gemeldete gewaltige Anstrengung des russischen Heeres. Sie zielte letzten Endes darauf hin, den Deutschen die Zugänge zu den russischen Lebensadern zu versperren. Immer näher kommen die deutschen Truppen dm hauptsächlichsten Brückenköpfen des Bug. Diese liegen bei den Städten W y s z k o w, S e r o k und weiter stromaufwärts bei Brok. Fallen diese Brückenköpfe in die deutsche Siegerhand, hemmt der Bug nicht mehr den deutschen Vormarsch, so ist das Schicksal Warschaus endgültig besiegelt. Dies wird von neutralen Zeitungsftimmen eben­falls vorausgesehen, auch von den uns weniger freund­lichen, welche noch vor wenigen Tagen an eine zweck­mäßige Umgruppierung des ruffischen Heeres geglaubt haben und von dem überragenden Genie eirres bisher noch unbekannten russischen Generals sprachen, dem diese Umgruppierung glücken sollte. Mit dem gestrigen schweren Schlage hat die russische Heeresleitung der Welt vor Augen geführt, daß sie nicht gedenkt, die Weichsellinie kampflos anfzu- geben, daß sie entschlossen ist, zu kämpfen bis zum letzten Hauch von Mann und Roß. Dies ist ein neuer Be­weis der russischen Tapferkeit, die wir bisher immer nur lobend als ehrliche Feinde, wie wir es sind, aner­kannt haben. Ob der Entschluß des russischen General- stabes ein richtiger war, das ist eine andere Frage. Hierüber kann man im jetzigen Augenblick noch kein abschließendes Urteil fällen. Nimmt man den E r - folg Äs den Gradmesser der Beurteilung aller Ent­schlüsse und Anordnungen, so muß nach dem bisherigen Ergebnis mit einem „Nein" geantwortet werden. Aber gewichtige Gründe werden die russische Heeres­leitung veranlaßt haben, sich im Bug-Narew-Wbschnitt von neuem zu stellen. Sie siegen auf politischem Gebiete, denn Warschau fft die dritte Hauptstadt Rußlands. Sehr bald werden wir sehen, ob es nicht hveckncäßig gewesen wäre, die Gründe des Prestiges hinter denen der militärischen Notwendigkeit zurück­treten zu lasten. Man wird an der Hand der bisherigen deuffchen Erfolge vielleicht binnen kurzem sagen können: .Zu spät". M.

Zur Einnahme von Nozan und pultusk.

(Telegramm unseres zum Ostheer entsandten Kriegs­berichterstatters.)

•matam, 24. Juli. (Jens. Wn.)

Das effte Vorwerk von Rozan siel am 19. Juli, süd­deutsche Truppen stießen in einem unerhört tapferen, 1600 Meter langen Sprung vorwärts und nahmen Höhe 132 links und rechts der Reichsstraße Puktusk-Rozan. Die ge­nommene russische Stellung nmrde sofort als deutsche Sturm­stellung ausgebaut. Sie ist keine 3 Kilometer von Rozan entfernt; durch das Scherenfernrohr konnte ich deutlich die roten Dächer und Giebel von Rozan erkennen, ebenso die hohen Erdwerke von Fort 234, hinter denen die Ziegeldächer von Kasernenbcmten ziemlich unvorsichtig leuchteten. Die hübsche alte Kirche, auf deren Turm die russisch: Artrllerie- beobachtung war, wurde mit 40 Schuß zertrümmert.

Am 22. wurde von norddeutschen Truppen Höhe 105 <ro nommen., von Höhe 132 konnte ich deutsch die vernichtende Wirkung unserer ganz schweren Artillerie beobachten, von der fast jeder Schuß saß. Gegen 2 Uhr zeigten die Russen eine weiße Fahne, über 500 wurden gefangen genommen. Die Höhe 132 hatte derweilen ziemlich heftig unter russischem Artilleriefeuer zu leiden, die Granaten gingen dicht neben den Graben, der, weil sein: Front natürlich verändert worden war, keinen guten Schutz bot.

Am 23. wurde Höhe 118 gegen 10 Uhr innerhalb 10 Minuten genouwrcn. so daß der Kranz von festen Vor- stellungen vor Rozan heute in deutscher Hand ist Gleich- zeitig begann in der Nacht vom 22. zum 23. die Beschießung von Pultusk mit ganz schweren Kalibern, und der Narewübergang wurde artilleristisch mit ungeheurer "lucht vorbereitet. Unter dem Dröhnen der allerschloersten Geschütze schien die ganze Keine Stadt M a k o w zu erzittern, die entsetzten Einwohner flüchteten in die Keller. Die schein­bar jedenfalls nicht erhebliche Artillerie der Festung wurde so niedcrgehalten und die russischen -Stellungen südmestlich von Bobh mit schwerstem Kaliber zugedeckt, ebenso wie der Brücken, köpf von Chmeliewo, der sestungsähnlrch ausgcbaut war und den Übergang über den Narew deckte. Gegen Mittag des 23. war das rechte Narewufer hier und an zwei Stellen oberhald in der Hand der Stürmenden, und die Pioniere begannen unter feindlichem Feuer mit dem Brückenschlag. Unweit Gejo sah ich die wackeren nackten Pioniermannschaffen, wie sie ihre Schiffsbrücke über den Narew eben °crtig bekamen. Die Sonne glänzte auf den weißen Körpern. Das russische Infanterie- und Maschinengewehrfeucr am aiideren Ufer ioar von der vorgczogenen Feldartillerie zum Schweigen gebracht worden. Es war ein schönes Bild, das da heraufleuchtete aus dem grünen Waldtal des Narew. Umso furchtbarer wirkten ein paar Kilometer weiter auf der Straße nach Pultusk die genommenen russischen Brückenkopfstellungen. Bei Grudisk und Ostinogera habe ich den Erfolg der deutschen Artillerie sehen können und meinte, stärkere Wrrkuirg gäbe es nicht. Dies hier war grauenvoller, ganze Grabenstücke waren bis oben mH Toten und Sterbenden und Schwervruv-undcien, die sich in die erhaltenen Teile gerettet hatten, buchstäbliche gefüllt. Das Feld lag voll Toter und Verwundeter, die nach Wasser schrien. Russische Gefangene und deutsche Sanitätsntannichaften ar. beüeten mit allen Kräften, HU.se zu bringen. Wieder be.

wunderte ich die unermüdliche Arbeitskraft der deutschen Sanitätsmaunschasten, von denen uh in diesen Tagen Wunder der Todesverachtung gesehen habe. Die russischen Verluste müssen hier über jedes Maß gewesen sein. Erstaunlich bleibk nur, daß die prachtvoll stürmenden deutschen Bataillone überhaupt noch Widerstand fanden, nach­dem die Artillerie die Stellung einfach zu Klumpen zerschlagen hatte.

Am Narew unten war inzwischen die Pionker - brücke fertig geworden, und die erste Kompagnie überschritt! den Fluß. Russisches Maschinengewehr- und Jnfanterieseuer setzt wieder ein, aber die Artillerie belegte den Waldrand so dicht, daß es bald verstummte. Unten am Narewufer hinten einer kleinen bebuschten Insel lagerten inzwischen in den Abendsonne die Kompagnien, die übergeheii sollten. Bon Dunst. Rauch und dein Jarmner des «chlachffcldös war hier nichts zu spüren. Der Fluß zog still sich verbreiternd und wieder verengend zwischen den schönen grünen Waldufern. Die Seaite, m allerbester Laune, konnten kaum erwarten, den Narew zu überschreiten. Sie verschwanden drüben im Wald. Der war auch hier erzwungen. Nachdem so am 23. die Vorstellungen beider Festungen in unserem Besitz waren, wurde heute Rozan i.nd Pultusk von den Russen geräumt. Der wichtige Teil! der Narewkinie ist fest in unserer Hand.

Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.

In Kngst vor einem deutschen Angriff auf Krchangel.

Strenge Maßnahmen zum Schutz der Schiffahrt im Weißen Meer.

W. T.-B. Petersburg. 28. Juli. (Nichtamtlich.) Das Martneministerium macht strenge Vorschriften für bte Schiffahrt -. m Weißen Meer bekannt. Zum Schutz vor einem deuffchen Angriff auf Archangel sind viele Minen gelegt und Küstenbatterien dorthin verlegt worden.

Matznahmen gegen das russische Tyrannen system. Entziehuug des BriefverkrhrS für kriegsgeiangenr Russe«, Eine österreichisch-ungarische Protrstnote.

Br. Wien, 28. Juli. (Sig. Drahibericht. Zeus. An.), Nachdem die russische Militärverwaltung nachgewiesener, maßen nicht nur beinahe jede Fürsorge für den P o st v e r - kehr der Kriegsgefangenen in Rußland vermisse« läßt und auch wiederholte Borstellimgen im Wege des Rote« Kreuzes und durch einen neutralen Staat nicht zur Kenntnis genommen hat, wurde nunmehr zu Gegenmaßnahmen geschritten. Vorläufig wurde einem russischen Kriegsge- fangenenlager der Briefverkehr mit ihren Angehörigen bis auf weiteres verboten. Diese Maßnahme wird auf sämtliche Lager ausgedehnt werden, wenn nicht in kurzer Zeit die schwere Lage unserer Kriegsgefangenen eine derartige Erleichterung erfährt, daß ihnen eine geregelte Postver­bindung mir der Heimat gewährleistet wird. Die österreichisch-, «ngarffche Regierung hat ferner in Petersburg eine befristete Protestnote gegen die entwürdigende Behand­lung unserer kriegSgefangenen Offiziere überreichen laffen, denen, abgesehen von unzulänglichen Untrrkunftsorten, bis zum Hauptmaunsrange die Offiziersgradabzcichen abge­nommen wnrden. Da bis zum 21. Juli eine Antwort nicht eingetrosfen ist, werden die in unserer Gefangenschaft befind­lichen Offiziere innerhalb 24 Stunden die russischen Offiziers- gradabzeichen abzulegrn haben.

Ein ungarischer eiserner King für unseren Karfet,

Berlin, 28. Juli. (Zens. Bln.) Die „Boss. Ztg." berichtet nach dem „Pester Lloyd", daß der Budapester Augufte-Fonds für rasche Hilfeleistung im Krieg Kaiser Wilhelm einen künst­lerisch ausqesührten eisernen Ring mit einer von 100 Ungarn Unterzeichneten, von Frau Grete Herzog verfaßten Huldr- gungsadresie gesandt habe. Der deutsche Botschafter in Wien bat darauf auf Ersuchen des Kaisers an die Leitung des Auguste-Fonds ein Dankschreiben gesandt. In dem Wid­mungsgedicht heißt es zum Schluß: Der eiserne Ring in eiser­ner Zeit, als Sinnbild von Ungarns Treue geweiht, Dir, zremt er, dem Kaiser und Helden!

Kaiserin und Kronprinzessin in Dstpreutzen.

Br. Königsberg, i. Pr., 28. Juli. (Eig. Trahkbericht. Zens. Bln.) Die Kaiserin ist heute früh in Allenstein enr- gctroffen, wo die Kronprinzessin zur Begrüßung in ihren Zug stieg. In Allenstein fand auch der Empfang des Feldmarschalls v. Hindenburg statt. Sodann erfolgte die Weiterreise nach Neidenbnrg.

Lin gefährliche; Spiel mit dem Zeuer.

Von Dr. Müller-Meiningen, M. d. R.

Die neueste amerikanische Note verbirgt hinter formÄer, Profess oraler, theoretisierender Maske, die eigensinnig und absichtlich alle wichtigen Tatsachen im Falle „Lusitania" ignoriert (Hilfs- krsuzereigenschaft, Bewaffnung, Munitionstransporck, Flaggcnbetrug, deutsche Warnung usw.), offene, und zwar gefährlichste Parteinahme für die Sache des Vierverbandes.

Die amerikanische Regierung tut insbesondere, als wenn der offizielle englische Flaggenmißbrauch in Verbindung mit der prämiierten Bewaffnung von Handelsschiffen nicht vorhanden sei. Sie verlangt, obwohl keine Woche vergeht, ohne daß Fälle des Rammens oder des Versuchs daM bewiÄen gjer?